Prinzregentendenkmal

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Luitpold-Denkmal an der Friedensbrücke
Büste am heutigen Luitpold-Denkmal
Verbliebener Torso vom ehemaligen Prinzregentendenkmal

Standort[Bearbeiten]

Das Würzburger Prinzregentendenkmal von 1903 mit Standbild des Luitpold von Bayern in einem Säulenhalbrund befand sich östlich des Bahnhofsvorplatzes in den Hauger Ringparkanlagen. Heute erinnert auf der Friedensbrücke (ehemals Luitpoldbrücke) ein steinerner Pfeiler mit vorgesetzter Büste an den Prinzregenten.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Würzburger fühlten sich dem in der Residenz geborenen Prinzregenten Luitpold (1821-1912) sichtbar verbunden. Bereits 1894 war ihm ein monumentales Denkmal - der Frankoniabrunnen vor der Residenz - gewidmet worden. Luitpold dankte es der Stadt im Gegenzug mit dem Geschenk des Kiliansbrunnens im Jahre 1895.

Es war 1899, als zum ersten Mal ein Bürgerkomitee unter Leitung von Georg Geiger (Gemeindekollegiumvorstand und Kaufmann) sowie Sebastian Göbl (Stadtarchivar), welches das alljährliche Festbankett zum Geburtstag des Prinzregenten am 12. März vorzubereiten hatte, sich mit der Frage befasste, wie Würzburg den bevorstehenden 80. Geburtstag seines Sohnes, des Prinzregenten Luitpold, in würdiger Weise begehen könnte. Eine Versammlung von Vertretern aller Stände und zahlreicher Vereine beschloss, dass als ein dauerndes Zeichen der Liebe und des Dankes ein Denkmal des Gefeierten in der Mitte seiner getreuen Franken errichtet werde. Eine Bürgerwidmung sollte es werden, erbaut nicht aus Mitteln der Gemeinde, sondern durch freiwillige Spenden, damit jeder, auch der ärmste Bürger der Stadt, sein Scherflein betragen könnte. Als im Mai 1900 das Komitee mit einem Aufruf an die Öffentlichkeit trat, war der Erfolg bald ein recht erfreulicher. Es flossen nicht nur bedeutende Spenden wohlhabender Mitbürger, sondern auch sehr viele kleinere Gaben aus allen Kreisen der Bevölkerung. Im ganzen gingen über 85.000 Mark ein, während die Stadt Würzburg nur die nicht besonders hohen Kosten der Fundierung und der Feiern der Grundsteinlegung am 12. März 1901 und der Enthüllung am 8. Juli 1903 zu übernehmen hatte.

Mit der Ausführung wurden der Architekt Julius Angermaier, Konservator des Nationalmuseums in München, sowie Akademiedirektor Reichsrat Ferdinand von Miller beauftragt [1]. Anfangs wurde über die Errichtung eines Reiterstandbildes diskutiert, was jedoch keine Mehrheit in der Würzburger Bevölkerung fand. Diese wollte Luitpold nicht hoch zu Ross verewigt sehen, da Luitpold sich bei seinen Besuchen stets bürgernah präsentiert hatte. Daher fiel die Wahl auf ein Standbild.

Das Denkmal wurde am 8. Juli 1903, dem Kilianstag, unter Kanonendonner und dem Läuten aller Glocken der Stadt enthüllt und der Stadt in Anwesenheit des Prinzen Leopold als des von seinem Vater entsandten Stellvertreters übergeben. Auf dem Sanderrasen fand ein großes Volksfest statt, das der Prinz am späten Nachmittag besuchte.

Das auf einem erhöhten Platz angeordnete halbrunde Bauwerk von sechs Metern Höhe umfasste zwei Pfeiler mit steinernen Torsos, vier Säulenpaare und dem Standbild des Prinzregenten mit einer Bekrönungsfigur, der bronzenen „Wircibirgia“, die mit einer Hand die Krone, mit der anderen den Schleier einer Wiege als Anspielung auf die Eigenschaft Würzburgs als Geburtsstadt des Regenten empor hielt. An der architektonischen Umrahmung mit ihren Pilastern und Kunstgittern befand sich auch die Widmung des Denkmals: Dem edelsten Sohne der Stadt Würzburg zum 80. Geburtstag in Liebe und Treue gewidmet 1901.

1943 wurde die Statue - ebenso wie des Heiligen Kilian auf dem gegenüberliegenden Kiliansbrunnen - kriegsbedingt zum Einschmelzen nach Hamburg verbracht. Der bronzene Prinzregent überstand dort zwar die Kriegszeit, wurde aber nach dem Auffinden 1948 nicht gleich zurückerworben und ging dann verloren. [2] 1957 wurden die steinernen Teile des Denkmals im Zuge der Neugestaltung des Bahnhofsvorplatzes abgerissen. Säulen und Pfeiler wurden aufbewahrt zu anderweitiger Verwendung. Teile der Säulen wurden wiederverwendet. So am Zürn-Denkmal im Klein-Nizza, bei den Fischerbuben von Otto Sonnleitner im Mainviertel, am Denkmal für Felix Dahn in der Sanderau, und Mahnmal für die zerstörte Synagoge in Heidingsfeld [3]. Die beiden steinernen Torsos in Form von Brustpanzern mit aufgesetztem Helm fanden einen Standplatz auf der angrenzenden Wiese.

Einer der Pfeiler bildete die Grundform des neuen Prinzregentendenkmals, das zur Feier der 150jährigen Zugehörigkeit Unterfrankens zu Bayern im Juni 1964 errichtet wurde. Die dort aufgestellte Büste war bereits 1891 durch den Bildhauer Wilhelm von Rümann (1850-1906) geschaffen worden und stammt aus Privatbesitz. Das Denkmal befindet sich am linksmainischen Aufgang der Friedensbrücke, welche ehemals den Namen Luitpoldbrücke trug.

Historische Bildergalerie[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen und Literatur[Bearbeiten]

  • Jörg Lusin: Seltsame Wanderungen in Würzburg. In: Festschrift der Leonhard-Frank-Gesellschaft zum 80. Geburtstag von Werner Dettelbacher. Echter Verlag 2006. S. 69ff
  • Thomas Heiler: Prinzregent Luitpold (1821-1912) und Würzburg. Stadtarchiv Würzburg 1996
  • Annette Wolf: Würzburger Denkmäler - Erinnerungskultur im Wandel der Zeit. Stadtarchiv Würzburg 2011 (Begleitpublikation)
  • Text zum Teil aus: Willi Dürrnagel, Prinzregent Luitpold vor 100 Jahren gestorben - sein unvergessenes Denkmal in den Ringparkanlagen, Würzburg 2012
  • Torsos - Ein Denkmal für den Prinzregenten., in: Eva-Maria Bast (Hrsg.): Würzburger Geheimnisse. Band 2. 1. Auflage, Überlingen 2018, S. 171-174

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. Thomas Heiler: Prinzregent Luitpold (1821-1912) und Würzburg. Eine Ausstellung des Stadtarchivs Würzburg zum 175. Geburtstag eines in Würzburg geborenen Wittelsbachers. Ausstellung März-Juni 1996 (Stadtarchiv Würzburg: Hinweise und Informationen, Heft 22, Würzburg 1996
  2. Vgl. Annette Wolf: Würzburger Denkmäler - Erinnerungskultur im Wandel der Zeit. Stadtarchiv Würzburg 2011, S. 13 ff.
  3. Jörg Lusin: Seltsame Wanderungen in Würzburg. In: Festschrift der Leonhard-Frank-Gesellschaft zum 80. Geburtstag von Werner Dettelbacher. Echter Verlag, 2006. S. 71