Neubaukirche

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Neubaukirche
Universitätskirche: Kupferstich von Leypold (1603)
Informationstafel ehem. Sternwarte

Die Neubaukirche wurde von 1583 bis 1591 als Universitätskirche und Grabeskirche von Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn [1] erbaut und dient der Julius-Maximilians-Universität heute als Fest-Aula. In ihrem Turm befindet sich seit 2005 ein Carillon mit 51 Glocken, das regelmäßig bespielt wird. Der Turm der Neubaukirche ist außerdem mit 91 Metern der höchste Kirchturm Würzburgs.

Baubeschreibung[Bearbeiten]

Lage[Bearbeiten]

Die dreischiffige Hallenkirche bildet fast den ganzen Südflügel der Alten Universität und ist somit integrierter Bestandteil des gesamten Gebäudekomplexes. Nur der äußere östliche Teil des Flügels gehört noch zum Universitätskomplex. Die Südseite der Kirche zur Neubaustraße hin liegt in einer Flucht mit dem östlich angrenzenden Priesterseminar. Die Westfront zur Schönthalstraße nimmt zum größten Teil eine vorspringende, reich gegliederte Turmfassade mit dem Hauptportal ein und ist in Verlängerung über die Neubaustraße gegen die Festung Marienberg, dem Sitz der Fürstbischöfe bis Mitte des 18. Jahrhunderts, hingewendet. Die Nordseite der Kirche mit dem zweiten Portal bildet die 4. Seite des Universitäts-Innenhofes.

Der Turm der Neubaukirche liegt mit dem Turm der Burkarder Kirche und der Marienkirche auf Festung exakt in einer Ost-West-Achse.

Außenbau[Bearbeiten]

Der architektonisch uneinheitliche Außenbau wurde größtenteils aus Rotsandstein errichtet und ist ein Langhaus mit Ein-Turm-Fassade. Nur etwas über die Hälfte des Turmes, der auf quadratischem Grundriss errichtet wurde, springt aus der Kirchenhalle hervor. Die Fenster zeigen, im Gegensatz zu dem sonstigen Renaissancecharakter des Kirchenbaues, alle variierendes nachgotisches Maßwerk, am Turm in der Rosette und ebenfalls in dem unmittelbar darüber liegenden Rundbogenfenster.

Die Westfassade ist architektonisch reich gegliedert; sie wird vor allem durch den dreigeschossigen Turm bestimmt, der der bedeutendste Teil der Kirche ist. Das Haupt- oder Westportal gehört wie die ganze Westfassade dem Umbau von 1628 an und ist Michael Kerns Planung zuzuschreiben. Die rundbogige Türöffnung flankieren zwei kannelierte korinthische Säulen auf hohen, ornamentierten Stühlen. Sie tragen einen gesprengten Giebel. [2] Zwischen den Giebelschenkeln das Doppelwappen der Fürstbischöfe Julius Echter und Philipp Adolf von Ehrenberg. Auf den Giebelschenkeln räkeln sich die Figuren der Tugenden der Gerechtigkeit und Klugheit. In den Zwickeln neben dem Bogen zwei Puttenengel im Hochrelief. Die Tugenden, von Felix Mader noch Paulus Michel zugeordnet [3], stammen von Michael Kern, die Putten von Georg Robin.

Die dorischen Kolossalpilaster des Turmes begrenzen die Fensterzone des 1. Geschosses, die sich aus der überdachten Rosette und dem überaus reich verzierten Rundbogenfenster zusammensetzt. Die Zierde bilden Masken, Pyramiden, Zwickelblätter und ein Segmentgiebel. Die Seitenschiffe werden von Pilastern mit rustizierenden Sockeln begrenzt. Über den Maßwerkfenstern befinden sich Masken mit Bandelwerk und geraden Gurtgesimsen sowie Segmentgiebel.
In dem an allen 4 Seiten fast gleichartig gestalteten 2. Turmgeschoss rahmen schmale ionische Eckpilaster eine kolossale, gleichfalls ionische Fensterädikula. Zwischen den Stühlen der kannelierten Pilaster befinden sich Durchgänge zu den Balkonen. Hier war von 1757 bis 1945 die Sternwarte eingerichtet.
Über dem 2. Turmgeschoss erhebt sich ein Oktogon mit Kuppel und Laterne. Das mit einer Balustrade umgebene Oktogon trägt in seinen Ecken Pyramiden und Kugeln entsprechend der Anordnung der Eckpilaster des Turmes.

In der Südfassade zur Neubaustraße hin wiederholt sich die Wandgliederung mit Kalksteinsockeln und kolossalen, auf rustizierten Stühlen ruhenden Pilastern. Dadurch erhält sie den Charakter einer echten, reich ausgestatteten Fassade. Einen wesentlichen Anteil daran haben die reich geschmückten Fenster, die in jeder Reihe dasselbe Maßwerk zeigen, nur in der unteren Reihe variiert es.

Die Nordseite unterscheidet sich von der West- und Südfassade mit ihrer dominierenden Pilastergliederung grundlegend, da sie völlig glatt ist. Nur die Maßwerkfenster beleben die Innenhofseite. Das Ädikula-Portal mit korinthischen Säulen, der 2. Zugang zur Kirche, unterbricht die Symmetrie.

Innenraum[Bearbeiten]

Der Grundriss der Kirche zeigt eine dreischiffige Anlage. Der Turm, der in diese Anlage eingestellt ist, bildet hinter dem Hauptportal eine Vorhalle, die sich zum Langhaus hin mit einem Triumphbogen öffnet. Die Turmpfeiler lassen in die beiden Seitenschiffe je einen tonnenüberwölbten Zugang frei. Vom linken Seitenschiff aus führt eine Tür zur Wendeltreppe, die als Aufgang zu den beiden oberen Stockwerken und zum Dachboden dient. Hinter dem Triumphbogen gelangt man in das Hauptschiff, das im Osten in eine halbrunde Apsis endet. Dort führt ein seitlich versetzter Durchgang in die ehemalige Sakristei. Im Hauptschiff befinden sich Kreuzgewölbe, die Joche sind durch Quergurten getrennt.

Die Arkadenpfeiler und die zum Mittelschiff hingewendeten Dreiviertelsäulen besitzen alle denselben Durchmesser; dagegen unterscheiden sich die südlichen Wandpfeiler gegenüber den nördlichen stark in Form und Umfang. In den Seitenschiffen, die sich gerade an das Mittelschiff anschließen, befinden sich doppelstöckige Emporen, die einzelnen Joche, von insgesamt neun in den Seitenschiffen, sind durch Gurtbögen getrennt und von Kreuzgrat- und Kreuzrippengewölben gewölbt. Die umlaufende, dreifache Säulenbogenstellung — dorisch, ionisch, korinthisch — stellen eine eigenständige Umsetzung der Kolosseumsordnung dar. Abweichend von der Kolosseumsordnung setzte der Baumeister Korbbögen anstelle der Rundbögen ein und reduzierte die Geschosshöhe in jeder Empore bei gleichbleibender Breite in allen 8 Jochen. Ein gebälkartiges Gesims, das über den Halbsäulen verkröpft, trennt die Geschosse, die sich zwischen den Pfeilern mit Rundbögen gegen das Mittelschiff öffnen. Die Bögen haben Umrahmungen mit Renaissanceprofilen und konsolenartige Keilsteine am Scheitel. Sämtliche Geschosse der Seitenschiffe haben Kreuzrippengewölbe mit rippenartig betonten Graten.

Baugeschichte[Bearbeiten]

Nachdem 1582 die Universität gegründet worden war, folgte die Grundsteinlegung der Universitätskirche im Jahr darauf. Wie schon beim Bau des Juliusspitals, lieh sich Fürstbischof Julius Echter nochmals den berühmten deutsch-niederländischen, klar renaissancistisch orientierten Baumeister Georg Robin vom Hofe des Mainzer Kurfürsten aus. Über den Bau wachte „Befehlshaber“ Adam Kahl, ihm unterstellt war „Steinmetz“-(Meister) Wolf Beringer.

Die Universitätskirche entstand im Renaissance-Stil gemeinsam mit dem Gebäudekomplex der Alten Universität auf dem Gelände des ehemaligen Ulrichsklosters. Die feierliche Einweihung zur Ehre der Zwölf Apostel erfolgte am 8. September 1591 (1. Bauperiode).

Schon bald nach dem Tod von Julius Echter (1617) zeigten sich an der Kirche bedenkliche Schäden, die Fürstbischof Philipp Adolf von Ehrenberg zu schwerwiegenden Baumaßnahmen in der Zeit von 1627 bis 1631 zwangen (2. Bauperiode). Als Folge des Ausweichens der südlichen Seitenmauer hatten sich Sprünge im Gewölbe gebildet und die Gewölbe-Schlusssteine fielen herab, weshalb man bereits 1626 Münchner Baumeister, wahrscheinlich Hans Krumper und Hans Pfisterer, zu Rate gezogen hatte. Ende 1627 trug der Werkmeister Jakob Bonalino die Gewölbe ab, die Seitenaltäre und die Orgel wurden vom Schreiner abgehoben und die Schieferdecker begannen den großen und den kleinen Turm (Dachreiter) abzudecken. Schließlich waren die Abbrucharbeiten im ersten Halbjahr 1628 so weit vorangeschritten, dass am 1. Juli die „Grundsteinlegung“ für den neuen Kirchenbau stattfinden konnte. Der Schwedeneinfall im Dreißigjährigen Krieg zwang 1631 zu einer Unterbrechung der Arbeiten. Allerdings stand zu dieser Zeit schon das neu begonnene neue Erdgeschoss des Turmes und sechs massige Pfeiler stützten die Südmauer der Kirche. Da das Gebäude unbedacht blieb und das Langhaus den Witterungseinflüssen ausgesetzt war, verschlimmerte sich der Zustand der Kirche massiv. Fast 70 Jahre blieb die Kirche ohne Dach und Gewölbe.

Im Jahr 1696 begann unter Fürstbischof Johann Gottfried von Guttenberg die Wiederherstellung des Baues unter der Leitung von Antonio Petrini, der auf der Südseite drei neue Pfeiler errichtete und die sechs alten Pfeiler restaurierte. Am Turm wurde das zweite Geschoss und das Oktogon neu gebaut. Eine Veränderung im Untergeschoss fand nicht statt. Das Hauptschiff wurde neu gewölbt und die Kirche neu überdacht. Der Turm erhielt damit im Wesentlichen seine heutige Form. Die Turmkuppel wurde 1699 von Joseph Greising zum Abschluss gebracht, ebenso der Dachstuhl in Fortführung seines 1698 verstorbenen Arbeitgebers, dem Zimmermeister Adam Nick. Greising nahm auch Einfluss auf die Gestaltung des Oktogons. Die Emporenbalustraden übernahm ebenfalls Greising, der Antonio Petrini nach dessen Tod († 8. April 1701) ablöste. [4]

Die Innenausstattung wurde vollkommen neu hergestellt. Im Mai 1700 brach man den Alabasteraltar von Georg Robin ab. Der Bildhauer Johann Caspar Brandt entwarf den Riss für den neuen Hochaltar und der Minoritenfrater Kilian Stauffer übernahm die Gipsmarmorarbeit daran, ebenso an den Seitenaltären und an der Kanzel. Die Altarblätter für die drei Altäre malte Oswald Onghers. Die Figuren der 12 Apostel am Hochaltar schnitzte Balthasar Esterbauer; auch die Seitenfiguren an den Seitenaltären sowie verschiedene ornamentale Schnitzereien wurden von ihm ausgeführt. Nach vollendetem Wiederaufbau unter Fürstbischof Johann Philipp von Greiffenclau fand am 13. Mai 1703 fand die Weihe statt (3. Bauperiode).

1757 wurde im Turm eine Sternwarte eingerichtet. Von dort beobachtete Franz Huberti am 6. Juni 1761 den Venus-Vorübergang vor der Sonne. Da die Sternwarte bis 1945 bestand, sind die Bauveränderungen im 2. Turmgeschoss heute noch zu erkennen. Im Auftrag von Fürstbischof Johann Philipp von Greiffenclau erhielt die Kirche im 18. Jahrhundert eine neue Innenausstattung. Diese blieb ihr jedoch nicht lange erhalten; das meiste davon ging verloren, als das Gebäude zu Beginn des 19. Jahrhunderts im Zuge der Säkularisation profaniert und anschließend 45 Jahre lang als Akten- und Bücherdepot genutzt wurde. Selbst der barocke Hochaltar sowie die Seitenaltäre und die Kanzel wurden 1820 entfernt und verkauft (Hochaltar nach Schlüsselfeld, Tabernakel-Altar nach Kitzingen, barocke Seitenaltäre und Kanzel nach Wenkheim/Brunntal [5]).

1851 wurde das Depot aufgelöst und man begann mit der Wiedereinrichtung der Kirche. Es kam allerdings zu Verzögerungen in der Planung der Orgel, der Kanzel und des Hochaltars. Kanzel und Hochaltar waren bis zum 4. Februar 1862 vollendet. Die Aufstellung der Orgel ließ noch bis 1864 auf sich warten. Als eigentlicher Endpunkt der Restauration muss der 9. Juni 1867 angesehen werden, den Tag, an dem erstmals wieder ein akademischer Gottesdienst abgehalten werden sollte, der sich aber noch ein paar Monate verschob (4. Bauperiode). Das 1887 fertiggestellte Fresko „Sendung des Hl. Geistes“ im Chor der Kirche stammte von dem Historienmaler Hugo Barthelme (1822-1895). [6]

Beim Bombenangriff auf Würzburg am 16. März 1945 brannten die Alte Universität und ihre Kirche vollständig aus, d.h. die Dächer, die Kuppel, das Petrini-Gewölbe und die gesamte Inneneinrichtung aus Holz und Stuck wurde zerstört. Rund ein Jahr, bis Ende 1946, dauerte die Schutträumung. Am 12. August 1947 endeckte man die unversehrte Zinnkapsel mit dem Herzen Julius Echters in einer Nische hinter einer Bronzetafel, die Fürstbischof von Fechenbach gestiftet hatte. Bis zur Errichtung eines Notdaches im Jahre 1949 war die Kirche dem Wetter preisgegeben und litt weiterhin. Mitte der 1950er Jahre wurde es aber durch einen Sturm zerstört. Danach rückte das Schicksal der Kirche mehr und mehr ins Blickfeld der Verantwortlichen. Als klar wurde, dass die Universität alleine die Finanzierung eines Neuaufbaus nicht würde schultern können, führte man zunächst nur die wichtigsten Sicherungsmaßnahmen durch. Es dauerte bis Ende März 1957 bis eine Decke aus Stahlbeton fertiggestellt war und man Richtfest für das neue Dach feiern konnte.

1970 beschloss der Senat der Universität, die Neubaukirche nach der Renovierung für Kongresse, Tagungen und Konzerte zu nutzen. Mit Unterstützung des Verschönerungsvereins Würzburg wurden 1971 Gold- und Silbermedaillen nach einem Entwurf des Würzburger Grafikers Rudolf Hainlein (1904-1978) geprägt, deren Verkaufserlös mit zum Wiederaufbau der Kirche beitrug. [7] Doch auch aus vielen weiteren engagierten Kreisen, wie etwa dem Kösener Senioren-Convents-Verband [8], kam es zu Spenden für diesen Wiederaufbau. [9] Die von außen sichtbaren Wiederherstellungsarbeiten wurden 1977 mit der Vollendung des kuppelförmigen Turmhelms abgeschlossen. Danach begann die Restaurierung des Innenraums. 40 Jahre nach ihrer Zerstörung wurde die Kirche am 7. November 1985 festlich als Aula der Universität eingeweiht.

Ausstattung[Bearbeiten]

3. Bauperiode 1696 - 1703[Bearbeiten]

Der Bildhauer Johann Caspar Brandt entwarf den Riss [10] für den neuen Hochaltar, dessen Holzarbeiten Johann Ferdinand Füssel mit Johann Heckmann anfertigte, der Minoritenfrater Kilian Stauffer übernahm die Gipsmarmorarbeit daran, ebenso an den Seitenaltären und an der Kanzel. [11] Die Altarblätter für die drei Altäre malte Oswald Onghers. Die Figuren der 12 Apostel am Hochaltar schnitzte Balthasar Esterbauer; auch die Seitenfiguren an den Seitenaltären sowie verschiedene ornamentale Schnitzereien wurden von ihm ausgeführt.

Hochaltar[Bearbeiten]

Das Mittelstück des Unterbaues mit dem Gemälde „Mariä Verkündigung“ von Oswald Onghers (1702) des früheren Hochaltares der Neubaukirche dient heute als Hochaltar der katholischen Pfarrkirche St. Johannes der Täufer in Schlüsselfeld. [12] Der reich verzierte Rokoko-Prunktabernakel von Johann Peter Wagner stammt aus dem Jahre 1766. Auf den Säulenstühlen erheben sich korinthische Säulen und Pilaster, deren Schäfte mit rotem Stuckmarmor überzogen sind. Seitlich angebrachte, vergoldete Ornamente, die aus entgegengesetzt gerollten Akanthusblättern zusammengesetzt sind, dienen als Kontrast dazu. In der Mitte des gesprengten Segmentgiebels befindet sich eine Kartusche mit Engelskopf und rahmenden Akanthusblattwerk. Auf den Kranzgesimsen sitzen 4 einander zugewendete Engel. Der ursprüngliche Hochaltar hatte eine Mindest-Gesamtbreite von 747 cm und eine Altar-Gesamthöhe von 15,50 m. Der 1820 nach Schlüsselfeld verkaufte Hochaltar wurde am 25. März 1831 in der Universitätskirche abgebaut. Zum Aufbau in Schlüsselfeld verzeichnet die Schlüsselfelder Chronik, Jahrgang 1821/22: „Da es endlich zum Aufbauen kam, war er die Hälfte zu hoch und auch viel zu breit. Man mußte hierzu nehmen, was man am besten anbringen konnte. Bei dem Aufbauen wurde auch keine Ordnung u. Regelmäßigkeit beobachtet. Alles wurde Hals über Kopf aufgebauet, daher ar es nach der Hand alles unregelmäßig und außer Winkel. Das übrige Holz von ... dem Altar wurde verstrichen um 15 fl.“

Die zwölf Apostelfiguren von Balthasar Esterbauer waren wohl ähnlich wie beim Hochaltar in der Wallfahrtskirche Fährbrück in zwei Ebenen gruppiert, kamen jedoch in Schlüsselfeld nicht mehr zur Aufstellung. Nach Aussage einiger Schlüsselfelder Bürger sollen einige Figuren noch längere Zeit auf dem Dachboden eines Schreiners gestanden haben und dann nach auswärts verkauft worden sein.

Seitenaltäre[Bearbeiten]

Der Kreuzaltar (= ehemaliger südlicher Seitenaltar in der Neubaukirche von 1703) dient heute in der katholischen Filialkirche St. Michael [13] in Brunntal (Gemeinde Werbach, Baden-Württemberg) [14] als Hauptaltar. Das rundbogige Altarblatt von Oswald Onghers wird von 4 korinthischen Säulen und 2 eingepassten Pilastern eingerahmt. Die Altarbekrönung wird gebildet von einem baldachinartigem Gesprenge aus Akanthusblattwerk in konvexen und konkaven Schwingungen, an das sich 2 Engel klammern.

Der Kiliansaltar, (= ehemaliger nördlicher Seitenaltar in der Neubaukirche von 1703) heute linker Seitenaltar in Brunntal, ist schräg auf die Stufe zum Chor gestellt. [15] Im Gegensatz zum Kreuzaltar steht der Altaraufbau auf einer Mensa, die seitlichen Pilaster und die Außensäulen fehlen. Das Altarblatt von Oswald Onghers zeigt den Heiligen Kilian mit Krummstab und Schwert umgeben von seinen Gefährten Totnan und Kolonat. Die heutige Breite des Kiliansaltars, die ebenso wie beim Kreuzaltar 376 cm betrug, ist den örtlichen Gegebenheiten zuzuschreiben: Die Pilaster und Außensäulen mussten ebenso wie das linke Seitenornament, die inneren Akanthusranken mit den Basisvoluten entfernt werden. Dadurch rückten die konkaven Schwingungen mit den Engeln aneinander. Die frühere Altartiefe verringerte man, indem der Altaraufbau auf die Mensa gestellt wurde.

Grabmal Julius Echters[Bearbeiten]

Stele aus Sandstein als Grabmal Julius Echters

1588 gab Fürstbischof Julius Echter den Auftrag, für ihn ein Grabmal in der Universitätskirche zu errichten und verfügte, dass sein Herz dort beigesetzt werden sollte. Im Februar 1589 war das Grabmal fertig. Dieser Kenotaph, als massive Tumba mit einer lebensgroßen, aus Alabaster gefertigten Liegefigur des Fürstbischofs, wurde mitten in der Kirche aufgestellt, zwischen dem sechsten und dem siebten Pfeiler (vom Turm der Kirche aus gezählt). Das Grabmal hatte eine Aussparung, die Echters Herz aufnehmen sollte.

Nach dem Tod Julius Echters am 13. September 1617 wurde er am 2. Oktober im Dom St. Kilian bestattet und sein Herz der Universität übereignet - in einer herzförmigen Zinnkapsel, die am 3. Oktober im Grabmal in der Universitätskirche beigesetzt wurde.

Nach Echters Tod gerieten die Arbeiten an der Universitätskirche ins Stocken. Fast 100 Jahre sollte es dauern, bis das Gotteshaus unter Fürstbischof Johann Philipp von Greiffenclau 1703 doch noch fertiggestellt wurde. Echters Grabmal wurde damals abgebrochen, die Zinnkapsel mit seinem Herzen am 3. Oktober 1707 feierlich in einer Nische im zweiten Pfeiler der Kirchennordseite beigesetzt. Ab 1707 wies eine Bronzetafel auf das Herzgrab hin. Dieses wurde in der Zeit der Säkularisation, 1859, weiter aufgewertet: Man versah es mit einer von Peter Schöpf angefertigten Büste des Universitätsgründers.

Nach der Zerstörung der Neubaukirche beim Bombenangriff auf Würzburg am 16. März 1945 entdeckte man bei den Aufräumarbeiten am 13. August 1947 die unversehrte Zinnkapsel in der Nische hinter der Bronzetafel. Ab 1955 wurde die Kapsel in der Michaelskirche des Priesterseminars verwahrt – bis der Wiederaufbau der Neubaukirche 1982 beendet war.

Zur 400-Jahr-Feier der Universität setzten Universitätspräsident Theodor Berchem und Bischof Paul-Werner Scheele Echters Herz am 13. September 1982 in der originalen Kapsel erneut in der Neubaukirche bei. Als letzte Ruhestätte hatte Max Walter eine Stele aus Sandstein geschaffen, die am westlichen Ende des Kirchenschiffs steht. [16]

Historische Abbildungen der Neubaukirche[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur und Quellen[Bearbeiten]

  • Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, Baudenkmäler in Würzburg, Nr. D-6-63-000-374
  • Max H. von Freeden: Die Würzburger Universitätskirche. Geschichte, Schicksal und Zukunft der „Neubaukirche“. Verlag Stürtz, Würzburg 1971. Erweiterter Sonderdruck aus „Würzburg - heute“, Heft 10/70
  • Reinhard Helm: Die Würzburger Universitätskirche 1583-1973. Zur Geschichte des Baues und seiner Ausstattung. Quellen und Beiträge zur Geschichte der Universität Würzburg Band 5, Verlag Degener & Co., Neustadt an der Aisch 1976
  • Klaus Klemp: Die Würzburger Universitätskirche als Denkmal der Gegenreformation. In: Kritische Berichte, 13. Jahrgang (1985), Heft 1, S. 54-65
  • Lucia Longo: Antonio Petrini. Ein Barockarchitekt in Franken. Schnell & Steiner, München, Zürich 1985, S. 49 ff. (Stadtbücherei Würzburg Drm Pet)
  • Felix Mader: Die Kunstdenkmäler des Königreichs Bayern. Band XII, Hrsg.: Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, R. Oldenbourg Verlag München/Wien, Würzburg 1915, S. 507 ff.
  • Carl Gottfried Scharold: Würzburg und seine Umgebungen: ein Wegweiser und Erinnerungsbuch. Etlinger'sche Verlagsbuchhandlung, Würzburg 1836, S. 228 ff. (Online-Fassung)

Weblinks[Bearbeiten]

Hinweise, Einzelnachweise und Erläuterungen[Bearbeiten]

  1. Das Herz Julius Echters fand auf dessen Wunsch - mit Ausnahme des Zeitraums von 1945 bis 1982 - in der Neubaukirche seine letzte Ruhestätte.
  2. Ein gesprengter Giebel ist die Ausführung eines Giebels, bei dem dessen Mitte nicht geschlossen, sondern geöffnet ist. Der Mittelteil ist scheinbar unvollendet, wirkt „gesprengt“. Dieser Mittelteil kann allerdings mit Gestaltungselementen ausgeschmückt sein.
  3. Felix Mader: Die Kunstdenkmäler des Königreichs Bayern. Band XII, Hrsg.: Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, R. Oldenbourg Verlag München/Wien, Würzburg 1915, S. 512
  4. Siehe hierzu auch: Johannes Mack: Der Baumeister und Architekt Joseph Greising. Gesellschaft für fränkische Geschichte, Würzburg 2008, S. 132 ff. und 604
  5. Siehe hierzu: Reinhard Helm: Die Würzburger Universitätskirche 1583-1973. Zur Geschichte des Baues und seiner Ausstattung. Quellen und Beiträge zur Geschichte der Universität Würzburg Band 5, Verlag Degener & Co., Neustadt an der Aisch 1976, Aktenauszüge 124 und 125 und Quellen S. 166
  6. Unterfränkische Geschichte. Hrsg. von Peter Kolb und Ernst-Günther Krenig, Band 5/2, Echter-Verlag, Würzburg 2002, S. 160 und 171
  7. Würzburgs Universität rüstet zur 400-Jahr-Feier, in: 15 Jahrhunderte Würzburg, hrsg. v. Heinz Otremba, Echter-Verlag, Würzburg 1979, S. 281-296; S. 292a
  8. Walter M. Brod: Dankesworte anläßlich der Verleihung der Ehrenbürgerwürde der Universität Würzburg. Würzburger medizinhistorische Mitteilungen 10 (1992), S. 471-473; S. 472
  9. Theodor Berchem: Würzburgs Universität rüstet zur 400-Jahr-Feier, in: 15 Jahrhunderte Würzburg, hrsg. v. Heinz Otremba, Echter-Verlag, Würzburg 1979, S. 281-296; S. 293
  10. Riss = zeichnerischer Entwurf (von althochdeutsch ritzen, reißen für zeichnen, schreiben). Siehe auch Begriffserklärung bei Wikipedia [1].
  11. Die barocke Kanzel wurde 1820 ebenso wie die beiden Seitenaltäre nach Brunntal verkauft und stand dort bis ca. 1870 in der Kirche St. Michael. Nach Auskunft des Messners, dessen Schwiegervater ca. 1930 die Nachfolgekanzel schuf, wurde die Barockkanzel wegen zu großer Schäden zerschlagen.
  12. Schlüsselfeld St. Johannes der Täufer auf www.drei-franken-info.de
  13. Siehe auch: Filialkirche St. Michael Brunntal
  14. Nähere Informationen über Brunntal bei Wikipedia [2].
  15. Der rechte Seitenaltar ist entsprechend den beiden gekauften Vorbildern als Michaelsaltar nachgeschnitzt.
  16. Quelle: „Das Herz des Universitätsgründers“ in: einBLICK - Das Online-Magazin der Universität Würzburg, Hrsg.: Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit der Universität Würzburg (18. September 2012)

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