Maria Renata Singer von Mossau

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Maria Renata Singer Freifrau von Mossau (getauft am 27. Dezember 1679 in Viechtach, im heutigen Landkreis Regen[1]; † 21. Juni 1749 in Würzburg) war das letzte Opfer einer so genannten Hexenverfolgung in Franken. Sie war Nonne und dabei Subpriorin des Klosters Unterzell bei Würzburg.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Singer wurde als Tochter eines kaiserlichen Offiziers geboren. Am 12. Mai 1699 trat sie als Novizin in das Prämonstratenserinnenkloster ein und legte am 17. Juli 1701 die ewigen Gelübde ab. Sie hatte verschiedene Ämter inne gehabt, als sie 1720 zur Subpriorin ernannt wurde. [2]

Ab 1738 herrschten wegen ihres Fleißes Neid und Missgunst im Kloster, weshalb ihr ihre Katzen weggenommen wurden und sie fortan für sämtliche schlechte Vorkommnisse innerhalb Zells verantwortlich gemacht wurde. Als 1744 sechs Fälle von Besessenheit (heute würde man von Wahn-Krankheiten sprechen) auftraten, wurden Gerüchte verbreitet, Singer sei der Hexerei schuldig. 1749 kamen Vermutungen hinzu, sie sei mondsüchtig, weshalb sie eines nachts von einer verängstigten Schwester mit einem Disciplinenhieb (Gerät zum Kasteien, eine Art Peitsche) ins Gesicht attackiert wurde. Daraufhin folgte noch im Januar des gleichen Jahres die Verhaftung und die Anklage der Hexerei.

Hexenprozess[Bearbeiten]

Im Februar 1749 gestand sie bei einem Verhör im Kloster, seit 60 Jahren eine Hexe gewesen zu sein. Nach fünf Verhören vor einem weltlichen Gericht mit den Anklagepunkten Erlernen der Hexerei, Schließen eines Teufelsbündnis, Verrichten von Schadenszauber, Beiwohnen bei Hexenversammlungen, Schließen einer Teufelsbuhlschaft, Verunehrung geheiligter Hostie und des Mäusemachens erklärte sie sich in allen Punkten für schuldig. Danach wurde sie weitere sechs Male vor einem geistlichen Gericht verhört, bis dieses am 28. Mai ein Urteil traf. Bei den darauffolgenden fünf Verhören vor einem weiteren Gericht gab sie schließlich die Namen zweier anderer Hexen bekannt und wurde während der Verhandlungen weiter in der Festung Marienberg festgehalten.

Urteil und Vollstreckung[Bearbeiten]

Am 21. Juni 1749 wurde das Endurteil verkündet, nämlich die lebendige Verbrennung. Durch das Wirken des Würzburger Fürstbischofs Karl Philipp von Greiffenclau wurde das Urteil zu Enthauptung und anschließender Verbrennung abgemildert. Wegen der körperlichen Entkräftigung wurde Maria auf einem Stuhl zum Richtplatz der mittleren Bastei auf der Festung Marienberg gebracht, wo sie zwischen acht und neun Uhr morgens hingerichtet wurde. Ihr Körper wurde auf einem Scheiterhaufen in dem Wald vor Waldbüttelbrunn verbrannt, während ihr Kopf zur Abschreckung in Richtung Unterzell auf einer Stange aufgesteckt wurde. [3]

Theater[Bearbeiten]

Am Schauplatz der Ereignisse in Kloster Unterzell (evangelische Versöhnungskirche) wurde am 18. Juli 2019 das Theaterstück Herr,öffne meine Lippen des Würzburger Schriftstellers Roman Rausch aufgeführt. [4]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Erik Soder von Güldenstubbe: Die unschuldig als Hexe verurteilte Praemonstratenserchorfrau Renata Singer von Mossau, in: Hexenwahn in Franken, hrsg. v. Markus Mergenthaler und Margarete Klein-Pfeuffer, Dettelbach 2014, S. 170-201.
  • Roman Rausch: Die Hexenriecher. Der Fall Maria Renata Singer. Eine Spurensuche. Echter Verlag, Würzburg 2019, ISBN 978-3-429-05396-3.
  • Hans-Jürgen Wolf: Hexenwahn, Hexen in Geschichte und Gegenwart, Pawlak Verlag, Herrsching, 1990, S. 185-188.
  • Anton Memminger: Das verhexte Kloster nach den Akten dargestellt, Würzburg 1904.
  • Anna Renata Singer von Mossau, die letzte deutsche Hexe: ein Geschichtsbild dargestellt zur Erinnerung an den nunmehr hundertjährigen Niedergang eines langen und grauenvollen Irrwahns und an die Befreiung von der Schmach wälscher Inquisition in Deutschland, nebst einem Abriß der Geschichte der Hexenprocesse im Allgemeinen und beiliegenden Actensprüchen sowie einem sächsischen Hexenprocesse aus dem siebzehnten Jahrhundert, Leipzig 1849. (keine Autorenangabe – erschienen in der Serig'sche Buchhandlung)
  • Christoph Meiners: Geschichte einer merkwürdigen Teufels-Besitzung in Franken zwischen den Jahren 1740. und 1750., in: Göttingisches historisches Magazin, 2. Band, 1788, Seite 1–39 (Digitalisat)
  • Eduard Kohl: Maria Renata Singer von Mossau - die Geschichte einer Zeller Ordensschwester, die als letzte fränkische Hexe verbrannt wurde, Zell am Main 1999

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. Soder von Güldenstubbe, S. 171f. - In der älteren Literatur ist fälschlich von Niederviehbach im Dekanat Dingolfing die Rede.
  2. Ebd., S. 173-177.
  3. Ebd., S. 198f.
  4. Main-Post: „Hexenjagd im Sommertheater“ (26. Juli 2019)

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