Heiliger Kilian

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Kilian (Mitte), Kolonat und Totnan, Kopien der Riemenschneider-Holzfiguren von Heinrich Schiestl in der Neumünster-Kirche, Würzburg. Die Originale wurden während des Brands 1945 ein Raub der Flammen.

Der Heilige Kilian (* vielleicht um 640 in Mullagh, County Cavan, Irland; † 689 in Würzburg) ist der Schutzheilige der Stadt und des Bistums Würzburg. Dem Frankenapostel wurde der Würzburger Dom geweiht.

Kilian soll ein iro-schottischer Missionsbischof gewesen sein. Der Name Kilian wird in älteren Namensbüchern meist mit „Kirchenmann“ übersetzt, was sich vermutlich auf seinen berühmtesten Träger bezieht und als eigentlicher Sinn des Wortes nicht in Frage kommt. Wahrscheinlicher ist, dass der Name der keltischen Urform Ceallach entstammt und Krieg, Kampf, Kämpfer bedeutet.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Da die beiden ältesten Heiligenleben, die Passio minor [1] und die jüngere Passio maior [2] erst aus dem 9. Jahrhundert stammen, ist allen hier gebotenen Angaben zum Leben Kilians mit größter Skepsis zu begegnen, zumal es keine Kontinuität des Kults zwischen Tod (angeblich 689) und Erhebung der Gebeine (752, im sachlichen Zusammenhang mit der Gründung des Bistums Würzburg 742) gegeben zu haben scheint. So ist es höchst zweifelhaft, ob der in der Tradition der irischen Peregrinatio wurzelnde Mönch Kilian tatsächlich Bischof war und als solcher missionierte und taufte. Noch unwahrscheinlicher ist die behauptete Romreise zu Papst Konon. Beide Motive entsprechen nämlich der späteren Tradition der angelsächsischen Mission und sind offenbar konstruiert worden, um Kilian als Vorläufer des angelsächsischen Missionsbischofs und päpstlichen Legaten Bonifatius darzustellen. Damit fällt aber die einzige Angabe, der Pontifikat des Konon (686/689), aus der sich ein präzises Datum gewinnen lässt und von dem aus die übrigen Zeitangaben errechnet wurden. Nach dieser Berechnung kam Kilian 686 n.Chr. mit seinen elf Begleitern (zusammen also die Zwölfzahl der Apostel!) bzw. nach der jüngeren Vita mit zwei Gefährten (ein Topos der asketischen Tradition), Kolonat und Totnan, nach Würzburg. Er soll hier und in der Umgebung gepredigt und missioniert haben und sei dann (ca. 689) gemeinsam mit seinen Begleitern ermordet worden, nach dem Martyrologium des Hrabanus Maurus vom Herzog, die Passiones dagegen legen die Ermordung Gailana, der Frau des fränkischen Herzogs Gosbert, zur Last. Sie war die Witwe seines Bruders und ihre Heirat mit Gosbert galt daher nach christlichem Kirchenrecht als Blutschande. Kilian soll den bereits getauften Herzog gedrängt haben, die Verbindung aufzulösen. Gailana nutzte eine Abwesenheit ihres Mannes, den Bischof und seine beiden Gefährten durch den Koch und den Kastelan ermorden zu lassen, ein Motiv, das aus der Korbiniansvita des Arbeo von Freising übernommen sein dürfte. Die Leichen sollen im Pferdestall der Herzogsburg (an der Stelle der heutigen Neumünsterkirche) verscharrt worden sein.

Kult[Bearbeiten]

Im Jahr 752 wurde, wohl auf Initiative des Bonifatius, die Auffindung der Reliquien von Bischof Burkhard, dem ersten Würzburger Bischof, inszeniert und wahrscheinlich durch das nach späterer Tradition angeblich im Grab erhalten gebliebene Kiliansevangeliar, Universitätsbibliothek, M.p.th.q.1a), eine Evangelienhandschrift des frühesten 7. Jahrhunderts aus Gallien, beglaubigt. [3]

Heute werden die Gebeine der drei Heiligen in einem Reliquienschrein von Heinrich Gerhard Bücker in der Krypta der Neumünsterkirche aufbewahrt, die Schädel befinden sich in einem Schrein aus Bergkristall, der in den Altar des Kiliansdoms eingelassen ist. Während der Kiliani-Oktav (Woche um den 8. Juli) wird der Schrein mit den Schädeln öffentlich ausgestellt. Zu dieser Zeit findet auf dem Talavera-Festplatz in Würzburg das Kiliani-Volksfest und auf dem Marktplatz die Kiliani-Verkaufsmesse statt.

Die frühesten sicheren Zeugnisse für die Verehrung Kilians finden sich im Kalendar des Godescalc-Evangelistars (Paris, Bibl. nat., Nouv. Acq. lat. 1203) von 781-783, in einem auf vor 838 zu datierenden Nachtrag einer Würzburger Handschrift des Martyrologium des Beda venerabilis (Würzburg, Universitätsbil., M.p.th.f.49) und in dem Martyrologium des Hrabanus Maurus (842-856). Eine Fuldaer Handschrift der Passio minor aus dem letzten Viertel des 10. Jahrhunderts enthält den frühesten erhaltene Bildzyklus der Kilianslegende und ist damit das früheste erhaltene Beispiel einer ausführlich illustrierten Heiligenvita überhaupt.

Gedenktag und Attribute[Bearbeiten]

Sein katholischer und evangelischer Gedenktag ist der 8. Juli. Es handelt sich in der katholischen Kirche dabei um einen nicht gebotenen Gedenktag im [Allgemeinen Römischen Kalender. Jedoch Hochfest in der Stadt Würzburg. Die orthodoxen Kirchen gedenken seiner auch an diesem Tage, oftmals am 21. Juli (dem 8. Juli gemäß dem julianischen Kalender).

Zu den Attributen des Heiligen zählen der Krummstab und das Schwert.

Heiliger[Bearbeiten]

Die Heiligen sind in der katholischen Kirche fast alle als Christen gestorben, die ihr Leben im Sinne des Christentums verbracht haben und einige sind sogar als Märtyrer für ihren Glauben gestorben. Da ihnen eine Nähe zu Gott zugeschrieben wird, bitten viele Christen solche Verstorbenen um Fürbitte bei dem dreieinigen Gott. Das lateinische Wort für Heilige, sancti, heißt eigentlich nur, dass sie Eigentum ihres Gottes sind. Das sind aber im Prinzip alle Christen, weshalb es im Glaubensbekenntnis von der Kirche, der una sancta, auch heißt: sie sei die Gemeinschaft der Heiligen.

Patronate[Bearbeiten]

Der Heilige Kilian ist Schutzpatron der Städte Würzburg, Heilbronn, Kostheim und der Region Franken sowie der Berufe Weißbinder und Tüchner. Er wird bei Augenleiden, Gicht und Rheumatismus angerufen.

Namenspatenschaften[Bearbeiten]

Nach dem Heiligen wurden des weiteren benannt:

St. Kilians - Kirchen in Stadt und Landkreis[Bearbeiten]

Stadtgebiet Würzburg[Bearbeiten]

Landkreis Würzburg[Bearbeiten]

Statuen und bildhafte Darstellungen[Bearbeiten]

In Würzburg finden sich folgende Statuen und bildhafte Darstellungen des Frankenapostels:

  • Kiliansfahne von 1266 (Cyriakusbanner)
  • Kiliansgobelins für die Apsis des Doms, 1945 verbrannt
  • Relief am ehemaligen Neumünster-Kreuzgang im Lusamgärtchen
  • Figur am Scherenbergtor der Festung
  • Figur auf dem Kiliansturm der Festung
  • Figur im Altarraum der Neumünster-Kirche (Original von Riemenschneider)
  • Darstellungen auf dem Kiliansschrein in der Kiliansgruft (Neumünster)
  • Bildhafte Darstellung im Kuppelfresko von Neumünster
  • Bildhafte Darstellung an der Fassade des Neumünsters zum Kiliansplatz
  • Statue auf der Alten Mainbrücke
  • Statue am Bruderhof
  • Bronzestatue auf dem Kiliansbrunnen
  • Muschelkalkfigur Brunnen am Kiliansplatz
  • Bildhafte Darstellung auf der Kilianspforte des Doms (Nordseite der Kirche, am Kiliansplatz)
  • Gemälde an der Fassade des Kilianshofs
  • Muschelkalkstatue in den Weinbergen am Schlossberg unterhalb der Festung

Auch an anderen Orten finden sich bildhafte Darstellungen des Heiligen. Z.B. in der Kilianskirche in Heilbronn.

Sonstiges[Bearbeiten]

Einige Bauernregeln beziehen sich auf den Namenstag des Hl. Kilian:

  • Kilian, der heilige Mann, stellt die ersten Schnitter an.
  • Ist's zu St. Kilian schön, werden viele gute Tage vergehn.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Klaus Wittstadt: Sankt Kilian : Leben - Martyrium - Wirkung; Würzburg: Echter, 1984. 91 S.
  • Klaus Wittstadt (Hrsg.): St. Kilian. 1300 Jahre Martyrium der Frankenapostel ( Würzburger Diözesan-Geschichtsblätter 51, 1989).
  • Ludwig K. Walter: ST. KILIAN. Schrifttumsverzeichnis zu Martyrium und Kult der Frankenapostel und zur Gründung des Bistums Würzburg. (Würzburger Diözesan-Geschichtsblätter 51, 1989, Ergänzungsband).
  • Claus Grimm (Hrsg.): Kilian. Mönch aus Irland aller Franken Patron. Aufsätze (Veröffentlichungen zur Bayerischen Geschichte und Kultur 19/89), München 1989.
  • Kilian. Mönch aus Irland aller Franken Patron. Katalog der Sonder-Ausstellung zur 1300-Jahr-Feier des Kiliansmartyriums, Würzburg 1989.
  • Gereon Becht-Jördens: Die Ermordung des Erzbischofs Bonifatius durch die Friesen. Suche und Ausgestaltung eines Martyriums aus kirchenpolitischer Notwendigkeit? In: Archiv für mittelrheinische Kirchengeschichte 57, 2005, S.95-132, bes. S. 114-116
  • Klaus Wittstadt: Der heilige Kilian : Mönch - Missionar - Märtyrer, Würzburg: Echter, 1989, 31. S., ISBN 3-429-01215-5
  • Wolfgang Bullin / Franz-Ludwig Ganz (Hrsg.) : Dich loben, dir danken... 1300 Jahre Mission und Martyrium der Frankenapostel Kilian, Kolonat und Totnan. Das Buch der Diözese Würzburg zum Jubiläumsjahr, Würzburg: Echter, 1990, 171 S., ISBN 3-429-01337-2

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. ed. Levison, Wilhelm, Scriptores rerum Merovingorum 5, S. 711-728
  2. ed. Emmerich, Franz: Der heilige Kilian. Regionarbischof und Martyrer, Würzburg 1896, S. 11-25
  3. Kilian. Mönch aus Irland aller Franken Patron (s. unten Literatur) Nr. 227, S. 239, dazu Becht-Jördens (s. unten Literatur)

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