Jüdische Gedenkstätte Gaukönigshofen

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Synagoge mit der jüdischen Gedenkstätte
Gedenktafel an der Synagoge
Gedenktafel für die ermordeten jüdischen Mitbürger von Gaukönigshofen

Die Jüdische Gedenkstätte Gaukönigshofen ist eine Einrichtung des Landkreis Würzburg und befindet sich in der ehemaligen Synagoge in Gaukönigshofen.

Geschichte der Gedenkstätte[Bearbeiten]

Anlässlich des 50. Jahrestags des Pogroms wurde auf Anregung von Christian Will vom Landkreis Würzburg in der ehemaligen Synagoge in Gaukönigshofen eine Gedenkstätte für die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus eingerichtet. Das ehemalige jüdische Gotteshaus ist eines der letzten Zeugnisse einer ehemals blühenden Kultur in Mainfranken. Am 16. Oktober 1988 wurde die Gedenkstätte an die Gemeinde Gaukönigshofen und der Öffentlichkeit übergeben.

Bei der Renovierung wurden im Hauptraum der Synagoge die Wandmalereien und der Davidstern an der Decke in ihren alten Mustern ergänzt und aufgefrischt. Im Original erhalten geblieben sind die Säulen des einstmaligen Thoraschreins sowie die Inschrift „Wisse vor wem du stehst“.

Judentum in Gaukönigshofen[Bearbeiten]

Bereits 1555 sind in Gerichtsbüchern aus Ochsenfurt Zeugnisse jüdischen Lebens in Gaukönigshofen belegt. 1768/69 wurde eine Synagoge mit einem rituellen Bad im Keller genannt (1817 wurde eines neues Badhäuschen erstellt). 1790 wurde eine neue Synagoge erbaut, damals umfasste die jüdische Gemeinde 17 Familien. 1842 und 1920 fanden umfangreiche Erneuerungs- und Renovierungsarbeiten darin statt. Am 10. und 11. November 1938 stürmten SA- und SS-Männer das Gotteshaus und verwüsteten es. [1] Die Synagoge mit Schule und Lehrerwohnung kam am 28. Juni 1939 für 1.500 RM (ein Viertel des wirklichen Wertes) an die Ortsverwaltung und wurde bis 1988 als Wohn- und Lagerhaus genutzt.

Judentum in Acholshausen[Bearbeiten]

Auch im benachbarten Ortsteil Acholshausen ist jüdisches Gemeindeleben dokumentiert mit einer eigenen kleinen Synagoge aus der Mitte des 19. Jahrhundert. 1919 lebten nur noch wenige Juden in Acholshausen, so dass die Gemeinde an Gaukönigshofen angeschlossen wurde. Die ehemalige Synagoge in Acholshausen fiel bei einem Luftangriff 1944 den Bomben zum Opfer.

Exponate[Bearbeiten]

Besichtigt werden können die ehemalige Synagoge und die Mikwe von 1819. Der Hauptraum der Synagoge ist heute Gedenkstätte und in der ehemaligen Lehrerwohnung ist eine Dauerausstellung zu sehen, die sich mit der Geschichte der jüdischen Gemeinden im Landkreis Würzburg beschäftigt. Eine Tonbildschau, Fotos und Dokumente ergänzen den Rundgang.

Im Museum ist auch das aus dem Jahre 1715 stammende Memorbuch zu sehen. Die Memorbücher der jeweiligen jüdischen Gemeinde wurden in der Synagoge aufbewahrt, um so auch die Totentage der verstorbenen Gemeindemitglieder einzuhalten. Eine weitere wichtige Funktion der Memorbücher war, die Geschichte der Gemeinde für die Nachkommen zu erhalten. So finden sich in den Memorbüchern nicht nur die Namen der Verstorbenen, sondern sind auch besondere Ereignisse, wie Anfeindungen oder Ausschreitungen gegen die Gemeinde festgehalten.

Kontakt[Bearbeiten]

Jüdische Gedenkstätte Gaukönigshofen
c/o Gemeindeverwaltung
Am Königshof 22
97253 Gaukönigshofen
Telefon: 09337 - 9719-55

Öffnungszeiten[Bearbeiten]

  • Von Mai bis Oktober: jeweils erster Sonntag im Monat von 14.00 bis 16.00 Uhr
  • Sonderführungen nach Vereinbarung
  • Der Eintritt ist frei! Die Synagogenführung kostet für Gruppen 25 €.

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen und Literatur[Bearbeiten]

  • Gedenkstätte des Landkreises Würzburg (Faltblatt), 1988
  • Landratsamt Würzburg (Hrsg.): Die Museen im Landkreis Würzburg. 2015, S. 10
  • Georg Menig: Der Große Krieg im kleine Raum - Krieg und Kriegserfahrung im ländlichen Unterfranken am Beispiel des Ortes Gaukönigshofen 1914-1918/19. Mainfränkische Hefte 116, Spurbuchverlag, 2018, ISBN 978-3-88778-533-8
  • Thomas Michel: Die Juden in Gaukönigshofen/Unterfranken (1550 - 1942). Beiträge zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte Band 38, Franz Steiner Verlag Wiesbaden GmbH 1988 (Stadtbücherei Würzburg Dkl 1 Gau)
  • Thomas Michel: Ein Streifzug durch die jüdische Geschichte von Gaukönigshofen. In: 741 - 1991. 1250 Jahre Gaukönigshofen. Gemeinde Gaukönigshofen (Hrsg.), S. 54 ff. (Stadtbücherei Würzburg Dem Gau) (Veröffentlichung mit freundlicher Erlaubnis der Gemeinde Gaukönigshofen.)
  • Jutta Sporck-Pfitzer: Die ehemaligen jüdischen Gemeinden im Landkreis Würzburg. Hrsg.: Landkreis Würzburg, Echter Verlag, Würzburg 1988

Weblinks[Bearbeiten]

Hinweise[Bearbeiten]

  1. Zwischen 1948 und 1951 standen mehrere der beim Novemberpogrom 1938 Beteiligten (darunter einer aus Gaukönigshofen) in Würzburg vor Gericht. Elf von ihnen erhielten Gefängnisstrafen zwischen drei Monaten und einem Jahr.

Kartenausschnitt[Bearbeiten]

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