Würzburger Burschenschaft Arminia

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Wappen der Würzburger Burschenschaft Arminia von 1931

Die Würzburger Burschenschaft Arminia ist eine farbentragende und pflichtschlagende Studentenverbindung. Die Mitgliedschaft steht Studenten sämtlicher Würzburger Hochschulen offen.


Geschichte[Bearbeiten]

Die Würzburger Burschenschaft Arminia führt ihr Bestehen auf die am 12. Dezember 1848 gegründete Studentenverbindung Palladia zurück. Sie gilt damit als die zweitälteste noch bestehende Nichtcorpsverbindung Würzburgs.

Palladia/Teutonia[Bearbeiten]

Nach der Liberalisierung des Vereinswesens infolge der Märzrevolution 1848 kam es in Würzburg zur Gründung weiterer studentischer Verbindungen, die neben die bisher allein behördlich anerkannten, nun zumeist als Corps bezeichneten Mitgliedsverbindungen des Senioren-Convents traten. [1] Zu diesen Neugründungen[2] zählt die am 12. Dezember 1848 gegründete Studentenverbindung Palladia, an deren Gründung als Progressverbindung („Fortschrittsverbindung“) der im Mitglied des Studentenausschusses wirkende Würzburger Medizinstudent Ernst Schmidt [3] wesentlich beteiligt war.

Am 3. Juni 1850 erfolgte eine Eingabe an den akademischen Senat mit der Bitte um Genehmigung einer Änderung des Namens zum Namen Teutonia, welche am 14. Juni 1850 erfolgte. [4] Am 16. Mai 1859 folgte der Beschluss, anstelle der seit Gründung geführten Farben "Blau-weiß-gold" die Farben "Schwarz-rot-gold" anzulegen; am 1. Juni 1859 erfolgte eine entsprechende Anzeige an den akademischen Senat und am Folgetag (2. Juni 1859) der feierliche Vollzug des Farbenwechsels auf dem Schwanberg bei Kitzingen. Ab Juli 1859 stand Teutonia wegen der verdächtigen Farbwahl unter behördlicher Beobachtung. Wohl infolge der dadurch resultierenden Schwierigkeiten beschloss die Burschenschaft im Winter 1859/60, vorübergehend keine Farben zu tragen.

Der letzte Teutone, Alexander Scopin, schloss sich am 10. November 1859 der allgemeinen Studentenverbindung Wirceburgia an. Bei dieser handelte es sich um einen Versuch der Zusammenfassung aller Studenten („Allgemeinheit“). [5]

Arminia[Bearbeiten]

Nach Scheitern der Wirceburgia gewann Scopin weitere Studenten für die am 14. Juli 1860 erfolgende Gründung der Würzburger Burschenschaft Arminia, die zu Himmelfahrt 1863 wieder auf dem Schwanberg bei Wiesenbronn/Lkr. Kitzingen ihre Farben von „Schwarz-rot-gold“ zu "Schwarz-gold-rot" änderte. 1863 trat Arminia dem Norddeutschen Kartell bei, aus dem sie bereits 1866 wieder austrat. Im Sommer 1867 erfolgte die formale Angliederung der Altherrenschaft der Teutonia.

Am 10. November 1874 beteiligte sich Arminia an der Gründung des Eisenacher Deputierten-Convents, eines Vorläufers des 1881 gegründeten Allgemeinen Deputierten-Convents (seit 1902 Deutsche Burschenschaft), welchem Arminia am 20. Juli 1881 beitrat.

1878 unterstützte Arminia die Umwandlung des medizinischen Fachvereins „Coetus anatomicus“ in eine Burschenschaft (Cimbria) auch durch Abgabe von Mitgliedern. 1895/96 unterstützte sie auch den Beitritt der Studentenverbindung Germania zum Allgemeinen Deputierten-Convent.

Verbindungshaus der Burschenschaft Arminia

1905 erfolgte die Grundsteinlegung für das Arminenhaus in der heutigen Rottendorfer Straße, welches am 22. Oktober 1906 eingeweiht werden konnte.

Während der Zeit des Nationalsozialismus gehörte Arminia zu den mitgliederstarken Korporationen, welche ohne erzwungene Vereinigung mit einer anderen Verbindung unter den Bedingungen der nationalsozialistischen Diktatur einen Kameradschaftsbetrieb unterhalten konnten. Zu diesem Zweck unterstützte der Altherrenverband die Kameradschaft „Ulrich von Hutten“ des Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbunds. Im Verlauf des Zweiten Weltkriegs setzte sich innerhalb der Kameradschaft eine korporationsfreundliche Gruppe durch, welche verdeckt den Betrieb der Burschenschaft fortsetzte und im Kontakt mit ähnlichen Gruppierungen anderer Kameradschaften stand. [6] Diese Phase endete mit dem verheerenden Bombenangriff am 16. März 1945, bei dem neben den vielen menschlichen Opfern auch der Verlust des Arminenheims zu beklagen war.

Bereits im Sommer 1945 fand eine erste Ausschusssitzung der Altherrenschaft statt. Am 23. Juli 1948 erfolgte die Neugründung des aktiven Bundes unter der Bezeichnung „Palladia“. Am 22. Oktober 1949 werden die Mitglieder der Palladia als Aktivitas in die Arminia aufgenommen.

1954 erfolgte die Fusion der Arminia mit der aus ihrer Heimat vertriebenen Brünner Burschenschaft Moravia.

1957 konnte das wiedererrichtete Arminenhaus eingeweiht werden.

1996 trat Arminia als erste der Würzburger Burschenschaften mit Wirkung zum Jahresende aus der Deutschen Burschenschaft aus, welcher sie von deren Gründung an angehört hatte. [7]

Ausrichtung[Bearbeiten]

Arminia versteht sich traditionell als sogenannte „rote“ Burschenschaft. Diese Bezeichnung einer auf die „Verinnerlichung“ burschenschaftlichen Lebens gerichteten burschenschaftlichen Ausrichtung geht auf die überwiegend roten Mützenfarben der ersten „roten“ Burschenschaften zurück. [8]

Der Deutschen Burschenschaft gehörte Arminia von 1881 bis zu ihrem Ausscheiden 1997 an. Heute ist die Studentenverbindung verbandsfrei.

Nachdem die Burschenschaft bereits seit der Zwischenkriegszeit bis zu ihrem Ausscheiden aus dieser Mitglied der „Roten Richtung“ innerhalb der Deutschen Burschenschaft gewesen war, beteiligte sie sich 2008 an der Gründung des „Kartells Roter Burschenschaften“. Bei diesem handelt es sich um einen außerhalb der Deutschen Burschenschaft stehenden Zusammenschluss traditionell „roter“ Burschenschaften. [9]

Couleur[Bearbeiten]

Die Farben der Burschenschaft Arminia sind die deutschen Farben in der Farbfolge „Schwarz-gold-karminrot“; sie werden von Burschen und Füchsen der Verbindung gleichermaßen getragen. Die Mützenfarbe ist karminrot.

Zu besonderen Anlässen tragen die Mitglieder daneben das „schwarz-weiß-blaue“ Band der früheren Moravia.


Wahlspruch[Bearbeiten]

Die Studentenverbindung verwendet den allgemeinen Wahlspruch der Burschenschaft in der Fassung „Freiheit Ehre Vaterland!“.


Ergänzungen und Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Im März 1848 bestanden in Würzburg die behördlich anerkannten Corps Moenania, Bavaria, Nassovia, Rhenania und die 1845 rekonstituierte Franconia; daneben bestand mit der heutigen Burschenschaft Germania eine lediglich geduldete weitere Verbindung.
  2. 7. März 1848 Johanniter (1850 polizeilich aufgelöst); 6. Februar 1849 Ballei (eingegangen); 7. März 1849 Julia (eingegangen); 14. Februar 1850 Marcomannia (eingegangen; ein Zusammenhang mit der späteren K.D.St.V. Markomannia besteht nicht); 18. August 1851 Gesellschaft der Aschaffenburger (heute Turnerschaft Asciburgia)
  3. Andreas H. Mahnken und Axel W.-O. Schmidt: Dr. med. Ernst Schmidt (1830-1900) - Revolutionär und Arzt. Würzburger medizinhistorische Mitteilungen 20 (2001), S. 311-318; S. 311 mit Anm. 8
  4. Es besteht kein Zusammenhang mit der heutigen, aus einem am 23. November 1865 gegründeten „Pharmazeutisch-Naturwissenschaftlichen Verein“ hervorgegangenen Landsmannschaft gleichen Namens.
  5. Es besteht kein Zusammenhang mit der späteren paritätischen Verbindung gleichen Namens.
  6. vgl. den vordergründig das verdeckt agierende Corps Guestphalia behandelnden Artikel der FAZ vom 29.05.2013: "In Opposition mit Band und Schläger"
  7. Die Burschenschaften Germania und Cimbria folgten 2008, Adelphia 2011. Derzeit ist die Burschenschaft Teutonia Prag die einzige in der Deutschen Burschenschaft verbliebene Studentenverbindung Würzburgs.
  8. vgl. hierzu den Abschnitt Ausrichtung im Artikel zur Burschenschaft Cimbria und den Abschnitt Ausrichtung im Artikel zur Burschenschaft Germania.
  9. Dem Kartell gehören neben Arminia Würzburg die Burschenschaften Arminia Strassburg zu Tübingen, Holzminda Göttingen und Germania Gießen an.[1]

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen und Literatur[Bearbeiten]

  • Matthias Stickler: Von der studentischen Allgemeinheit zum örtlichen Deputierten-Convent. Die Entwicklung der Würzburger Burschenschaft im 19. Jahrhundert [2]
  • Axel W.-O. Schmidt: Die Gründung der Würzburger Burschenschaft Arminia im Revolutionsjahr 1848 und die Schwierigkeiten mit den ansässigen Würzburger Corps, Einst und Jetzt. Jahrbuch für corpsstudentische Geschichtsforschung 33 (1988), S. 137-151; und 34 (1989), S. 272-275 (Ergänzung)
  • derselbe: Der Gründungsphilister der Würzburger Burschenschaft Arminia Ernst Schmidt 1830-1900. ARMINIA. Mitteilungsblatt der Würzburger Burschenschaft Arminia, Würzburg, Nr. 109/188 (1989), S. 32-34, Nr. 112/191 (1990), S. 37-39, und Nr. 113/192 (1991), S. 42-45

Kontakt[Bearbeiten]

Würzburger Burschenschaft Arminia
Rottendorfer Straße 27
97074 Würzburg
Telefon: 0931-82907

Weblinks[Bearbeiten]

Kartenausschnitt[Bearbeiten]

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