Würzburger Bürgerbräu

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Begriffsklärung.png Informationen über das gleichnamige heutige Freizeit- und Gewerbeareal finden sich unter Bürgerbräu-Areal.

Historische Abbildung des Sudhauses des Würzburger Bürgerbräu
Historische Abbildung des Würzburger Bürgerbräu
Würzburger Bürgerbräu um 1930
Würzburger Bürgerbräu (1930)
Werbeanzeige aus dem Adressbuch von 1949

Das Würzburger Bürgerbräu war eine Würzburger Brauerei, deren Geschichte als Brauhaus Zell am Main bis an den Anfang des 19. Jahrhunderts zurück reichte. 1989 wurde die Bürgerbräu wegen Insolvenz geschlossen. Das Brauereigelände befindet sich gegenwärtig in großen Teilen unverändert am Ende der Frankfurter Straße nahe des Zeller Bocks im Stadtbezirk Zellerau. Seit 2012 wird das 5,2 Hektar große Gelände als kreatives Kultur- und Dienstleistungszentrum revitalisiert, wobei die denkmalgeschützte Bausubstanz erhalten bleibt. Näheres zu Umbau und Neunutzung findet sich im Artikel Bürgerbräu-Areal.

Geschichte der Brauerei[Bearbeiten]

  • 1809 kaufte der Winzer und Schultheiß Kilian Lauck das ehemalige Weinhändlerpalais in Zell am Main und begann nach dem Erwerb der Bierbraukonzession mit dem Ausbau des Anwesens zur Brauerei. 1815 eröffnete er das Sudhaus Brauhaus Zell am Main.
  • 1832 verkaufte Lauck die Brauerei an Michael Böhnlein. Dieser lies einen Lagerkeller für Bier in der Frankfurter Straße (Zellerau) errichten - die eigentliche Brauerei befand sich jedoch nach wie vor in Zell am Main.
  • 1840 verkaufte Böhnlein die Brauerei und den Bierkeller an Karl Anton Kinzinger und einen Herrn Wiskemann. Kinzinger übernahm die Brauerei 1855 vollständig und baute diese zum Maschinenbetrieb um. [1]
  • Die Herren Johann Baptist Kinzinger und Gustav d‘Henglière erwarben 1877 von Carl Anton Kinzinger die Brauerei sowie ein 20 Hektar großes Gelände. Die Brauerei zog bis 1886 etappenweise nach Würzburg um und trug seitdem den Namen Bürgerliches Brauhaus Zell-Würzburg Kinzinger & d'Hengelière. Der Betrieb lief wirtschaftlich so gut, dass das Gelände in der Frankfurter Straße 19 [2] kontinuierlich erweitert wurde.
  • 1894 wurde die Brauerei in eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) umgewandelt, deren Geschäftsanteile sich auf nur drei Herren verteilte. In den Folgejahren exportierte die Würzburger Bürgerbräu, wie die Brauerei nun genannt wurde, als erste bayerische Brauerei auch in die USA. So wurde beispielsweise auf dem Broadway das beliebte Würzburger Bier ausgeschenkt.
  • 1917 wurde die Königsbräu (Brauerei König; ehemals Brauerei Gabler) im Stadtteil Mainviertel übernommen. Im November 1922 wurde die GmbH in eine AG umgewandelt.
  • Neben dem Aufschwung gab es jedoch auch Rückschläge: 1923 beutelte die Wirtschaftskrise viele Brauereien - deren Zahl ging im Stadtgebiet kontinuierlich zurück. Nach dem Zweiten Weltkrieg - den die Bürgerbräu fast unbeschadet überstand - gab es nur noch zwei Brauereien: Würzburger Bürgerbräu und Würzburger Hofbräu.
  • 1952 wurde aus dem bürgerlichen Brauhaus die Würzburger Bürgerbräu AG.
  • Ihren Niedergang erlebte die Brauerei nach der Übernahme durch die Patrizier Bräu Nürnberg im Jahr 1972. Bei der Patrizier Bräu handelte es sich um einen fränkischen Brauriesen, der unter anderem auch in Fürth zahlreiche Brauereien schluckte.
  • Am 5. Juli 1989 wurde die Schließung der Brauerei bekanntgegeben. Zuvor wurde dies noch dementiert. [3]
  • Am 19. Dezember 1989 wurde das letzte Bier gebraut: Die Würzburger Bürgerbräu (korrekt: Patrizier Bräu Braustätte Würzburg) schloss endgültig wegen Insolvenz. Bereits einen Monat zuvor beschloss der Würzburger Stadtrat, das Brauereigrundstück für 9 Millionen D-Mark zu kaufen. [3] Rund 100 Mitarbeiter wurden entlassen, 16 Mitarbeiter (alle 50 Jahre und älter) übernahm die Würzburger Hofbräu. [3]
  • 1991 wurden Sudkessel und 17 Tanks versteigert und abtransportiert. Seitdem sind im Sudhaus statt der Kessel nur noch Löcher zu sehen.
  • Am 15. Februar 2016 stellte die einst konkurrierende Würzburger Hofbräu ein unfiltriertes Kellerbier der Öffentlichkeit vor, das den Name „Bürgerbräu Haustrunk“ trägt. Bereits in den 1990er Jahren sicherte sich die Hofbräu die Namensrechte und brachte für einige Jahre ein „Würzburger Bürgerbräu Pils“ auf den Markt. Dessen Produktion wurde jedoch eingestellt.

Ehemalige Biersorten[Bearbeiten]

  • Würzburger Bürgerbräu Pils
  • Hochmeister Bier (Doppelbock)
  • Würzburger Edel-Hell (Export)
  • Märzen
  • Festbier / Starkbier

Denkmalliste[Bearbeiten]

In der Liste der Baudenkmäler in Würzburg ist das Bürgerbräu gemeinsam mit der Fabrikantenvilla (heute Siebold-Museum) unter der Nummer D-6-63-000-136 verzeichnet:
„Brauerei, Würzburger Bürgerbräu, Fabrikantenvilla, freistehender zweigeschossiger Mansardwalmdachbau mit Risaliten und Säulenaltan, Sandsteinquadermauerwerk mit Gliederungen über Kalksteinsockel, Historismus, Friedrich Buchner, 1887, Dach verändert; zugehöriger großer Park; Pförtnerhaus, eingeschossiger Flachdachbau, unverputztes Kalksteinmauerwerk mit Sandsteinrahmungen, ab 1886; Fabrikgebäude, teilweise in Formen der Neurenaissance, ab 1886 von Friedrich Buchner; Angestelltenwohnhaus, dreigeschossiger Krüppelwalmdachbau, Putzmauerwerk mit Sandsteinrahmungen, 'Schweizerhaus-Stil', ab 1886; Zierbrunnen, ehem. Springbrunnen im Grottenstil, Kalksteinsinter, Ende 19. Jh.“

Spätere Nutzung des Geländes[Bearbeiten]

Nach der Insolvenz beschloss der Würzburger Stadtrat im November 1989, das Gelände für neun Millionen Mark zu erwerben. Das ehemalige Brauereigebäude stammt aus dem Jahr 1886 und steht unter Denkmalschutz. Gleiches gilt für die Direktorenvilla, die 1887 von Friedrich Buchner errichtet wurde. Das Gelände wurde von der Stadt nicht sofort wieder veräußert, da diese ganz bewusst gewisse Anforderungen an den zukünftigen Besitzer stellte. Am 14. Dezember 2011 wurde das Gelände teilweise (ohne Siebold-Museum und Theater Ensemble- und Atelier-Gebäude - diese bleiben im Eigentum der Stadt) mit Auflagen von einer Investorengruppe (Sektkellerei Höfer und dem Zeller Architekten Roland Breunig) übernommen und wird nun zu einem „kreativen Dienstleistungszentrum“. Dafür musste das Gelände zunächst aufwendig vermessen werden. 2012 wurden die Pläne erstmals bei einem „Bürgerbräu-Fest“ der Öffentlichkeit vorgestellt. [4] Seit Anfang 2013 befinden sich die Pläne des Zentrums für Arbeit, Handwerk, Kultur, Gastronomie und Freizeit in der Umsetzungsphase.

Modell des Umbaus

Kreatives Kultur- und Dienstleistungszentrum[Bearbeiten]

Die Investorengruppe ist dabei, mit einem kreativen Dienstleistungszentrum (bzw. Kultur- und Kreativzentrum [5]) das Bürgerbräu-Gelände und die hintere Zellerau neu zu beleben. Geplant ist in diesem Zusammenhang eine umfangreiche gastronomische Nutzung des Sudhauses. Der westliche Teil des Pferdestalls wird bereits durch die 87 Bar genutzt. Die Zahl der Ateliers auf dem Gelände soll verdoppelt werden, unter anderem indem vier kleine Atelier-Häuser errichtet werden. Auch ein Hotel mit 60 Betten soll auf dem Gelände seinen Platz finden. Atelier-Häuser und Hotel entstehen neben dem Theater Ensemble am südlichen Hang, wo sich früher die Automobilhalle befand. Auch das bisher im ehemaligen Mozart-Gymnasium beheimatete Programmkino Central wird auf das Bürgerbräu-Gelände umziehen und dieses somit zusätzlich kulturell aufwerten. [6] Ende Oktober 2012 gaben die Genossenschaftsmitglieder des Kinos mit klarer Mehrheit grünes Licht für weitere Planungen. [7] In einer Abstimmung der Genossen am 16. Juli 2014 wurde die weitere Planung des Standorts Bürgerbräu-Gelände bestätigt. [8]

Das gesamte Gelände soll insgesamt mehr in sein Umfeld integriert werden, unter anderem in Form von Mauerdurchbrüchen im Bereich der Frankfurter Straße. Im Osten soll eine öffentliche Parkanlage zum Spazieren einladen. Insgesamt sollen zahlreiche Parkmöglichkeiten geschaffen werden - unter anderem 83 Parkplätze auf dem bis dahin mit Bäumen begrünten Hauptplatz. Der Platz wird unabhängig davon weiterhin als Festplatz für das Sommerfest genutzt. Die alte Bausubstanz soll dabei weitestgehend saniert und erhalten bleiben. Die bisherigen Nutzungen (Basketballzentrum, Sektkellerei, Museum etc.) bleiben mit Ausnahme des Fitnesscenters erhalten. Anfang 2013 wurde mit der Umgestaltung begonnen, die Hauptarbeiten liefen im Sommer 2013 an. Anfang August wurde unterdessen der Bebauungsplan entsprechend geändert. [9] 2015 wurden der Pferdestall in seiner jetzigen Form fertiggestellt und die ersten Büros im Sudhaus bezogen. Auch das Veranstaltungszentrum in der Maschinenhalle ging in Betrieb.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Würzburger Bürgerbräu Aktiengesellschaft (1959): „Ein Bildbericht der Würzburger Bürgerbräu AG, der Sie durch eine leistungsfähige modern eingerichtete bayerische Brauerei führen möchte“. Länderdienst-Verlag. Bestellbar in der Universitätsbibliothek.

Quellen[Bearbeiten]

  • Der Abschnitt „Geschichte“ basiert im wesentlichen auf Informationen von Willi Dürrnagel im Rahmen des Bürgerbräu-Festes 2012 und auf Angaben von Thomas Memminger.
  • Der Abschnitt „Kreatives Dienstleistungszentrum“ beruht auf Informationen der Investorengruppe beim Bürgerbräu-Fest 2012

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thomas Memminger: Würzburgs Straßen und Bauten. 2. Auflage, Gebrüder Memminger Verlagsbuchhandlung, Würzburg 1921, S. 148 f.
  2. Telephon-Anlage Würzburg: Verzeichniss der Sprechstellen, Nr. 1 - abgeschlossen am 30. September 1887, Königl. Universitätsdruckerei von H. Stürtz, Würzburg 1887, S. 23
  3. 3,0 3,1 3,2 Würzburger Bürgerbräu.de: Geschichte
  4. Main-Post: „Als Würzburg noch acht Brauereien hatte“ (3. Juni 2012)
  5. Konzept auf Buergerbraeu-Wuerzburg.de
  6. Main-Post: „Das Kino passt dort genau hin“ (10. Oktober 2012)
  7. Main-Post: „Kino Central liebäugelt mit der Zellerau“ (3. November 2012)
  8. Main-Post: „Central Kino zieht ins neue Kulturquartier“ (17. Juli 2014)
  9. Main-Post: „Bürgerbräugelände: Bebauungsplan ebnet Weg für neue Nutzung“ (9. August 2013)

Kartenausschnitt[Bearbeiten]

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