Äußere Landwehr von Würzburg

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Begriffsklärung.png Informationen über die gleichnamige ehemalige Bürgerwehr und spätere Militäreinheit der königlich bayerischen Armee zur regionalen Landesverteidigung finden sich unter Landwehr.

Überreste der Landwehr im Lochholz nördlich vom Erbachshof

Die äußere Landwehr von Würzburg ist ein spätmittelalterliches Grenzsicherungswerk. Es bestand aus einer knapp 30 km langen Anlage mit Wall und Graben sowie sechs Landtürmen.

Verlauf[Bearbeiten]

Der Verlauf der äußeren Landwehr von Würzburg wurde vor allem von Georg Adam Ohlhaut erforscht und beschrieben. In einer Darstellung im Bayernaltlas [1] ist der Verlauf entsprechend der Beschreibung von Ohlhaut eingezeichnet. Die von Ohlhaut verwendeten Begriffe sind dabei eingetragen und lokalisiert. Da von Ohlhaut manchmal nur Flurnamen und nicht genaue Ortsbezeichnungen verwendet werden, ist eine genaue, zuverlässige Lokalsierung nicht vollständig möglich.

Die rechtsmainische äußere Landwehr war gut 14 km lang und begann am Main beim Alandsgrund. Dort befand sich auch ein Landturm. Die Landwehr folgte dem Alandsgrund südlicher Teil. Dann bog die Landwehr in nördlicher Richtung ab. In gerader Linie folgte sie dem Alandsgrundweg und der Straße am Hubland am Kartoffeldenkmal vorbei zur Schlüpferleinsmühle. Diese befand sich an der heutigen Nürnberger Straße Ecke Ohmstraße. Dort befand sich auch der Landturm „Schlüpferleinsturm“. Die Landwehr folgte der Ohmstraße und knickte dann kurz vor der Schweinfurter Straße in nordwestlicher Richtung ab. Dort heißt heute ein Fußweg Lengfelder Landwehr. Die Landwehr ging weiter bis zur Pleichach folgte dem Pleichachtal bis zur Tauberzeller Mühle, heute Straubmühle. Sie folgte dann der Burgklinge bis zum Rimparer Steig. Hier stand der Landturm „Rimparer Turm“. Die Landwehr folgte dem Oberen Schalksbergweg. Hinter der Steinberganlage zweigte sie in nördlicher Richtung ab und führte durch die Albertsleite bis an den damaligen Ortsrand von Unterdürrbach. Von dort führte sie hoch am Burg Schenkenschloss vorbei bis in die Fischerau bei Veitshöchheim.

Unterdürrbach markte sich 1580 von Würzburg ab. An dieser Grenze verlief ebenfalls ein Landwehrgraben und zwar nordwestlich von Unterdürrbach beginnend an der Würzburger Landwehr durch das Dürrbachtal dann wieder hinauf zum Stein um sich in der Nähe der Steinberganlage wieder mit der Würzburger Landwehr zu vereinigen.

Zusätzlich stand an der Brücke der Straße von Würzburg über den Dürrbach ein weitere Landturm, der sogenannte „Dürre Turm“.

Die linksmainische Landwehr mit rund 16 km Länge begann unterhalb von Oberzell, vermutlich bei der Mündung des Hufgrabens in den Main folgte der oberen Zeller Steige bis zum Steinkreuz an der Hettstadter Steige (Geleitkreuz). Von Oberzell stiegen dort möglicherweise zwei Straßen auf [2], die im unteren Teil nicht der heutigen Hettstadter Steige folgten. Die obere Zeller Steige führte demnach nördlich am Geleitkreuz vorbei, um dann später wieder dem Verlauf der Hettstadter Steige zu folgen. Letztlich führte sie nach Remlingen und Aschaffenburg. Die südliche Steige führte im Tal des Hufgrabens nach Waldbüttelbrunn und und dann schließlich nach Miltenberg. Die Landwehr bog nördlich vom Geleitkreuz nach Süden ab bis zum Zeller Ranken. Vermutlich war am Durchbruch der unteren Zeller Steige nach Waldbüttelbrunn ein weiterer Landwehrturm mit „Riegel“. Jetzt folgte die Landwehr der Gemarkungsgrenze am Waldrand bis zum Erbachshof durch den Spitalwald. Dort sieht man heute noch als Bodendenkmal [3] deutlich den Aufbau der Landwehr. Auch an anderen Stellen in diesem Verlauf sind Spuren zu erkennen, die als Reste der Landwehr interpretiert werden können. Beim Erbachshof gibt es auch eine Flur mit Namen „An der Landwehr“. Weiter ging die Landwehr zum „Kalten Loch“ nordöstlich von Kist und von dort durch Stöckach und das Kirchholz über das Steinbachtal an den Main.

Aufbau[Bearbeiten]

Nach Ohlhaut war die Landwehr zwei bis fünf Meter breit. Ein Graben wurde ausgehoben und auf der Würzburger Seite zu einem mehreren Meter hohen Wall aufgeschüttet. Dieser wurde dicht bepflanzt, so dass er nur schwer zu durchdringen war. Auf der gesamten linksmainischen Seite und auf dem Stück zwischen Gerbrunner Straße bis zum Roßberg war die Landwehr als doppelte Landwehr ausgeführt. Dies bedeutet, dass auf beiden Seiten des Walls ein Graben ausgehoben wurde.

Geschichte[Bearbeiten]

Der genaue Entstehungszeitraum der äußeren Landwehr von Würzburg ist nicht bekannt. Zum Vergleich: die Rothenburger Landhege [4] wurde 1420 beschlossen und bis 1480 fertiggestellt. Die Frankfurter Landwehr [5] wurde 1396 begonnen.

  • 1190: Ungefährer Entstehungszeit des Aufbaus der Landwehr nach Martin Wilhelm, eine Quelle dafür gibt es nicht. [6]
  • 1443: Nach einem Zeugnis von 1479 ist die Landwehr unter Gottfried IV. (1443 - 1455) geschaffen worden [7]
  • 1443: Festlegung durch den Rat der Stadt Würzburg, welche Stadtviertel welche Teile der Landwehr zu pflegen haben. [8]
  • 1464: Erwähnung der Landwehr im Kalten Loch. [9]
  • 1481: Bischof Rudolf von Scherenberg errichtet zur Abwehr von Feinden eine Landwehr bei Kaltenloch. [10]
  • 1484: 15. November 1484: Beispiel für die Erwähnung der Landwehr. [11] Der Würzburger Bischof Rudolf (von Scherenberg) beurkundet: Abt, Prior und Konvent des Klosters St. Stephan in Würzburg haben von Anton von Retzstadt den Weiler Oberdürrbach (Obernndurbach) bei der Würzburger Landwehr mit allen Zugehörungen und Rechten gekauft... .
  • 1491: Verbesserung der Landwehr durch Scherenberger. [12]
  • 1591: Die Landwehr wurde lange Zeit vernachlässigt, in diesem Jahr wird sie wieder hergerichtet. [13]
  • 1612: Abbildung der Landwehr beim Schenkenschloss und des Rimparer Turms. [14]
  • 1623 Bild des dürren Turms [15]
  • 1633: Im Bittegesuch des Stadtrates an Gustav II. Adolf von Schweden vom 9.9.1633 wird auch um das Recht ersucht, Feldhüter auf der Würzburger Markung aufzunehmen, damit diese unter anderem die Landwehr pflegen. [16]
  • 1727: Abbruch des Landwehrturms am Alandsgrund. [17]
  • 1740: Darstellung des Rimparer Turms als Ruine. [18]
  • 1849: Die Landwehr auf dem Abschnitt vom Alandsgrund bis zur Schweinfurter Straße wird in den Positionsblättern des Königreich Bayern nach wie vor als Landwehr verzeichnet. [19] Ebenso sind Flurstücke zwischen dem Erbachshof und Waldbüttelbrunn als "Landwehräcker" [20] und als "An die Landwehr" [21] verzeichnet.

Heutiges Aussehen[Bearbeiten]

  • Noch heute zeugen Flurnamen, Straßennamen und Bodendenkmäler von der äußeren Landwehr von Würzburg. Am deutlichsten sieht man den Aufbau der Landwehr im Lochholz nördlich vom Erbachshof. [22]
  • In den Wäldern zwischen Waldbüttelbrunn und Erbachshof sowie im Wald bei Kist gibt es zahlreiche Kennzeichen im Bodenrelief, die als Reste der äußeren Landwehr gedeutet werden können, diese sind aber nicht gesichert.

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise und Hinweise[Bearbeiten]

  1. Darstellung im geoportal.bayern.de/bayernatlas
  2. Otto und Erich Langguth Stiftung: Vom Besitzstand der Grafschaft Wertheim
  3. Bodendenkmal D-6-6225-0177 im geoportal.bayern.de/bayernatlas
  4. Nähere Informationen zur Rothenburger Landhege bei Wikipedia [1].
  5. Nähere Informatioen zur Frankfurter Landwehr bei Wikipedia [2].
  6. Martin Wilhelm: Chronik Dorf Höchberg Hugbur 748. 1936
  7. Rolf Sprandel. Das Würzburger Ratsprotokoll des 15. Jahrhunderts: eine historisch-systematische Analyse, F. Schönigh, 2003, S. 143
  8. Siehe Scharnold, Seite 110
  9. Siehe Sta. Würzburg ldf 5, f. 47r
  10. Siehe StA Würzburg, ldf 14, S. 606
  11. Stadtarchiv Würzburg: Würzburger Urkunden 75 / 285
  12. Max Planck Institut für Geschichte, Germania Sacra, Das Bistum Würzburg, Teil 3
  13. Siehe Scharndold, Seite 75
  14. Siehe Historisches Album der Stadt Würzburg, S. 76
  15. Siehe Historisches Album der Stadt Würzburg, S. 31 am rechten Bildrand
  16. Dr. Karl Gottfried Scharold: Geschichte der k. schwedischen und herzogl. sachsen-weimarischen Zwischenregierung im Fürstbisthume Würzburg im J. 1631-1634. 1844, S. 102
  17. Das Verhältnis der Stadt Würzburg zur Landesherrschaft im 18. Jahrhundert, Seite 379 ... Stadt AW R.P. 1727, S. 342 f.: UBW Hbh XIV 662/1, fol 197 (gedrucktes Mandat 1.10. 1738). 1744 ließ Friedrich Karl mit Zustimmung von DK und Stadtrat den Landturm auf der Straße nach Randersacker abbrechen, um das Material für die Verbesserung der Wege zu verwenden.
  18. Siehe Historisches Album der Stadt Würzburg, S. 46höhere Auflösung
  19. Uraufnahme der Landwehr auf dem Hubland im geoportal.bayern.de/bayernatlas
  20. Uraufnahme der Landwehräcker im geoportal.bayern.de/bayernatlas
  21. Uraufnahme Flurstück beim Erbachshof im geoportal.bayern.de/bayernatlas
  22. Bodendenkmal D-6-6225-0177 im geoportal.bayern.de/bayernatlas