Synagoge in Gaukönigshofen

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Synagoge in Gaukönigshofen

Die ehemalige Synagoge von Gaukönigshofen beherbergt seit 1988 die Jüdische Gedenkstätte Gaukönigshofen.

Geschichte der jüdischen Gemeinde[Bearbeiten]

In Gaukönigshofen bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/42. Ihre Entstehung geht bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts zurück. In den Gerichtsbüchern von Ochsenfurt werden 1555 erstmals jüdische Einwohner am Ort erwähnt. Im Jahre 1786 wurden 73 jüdische Einwohner gezählt.

► Geschichte der jüdischen Gemeinde Gaukönigshofen

Geschichte der Synagoge[Bearbeiten]

Bereits 1555 sind in Gerichtsbüchern aus Ochsenfurt Zeugnisse jüdischen Lebens in Gaukönigshofen belegt. 1768/69 wurde eine Synagoge mit einem rituellen Bad im Keller genannt (1817 wurde eines neues Badhäuschen erstellt). 1790 wurde eine neue Synagoge erbaut, damals umfasste die jüdische Gemeinde 17 Familien. 1842 und 1920 fanden umfangreiche Erneuerungs- und Renovierungsarbeiten darin statt. Am 10. und 11. November 1938 stürmten SA- und SS-Männer das Gotteshaus und verwüsteten es. [1] Die Synagoge mit Schule und Lehrerwohnung kam am 28. Juni 1939 für 1.500 RM (ein Viertel des wirklichen Wertes) an die Ortsverwaltung und wurde bis 1988 als Wohn- und Lagerhaus genutzt.

Baubeschreibung[Bearbeiten]

Diese ehemalige Synagoge ist ein Satteldachbau aus Bruchsteinen mit Hausteingliederungen. 1929 wurde die Synagoge noch einmal renoviert. Für das rituelle Bad wurde 1819 ein neues Gebäude erstellt. 1910 wurde an die Synagoge ein Gemeindehaus mit Lehrerwohnung und Schulraum angebaut. Im Obergeschoss fand die Frauensynagoge ihren Platz. Bei den Umbauarbeiten des Synagogengebäudes 1988 wurden Überreste der alten Mikwe im Keller des Gebäudes entdeckt.

Zerstörung in der Reichskristallnacht[Bearbeiten]

Beim Novemberpogrom 1938 kamen Einheiten der SS und SA aus Ochsenfurt am späten Abend des 10. November über Acholshausen nach Gaukönigshofen. Sie drangen in die Synagoge ein, zerstörten unter Mithilfe von Ortsansässigen die Inneneinrichtung und die Ritualien, warfen die Trümmer auf die Straße und verbrannten diese unter Aufsicht der Feuerwehr. Das Niederbrennen der Synagoge wurde auf Grund des Widerstandes des Bürgermeisters und des Bauern Stephan Mark (früherer Feuerwehrkommandant des Dorfes) verhindert. Beide befürchteten ein Übergreifen der Flammen auf weitere Gebäude. Zwei Torarollen und Silbergeräte konnten von Gemeindemitgliedern noch rechtzeitig am Tag zuvor gerettet werden. Im Gemeindehaus wurde gleichfalls das Inventar zerschlagen, ebenso im Schulraum und in der Lehrerwohnung. Unzerstört blieb das rituelle Bad.

Nutzung nach dem Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

Nach dem Krieg wurde das Gebäude als Wohn- und Lagerhaus genutzt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen und Literatur[Bearbeiten]

  • Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, Baudenkmäler in Gaukönigshofen, Nr. D-6-79-134-95
  • Georg Menig: Der Große Krieg im kleine Raum - Krieg und Kriegserfahrung im ländlichen Unterfranken am Beispiel des Ortes Gaukönigshofen 1914-1918/19. Mainfränkische Hefte 116, Spurbuchverlag, 2018, ISBN 978-3-88778-533-8
  • Thomas Michel: Die Juden in Gaukönigshofen/Unterfranken (1550 - 1942). Beiträge zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte Band 38, Franz Steiner Verlag Wiesbaden GmbH 1988 (Stadtbücherei Würzburg Dkl 1 Gau)
  • Thomas Michel: Ein Streifzug durch die jüdische Geschichte von Gaukönigshofen. In: 741 - 1991. 1250 Jahre Gaukönigshofen. Gemeinde Gaukönigshofen (Hrsg.), S. 54 ff. (Stadtbücherei Würzburg Dem Gau) (Veröffentlichung mit freundlicher Erlaubnis der Gemeinde Gaukönigshofen.)
  • Jutta Sporck-Pfitzer: Die ehemaligen jüdischen Gemeinden im Landkreis Würzburg. Hrsg.: Landkreis Würzburg, Echter Verlag, Würzburg 1988

Weblinks[Bearbeiten]

Hinweise[Bearbeiten]

  1. Zwischen 1948 und 1951 standen mehrere der beim Novemberpogrom 1938 Beteiligten (darunter einer aus Gaukönigshofen) in Würzburg vor Gericht. Elf von ihnen erhielten Gefängnisstrafen zwischen drei Monaten und einem Jahr.