Jakob Riedinger

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Prof. Dr. Jakob Riedinger (* 3. April 1861 in Schwabheim/Kreis Landau in der Pfalz; † 17. Februar 1917 in Wiesbaden) war Professor für Orthopädie, Gründer einer orthopädischen Fachklinik in Würzburg und ein Pionier der Behindertenversorgung in Deutschland.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Jakob Riedinger wurde als Sohn des aus einer Lehrer- und Organistenfamilie stammenden Schneiders und Besenwirtes Ferdinand Riedinger geboren. Jakob absolvierte 1881 sein Abitur in Landau und studierte, finanziell unterstützt von seinem älteren Stiefbruder Ferdinand [1], anschließend Humanmedizin in München, Marburg sowie Erlangen, wo er im Juli 1886 promovierte, im Wintersemester 1886/87 sein Examen bestand und im Februar 1887 die ärztliche Approbation erhielt. Als Student lernte er im Sommersemester 1884 die Försterstochter Elisabeth Großkurth kennen. Aus dieser Beziehung stammt der Anfang 1885 unehelich geborene Karl Großkurth. Die Vaterschaft wurde verleugnet und Riedinger blieb zeit seines Lebens unverheiratet. Jakob Riedinger kam 1887 nach Würzburg, wo er bis 1890 als Assistent an der Chirurgischen Klinik Juliusspital tätig war. Er wohnte damals in der Haugerpfarrgasse. 1891 wurde er leitender Arzt des in der Strohgasse 11 (heute Heinestraße) befindlichen Medico-mechanischen Instituts mit der daran angeschlossenen Wirsing'schen Badeanstalt, baute das Institut aus und erwarb es ein Jahr später. Ebenfalls 1891 errichtete er eine Privatklinik in der späteren Erthalstraße 3 als „Heimstätte für Unfallverletzte und chirurgisch-orthopädische Heilanstalt“, der er auch eine orthopädische Werkstatt hinzufügte. 1899 wurde Riedinger Ehrenmitglied des Bezirksvereins.

Professor in Würzburg[Bearbeiten]

Riedinger erhielt (nach Abschluss des 1896 beantragten Habilitationsverfahrens) am 19. August 1901 die Lehrbefugnis für „Orthopädie und Mechano-Therapie“ und nach Vorschlag durch Eugen Enderlen und 1907 erlassenem Dekret wurde er am 1. Januar 1913 planmäßig zum außerordentlichen Professor an der Universität Würzburg ernannt. Riedinger gehörte 1902 zu den Mitbegründern der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und gab ab 1903 das „Würzburger Archiv für orthopädische Mechano-Therapie und Unfallchirurgie“ heraus.

Ab 1906 begann Riedinger sich für die Eingliederung behinderter Kinder und Jugendlicher zu engagieren und öffnete seine Privatklinik auch mittellosen Kindern des Landkreises Würzburg. Im April 1909 war er an Gründung der „Deutschen Vereinigung für Krüppelfürsorge“ (später: Deutsche Vereinigung für Rehabilitation) beteiligt. Im Gefolge der Aktivitäten Riedingers kam es am 11. Oktober 1914 zur Gründung des Unterfränkischen Vereins für Krüppelfürsorge e.V., der im gleichen Jahr Riedingers Anstalt käuflich von ihm zu einem weit unter dem Schätzwert liegenden Preis erwerben konnte. Im Ersten Weltkrieg diente die Klinik zunächst als Lazarett.

Klinikgründung in Würzburg[Bearbeiten]

1914 entstand der Plan für den Bau einer neuen Klinik und der Unterfränkische Verein für Krüppelfürsorge erwarb am 4. Januar 1915 ein entsprechendes Grundstück an der Brettreichstraße. Mitte 1916 wurde die neue orthopädische Klinik unter ihrem Direktor Riedinger eröffnet und erhielt den Namen König-Ludwig-Haus. 1917 gründete Professor Riedinger, neben seiner orthopädischen Privatklinik in einem Anbau an das König-Ludwig-Haus eine Einrichtung, deren Ziel es war, den aus dem 1. Weltkrieg gekommenen Versehrten ein Zuhause und Werkstätten zur Wiedereingliederung in das Berufsleben zu bieten. Bei einem Aufenthalt in Wiesbaden starb Riedinger an den Folgen eines Schlaganfalls. Sein Nachfolger bis Ende 1918 wurde der außerordentliche Professor Hans von Baeyer (1875-1941).

Posthume Würdigung[Bearbeiten]

Nach ihm wurde die Jakob-Riedinger-Straße im Stadtbezirk Frauenland und das Jakob-Riedinger-Haus, eine Wohn- und Pflegeeinrichtung für körperbehinderte Menschen des Bezirks Unterfranken benannt. Sein Grab [2] wird als Ehrenstätte von der Stadt Würzburg gepflegt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Hinweise und Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ferdinand Riedinger wurde später Chirurgie-Professor in Würzburg
  2. www.knerger.de

Quellen[Bearbeiten]

  • August Rütt und Wolfgang Küsswetter: Entstehung und Entwicklung des König-Ludwig-Hauses (Die Orthopädie in Würzburg im zwanzigsten Jahrhundert), Würzburger medizinhistorische Mitteilungen 1 (1983), S. 125-138; S. 125-130

Weblinks[Bearbeiten]