Gartenpavillon des Juliusspitals

Aus WürzburgWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Gartenpavillon des Juliusspital

Der Gartenpavillon des Juliusspitals ist ein Baudenkmal auf dem Gelände des Juliusspitals.

Baubeschreibung[Bearbeiten]

„Gartenpavillon, ab 1726 Anatomisches Institut, gestreckter eingeschossiger Bau mit geschweiftem Mansardwalmdach und zwei Tambourkuppeln an den Enden, Barock, Joseph Greising, 1704-14 ; Wiederherstellung bis 1956/58 dabei Dach und Ausstattung rekonstruierend erneuert (ebnso die Bildhauerarbeiten ehem. von Tobias Ungleich).“

Geschichte[Bearbeiten]

Der Gartenpavillon im Park wurde 1705 bis 1714 unter Johann Philipp von Greiffenclau nach Plänen von Joseph Greising als erster barocker Schloss-Saal Würzburgs errichtet. Er diente dem fürstbischöflichen Hofe für Festlichkeiten, da kein Gartensaal im Fürstenbau inbegriffen war. Das nördliche Türmchen diente als Wasserturm für den Vierströmebrunnen, der allerdings nur bei Festlichkeiten in Betrieb genommen wurde. Das südliche Türmchen wurde symmetrisch als Schmuck ergänzt.

Anatomisches Institut[Bearbeiten]

1726 erfolgte ein, von Fürstbischof Franz Philipp von Schönborn geplanter und unter C. von Hutten und dem Anatomieprofessor Johannes Simon Bauermüller fertiggestellter Umbau zum Vorlesungssaal für Anatomie. Daher wird der Pavillon auch noch als „Theatrum Anatomicum“ oder „Alte Anatomie“ bezeichnet. Hier lehrten die Ärzte und Wissenschaftler Carl Caspar von Siebold, Johann Georg Siebold, Albert von Koelliker und Rudolf Virchow. Carl Gottfried Scharold beschreibt die alte Anatomie im Jahr 1805 [1]: „Das anatomische Gebäude liegt in dem botanischen Garten im Juliusspital, und besteht 1) aus einem großen Hörsaale, welcher in 3 Galerien hohes anatomisches Theater enthält; 2) aus zwey zur Aufbewahrung der Präparate gewidmeten Cabineten, 3) aus drei andern Zimmern; welche theils zum Aufenthalte des Professors und des Prosektors und für anatom.-chirurgische Privatvorlesungen, theils zur Uebung im Seciren der Leichname ... bestimmt sind.” Umbauten und Erweiterungsbauten fanden 1787 (Beginn einer durch Carl Caspar Siebold bewirkten Erweiterung), 1788 (Ergänzung um ein am 9. Juli 1788 fertiggestelltes Bleich- und Mazerierhaus) [2], 1817, 1826 und 1830 statt. [3] [4]

Kunstwerke[Bearbeiten]

Die Stuckdecke, ausgeführt vom Würzburger Stuckateur Hans Peter Seidler, zeigt die vier Jahreszeiten, sowie Portraits und Wappen der Fürstbischöfe Echter und Greiffenclau. Die spezielle Wölbung des Daches ähnelt den Formen am Käppele. Die „Friese“ über den acht großen Fenstern mit Blumen und Laubwerk (an den Eckpavillons) lieferte Tobias Ungleich, der ebenso fünf „Köpfe“ (Keilsteine mit Masken) für die mittleren drei Bogen und die zwei Muscheln (an den Schrägen) fertigte sowie andere, offenbar untergeordnete Arbeiten. Die Skulpturen in den Fassadennischen auf der Westseite des Pavillons schuf 1788/1789 der Würzburger Hofbildhauer Johann Peter Wagner. [5]

Bildergalerie[Bearbeiten]

Heutige Nutzung[Bearbeiten]

Ab 1853 wurde das Gebäude dann als Fest- und Konzertsaal genutzt. Nach dem Bombenangriff auf Würzburg am 16. März 1945 wurde der Pavillon 1955 in seiner ursprünglichen Form wieder errichtet. 1995 erfolgte eine Generalsanierung mit Wiederherstellung der Stukkatur nach historischer Vorlage. Heute finden im Gartenpavillon Konzerte und Tagungen statt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Carl Gottfried Scharold: Würzburg und die umliegenden Gegenden für Fremde und Einheimische kurz beschrieben. Nachdruck der 1. Auflage von 1805, Palm&Enke, Erlangen 1980, S. 8f
  2. Carl Caspar von Siebold: Rede von den Vortheilen, welche der Staat durch öffentliche anatomische Lehranstalten gewinnt. Beider feyerlichen Einweyhung des neuen anatomischen Theaters im Julius-Spital zu Würzburg den 9. Julius 1788 gehalten, Nürnberg 1788
  3. Theodor Heinrich Schiebler: Anatomie in Würzburg (von 1593 bis zur Gegenwart), in: Vierhundert Jahre Universität Würzburg. Eine Festschrift, hrsg. von Peter Baumgart, Verlag Degener & Co., Neustadt an der Aisch 1982, S. 985-1004, S. 987 und 989
  4. Hans-Werner Altmann: Pathologie und Pathologen in Würzburg, in: Vierhundert Jahre Universität Würzburg. Eine Festschrift, hrsg. von Peter Baumgart, Verlag Degener & Co., Neustadt an der Aisch 1982, S. 1011-1025, S. 1014
  5. Hans-Peter Trenschel: Der Würzburger Hofbildhauer Johann Peter Wagner (1730-1809). Mainfränkische Hefte 71, Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte e.V. (Hrsg.), Würzburg 1980, S. 96. Die Originalskulpturen befinden sich im Mainfränkischen Museum.

Kartenausschnitt[Bearbeiten]

Die Karte wird geladen …