Gustav Pinkenburg

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Gustav Pinkenburg

Gustav Pinkenburg (* 1886; † 1958) war von 5. April 1945 bis 6. Juni 1946 erster Oberbürgermeister von Würzburg nach dem Zweiten Weltkrieg.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Der gelernte Verwaltungsfachmann war 1908 nach Würzburg gekommen und arbeitete beim Militär. Mit der Gründung eines Verkehrsbüros erwarb er sich große Dienste um den Fremdenverkehr. Er organisierte auch eine Reihe Großverantstaltungen in der Stadt und wurde dadurch in der Stadt bekannt. Während der Zeit der Weimarer Republik soll er Mitglied der SPD gewesen sein, eine Mitgliedschaft ist aber nicht nachzuweisen. Es ist allerdings nicht wirklich klar, warum die amerikanische Militärregierung ausgerechnet ihn kommisarisch zum ersten Nachkriegs-Oberbürgermeister eingesetzt haben.

Oberbürgermeister in Würzburg[Bearbeiten]

Bereits am 1. April 1945 hatte sich Pinkenburg in einem Aufruf an die Bevölkerung der fast völlig zerstörten Stadt gewandt: „Würzburg ist nicht tot, Würzburg muss leben, Würzburg muss neu entstehen!“ [1].

Am 1. Mai 1945 startete Gustav Pinkenburg unter dem Motto „Würzburg ist nicht mehr - wir bauen auf“ einen Spendenaufruf zum Wiederaufbau der Stadt, der auf große Resonanz stieß; auch viele unterfränkische Orte, die vom Krieg verschont worden waren, spendeten viel Geld.

Die im Stadtarchiv erhaltenen Durchschläge seiner Anordnungen an die städtischen Ämter und weitere Dokumente [2] zeigen uns auf, dass Pinkenburg's Tätigkeiten sehr vielseitig waren. So wies er zum Beispiel aufgrund des bevorstehenden Besuches des bayerischen Ministerpräsidenten das Gartenamt am 14. Juli 1945 an, die Glacis-Anlagen säubern zu lassen, „damit der Herr Ministerpräsident einen günstigen Eindruck von unserer Wiederaufbauarbeit bekommt.“ Die Anliegen von Privatleuten, die bei ihm vorsprachen, unterstützte er mit Schreiben an städtische Dienststellen.

Da die Entnazifizierung ein wichtiges Ziel der Amerikaner war, musste Gustav Pinkenburg 1945 in Würzburg über 300 Mitarbeiter der Stadtverwaltung aus politischen Gründen entlassen, was für böses Blut sorgte, denn nach dem Ende des Nationalsozialismus gab es kaum ein Parteimitglied, das sich nicht als passiven Mitläufer bezeichnete; eine gewisse Willkür tat ihr übriges. Als ungerecht wurde es empfunden, dass dem einen oder anderen die Vernichtung seiner Akten im Krieg half, anderen halfen die sogenannten „Persilscheine“ [3] und wieder anderen der Einfluss amerikanischer Offiziere.

In den ersten Monaten hatte Pinkenburg seinen Amtssitz in den Räumen der Militärregierung am Ludwigkai, später im Studentenhaus. Die anderen Teile der Stadtverwaltung waren in der Mozartschule in der Annastraße 6 untergebracht. Bereits Mitte Juni 1945 hatte die Stadtverwaltung wieder Referenten in den Bereiches Sozialwesen, Personal-, Schul-, Polizei-, Gesundheits- und Bauwesen. Weil ohne Erlaubnisse und Genehmigungen offiziell nichts ging, herrschte bei der Stadtverwaltung ein reger Andrang.

Gustav Pinkenburg kümmerte sich in den ersten Nachkriegsmonaten um alles, was ihm vorgetragen wurde. Es schien so, als wäre er nach außen hin ein mächtiger Mann, was allerdings täuschte, denn die Macht lag bei den Amerikanern und der Oberbürgermeister hatte ihnen jeden Morgen Bericht zu erstatten. Alles benötigte deren Zustimmung und ihre Wünsche musste er umstandslos umsetzen.

Ein wichtiges Ziel Pinkenburgs war die Rückkehr zur Normalität im täglichen Leben, was aber bei den Problemen in Würzburg einer enormen Anstrengung bedurfte. Pinkenburgs vielfältige Aktivitäten zeigten, dass das Leben und die Verwaltung weiterging: „Am 11. April öffnete die Post wieder (in der Augenklinik), am 30. April die Sparkasse (in der Mozartschule), am 8. Mai fuhr der erste Zug im Bahnhof ein, im Mai war die Löwenbrücke provisorisch repariert, im Juli die Alte Mainbrücke, im Juni fuhr die erste Straßenbahn (Heidingsfeld-Löwenbrücke) und das Finanzamt machte wieder auf, Ende Juli funktionierte das Telefonnetz und ab August gab es wieder Strom, Ende Oktober öffnete die Universität (zunächst nur die Theologische Fakultät). Im November wurden die ersten neuen Gasanschlüsse installiert, das erste Kino machte auf und die erste Main-Post erschien. Die Beseitigung der Trümmer war zwar erst 1963 offiziell abgeschlossen und an den Folgen des Krieges trug die Stadt jahrzehntelang. Aber der Weg aus der Zerstörung begann 1945.“ [4]

Im Frühjahr 1946 musste Gustav Pinkenburg aus gesundheitlichen Gründen von seinem Amt beurlaubt werden und für eine Zeit von sechs Wochen übernahm der Rechtsanwalt und Schriftsteller Michael Meisner das Amt des Stadtoberhauptes ehrenamtlich.

Ehrungen und Auszeichnungen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Pit Pietersen: Kriegsverbrechen der alliierten Siegermächte: Terroristische Bombenangriffe auf Deutschland und Europa 1939-1945 [1]
  2. Stadtarchiv Würzburg Einheitsaktenplan EAPl AZ 2261
  3. Der Begriff Persilschein erfuhr insbesondere während der Entnazifizierungsphase einen Bedeutungswandel. Mutmaßliche nationalsozialistische Straftäter konnten durch Aussagen von Opfern oder ehemaligen Gegnern entlastet werden und erhielten somit einen positiven bzw. guten Leumund und genügten auf dem Meldebogen der Alliierten den Anforderungen des Entnazifizierungsgesetzes. (Quelle: Wikipedia [2]
  4. Stadtarchiv Würzburg: Zwischen Zerstörung und Wiederaufbau - Eindrück aus Würzburg im Jahre 1945. Ausstellung im Stadtarchiv Würzburg (März - August 2005) von Dr. Robert Meier. Kleine Reihe-Nr. 28, S.27 f

Quellen[Bearbeiten]

  • Stadtarchiv Würzburg: Zwischen Zerstörung und Wiederaufbau - Eindrück aus Würzburg im Jahre 1945. Ausstellung im Stadtarchiv Würzburg (März - August 2005) von Dr. Robert Meier. Kleine Reihe-Nr. 28


Vorgänger Amt Nachfolger
Theo Memmel Oberbürgermeister
1945 - 1946
Michael Meisner