Hexenprozesse in Würzburg

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Die Hexenprozesse in Würzburg fanden ihren Höhepunkt während des Dreißigjährigen Krieges zwischen 1626 und 1630.

Geschichte

Zwischen 1603 und 1630 gab es zahlreiche Prozesse gegen angebliche Hexen. Alleine in Würzburg gab es mehrere Hexengefängnisse; mögliche Gefängnisse sind hier der Hexenturm in der Ottostraße, der Schneidturm und das Lochgefängnis im Grafeneckart Selbst diejenigen, welche unter Folter nicht gestanden, wurden nicht frei gelassen und später, meist auf dem Scheiterhaufen, hingerichtet. Im gesamten Hochstift Würzburg wird von über 900 Getöteten, in der Stadt Würzburg von etwa 200 Opfern ausgegangen.

Erste Prozesse in der Echterzeit

Das erste bekannte Hexereiprozess im Hochstift Würzburg in der Amtszeit von Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn datiert vom 22. August 1593, als in dem zur Würzburger Zent Arnstein gehörenden Ort Schwebenried Hexereivorwürfe gegen Hans Keller aktenkundig belegt sind. Maximale Strafe war damals die Landesverweisung, häufiger war Freispruch.

Weitere Verfolgungen unter Johann Gottfried von Aschhausen

Fürstbischof Johann Gottfried von Aschhausen galt als erklärter Hexenjäger und ging daran ein eigenes Hexengefängnis zu bauen und Gebete gegen Hexen anzuordnen. Neben Gerolzhofen im Steigerwald, loderten die Scheiterhaufen in Zeil am Main.

Höhepunkt der Hexenverfolgung unter Philipp Adolf von Ehrenberg

Unter dem Fürstbischof Philipp Adolf von Ehrenberg erreichten die Hexenverfolgungen im Würzburger Territorium zwischen 1626 und 1630 ihren Höhepunkt. Beispielsweise wurde 1627 die Apothekerin der Hirsch-Apotheke mit ihrer Tochter auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Die Hexenverfolgung erfasste letztlich Menschen aller Stände: Neben einfachen Leuten, überwiegend Frauen, wurden Adlige, Ratsherren und Bürgermeister verbrannt. 20 Prozent der in Würzburg Verbrannten waren Priester und Ordensleute. Auch der Einsatz für Angeklagte, die der „Hexerei“ bezichtigt wurden, führte zu einem Prozess.

Ende der Hexenprozesse

Erst das Reichskammergericht, der Tod von Philipp Adolf am 16. Juli 1631 und die Eroberung des Gebiets durch den Schwedenkönig Gustav Adolf (1594—1632) im Dreißigjährigen Krieg beendeten die große Zahl der Hexenprozesse.

Letztes Opfer

Im ersten Jahr der Regierung von Fürstbischof Karl Philipp von Greiffenclau wurde Maria Renata Singer von Mossau am 21. Juni 1749 als das letzte Opfer der Hexenverfolgung in Franken hingerichtet. Sie war Nonne und Subpriorin des Klosters Unterzell bei Würzburg.

Siehe auch

Literatur

  • Robert Meier: Hexenprozesse im Hochstift Würzburg. Von Julius Echter (1573-1617) bis Philipp von Ehrenberg (1623-1631), Würzburg 2019. Echter Verlag, ISBN 978-3-429-05382-6.
  • Hans-Wolfgang Bergerhausen: Die Hexenverfolgungen in Würzburg 1590-1630, in: Hexenwahn in Franken, Dettelbach 2014, S. 84-97.
  • Erik Soder von Güldenstubbe: Die unschuldig als Hexe verurteilte Praemonstratenserchorfrau Renata Singer von Mossau, in: Hexenwahn in Franken, Dettelbach 2014, S. 170-201.
  • Hubert Drüppel: Hexenprozesse, in: Geschichte der Stadt Würzburg, Bd. 2, Stuttgart 2004, S. 492-505.
  • Franz Anton Jäger: Geschichte des Hexenbrennens in Franken (insbesondere in Gerolzhofen) im 17. Jahrhundert (1834), bearb. v. Stephan Oettermann, Gerolzhofen 2004.
  • Wolfgang Behringer (Hrsg.): Hexen und Hexenprozesse in Deutschland, 4. Auflage, München 2000.
  • Harald Schwillus: Die Hexenprozesse gegen Würzburger Geistliche unter Fürstbischof Philipp Adolf von Ehrenberg (1623-1631), Würzburg 1998.
  • Elmar Weiß: Die Hexenprozesse im Hochstift Würzburg, in: Peter Kolb / Ernst-Günter Krenig (Hrsg.): Unterfränkische Geschichte, Bd. 3, Würzburg 1995, S. 327-361.
  • Elmar Weiß: Würzburger Kleriker als Angeklagte in Hexenprozessen in den Jahren 1626-1630, in: Mainfränkisches Jahrbuch 40 (1988), S. 70-94.
  • Friedrich Merzbacher: Die Hexenprozesse in Franken, 2. erweiterte Auflage, München 1970.
  • Arthur Bechtold: Aus der Hexenzeit, in: Ders.: Aus dem alten Würzburg. Beiträge zur Kulturgeschichte der Stadt, Würzburg 1940, S. 169-205.

Weblinks