Städtisches Industriegleis Aumühlwiesen

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Das Städtische Industriegleis Aumühlwiesen war ein sich verzweigender Gleisanschluß mehrerer Unternehmen im Gewerbegebiet Nürnberger Straße am Verladebahnhof Aumühle mit einer Länge von rund 2,5 Kilometern.

Zweck

Ein Industriestammgleis bündelt verschiedene weitere nachrangig angeordnete Unternehmensgleisanschlüsse und verbindet so Unternehmen oder sonstige Industriebetriebe, die sperrige oder ein große Anzahl an Gütern empfangen oder versenden, abseits von Eisenbahnstrecken liegen und daher bisher keinen direkten eigenen Gleisanschluss besitzen, mit dem Übergabebahnhof, in diesem Fall dem Hauptbahnhof.

Geschichte

In einer topographischen Karte des Deutschen Reiches aus dem Jahr 1937 ist zu erkennen, dass dieses städtische Industriegleis in der nordöstlichen Ecke der Faulenberg-Kaserne endete und von diesem Hauptgleis nach etwa einem Kilometer an einer Weiche ein etwa 400 Meter langes Stichgleis in südwestliche Richtung abzweigte. [1] Dieses Stichgleis lag zentral zwischen der Inneren- und Äußeren Aumühlstraße und verlief parallel zu diesen beiden Straßen. In der Nachkriegszeit wurden der Verladebahnhof und das Industriegleis sowohl militärisch durch das US-Militär, als auch zivil genutzt. So führte das Hauptgleis bis zum 1962 eröffneten Kupsch-Zentrallager, [2] an dessen Stelle sich heute der E-Center Popp (Edeka) befindet. Das städtische Industriegleis führte dabei durch das 1956 errichtete Siemens-Werk (heute: Brose). Zu den wichtigsten Anschließern zählten ferner das 1974 neu geschaffene Glas Keil-Firmengelände mit acht Hallen und einem Bürogebäude, [3] das Aral-Tanklager an der Äußeren Aumühlstraße, die Fisch-Lieferanten „Deutsche See“ und „Nordsee“ und weitere Gewerbebetriebe. [4] Das etwa 2,5 Kilometer lange Gleis erlebte mit dem Wirtschaftsaufschwung nach dem Krieg seine Blütezeit. Auch die Bundeswehr nutzte bis 1983 ein Abstellgleis für Treibstoff-Kesselwagen.

Ende des Industriegleises

Ursächlich war dafür einerseits die starke Verlagerung von Transporten auf die Straße in Form von Lastkraftwagen. Andererseits aber auch der Wegfall wichtiger Anschließer am Industriegleis durch das Gewerbegebiet Nürnberger Straße. So brachen das Aral-Tanklager, die „Deutsche See“ und auch das Kupsch-Zentrallager weg. 1993 wurde in der Verladung von Siemens der letzte Zug abgefertigt. Auch Glas Keil verlegte den Transport auf die Straße. Das Industriegleis wurde somit nicht mehr genutzt. Die Stadt beschränkte ihre Unterhaltsmaßnahmen auf das nötigste. In den 1990er Jahren wurde der Abschnitt zwischen Siemens und Kupsch-Zentrallager endgültig stillgelegt. Mitte der 2000er Jahre entschied sich die Stadt Würzburg in Zeiten astronomischer Stahlpreise aufgrund der fehlenden Nachfrage und des Sanierungsstaus, die Gleise zurückzubauen.

Verlauf

Das Industriegleis zweigte etwa auf Höhe des Real-Marktes von der Bahnlinie Würzburg-Nürnberg am Verladebahnhof Aumühle ab und überwand zunächst in Form einer Rampe den Höhenunterschied zum tieferliegenden Gewerbegebiet. In Form eines Bahnübergangs mit Lichtzeichenanlage kreuzte das Gleis unter der Aumühlbrücke die Nürnberger Straße. Der heutige Aumühlweg zeichnet den weiteren Verlauf des Industriegleises. Ein weiterer Bahnübergang folgte an der Inneren Aumühlstraße. Nach etwa einem Kilometer zweigte ein fast parallel zum Hauptgleis verlaufendes Stichgleis in südwestliche Richtung zur Firma Glas Keil ab. Die Weiche befand sich ungefähr hinter (und damit nördlich) der Moschee Merkez Camii. Das Stichgleis hatte wiederum einen Bahnübergang über die Äußere Aumühlstraße. Das Hauptgleis führte nördlich der Kaserne und südlich des Rosenmühlwegs an der Kürnach entlang. Hier zweigte ein tieferliegendes, kurzes Stichgleis auf das Kasernengelände ab. In der Ohmstraße gab es vor dem Siemens-Gelände einen Bahnübergang. Im Bereich der Verladung verlief das Industriegleis durch das Werksgelände, kreuzte dann die Werner-von-Siemens-Straße im Bereich des Jüdischen Friedhofs und endete dann am ehemaligen Kupsch-Zentrallager.

Heutige Zeugnisse

Der Verlauf des Industriegleises lässt sich trotz dem fast vollständigen Rückbau der Gleise in Luftbildern noch sehr gut nachvollziehen. Das Gleisbett ist im Bereich der Rampe am Real-Markt hinter einem Zaun und parallel zum Rosenmühlweg an der Kürnach noch erhalten und wird von der Natur zurückerobert. Einige Meter Eisenbahngleise und ein Prellbock sind noch auf dem nördlichen Areal der Faulenberg-Kaserne erhalten (für die Öffentlichkeit gegenwärtig nicht zugänglich). Auch dort hält die Natur Einzug. Auf Höhe des Jüdischen Friedhofs kann man ebenfalls noch Gleisreste und einige Eisenbahnschwellen aus Holz entdecken. Von den einstigen Bahnübergängen gibt es heute dagegen keine Zeugnisse mehr.

Bildergalerie

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise