Synagoge in Allersheim

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Ehemalige Synagoge

Die ehemalige Synagoge in Allersheim steht heute im Fränkischen Freiland-Museum Bad Windsheim.

Jüdische Gemeinde Allersheim

In dem von der Mitte des 16. bis Anfang des 18. Jahrhunderts als Lehen des Hochstiftes Würzburg den Freiherren Geyer von Giebelstadt gehörenden Allersheim bestand eine jüdische Gemeinde bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 16./17. Jahrhunderts zurück.

An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge, eine jüdische Schule, ein rituelles Bad sowie den Jüdischen Friedhof Allersheim. 1768 wurde in einem im Dorf gelegenen Wohnhaus ein jüdisches Schulhaus eingerichtet. Einige Zeit später wurde ein eigener jüdischer Lehrer angestellt. Er erhielt freie Wohnung im jüdischen Schulhaus. Im 18./19. Jahrhundert hatte Allersheim zeitweise einen eigenen Rabbiner, der seine Wohnung im Synagogengebäude hatte.

Durch Aus- und Abwanderung (vor allem nach Würzburg) war die Zahl der jüdischen Gemeindeglieder in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts stark zurück gegangen, so dass bereits in den 1870er-Jahren kein Gottesdienst mehr abgehalten werden konnte. 1901 stellten die beiden letzten Gemeindevorsteher beim Bezirksamt Ochsenfurt den Antrag auf Anschluss der noch in Allersheim lebenden jüdischen Personen an die Gemeinde in Bütthard. Der Antrag wurde genehmigt.

Geschichte

Zunächst wurden die Gottesdienste in Privathäusern abgehalten. Eine Synagoge wird erstmals 1718 in einer Güter- und Feldbeschreibung über den Flecken Allersheim genannt. Das Gebäude wurde 1740/1741 erbaut und war von vornherein als Synagoge mit Wohnung des Gemeinderabbiners und einer Mikwe, dem rituellen Bad, eingerichtet, die sich im Untergeschoß befand. 1829 wurde die Mikwe auf behördliche Anweisung in ein separates „Badhaus“ verlegt. Mit der starken Aus- und Abwanderung jüdischer Familien aus Allersheim war bereits um 1880 das Gemeindeleben rückläufig. Seitdem wurden die Gottesdienste vor allem in der Nachbargemeinde Giebelstadt besucht. 1886 wurde das Synagogengebäude einschließlich der Rabbinerwohnung, dem Badhaus und dem Hofraum von der Israelitischen Friedhofkorporation Allersheim übernommen. Nachdem 1901 die in Allersheim lebenden jüdischen Einwohner sich der Gemeinde in Bütthard angeschlossen hatten, wurden die Ritualien der Synagoge und das Memorbuch zur Synagoge in Bütthard verbracht.

Gemeinderabbiner in Allersheim (Auszug)

Baubeschreibung

Das Synagogengebäude ist ein zweigeschossiger, traufständiger Satteldachbau mit Fachwerkobergeschoss aus der Zeit um 1800.

Heutige Nutzung

Am 8. März 1911 wurde das Synagogengebäude mit Anwesen für 900 Mark an einen Allersheimer Bürger verkauft und zu einem Wohnhaus umgebaut. Das Synagogengebäude blieb auch nach 1945 erhalten, verfiel aber zusehends. 2010 wollte die Gemeinde eine Abrissgenehmigung erteilen, die jedoch an Einsprüchen der Bevölkerung scheiterte.

Museales Exponat im Fränkischen Freilichtmuseum

Zuletzt war der Zustand des Baukörpers immer kritischer geworden, eine Translozierung blieb als einzige Rettung. Dafür wurde das Gebäude von 2014 bis 2015 abgebaut und ins Fränkische Freilichtmuseum nach Bad Windsheim verbracht. Am 3. April 2020 fand der Spatenstich auf dem Museumsgelände statt. Hier soll das Haus ab 2022 als typisches Beispiel einer Landsynagoge das für Franken wichtige Landjudentum repräsentieren und damit die noch bestehende Lücke neben evangelischem Glauben und katholischer Volksfrömmigkeit schließen.

Ehemaliger Standort

Synagoge Allersheim
Hauptstraße 20
97232 Giebelstadt-Allersheim

Siehe auch

Literatur

  • Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, Baudenkmäler in Giebelstadt, Nr. D-6-79-138-66
  • Jutta Sporck-Pfitzer: Die ehemaligen jüdischen Gemeinden im Landkreis Würzburg. Hg. vom Landkreis Würzburg. Würzburg 1988 S. 51-53.

Weblinks

Kartenausschnitt

Ehemaliger Standort
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