Aussichtsturm Frankenwarte

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Frankenwarte (Postkarte, um 1905)
Frankenwarte 1970er

Der Aussichtsturm Frankenwarte ist Würzburgs höchstgelegener Aussichtspunkt auf dem Nikolausberg.

Geschichte[Bearbeiten]

Bevor der Aussichtsturm und die Parkanlage auf der Höhe des Nikolausberges errichtet wurden war dort eine Ödfläche. Nahe des heutigen Turmstandorts befand sich um die Mitte des 19. Jahrhunderts eine große hölzerne Pyramide [1] (im Volksmund Telegraph genannt), die der trigonometrischen Landesvermessung diente. [2]

Der Aussichtsturm entstand durch eine Bürgeraktion. Als weithin sichtbares Symbol der Arbeit des Verschönerungsverein Würzburgs und zugleich als attaktives Ausflugsziel sollte ein Aussichtsturm auf dem höchsten Punkt des Nikolausbergs errichtet werden. Der Plan fand bei der Bekanntgabe auf der Generalversammlung des Verschönerungsvereins am 29. Mai 1890 begeisterte Aufnahme. Das erforderliche Grundstück war vor Jahren von dem Ausschussmitglied und Buchhändler Veit Joseph Stahel erworben worden, der es dem Verschönerungsverein testamentarisch hinterlassen hatte.

Mit der Planung des Aussichtsturmes wurde das Ausschussmitglied Franz Ostberg beauftragt. Die Gesamthöhe des Turmes sollte 42 Meter betragen, eine Wendeltreppe mit 209 Stufen sollte zur verglasten Plattform führen. Noch war die Finanzierung des kostspieligen Unternehmens ungesichert. Von der Ausstellung eines Modells versprach man sich reichliche Spenden. Diese Erwartungen wurden nicht enttäuscht. Die Spenden aus allen Schichten der Bevölkerung gingen in unerwarteter Höhe ein.

Am 19. April 1893 wurde mit dem Bau des Turmes begonnen. Die Leitung hatte der Architekt Franz Ostberg. Die Bauausführung selbst hatte der Würzburger Baumeister Jakob Eberlein übernommen. Im Frühjahr 1894 war der Bau vollendet. Die ihn umgebende Grünanlage wurde von Landschaftsgärtner Carl Oschmann geschaffen. Die Geldmittel reichten aus, um noch im Jahre 1894 das zwischen der Frankenwarte und den städtischen Anlagen am Nordhang liegende Gebiet, der sogenannten „Zürnsruhe“, anzukaufen.

Die feierliche Eröffnung des Aussichtsturm fand unter großer Beteiligung am 30. Mai 1894 statt. Justizrat und erster Vorstand des Verschönerungsvereins Johann Michael Seuffert begrüßte die anwesenden Gäste.

Noch im Jahre 1894 wurde das an den Turm angebaute Unterkunftshaus im Rohbau vollendet. In den folgenden Jahren wurden die erworbenen Grundstück vollständig bepflanzt. Am Turm und an den Gebäuden nahm man verschiedene Verbesserungsarbeiten vor und begann im Frühjahr 1899 einen Erweiterungsbau, der am 8. Oktober eingeweiht wurde. Er enthielt auch eine Wohnung für den Turmwart Josef Kuhn.

Seit Kriegsbeginn im Jahre 1939 war der Turm der Frankenwarte für militärische Zwecke, insbesondere für die Luftaufklärung benutzt worden und dem Zutritt der Bevölkerung entzogen gewesen. Der Wirtschaftsbetrieb war dagegen bis zum Kriegsende bzw. bis zur Besetzung durch die amerikanische Armee in seiner ursprünglichen Bestimmung weitergeführt worden. Bei der Neubelebung des Verschönerungsvereins im September 1952 war die Frankenwarte noch immer von amerikanischen Truppen besetzt und diente einen US-Offiziersklub als Unterkunft.

Im Mai 1954 wurde die Frankenwarte von der amerikanischen Armee dem Besatzungskostenamt, dem späteren Amt für Verteidigungslasten, zurückgegeben und am 28. Mai 1955 nach über 15jähriger Pause für die Bevölkerung freigegeben werden. Die Landpolizei unterhielt in einem Raum des Turmes zunächst noch einen Funkbetrieb. Im Jahre 1957 pachtete der Bayerische Landessportverband (BLSV) die Frankenwarte für eine halbes Jahr, anschließend für 10 Jahre um dort Lehrgänge durchzuführen. Heute beherbergt die Frankenwarte die Gesellschaft für politische Bildung der Friedrich-Ebert-Stiftung. [3]

Baubeschreibung[Bearbeiten]

Das Bauwerk ist ein schlanker überhöhter Rundturm mit weit vorkragender überdachter Aussichtsplattform und aufgesetztem Rundtürmchen mit Zeltdach sowie hoher Wetterfahne, an der Burgenromantik orientierte zwei, bzw. eingeschossige vielgestaltige Anbauten mit unterschiedlichen Dachformen, Giebeln und Türmchen. Der Turm wurde als unverputztes Kalksteinmauerwerk in neugotischem Baustil von Franz Ostberg zwischen 1893 und 1894 erbaut.

Technische Daten[Bearbeiten]

Gesamthöhe: 44,5 m
Schafthöhe: 37,5 m

Öffnungszeiten[Bearbeiten]

Der Turm ist geöffnet:

  • April bis September 8-19 Uhr
  • Oktober bis März 9-16 Uhr

Als Eintritt benötigt man eine 1-Euro-Münze für das Drehkreuz.

Bildergalerie[Bearbeiten]

ÖPNV[Bearbeiten]

Bus.png Nächste Bushaltestelle: Frankenwarte


Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Standort der Pyramide in der Uraufnahme
  2. S. Göbl: Würzburg. Ein kulturhistorisches Städtebild. Kgl. Univ.-Druckerei Stürtz, 7. Auflage, Würzburg 1904, S. 159
    Vergl: Artikel über die Optische Telegrafie bei Wikipedia - also kein echter Telegraf
  3. Pressemitteilung von Willi Dürrnagel, 1. Vorsitzender des Verschönerungsvereins Würzburg e.V. vom 7. Juni 2013 zur Wiedereröffnung des Aussichtsturms Frankenwarte

Kartenausschnitt[Bearbeiten]

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