Dompassage

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Dompassage  

Stadtbezirk: Altstadt
Postleitzahl: 97070

Dompassage (Zugang Domstraße)

Straßenverlauf

Die überdachte Dompassage verbindet in einem Bogen die Domstraße mit der Augustinerstraße.

Namensgeber

Benannt ist die Fußgängerpassage nach dem Dom St. Kilian und der angrenzenden Domstraße.

Geschichte

Planung und Bau

Dompassage, Skizze von 1955
Plan der Dompassage 1957

Auch in der Domstraße waren beim Bombenangriff auf Würzburg am 16. März 1945 große Teile der Bebauung in Schutt und Asche gelegt worden. Während die Nordseite der Domstraße Anfang 1955 durch Neubauten schon recht geschlossen wirkte, klafften gegenüber auf der Südseite immer noch große Lücken. Dort lagen noch Trümmerberge und rosteten leergebrannte Eisenkonstruktionen. Dies sollte sich aber im Frühjahr 1955 durch die Verwirklichung eines einzigartigen Projekts ändern. Statt die ursprünglichen Einzelgrundstücke samt allen Rechten hartnäckig zu verteidigen, hatten sich die Firmen Kupsch und Severin zu einer Baugemeinschaft zusammengeschlossen und damit eine großstädtische Gesamtplanung ermöglicht. [1] Der Entwurf stammte vom Würzburger Architekten Hermann Schönewolf [2], der mit diesem Auftrag aus dem Stadtplanungsamt ausschied und als Freiberufler tätig wurde. Die Planung sah vor, das Gelände mit einer gebogenen Ladenpassage zu durchziehen und diese Passage mit einem flachen, begehbaren Betondach zu überdecken, das durch seitliche Lichtbänder aus Glasbeton Tageslicht einfluten lassen sollte. Auch für die aufeinander abgestimmten eleganten Läden waren Oberlichter vorgesehen. An der Passagenbeuge sollte eine Terrasse unter freiem Himmel mit gärtnerischem und bildnerischem Schmuck entstehen.

Die Passagenanlage bildete aber erst den zweiten Bauabschnitt. Die erste Bauabschnitt umfasste das Hauptgebäude in der Domstraße mit den Hausnummern 26 bis 34. Während in den fünf Stockwerken unter anderem Büros und Wohnungen eingerichtet werden sollten, waren im Erdgeschoss der neue Lebensmittelverkaufsraum der Firma Kupsch auf der einen Seite und die Geschäftsräume der Firma Severin auf der anderen Seite mit einer eigenen kleinen Vitrinenpassage und weiteren Verkaufsräumen im ersten Stock geplant. Bei der Fassadengestaltung war der Architekt bemüht, den Vertikalrythmus der übrigen Domstraße anklingen zu lassen in einem 25 cm vorgekragten, mit Naturstein verblendeten Betonrahmen über dem Passagenportal. Wie der Passagenausgang in der Augustinerstraße (mit der Barockfassade Beim Grafeneckart 14 und 15) gestaltet werden sollte, war noch ungewiss. Bis zur Klärung verging noch ein Jahr und als 1956 die Barockfassade niedergelegt war, konnte der weitere Ausbau der Passage von der Augustinerstraße zur Domstraße weitergehen. Zuerst wurde der Neubau Beim Grafeneckart 14 errichtet und 1957 die Passage fertiggestellt. Im Knie erhielt die erdgeschossige Passage einen kleinen Zierhof mit einem zweistöckigen Passagen-Café [3], das zur Belebung der Anlage beitragen sollte.

Änderungen im Laufe der Jahre

Folgende Unternehmen starteten 1958 in der Dompassage:

  • Café Cabinet
  • Conrad Adolf, Modewaren
  • Dietz Otto, Parfümerie
  • Intereurop.-Reise- u. Verkehrs-GmbH, Reisebüro
  • Leibnitz Kurt, Ingen., Radio-Elektro-Zubehör
  • Schiefer H. u. J., Reformhaus [4]

1959 eröffnete gegenüber der Firma Samen-Fetzer im Anwesen Beim Grafeneckart 15 die Riemenschneider-Apotheke. [5] Die Firma Samen-Fetzer zog 1970 aus [6] und es folgte die Boutique Michelle (Damenbekleidung, Inhaberin: Anita Dannhäuser), die dort bis Ende 2014 zu finden war. 1978 übernahm die Firma Severin die Geschäftsräume des Schuhhauses Stürmer, das 1969 die Nachfolge der Firma Knudsen (Wachstuch-, Plastikwaren) [7] in deren Räumen angetreten hatte. [8]

Veränderung Anfang der 1980er Jahre

Da laut Oberbürgermeister Dr. Klaus Zeitler die Dompassage Ende der 1970er Jahre „städtebaulich nicht der letzte Hit ist“, veränderte sich Anfang der 1980er Jahre das gewohnte Bild der Passage. Das italienische Eiscafé Rialto, welches sich seit 1968 in der Dompassage befand [9], verschwand [10] und der Kupsch-Markt dehnte sich um 286 Quadratmeter aus. Wo einst das Eiscafé stand, wurde eine Art Feinschmeckergrill eingerichtet. Der Bau- und Ordnungsausschuss des Stadtrates machte allerdings die Auflage, dass der Lichthof nicht überbaut werden durfte. Diesem Wunsch beugte sich Hermann Kupsch und verzichtete auf die Teilüberbauung des Lichthofes. Der Brunnen, den seinerzeit die Firma Kupsch gebaut hatte, verschwand, da sie seit Jahr und Tag Ärger und Kosten hatte, weil er ständig verschmutzt war.

Neugestaltung Ende der 1980er Jahre

Der Trend zur Veränderung in der Geschäftswelt der Würzburger Innenstadt Ende der 1980er Jahre machte auch in der Dompassage nicht halt: Die Firma Kupsch wollte sich in der Dompassage vergrößern. Dort befanden sich auf der linken Seite stadtauswärts noch vier Geschäfte, beginnend mit dem Textilgeschäft von Adolf Conrad, gefolgt von Rossat-Geiller (Tapeten, Gardinen, Teppiche), dem la rose Kosmetik-Studio von Wiebke Kellermann bis hin zur Riemenschneider-Apotheke (Beim Grafeneckart 15). Außer der Riemenschneider-Apotheke waren von den Veränderungen alle anderen Geschäfte betroffen. [11] Das Textilgeschäft von Adolf Conrad wechselte zum 31. Dezember 1988 in die Blasiusgasse, wo bereits das Blumenhaus „Aalsmeer“ Ende Juli 1988 seine Zelte abgebrochen hatte.

In den Jahren von 1989 bis 1991 wurde die Dompassage nach Plänen des Würzburger Architekten Manfred Geisendörfer umgebaut. An der Stelle der kleinen Ladengeschäfte entstand eine neue Anlage mit einer Glasfaltenwand, offen zur Passage hin, und einer Größe von rund 150 Quadratmetern. Auch die Bedachung wurde erneuert. Für die gerade Fläche des Gewölbes überhalb der neuen Anlage fertigte die Würzburger Künstlerin Barbara Schaper-Oeser ein Wandgemälde. 1990 zog das Bernardo Ristorante e Trattoria in die Dompassage ein. [12] [13] Ab 1996 befand sich dort der Spaghetti-Palast. [14]

Nachdem die Riemenschneider-Apotheke von Erich Leipold geschlossen wurde, eröffnete dort am 12. April 2006 die italienische Caffè-Bar und Eisdiele Bar D.O.C., die nach der Geschäftsaufgabe der Boutique Michelle Ende Dezember 2014 auch deren Räumlichkeiten übernahm. Im ehemaligen Spaghetti-Palast befindet sich heute im Erdgeschoss das An-Dat, ein Restaurant für asiatische Küche, im Obergeschoss ein dazugehöriger Asia-Lebensmittel-Laden.

Bildergalerie

Gastronomie

ÖPNV

Straßenbahn.png Nächste Straßenbahnhaltestelle: Rathaus


Siehe auch

Quellen

  • Main-Post: „Moderne Ladenpassage im Herzen der Altstadt“ (16. Februar 1955)
  • Main-Post: „Mit der neuen Passage gehts bald los“ (23. Oktober 1956)
  • Main-Post: „Dompassage wird bald ihr gewohntes Gesicht verändern“ (12. Juni 1979)
  • Main-Post: „Dompassage steht Neugestaltung bevor. Plan: Ein Geschäft völlig neuer Art“ (3. August 1988)
  • Adreßbücher der Stadt Würzburg und Umgebung von 1957 bis 1999 im Stadtarchiv Würzburg
  • Günter Severin, dem ein ganz besonderer Dank für die freundliche Unterstützung bei der Erstellung dieses Artikels gebührt.

Hinweise und Einzelnachweise

  1. Der Familie Kupsch gehörte einst der Bereich links und rechts der Dompassage. Hermann Kupsch erhielt im Wege der Erbschaft in sein Eigentum den Teil, in dem heute der Kupsch-Markt untergebracht ist, einschließlich der gesamten, stadtauswärts gesehenen, linken Seite der Dompassage.
  2. Main-Post: „Schöpfer der Dompassage und des Dallenbergbades“ (13. Januar 2004)
  3. Das Passage-Café wurde unter dem Namen „Café Cabinet“ am 15. Februar 1958 eröffnet. (Quelle: Fränkisches Volksblatt vom 15. Februar 1958)
  4. Adreßbuch Stadt Würzburg und Umgebung 1959. Verlag Universitätsdruckerei H. Stürtz AG, Würzburg 1958
  5. Adreßbuch Stadt Würzburg und Umgebung 1960. Verlag Universitätsdruckerei H. Stürtz AG, Würzburg 1959: Leipold E., Riemenschneider-Apotheke
  6. Letzter Eintrag unter Beim Grafeneckart 14 im Adreßbuch Stadt Würzburg und Umgebung 1971. Verlag Universitätsdruckerei H. Stürtz AG, Würzburg 1970: Fetzer Eugen, Samengroßhdlg.
  7. auch: Plastik-Knudsen
  8. Adreßbuch Stadt Würzburg und Umgebung 1970. Verlag Universitätsdruckerei H. Stürtz AG, Würzburg 1969: Dompassage: Stürmer, Schuhhaus.
  9. Adreßbuch Stadt Würzburg und Umgebung 1969. Verlag Universitätsdruckerei H. Stürtz AG, Würzburg 1968
  10. Letzter Eintrag „Rialto, italienisches Eiscafé“ unter Dompassage im Adreßbuch Stadt Würzburg und Umgebung 1980. Verlag Universitätsdruckerei H. Stürtz AG, Würzburg 1979, S. II - 56.
  11. Letzte Einträge unter Dompassage im Adreßbuch Stadt Würzburg und Umgebung 1989. Verlag Universitätsdruckerei H. Stürtz AG, Würzburg 1988: Conrad Adolf, Textilgeschäft; Riemenschneider-Apotheke; Rossat-Geiller, Tapeten, Gardinen, Teppiche; la rose Kosmetik-Studio, Kellermann Wiebke.
  12. Adreßbuch Stadt Würzburg und Umgebung 1991. Verlag Universitätsdruckerei H. Stürtz AG, Würzburg 1990
  13. 1992 war Fred Scheckenbach in den Bernhard Gastronomiebetrieben der Fa. Kupsch in Würzburg (Schlemmertreff, Partyservice, Tratorria und Bernado Ristorante) tätig, der heute Inhaber des Scheckenbach's Restaurant in Giebelstadt ist.
  14. Adreßbuch Stadt Würzburg und Umgebung 1997. Verlag Universitätsdruckerei H. Stürtz AG, Würzburg 1996

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