Philipp Adolf von Ehrenberg

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Fürstbischof Philipp Adolf von Ehrenberg
Grabmal für Philipp Adolf von Ehrenberg im Würzburger Kiliansdom

Philipp Adolf von Ehrenberg (* 23. September 1583 in Heinsheim; † 16. Juli 1631 in Würzburg) war 64. Fürstbischof im Bistum Würzburg und tat sich besonders als Hexenverfolger und Gegenreformator hervor.

Familiärer Hintergrund[Bearbeiten]

Philipp Adolf entstammte der Adelsfamile Ehrenberg aus Heinsheim am Neckar, die 1647 ausgestorben ist. Sein Vater war Hans Heinrich von Ehrenberg († 1584), seine Mutter Margarethe Echter von Mespelbrunn (4. Februar 1549–1611), eine Schwester des Fürstbischofs von Würzburg Julius Echter von Mespelbrunn. Zunächst wurde der junge Philipp von seinem lutherisch beeinflussten Vater allerdings neugläubig erzogen. Nach dem Tod des Vaters im Alter von nur 37 Jahren übernahm der Onkel Julius Echter die Vormundschaft und Erziehung. Gegen 1590 siedelte Philipp an den bischöflichen Hof in Würzburg über, wo seine katholische Formung einsetzte.

Bei dem Jesuitenschüler und Geschichtenerzähler „Junker Ernst von Ehrenberg“ [1], der zum tragischen Titelhelden einer Erzählung wurde, die Jakob Wassermann 1926 veröffentlichte [2] und die Thema der Aktion „Würzburg liest ein Buch“ für das Jahr 2016 war [3], handelte es sich historisch möglicherweise um einen Cousin von Philipp Adolf namens Ernst Dietrich von Ehrenberg. [4]

Werdegang[Bearbeiten]

1593 erfolgte Philipps Aufnahme in das Jesuitenkolleg. 1600 wurde Philipp Adolf von Ehrenberg Domizellar in Würzburg und Bamberg. Kavalierstour [5] und Studien führten ihn nach Rom (1602/03), Salamanca und Valladolid (1603/04) sowie nach Paris (1605[?]/06). 1607 empfing er in Würzburg die niederen Weihen und das Subdiakonat, am 27. Mai 1609 wurde er Domkapitular. Er bezog die Kurie Schrotzberg, die er 1622 gegen die Kurie Grindlach und zur Weide tauschte. 1619 wurde Philipp zum Domdekan gewählt und durch Bischof Johann Gottfried von Aschhausen konfirmiert.

Rektor der Universität[Bearbeiten]

Von 1622 bis 1623 war er Rektor der Julius-Maximilians-Universität Würzburg.

Fürstbischof[Bearbeiten]

Nach seiner Wahl am 6. Februar 1623 zum Fürstbischof von Würzburg wurde diese am 19. März 1624 durch Papst Urban VIII. bestätigt.

Philipp übernahm ein durch erste Einwirkungen des Dreißigjährigen Krieges hoch verschuldetes Bistum. Der Unterhalt eigener Truppen, Zahlungen an die Liga sowie wiederholte Einquartierungen ligistischer und kaiserlicher Regimenter seit 1625 belasteten das Hochstift Würzburg schwer. Reichspolitisch gewann Philipp kein eigenständiges Profil, sondern orientierte sich an Bayern. Gespannt blieb sein Verhältnis zum Bistum Bamberg. Innenpolitisch verfolgte er beharrlich zwei eng verknüpfte Ziele, die territoriale Abrundung und die konfessionelle Vereinheitlichung des Hochstifts. Dies führte ihn in einen scharfen Gegensatz zu den Markgraftümern Ansbach und Bayreuth sowie zur fränkischen Ritterschaft. Etwa 200 Dörfer wurden unter Philipp rekatholisiert.

Gleichfalls war er dafür bekannt, die Hexenverfolgung und Inquisition in und um Würzburg zwischen 1626 und 1630 während des Dreißigjährigen Krieges erheblich ausgedehnt zu haben. Im Hochstift Würzburg verbrannten über 900 angebliche Hexen, allein innerhalb der Stadtgrenzen waren es 200 Frauen. Auch viele Kinder kamen in den Flammen der Hexenverfolger zu Tode. Erst mit Ehrenbergs Tod wurden die Hexenprozesse durch das Reichskammergericht beendet.

Letzte Ruhstätte[Bearbeiten]

Die letzte Ruhestätte fand er im Dom St. Kilian zu Würzburg. Sein Grabmal gestaltete Johann Philipp Preuß im Jahre 1669.

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen und Literatur[Bearbeiten]

  • Hans-Wolfgang Bergerhausen: Philipp Adolf von Ehrenberg in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 387 f. (Online-Version)
  • Winfried Romberg: Die Bistümer der Kirchenprovinz Mainz. Das Bistum Würzburg 7. Die Würzburger Bischöfe von 1617 bis 1684. Walter de Gruyter Verlag, S. 131 ff. ISBN 978-3-11-025183-8
  • Klaus Wittstadt: Würzburger Bischöfe 742-1979. Echter, Würzburg 1979

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Alois Rauch: Ernst von Ehrenberg (Geschichtliche Vignette). In: Die Biene. Bayerisches Sonntagsblatt 15 (1837), S. 113 f.
  2. Jakob Wassermann: Der Aufruhr um den Junker Ernst. S. Fischer Verlag, Berlin 1926
  3. Würzburg liest ein Buch
  4. J. S. Ersch und J. G. Gruber (Hrsgg.): Allgemeine Enzyklopädie der Wissenschaften und Künste. Erste Section, 31. Teil. F. A. Brockhaus, Leipzig 1838, S. 430 mit Anm. 1
  5. Grand Tour [gʀɑ̃ˈtuːʀ] (franz.; dt. große Reise) (auch Kavalierstour, Cavaliersreise u. a. Bildungsreisen) war die Bezeichnung für eine seit der Renaissance obligatorische Reise der Söhne des europäischen Adels, später auch des gehobenen Bürgertums, durch Mitteleuropa, Italien, Spanien und auch ins Heilige Land. Weitere Informationen zur Grand Tour bei Wikipedia [1].


Vorgänger Amt Nachfolger
Johann Gottfried von Aschhausen Bischof
1623 - 1631
Franz von Hatzfeld