Alte Kirche (Waldbüttelbrunn)

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Profanierte Alte Kirche in Waldbüttelbrunn
Alte Kirche in Waldbüttelbrunn

Die Alte Kirche in Waldbüttelbrunn stand an der Ecke Lindenstrße/Kirchstraße und war, genau wie ihr Nachfolgebau dem Heiligen Bartholomäus (nach christlicher Auffassung ein als Märtyrer gestorbener Jünger Jesu) geweiht.

Geschichte[Bearbeiten]

1355 wird erstmals eine Kirche (vermutlich ein Holzbau mit Strohdach) urkundlich erwähnt. Sie befand sich an der Stelle, wo heute die Alte Kirche steht. [1]

Waldbüttelbrunn gehörte spätestens seit 1372 als Filiale zur Pfarrei Höchberg. Kirchenbaulastträger war das Adelige Säkularkanonikerstift St. Burkard, welches in den Jahren 1602/1603 das Gotteshaus erneuern und zehn Jahre später den steinernen Turm um ca. 5 Meter erhöhen ließ. 1631, als Gustav II. Adolf von Schweden das Dorf im Dreißigjährigen Krieg niederbrennen ließ, wurde auch die Kirche zerstört. Erst 1653 konnte eine neue Kirche errichtet werden.

1705 musste man erkennen, dass die Kirche zu klein geworden war, da sehr oft Gläubige aus Eisingen und Waldbrunn den Gottesdienst im nicht weit entfernten Nachbardorf besuchten. Auch war das Holzdach in der Zwischenzeit ziemlich durchlässig geworden, so dass das Regenwasser bis auf die Altäre tropfte. 1769 war die Decke des Kircheninneren fast völlig heruntergefallen, worauf die Waldbüttelbrunner eine Erweiterung und Renovierung der Kirche verlangten, allerdings keineswegs bereit waren, auch nur den geringsten Beitrag dafür zu leisten. Schließlich gab das Kapitel des Ritterstifts St. Burkard dem Drängen nach und begann im Jahre 1771 mit der Erweiterung des Gotteshauses. Das Kirchenschiff wurde bis auf die heutige Breite vergrößert.

Innenansicht der Alten Kirche 1894

Seit der Ernennung Waldbüttelbrunns zu einer selbständigen Pfarrei durch Bischof Georg Anton von Stahl am 23. März 1858 wurde die Kirche für die stetig anwachsende Zahl der Kirchenbesucher mehr und mehr zu klein. Pfarrer Ignaz Fleck hatte diese Schwierigkeit erkannt und zum Zwecke der Erweiterung der Kirche einen Kirchenbaufonds gegründet. Im Jahre 1892 konnte das Kirchenschiff um 6,5 Meter nach Westen hin verlängert werden. Aber auch diese Maßnahme sollte sich nicht als eine längerfristige und zufriedenstellende Lösung erweisen. Infolge der günstigen Nähe zu Würzburg und den verbesserten medizinisch-hygienischen Verhältnissen, die einen Rückgang der Säuglingssterblichkeit sowie des Todes der Mütter im Kindbett zur Folge hatten, stieg die Einwohnerzahl ständig. Bis 1918 beispielsweise hatte sich die Einwohnerzahl der Gemeinde im Vergleich zum Jahr 1858 verdoppelt. Das Fränkische Volksblatt prangerte diesen Missstand in seiner Ausgabe vom 25. Oktober 1918 besonders an und wies vor allem darauf hin, dass die Pfarrkirche zu Waldbüttelbrunn so klein sei, dass darin „kaum die 300 Schulkinder entsprechend untergebracht werden könnten“.

Da eine nochmalige Erweiterung der Alten Kirche unmöglich schien, entschied man sich für einen Neubau, wofür in der ganzen Diözese Würzburg am 27. Oktober 1918 eine Landeskollekte stattfinden sollte. Der erste Spatenstich für die neue Kirche sollte allerdings noch zehn Jahre dauern. Mittlerweile waren die Zustände in der Alten Kirche unzumutbar; der Verputz blätterte von der Decke ab, ganz zu schweigen davon, dass die Kirche mit einem Aufnahmevermögen von 500 Personen gerade einem Drittel der katholischen Bevölkerung Platz bieten konnte. Der Neubau begann mit dem Spatenstich am 25. Juni 1928, die Einweihung der neuen Kirche erfolgte am 28. Juli 1929 durch Bischof Matthias Ehrenfried.

Profanierung[Bearbeiten]

Innenansicht der Alten Kirche 1934
Historisches Luftbild von Waldbüttelbrunn mit der Alten Kirche und dem Ortsfriedhof

Nach der Profanierung im Jahre 1932 verkam die Alte Kirche immer mehr. Sie wurde ausgeräumt, Brauchbares wurde verkauft, unbrauchbares moderte vor sich hin. Die Wände blätterten ab, die Fußbodenbretter verschimmelten, Haupt- und Seitenaltar standen unbenutzt im Raum. Im Juni 1940 kaufte die politische Gemeinde von der Kirchenverwaltung die leerstehende Alte Kirche ab. Von einem Abbruch der Kirche, der zuerst in Erwägung gezogen worden war, sah man ab und baute stattdessen im Kirchturm eine Turmuhr und eine Sirene für Luftschutz- und Feueralarm ein.

Am Ostersonntag des Jahres 1945 wurden die Westseite des Turmes und die Westfassade des Kirchenschiffes durch amerikanischen Luftangriff und durch Panzerbeschuss bei der Besetzung des Raumes Würzburg durch amerikanische Truppen starkt beschädigt. Bis 1976 diente die Kirche als Magazin für die Gemeinde und ihre Fenster warne mit Brettern verschlagen. Eine Wende brachte eine Gemeinderatssitzung vom 30. Juli 1976, in welcher unter Vorsitz des 1. Bürgermeisters Philipp Hümmer die Denkmalwürdigkeit der Alten Kirche von Waldbüttelbrunn erklärt wurde. In Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege und dank selbstloser Hilfe aller örtlichen Vereine und zahlreicher Privatpersonen wurde der Kirchturm renoviert und verputzt. Nach der Sanierung des Turmes arbeitete man am Langhaus weiter; das Dach wurde von einheimischen Dachdeckern ausgebessert und der alte Steinboden entfernt. Die alte Eleganz des Julius-Echter-Turmes ging beim Neubau des Daches verloren, man hat den hohen schlanken Turm nicht mehr hinbekommen, jetzt schaut er etwas stumpf aus.

Heutige Nutzung[Bearbeiten]

1980 wurde die Alte Kirche zu einem stimmungsvollen Veranstaltungsort der Gemeinde Waldbüttelbrunn umgebaut. Ebenso finden hier standesamtliche Trauungen statt.

Baubeschreibung[Bearbeiten]

Die ehemals katholische Pfarrkirche Sankt Bartholomäus ist ein Saalbau mit Chorturm und Spitzhelm. Chor und Langhaus stammen aus dem 18. Jahrhundert.

„Schienenglocken“[Bearbeiten]

Der Glockenschlag der Alten Kirche sucht seinesgleichen: Nicht etwa Glocken künden von der Uhrzeit im Vietelstundentakt, es sind (Straßenbahn-)Schienen. Diese Besonderheit offenbart sich dem aufmerksamen Zuhörer durch den charakteristischen Ton, der sich vom Klingen einer Glocke deutlich unterscheidet. Wie es dazu kam, dass die Alte Kirche in Waldbüttelbrunn über diese einzigartige Schallquelle verfügt, konnte bislang nicht geklärt werden. 1943 wurde eine Glocke aus dem Glockenstuhl entfernt, die eingeschmolzen werden sollte. Zu diesem Zeitpunkt könnte diese Notlösung installiert worden sein.

Die Untersuchung der beiden Schienen ergab, dass sie mit hoher Wahrscheinlichkeit in den Neunkirchener Eisenwerken der Gebrüder Stumm gefertigt wurden, die seit 1982 nicht mehr existieren. Die „33“ auf der Schiene weist entweder auf die Jahreszahl der Herstellung im Jahre 1933 hin oder bezeichnet das Schienenprofil (z.B. S 33).

Den Waldbüttelbrunnern ist der Klang vertraut. 2018 wurde eine Halterung erneuert, so dass der Stundenschlag weiterhin unnachahmlich über dem Ort erklingt. [2]

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen und Literatur[Bearbeiten]

Erläuterungen und Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bei Restaurierungsarbeiten an der Alten Kirche im Jahre 1978 wurden Grundmauern sichtbar, die möglicherweise aus dem 14. Jahrhundert stammen könnten. Diese Grundmauern, die sich in gutem Zustand befanden und ca. 50 cm stark waren, zogen sich vom Turm bis zum Seiteneingang. Es ist durchaus denkbar, dass die freigelegten Mauern einen Untergrund für eine aufgesetzte Holzkirche oder Fachwerkkirche gebildet haben. (Quelle: Aus dem Vortrag von Rudolf Alberth vom 26. September 1980. Waldbüttelbrunn von A bis Z, Seite 81)
  2. „Waldsassengau 5 : Waldbüttelbrunn – Wo die Spatzen von den Dächern pfeifen“ auf spessartprojekt.de

Kartenausschnitt[Bearbeiten]

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