Elisabethenheim

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Das Lisele in der Pleich

Das Elisabethenheim, bei Würzburgern auch als Lisele bekannt, bietet rund 300 Kindern und 40 Senioren eine Begegnungstätte für Alt und Jung. Generationsübergreifendes Miteinander ist im Elisabethenheim Alltag: Jüngere helfen Älteren und umgekehrt. Alt und Jung begegnen sich in alltäglichen Situationen, können sich austauschen und gegenseitig unterstützen. Durch feste Kooperationen der Bereiche im Haus (Kinderkrippe, Kindergarten, Vorschule, Hort, Schule, Internat, Alten- und Pflegeheim) ist es möglich, regelmäßig Angebote, Aktionen und Feste generationenübergreifend durchzuführen. Auf diesem Weg wird das christliche Grundverständnis vermittelt, Menschen anzunehmen, egal welcher Herkunft, Nationalität oder Generation.

Trägerschaft[Bearbeiten]

Träger ist der Verein Elisabethenheim Würzburg e. V., ein gemeinnütziger katholischer Verein von engagierten Menschen, die mit dem Elisabethenheim ein Angebot für verschiedenste Lebenslagen bieten und sich für andere Menschen engagieren.

Baubeschreibung[Bearbeiten]

Das Heimgebäude ist ein dreigeschossiger Dreiflügelbau mit Walmdächern, älterer Teil mit barockisierender Fassade und Eingangsportal in Form eines barocken Torbaus mit Tympanonrelief 'Christus väterlicher Fürsorger', Putzmauerwerk mit Stuck- und Sandsteingliederungen über Rustikasockel aus dem Jahr 1913. Angeglichener Erweiterungsbau in schlichtem Putzmauerwerk mit erhöhtem Treppenhaus und Hauskapelle im Stil der konservativen Moderne von 1933-1935.

Geschichte[Bearbeiten]

Mädchen der „Rettungsanstalt“ des Elisabethenvereins Würzburg e.V. im Jahr 1926
Ansichten des Elisabethenheims (Postkarte von 1942)
Innenhof des Elisabethenheims (undatiert, vor 1945)
Elisabethen-Verein in der Bohnesmühlgasse (undatiert, vor 1945)

Gründung[Bearbeiten]

Um armen, verwaisten und notleidenden Mädchen katholischen Glaubens eine Heimat zu geben, wurde am 10. April 1853 der Würzburger Elisabethenverein von sozial engagierten Frauen gegründet. Im 1854 gefundenen Haus übernahmen zunächst die Niederbronner Schwestern die Betreuung und Erziehung. 1859 wurde eine einklassige „Anstaltsschule“ mit 34 „Zöglingen“ eingerichtet. Der Umzug in das größere Haus Bohnesmühlgasse 16 erfolgte am 31. Oktober 1867. Da die Niederbronner Schwestern sich aber durch die Neugründung ihrer Kongregation in Würzburg hauptsächlich der Krankenpflege widmeten, wurden sie 1867 in Mutterhaus zurück geholt. Darauf hin wandte sich Domkaplan Johann Ludwig Lochner, Vorsitzender des Elisabethenheim e.V. mit einem Bittgesuch nach Augsburg an die Kongregation der Franziskanerinnen von Maria Stern, um wieder Schwestern für das Elisabethenheim zu bekommen. Der Augsburger Bischof Pankratius von Dinkel bewilligte diese Bitte und ab Januar 1868 begannen die ersten drei Schwestern mit der Erziehung und Bildung der Mädchen.

Kinderbewahranstalt und Nähschule[Bearbeiten]

Im Jahre 1880 kamen eine Kinderbewahranstalt und eine Nähschule dazu. 1883 wurden im Auftrag von Regierungspräsident Friedrich Graf von Luxburg Handarbeitslehrerinnen im Haus ausgebildet. Die Franziskanerinnen von Maria Stern erhielten für diese Aufgabe eine gesonderte Ausbildung, so dass von 1894 bis 1921 diese Kurse unter der Leitung der „Sternschwestern“ stattfanden. Seit 1896 gab es im Elisabethenheim auch Musikunterrricht durch eine eigens ausgebildete Musiklehrerin.

1903 konnte das 50jährige Bestehen des Elisabethenheim e.V. gefeiert werden. Zu dieser Zeit waren 65 Kinder und über 20 Schwestern in der Einrichtung.

Neubau und Anbau[Bearbeiten]

In den Jahren von 1933 bis 1935 erfolgte der Neubau und Anbau in der Bohnesmühlgasse, womit das heutige Aussehen der Gebäude im typischen Baustil der frühen 1930er Jahre geprägt wurde. Am 10. Juli 1935 weihte Bischof Matthias Ehrenfried das Haus ein. Gleichzeitig erhielt das größere Gebäude den neuen Namen Elisabethenheim, da zum einen der Name „Rettungsanstalt“ als nicht mehr passend erschien und zum anderen das Wort „Heim“ auf das Wort „Heimat“ hinweisen sollte, eine Heimat für die betreuenden Frauen und Mädchen.

Kriegs- und Nachkriegszeit[Bearbeiten]

1941 kam eine neue Herausforderung auf die Schwestern zu, da zwei Klassen mit ca. 60 Schülerinnen und Lehrkräften aus dem Ruhrgebiet im Rahmen der Kinderlandverschickung [1] aufgenommen werden mussten. In diesem Zusammenhang mussten laut dem Reichsleistungsgesetz Räume und Nahrung gestellt werden. Nachdem im Juli [[1944] die ersten Bomben auf Würzburg gefallen waren, forderten die Behörden alle Personen, die irgendwie in der Stadt abkömmlich waren, auf, die Stadt zu verlassen. Im Januar 1945 nahmen die Gemeinden Bütthard, Büchold und Aschfeld durch Vermittlung der Ortsgeistlichen die Kinder und Schwestern auf. Den Schwestern, die nicht evakuiert waren, ist es zu verdanken, dass das Haus als solches nicht ausbrannte. Sie waren mutig genug, die Brandbomben aus dem Dach zu werfen und verhinderten die Zerstörung des Gebäudes beim Bombenangriff auf Würzburg am 16. März 1945.

Vom März 1945 bis Oktober 1945 wurden über 40.000 hilfesuchende Menschen durch die Schwestern des Elisabethenheimes versorgt und zahlreiche Flüchtlinge wurden in das nicht abgebrannte Haus einquartiert. Da auch die Pfarrkirche St. Gertraud und das Pfarrheim den Flammen zum Opfer gefallen waren, wurde die Hauskapelle für einige Zeit zur Pfarrkirche erklärt. Der damalige Pfarrer, der spätere Weihbischof Alfons Kempf, bewohnte bis 1950 ein kleines Zimmer im Elisabethenheim.

Aufnahme von externen Kindern und koedukative Ausweitung[Bearbeiten]

In den folgenden Jahren des Wiederaufbaus bestand eine große Nachfrage für Schule und Tagesbetreuung. Ebenso zeigten Mädchen aus Stadt und Land großen Interesse an der Nähschule. Um diesen Aufgaben gerecht zu werden, mussten wieder neue Räume geschaffen und Schwestern qualifiziert werden. 1957 wurden erstmals sogenannte externe Mädchen in die nun „Heimvolksschule“ genannte Einrichtung aufgenommen. Auf Anordnung der Regierung wurde die private Volksschule ausgebaut und weltliche Lehrkräfte eingestellt. 1967 besuchten bereits 143 Schülerinnen die Volksschule, davon ⅓ Externe. Bis 1972 blieb die private Schule eine reine Mädchenschule, danach wurden auch Jungen aufgenommen. Diese koedukative Ausweitung, d.h. die gemeinsame Bildung von Jungen und Mädchen, bereicherte von nun an das gesamte Schulleben. 1978 erfolgte die Auflösung der Lehrwerkstätten im Wäsche- und Damenschneiderinnen-Handwerk.

Ab 2001[Bearbeiten]

Seit 2001 wird der Eigenname „ElisabethenHeim“ geführt um bewusst das Logo des Vereins ein „E“ und ein „H“ auch im Schriftzug zu betonen. In den Jahren von 2005 bis 2007 wurde das Alten- und Pflegeheim erweitert und saniert. 2007 wurde die erste Kinderkrippengruppe eröffnet. 2009 folgte die Erweiterung um eine Vorschulgruppe und eine weitere Kinderkrippengruppe.

Heute beherbergt das ElisabethenHeim gemäß dem Motto „Alle unter einem Dach“ von der Kinderkrippe, über Kindergarten, Vorschule, Schule, Hort, Internat sowie Alten- und Pflegeheim verschiedene Generationen.

Namensgeber[Bearbeiten]

Die Heilige Elisabeth von Thüringen ist Patronin der Caritas, der Witwer und Bettler. Obgleich sie vor über 800 Jahren lebte, ist sie als Vorbild immer noch aktuell. Ihre Lebensgeschichte von der Königstochter und Landgräfin hin zur radikalen Abkehr von Prunk und Glanz bis zur völligen Selbstaufgabe im Sinne der christlichen Nächstenliebe ist vorbildlich.

Angebot[Bearbeiten]

  • Hort
  • Vorschule
  • Schule
  • Kindergarten
  • Kinderkrippe
  • Internat
  • Alten- und Pflegeheim

Hort[Bearbeiten]

Der Hort ist eine eigenständige Bildungs-, Erziehungs-, und Betreuungseinrichtung. Er versteht sich als familienergänzende und -unterstützende Institution außerhalb der Schulzeiten und erleichtert Eltern die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Der Hort hat ganzjährig von 06.30-18.00 Uhr geöffnet. Neben eine qualifizierten Hausaufgabenbetreuung werden zahlreich Freizeitaktivitäten angeboten. In allen Schulferien findet eine Ferienbetreuung statt.

Grund- und Hauptschule[Bearbeiten]

Die private katholische Volksschule Elisabethenheim für Knaben und Mädchen ist als Grund- und Teilhauptschule staatlich anerkannt, d.h. es wird von der 1. bis zur 6. Klasse nach dem amtlichen bayerischen Lehrplan unterrichtet. Die private Schule steht in der Trägerschaft der Diözese Würzburg. Schwerpunkte des Angebotsprofils der Schule sind der Musikpädagogische Zweig in Zusammenarbeit mit der Würzburger Dommusik und Werte und Sozialerziehung im Schulpastoral.

Internat[Bearbeiten]

Im Internat werden Kinder aller Schularten ab der 1. Klasse aufgenommen und dort in einer Kleingruppe betreut. Das Angebot umfasst feste Hausaufgabenzeiten, gemeinsames Mittagessen aus der hauseignen Küche, gemeinsame Gruppenaktivitäten und die individuelle Teilnahme an Angeboten verschiedener Würzburger Vereine.

Alten- und Pflegeheim[Bearbeiten]

Das Alten- und Pflegeheim liegt zentral in der Innenstadt und verfügt über 42 unterschiedlich große Einzelzimmer mit Dusche und WC. Jung und Alt unter einem Dach - durch die Verknüpfung aller Bereiche im Haus sind Pflegemitarbeiter, Gerontopsychiatrische Fachkräfte und Ordensschwestern immer bemüht die Bewohner individuell zu unterstützen und zu betreuen.

Ehrung und Auszeichnung[Bearbeiten]

1953 wurde das Heim mit der Goldenen Stadtplakette der Stadt Würzburg geehrt.

Kontakt[Bearbeiten]

Elisabethenheim
Bohnesmühlgasse 16
97070 Würzburg
Telefon: 0931 - 230094-0

ÖPNV[Bearbeiten]

Straßenbahn.png Nächste Straßenbahnhaltestelle: Ulmer Hof


Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen und Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Hinweise[Bearbeiten]

  1. Nähere Informationen zur Kinderlandverschickung bei Wikipedia [1].

Kartenausschnitt[Bearbeiten]

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