Konrad Försch

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Konrad Försch

Konrad Försch (* 24. März 1893 in Thüngersheim; † 21. Juli 1964 in Würzburg) war Kommunist und Antifaschist aus Würzburg.

Leben und Wirken

Der gelernte Bäckermeister stammte aus einer Würzburger Arbeiterfamilie. Im Ersten Weltkrieg wurde er schwer verletzt; 1920 trat das ehemalige SPD-Mitglied der Kommunistischen Partei (KPD) bei. Mit seiner Frau Maria hatte Försch vier Kinder; die Familie wohnte in der Oberthürstraße.

Da er nach Kriegsende 1918 keine Anstellung in seinem erlernten Beruf fand, arbeitete er zeitweise als Reisender, war bei „Notstandsarbeiten“ im Straßenbau eingesetzt und fand schließlich Beschäftigung als Packer in einem Würzburger Elektrogroßhandel.

Försch, inzwischen der bekannteste Würzburger Kommunist und Redner in vielen Versammlungen, trat im Dezember 1929 als Spitzenkandidat der KPD bei der Stadtratswahl an, erreichte jedoch den Einzug in das Gremium nicht.

Nach dem Zuchthaus in den Strafblock des KZ Dachau

Als die NSDAP 1933 die Macht übernahm, organisierte Försch den kommunistischen Widerstand in der Stadt, was zu mehreren Verhaftungen führte, zunächst aber zu keiner Verurteilung. Diese folgte dann 1936: mehrere Jahre Zuchthaus.

Am 5. Mai 1939 wurde Försch entlassen – allerdings nicht in die Freiheit, sondern in das KZ Dachau. Dort, so schreibt Guido Hoyer in seinem Buch „Konrad Försch – ein vergessener Würzburger Kommunist“, „erwarteten ihn sofort die schwersten Misshandlungen. Er kam in den Strafblock, den sogenannten Bunker, wo die Gefangenen zum Beispiel durch Entzug von Essensrationen und Dunkelheit geschwächt wurden.“ Im September 1939 wurde Försch in das KZ Buchenwald verlegt, wo er 1942 zu einer „Sonderabteilung“ gehörte, die laut Hoyer ein „Todeskommando“ mit härtester Arbeit im Steinbruch, Essensentzug und Schlägen war.

Unterdessen verlor Försch drei Kinder: 1941 starb die Tochter Eleonore in Würzburg elfjährig an Hirnhautentzündung; der Sohn Richard fiel im Oktober desselben Jahres in der Ukraine, der Sohn Max 1943, ebenfalls im Osten.

„An allen Ecken und Enden roch es in Würzburg nach Leichengift“

Panorama des am 16. März 1945 fast völlig zerstörten Würzburg

Am 16. Mai 1945 kehrte Konrad Försch nach Würzburg zurück. „Wenn man damals durch die Stadt ging, roch es an allen Ecken und Enden nach Leichengift und ich habe mir innerlich gesagt, es muss unbedingt etwas geschehen“, schrieb er rückblickend.

„Ein Hauch von verwesten Leichen“ lag über der Stadt. Mit diesen Worten hat Michael Meisner, der spätere Landrat und Herausgeber der Main-Post, das Würzburg der ersten Friedenswochen nach dem Einmarsch der Amerikaner beschrieben. Daher erließ die Militärregierung den Befehl, systematisch nach Toten zu suchen, die noch nicht bestattet waren. Die Besatzer wollten unter allen Umständen die Entstehung von Seuchen verhindern.

Am 24. Mai 1945 forderte der von den Amerikanern eingesetzte Oberbürgermeister Gustav Pinkenburg die Bürgerinnen und Bürger auf, alle Gebäude zu melden, unter deren Schutt sich wahrscheinlich noch Tote befanden.

Ende Mai wurde ein so genanntes Totenbergungs- und Arbeitskommando gebildet. Es bestand zunächst aus früher besonders aktiven Nationalsozialisten, die man zum Einsatz zwangsverpflichtet hatte. Sie mussten sich den Vorarbeitern, ehemaligen KZ-Häftlingen, und dem Würzburger Kommunisten Konrad Försch als Leiter des neugeschaffenen Totenbergungskommandos und dem persönlichen Beauftragten des Sonderministers Heinrich Schmitt für den Regierungsbezirk Unterfranken unterordnen. Försch fasste diese Arbeit später so zusammen: „Zunächst haben wir in Heidingsfeld ungefähr 60 Großviehkadaver ausgegraben und an Ort und Stelle verbrannt. Darauf wurden in der Stadt in erster Linie die großen und gefährlichen Pestherde beseitigt“.

Försch und seine Männer bargen im Ferdinandeum 30, im Alten Gymnasium (Augustinerstraße 15, im Möbelgeschäft Schmitt in derselben Straße 14 und in der Friedrich-Spee- und Randersackerer Straße etwa 50 Tote.

Seuchenherde, so Försch weiter, bestanden auch in der Plattnerstraße, in der sein Kommando aus dem Keller einer Metzgerei etwa 40 Zentner verwestes Fleisch herausholte. Manche Ruinen, in deren verschüttete Keller man nur mühsam vordringen konnte, drohten einzustürzen und Blindgänger machten die Arbeit zusätzlich lebensgefährlich.

Konrad Förschs Kommando barg etwa 500 Leichen

Alles in allem wurden etwa 500 Tote geborgen. Die Leichen wurden auf die Straße gelegt, wo Polizeibeamte sie identifizierten, soweit dies noch möglich war. Erst danach folgte die Freigabe zur Beerdigung in den städtischen Friedhöfen.

In der jüngst erschienenen Publikation des Stadtarchivs Würzburg zur Endphase des Zweiten Weltkriegs in Würzburg und zum Massengrab am Hauptfriedhof („Dreitausend Männer, Frauen und Kinder haben wir hier zur letzten Ruhe bestattet“ [1]) schreibt Hans-Peter Baum über die bald nötige Professionalisierung der Leichenbergung: „Der ständige Wechsel beim Einsatz ehemaliger NSDAP-Parteigenossen erwies sich als wenig produktiv, so dass Konrad Försch selbst daran ging, die Pflichtarbeitskolonnen nach und nach aufzulösen.“ Zudem, so Baum, wollte Försch „nicht in die Rolle eines ‚Sklavenhalters’ kommen und auch den ehemaligen Parteigenossen nicht Gleiches mit Gleichem vergelten“.

Nach Abschluss der Arbeit kümmerte sich Försch mit seinem Kommando um die Schutträumung, die Sammlung von noch verwertbaren Baustoffen und das Freischaufeln von Kanälen. Später stieg er professionell in das Geschäft der Trümmerräumung ein; die Firma Försch & Rieß bestand bis in die Mitte der 1950er Jahre. In einer Anzeige warb sie mit folgendem Tätigkeitprofil für sich: „Einreißen von Ruinen, Abtragen, Abputzen, Schutträumen und Schutt-Transport, Materialbergung und Sicherstellung.“

Konrad Försch gehörte auch dem im September 1945 geschaffenen „Stadtbeirat“ an, einer Vorform des im Mai 1946 erstmals gewählten Stadtrats.

Verantwortlich für die Entnazifizierung in Unterfranken

Obwohl er im Mai 1946 eines der drei kommunistischen Stadtratsmandate gewann, nahm er dieses nicht an; inzwischen war er nämlich zum Verantwortlichen für Entnazifizierung in Unterfranken berufen worden. Als solcher nahm er an zahlreichen Spruchkammerverfahren im ganzen Regierungsbezirk teil. Dabei plädierte er dafür, kleinen Nazis, den sogenannten Mitläufern, zu verzeihen. Denn: „Wir dürfen nicht Gleiches mit Gleichem vergelten. Wir müssen besser sein.“

Diese Tätigkeit endete im September 1946 und Försch widmete sich ganz seiner Firma sowie der politischen Arbeit für die KPD; bei der Landtagswahl im Dezember 1946 gelang jedoch der KPD der Einzug ins bayerische Parlament nicht. Bei der Stadtratswahl am 30. Mai 1948 erhielt die KPD 8,7 Prozent der Stimmen und drei Mandate; Försch, der auf Listenplatz vier kandidiert hatte, ging wieder leer aus.

Konrad Försch, der die unpopulärste Arbeit im Nachkriegs-Würzburg erledigt hatte, starb am 18. Juli 1964 bei einer Operation im Missionsärztlichen Krankenhaus an den Spätfolgen eines Herzmuskelschadens, den er sich während der vieljährigen KZ-Haft zugezogen hatte.

„Ein gradliniger Mann, der weder Rache noch Bosheit kannte“

Meisner beschreibt Försch als „Idealisten, groß und kräftig gebaut“. In Meisners Buch „Bekenntnisse eines Außenseiters“ heißt es: „Wenn man ihn sah und mit ihm sprach, verblasste vor diesem gradlinigen Mann, der weder Rache noch Bosheit kannte, der täglich von morgens bis abends das tat, was getan werden musste, jedes literarische Gerede über Humanität.“ Försch war damals 52 Jahre alt.

Quellen

  • Roland Flade: Der KZ-Häftling und die Leichen des 16. März. (Veröffentlichung bei WürzburgWiki mit freundlicher Erlaubnis des Autors.)
  • Joachim Lilla: Der Bayerische Landtag 1918/19 bis 1933: Wahlvorschläge - Zusammensetzung - Biographien. Hrsg.: Kommission für Bayerische Landesgeschichte, München 2008, S. 144

Literatur

Einzelnachweise

  1. „Dreitausend Männer, Frauen und Kinder haben wir hier zur letzten Ruhe bestattet“. Eine Dokumentation zu den Toten des Massengrabs vor dem Würzburger Hauptfriedhof und zu den Kriegstoten in Würzburg während der Endphase des Zweiten Weltkriegs. Herausgegeben vom Stadtarchiv Würzburg (Sonderveröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg, Bd. 14), Würzburg 2020. 186 S., eine CD-ROM; ISBN 978-3-87707-176-2