Zeller Bock

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Baustelle Zeller Bock (Dezember 2013)

Der Zeller Bock ist die umgangssprachliche Bezeichnung einer Ein- bzw. Ausfallstraße im Nordwesten der Stadt. Ein Teil des Zeller Bocks gehört zur Frankfurter Straße; er ist Teil der Staatsstraße 2300. Die Straße verläuft zwischen Zell am Main und dem Stadtbezirk Zellerau, vorbei am Kloster Oberzell. Die Straße verläuft parallel zum Main, leicht erhöht am Hang.

Verlauf[Bearbeiten]

Im Nordwesten beginnt der Zeller Bock am Südende von Zell am Main an der Laurentiusbrücke. Von dort steigt die Straße nach Süden Richtung Kloster Oberzell an und macht dann einen Linksknick. An diesem Knick befindet sich eine Ampel, an der die Hettstatter Steige auf den Zeller Bock trifft. Auf der Höhe verläuft die Straße Richtung Osten. Am südöstlichen Ende befindet sich die Gabelung in die Mainaustraße und Frankfurter Straße.

Geschichte[Bearbeiten]

Ende des 18.Jahrhunderts (1770-1780) wurde die Strecke an der heutigen Stelle gebaut, während schon vorher eine Trasse unter dem Namen „Zeller Steige“ an etwas höherer Stelle existierte. Aufgrund mehrerer Rohrbrüche der 1899 verlegten gussseisernen Hauptwasserleitung musste die Straße oftmals gesperrt werden (z.B. 1974, 1982), bis die Leitung 1984 ins Maintal verlegt wird. Im Oktober 1985 wurden die maroden Stützmauern für 1,4 Mio. DM saniert. Dazu wurden etwa 100 Betonpfähle bis zu sieben Meter tief im Boden verankert. Ab Dezember 1986 war die Straße dann wieder beidseitig befahrbar.

Einsturz einer Mauer und Sperrung[Bearbeiten]

Seit dem Einsturz einer bergseitigen Mauer im Februar 2002 galt dort Tempo 30. Die ursprünglich in jede Richtung einspurige Straße war danach nur noch abwechselnd in einer Richtung einspurig befahrbar, da ein teilweises Nachrutschen des Hanges befürchtet wurde. Eine Ampel regelte den abwechselnden Verkehr. Die Trasse wurde in der Folge auch für den Schwerverkehr gesperrt. Finanzielle Probleme, gesetzliche Regelungen und Unstimmigkeiten mit der Nachbargemeinde Zell haben eine Sanierung verhindert. So sollte die sanierte Trasse für den Schwerverkehr gesperrt bleiben, was staatliche Zuschüsse verhindert und eine geplante Fahrradspur würde bei Zell an einer viel befahrenen Kreuzung enden. Daher wurde der Bebauungsplan vom Oktober 2002 im April 2005 wieder zurückgezogen. Seit 2005 wurde die Straße regelmäßig Sicherheitsüberprüfungen unterzogen und es kam im Juli 2008 zu einem erneuten Mauereinsturz. 2008 beauftragt der Stadtrat ein Planfeststellungsverfahren, welchem bis November 2009 von den meisten Einwohnern zugestimmt wird. Da ein Anwohner dagegenstimmte, er war gegen den Bau einer Betonmauer, verzögerten sich die weiteren Verhandlungen. Für Sicherungsarbeiten, Gleitwände, Signalanlagen, Standsicherheitsnachweise und erste Planungen entstanden im Vorfeld der eigentlichen Sanierung schon Kosten von 430.000 Euro.[1]

Sanierung[Bearbeiten]

Aufgrund des maroden Zustandes wurde aus Sicherheitsgründen ab dem 26. März 2010 die Straße voll gesperrt. Dies hatte vor allem negative Auswirkungen für die Zellerauer Geschäftswelt an der Ein- und Ausfallstraße (vgl. Kapitel Wirtschaftsförderung). 2011 begann die Regierung von Unterfranken mit dem Planfeststellungsverfahren der städtischen Ausbaupläne. Gespräche gab es unter anderem mit den Anliegern. Strittiger Punkt war hierbei vor allem die Standfestigkeit der zehn Jahre alten bergseitigen Klostermauern entlang des Antoniusheimes. Deren Sanierungskosten übernimmt nun die Stadt.

Die Arbeiten an dem 950 Meter langen Abschnitt sollen 25 Millionen Euro kosten. [2] Der Freistaat Bayern übernimmt dabei 80 Prozent der förderfähigen Kosten, was etwa 17 Millionen ausmacht. Die Bauarbeiten werden im Frühjahr 2013 beginnen und sollen zwei Jahre dauern. Die Bauarbeiten beginnen von beiden Seiten, während das Planfeststellungsverfahren für ein kurzes Mittelstück noch nicht abgschlossen ist. Bis zum Abschluss der Arbeiten wird der Verkehr über die nächstgelegenen Ein- und Ausfallstraßen Veitshöchheimer Straße (B27) bzw. Höchberger Straße (B27/B8) fließen. Geschäftsleute in der Zellerau haben deshalb auch weiterhin Umsatzeinbußen, da auch während der Sanierung der gesamte Durchgangsverkehr der westlichen Zellerau entfällt. Am 19. Dezember 2012 wurde mit der Sanierung begonnen. Ein Ende der Sanierung war bis Frühjahr 2015 vorgesehen, [1] wurde dann allerdings von der Stadt auf Ende 2015 nach hinten korrigiert.[3] Die Verkehrsfreigabe der „St 2300“ erfolgte am Donnerstag, 21. April 2016. [4] [5]

Wirtschaftsförderung durch die Stadt Würzburg[Bearbeiten]

Im Zuge der Schließung des Zeller Bocks und der damit verbundenen negativen Auswirkungen auf den Stadtbezirk Zellerau betrieb die Stadt Würzburg aktiv Wirtschaftsförderung. Für die Geschäftswelt wurde mit einer eigenen Internetpräsenz geworben - letztere stellte gleichzeitig eine Informationsplattform über den ganzen Stadtbezirk dar. Daneben wurde außerdem ein Logo entworfen: Dieses nimmt mit dem Spruch „Zellerau - Ich hab Bock drauf...“ in Kombination mit einem karikaturhaften Ziegenbock humorvoll auf die Zeller Bock-Problematik Bezug. Das Logo wurde auch für eine werbewirksame Schilderkampagne an den Einfallsstraßen der Zellerau verwendet.

Historischer Fund: Hydraulischer Widder[Bearbeiten]

Hydraulischer Widder

Bei den Bauarbeiten in der Frankfurter Straße fand man in einer gemauerten Wasserstube einen hydraulischen Widder[6] aus dem Jahr 1901. Die Pumpe diente der Wasserversorgung der umliegenden Häuser und Villen am Zeller Bock und arbeitete vollständig ohne Strom oder Brennstoffe. Vom Wasserhaus wurde das Wasser über eine Leitung beispielsweise in die Villa Waldeck (Villa Bolza) gepumpt, auf deren Speicher sich ein Tank aus Blei befand. Der Hydraulische Widder der „Maschinen- und Armaturenfabrik vorm. H. Breuer & Co Höchst a/Main“ wurde abgebaut und soll nun in einer Wandnische des Bürgerbräustollens in Zell am Main eine neue Heimat finden. [7]

Ein weiterer hydraulischer Widder dieser Art befindet sich westlich des Seeleins an der Berner Straße (Stadtbezirk Heuchelhof). Dieser diente von 1880 bis zum Zweiten Weltkrieg der Trinkwasserversorgung von Nutztieren. [8] [9]

Siehe auch[Bearbeiten]

Pressespiegel[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 1,0 1,1 Main-Post: „Baustelle Zeller Bock im Zeitplan“ (29. Oktober 2013)
  2. Main-Post: „Eck übergibt Förderbescheid persönlich“ (20. Juli 2012)
  3. Main-Post: „Zeller Bock: Freie Fahrt nach hinten verlegt“ (5. März 2014)
  4. Pressemitteilung der Stadt Würzburg vom 23. März 2016
  5. Main-Post: „Endlich: Freie Fahrt am Zeller Bock“ (21. April 2016)
  6. Ein hydraulischer Widder, Stoßheber, Staudruck-Wasserheber oder Wasserwidder ist eine wassergetriebene, intermittiernd arbeitende Pumpe. Der Widder nutzt den Druckstoß oder Staudruck-Effekt, um einen Teil des Wassers, mit dem die Pumpe angetrieben wird, auf ein höheres Niveau zu heben. Er eignet sich besonders für Pumpaufgaben in der Nähe von Fließgewässern mit zum Betrieb ausreichendem Gefälle. Siehe Wikipedia: Hydraulischer Widder
  7. Main-Post: „Ein Widder, der Villen mit Wasser versorgte“ (29. Dezember 2013)
  8. Ulf Claussen: Heuchelhof - „Pfahlbauten auf dem Heuchelhof" - Kleine Geschichte des Heuchelhofes mit Stadtteilplan und allen wichtigen Adressen. Evang.-Luth. Pfarramt Würzburg-Heuchelhof/Rottenbauer, 1995.
  9. PrimaSonntag: „Ein Widder für Schafe“

Kartenausschnitt[Bearbeiten]

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