Juliusspital

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Das Juliusspital ist eine Stiftung des Fürstbischofs Julius Echter von Mespelbrunn aus dem Jahr 1576. Die Stiftung umfasst heute u.a. ein Krankenhaus, ein Seniorenstift und ein Weingut. Die Hauptgebäude mit dem repräsentativen Fürstenbau und einem historischen Park befinden sich an der Juliuspromenade.

Lageplan
Abbildung von Merian (1656)

Geschichte[Bearbeiten]

Als Julius Echter 1573 zum Bischof von Würzburg gewählt wurde, erkannte er, nachdem er auch bei Besuchen der Universitäten von Köln, Löwen, Paris, Pavia und Rom auf neue Konzepte in der Krankenbehandlung aufmerksam geworden war [1], bald das Fehlen einer ausreichenden Zahl von Armen- und Krankenhäusern in seiner Residenzstadt und stiftete das Spital aus seinem Privatvermögen. Der Grundstein für den 1585 fertiggestellten Spitalbau wurde am 12. März 1576 gelegt. Im Stiftungsbrief vom selben Tage sicherte der Fürstbischof den Unterhalt der Anlage durch Überschreibung von Grundbesitz wie Äcker, Weinberge und Wälder. Kernstücke der Stiftung waren 1579 die drei gleichberechtigten Institutionen [2] Krankenhaus, Pfründneranstalt und Waisenhaus.

Heutige Bereiche des Juliusspitals[Bearbeiten]

Eingang zur Weinstube Juliusspital (in den 1970er Jahren)

Heute gehören zur Stiftung Juliusspital folgende Einrichtungen und Versorgungsbereiche:

Der Gebäudekomplex an der Juliuspromenade[Bearbeiten]

Hauptgebäude mit Fürstenbau[Bearbeiten]

Eingang zum Juliusspital in der Juliuspromenade
Fürstenbau des Juliusspitals (Ansicht von der Parkseite)

Die Uranlage entstand um 1585 nach Plänen von Georg Robin als rechteckiger, um einen Hof angeordneter Komplex nördlich außerhalb der inneren Stadt und war der erste moderne Hospitalbau in Deutschland. Ein Kupferstich von Johann Leypold aus dem Jahre 1603 gibt das damalige Aussehen wieder. Anstelle des 1699 durch einen Brand zerstörten Nordflügels errichtete Antonio Petrini (1620/21–1701) einen Neubau (Fürstenbau), der nach seinem Tode durch Joseph Greising (1664–1721) bis 1714 vollendet wurde. 1785 bis 1793 wurden die straßenseitigen drei Flügel durch einen Neubau nach Plänen von Heinrich Alois Geigel [3] ersetzt (Die Krankenhausräumlichkeiten im 1791 erbauten Südflügel dienten dabei der seinerzeit noch neuartigen Ausbildung von Studenten am Krankenbett [4]). Die Anlage wurde 1945 durch den Krieg zerstört und bis 1955 wieder aufgebaut. Dabei wurden die ursprünglich zweigeschossigen Flügel zwischen dem Mittel- und den Eckpavillons 1950 zweckdienlich um ein Stockwerk erhöht. [5]

Im Fürstenbau befindet sich auch die katholische Pfarrkirche St. Kilian und eine Rokoko-Apotheke. Vom Innenhof sind an der Fassade des Fürstenbaus die Wappen der Fürstbischöfe Julius Echter von Mespelbrunn und Johann Philipp von Greiffenclau zu sehen. Der Innenhof ist mit zwei Zierbrunnen geschmückt, an der Hauswand der Westseite ist ein Pumpbrunnen eingelassen (siehe Brunnen am Juliusspital).

Die Juliusspital Weinstuben (gegründet 1576) befinden sich ebenfalls im Bereich des Hauptgebäudes.

Gartenpavillon[Bearbeiten]

Gartenpavillon des Juliusspital

Der Gartenpavillon im Park wurde 1705 bis 1714 unter Johann Philipp von Greiffenclau nach Plänen von Joseph Greising als erster barocker Schloss-Saal Würzburgs errichtet. Er diente dem fürstbischöflichen Hofe für Festlichkeiten, da kein Gartensaal im Fürstenbau inbegriffen war. Die Stuckdecke, ausgeführt vom Würzburger Stuckateur Hans Peter Seidler, zeigt die vier Jahreszeiten, sowie Portraits und Wappen der Fürstbischöfe Echter und Greiffenclau. Die spezielle Wölbung des Daches ähnelt den Formen am Käppele. Das nördliche Türmchen diente als Wasserturm für den Vierströmebrunnen, der allerdings nur bei Festlichkeiten in Betrieb genommen wurde. Das südliche Türmchen wurde symmetrisch als Schmuck ergänzt. Die „Friese“ über den acht großen Fenstern mit Blumen und Laubwerk (an den Eckpavillons) lieferte Tobias Ungleich, der ebenso fünf „Köpfe“ (Keilsteine mit Masken) für die mittleren drei Bogen und die zwei Muscheln (an den Schrägen) fertigte sowie andere, offenbar untergeordnete Arbeiten.

1726 erfolgte ein, von Fürstbischof Franz Philipp von Schönborn geplanter und unter C. von Hutten und dem Anatomieprofessor Johannes Simon Bauermüller fertiggestellter Umbau zum Vorlesungssaal für Anatomie. Daher wird der Pavillon auch noch als „Theatrum Anatomicum“ oder „Alte Anatomie“ bezeichnet. Hier lehrten die Ärzte und Wissenschaftler Carl Caspar von Siebold, Johann Georg Siebold, Albert von Koelliker und Rudolf Virchow. Carl Gottfried Scharold beschreibt die alte Anatomie im Jahr 1805 [6]: „Das anatomische Gebäude liegt in dem botanischen Garten im Juliusspital, und besteht 1) aus einem großen Hörsaale, welcher in 3 Gallerien hohes anatomisches Theater enthält; 2) aus zwey zur Aufbewahrung der Präparate gewidmeten Cabineten, 3) aus drei andern Zimmern; welche theils zum Aufenthalte des Professors und des Prosektors und für anatom.-chirurgische Privatvorlesungen, theils zur Uebung im Seciren der Leichname ... bestimmt sind.” Umbauten und Erweiterungsbauten fanden 1787 (Beginn einer durch Carl Caspar Siebold bewirkten Erweiterung), 1788 (Ergänzung um ein am 9. Juli 1788 fertiggestelltes Bleich- und Mazerierhaus) [7], 1817, 1826 und 1830 statt. [8] [9]

Die Skulpturen in den Fassadennischen auf der Westseite des Pavillons schuf 1788/1789 der Würzburger Hofbildhauer Johann Peter Wagner. [10]

Ab 1853 wurde das Gebäude dann als Fest- und Konzertsaal genutzt. Nach der Kriegszerstörung 1945 wurde der Pavillon 1955 in seiner ursprünglichen Form wieder errichtet. 1995 erfolgte eine Generalsanierung mit Wiederherstellung der Stukkatur nach historischer Vorlage.

Heute finden im Gartenpavillon Konzerte und Tagungen statt.

Zehntscheune[Bearbeiten]

Zehntscheune des Juliusspitals

Die von 1678 bis 1681 erbaute und aufwändig restaurierte Zehntscheune bietet im Obergeschoss vier stilvolle Räume für Veranstaltungen bis zu insgesamt 200 Personen. Die Veranstaltungsräume können auch einzeln genutzt werden.

Die Gewölbe des Erdgeschoßes beherbergen die Gutsverwaltung, den Weinverkauf und die Weinpräsentation des Weinguts Juliusspital für Kunden aus Handel und Gastronomie.

Park[Bearbeiten]

1597 ließ Julius Echter am Spital einen Arzneikräutergarten anlegen. 1696 erfolgte dort die Gründung eines botanischen Gartens durch Fürstbischof Johann Gottfried von Guttenberg. 1854 wird das Gelände zum Erholungspark für Patienten, es ist öffentlich zugänglich.

Im Park befindet sich der Gartenpavillon. Außerdem der barocke Vierströmebrunnen, dessen allegorische Figuren die vier fränkischen Flüsse Main, Saale, Sinn und Tauber versinnbildlichen. Die Gartenanlage ist von Wegen durchzogen und Bänke laden zum Verweilen ein.

Zahlreiche Bäume sind mit Schildern zur botanischen Erläuterung versehen. Darunter: Eibe, Blutbuche, Hopfenbuche, Strauchkastanie, Gelbholz, Tulpenbaum, Amberbaum, Geweihbaum, Surenbaum, Schnurbaum, Blauglockenbaum, Taubenbaum/Taschentuchbaum, Ginkgo, Stiel Eiche, Lederhülsenbaum/Gleditschie, Baumhasel, Lebkuchenbaum und Götterbaum.[11]

Parkhaus[Bearbeiten]

Stiftung Juliusspital, Koellikerstraße (Krankenhaus)

Nachdem die Parksituation rund um das Juliusspital lange Zeit unbefriedigend war, eröffnete die Stiftung im Jahr 2008 das Parkhaus Juliusspital mit acht Etagen. Dieses steht nun neben Besuchern des Krankenhauses auch der Allgemeinheit zur Verfügung. Es befindet sich nördlich des Parks, die Zu- und Ausfahrt erfolgt über die Koellikerstraße.

Historische Abbildung: Gartenhaus und Hoffassade (um 1905)

Weitere Gebäude[Bearbeiten]

Zudem zählen zu dem Gesamtkomplex:

  • In der Klinikstraße das Seniorenstift, der Foersterbau und das Gebäude Hausnummer 5.
  • In der Koellikerstraße die Vinothek und das Medizinische Kollegienhaus.

Literatur[Bearbeiten]

  • Julius-Hofspital In: Addreß-Kalender vom Großherzogthume Würzburg, auf das Jahr 1810. C. Philipp Bonitas'sche Kunsthandlung und Buchdruckerey, Würzburg 1810, Abschnitt B S. 22f Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek
  • Oberpflegeamt der Stiftung Juliusspital Würzburg (Hrsg.): Das Juliusspital Würzburg in Vergangenheit und Gegenwart: Festschrift aus Anlaß der Einweihung der wiederaufgebauten Pfarrkirche des Juliusspitals am 16. Juli 1953. Fränkische Gesellschaftsdruckerei, Würzburg 1953
  • Erich Stahleder: Archiv des Juliusspitals zu Würzburg. Teil I: Akten. Karl Zink Verlag, München 1957
  • Robert Wagner: Wein- und Fleischzeichen des Juliusspital zu Würzburg. In: Mainfränkisches Jahrbuch für Geschichte und Kunst, 25 (= 96), 1973, S. 145f
  • Alfred Wendehorst: Das Juliusspital in Würzburg. 1. Kulturgeschichte. Anläßlich der 400jährigen Wiederkehr der Grundsteinlegung. Würzburg 1976
  • Ludwig Weiss (Bearb.), Oberpflegeamt der Stiftung Juliusspital Würzburg (Hrsg.): 400 Jahre Pfarrkirche St. Kilian im Juliusspital zu Würzburg. Würzburg 1980
  • Johanna Bleker (Hrsg.): Kranke und Krankheiten im Juliusspital zu Würzburg 1819 – 1829 : zur frühen Geschichte des allgemeinen Krankenhauses in Deutschland. Matthiesen, Husum 1995, ISBN 3-7868-4072-5
  • Josef Kern: Das Juliusspital in Würzburg. Stiftung Juliusspital, Würzburg 1999. ISBN 3-933964-00-8 (Stadtbücherei Würzburg-Stadtinfo)
  • Andreas Mettenleiter: Die Anatomenskulpturen von Johann Peter Wagner an der Fassade des juliusspitälischen Gartenpavillons in Würzburg. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen ; 18 (1999) S. 95f, Königshausen & Neumann, Würzburg 1999
  • Rainer von Andrian-Werburg: Die Stiftung Juliusspital im Wandel der Zeit. Jahre der Erneuerung 1991-2011. Stiftung Juliusspital, Würzburg 2011 ISBN 978-3-933964-06-9
  • Andreas Mettenleiter: Unterhaltsames und Kurioses aus der Geschichte des Würzburger Juliusspitals Teil: Bd. 1., "Im Schatten des Fürstenbaus" : von der Echterzeit bis ins 18. Jahrhundert. Akamedon Verlag, Pfaffenhofen 2012, ISBN 3-940072-12-5 (Stadtbücherei Dvk Met)
  • Andreas Mettenleiter: Unterhaltsames und Kurioses aus der Geschichte des Würzburger Juliusspitals Teil: Bd. 2., "Von Pfründnern, Kranken und Studenten" : vom Ende der fürstbischöflichen Zeit bis ins Biedermeier. Akamedon Verlag, Pfaffenhofen 2012, ISBN 3-940072-12-5 (Stadtbücherei Dvk Met)

Filme[Bearbeiten]

  • Das Würzburger Juliusspital. Film von Hiltrud Reiter, BR 2007, gezeigt am 27 September 2009 in BR-alpha von 18.00 - 18.45 Uhr. (Gemeinnützige Stiftung im Weinbau, Landwirtschaft, Forstwesen, Gesundheitswesen).

ÖPNV[Bearbeiten]

Bus.png Nächste Bushaltestelle: Juliuspromenade
Straßenbahn.png Nächste Straßenbahnhaltestelle: Juliuspromenade


Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. R. Schwab: Über die Bedeutung des Juliusspitals für die Entwicklung der Inneren Medizin, Sonderdruck aus der Festschrift zur Einweihung der wiederaufgebauten Pfarrkirche des Juliusspital 1953, S. 14-16
  2. Gerhardt Nissen: Frühe Beiträge aus Würzburg zur Entwicklung einer Kinder- und Jugendpsychiatrie, in: Vierhundert Jahre Universität Würzburg. Eine Festschrift, hrsg. von Peter Baumgart, Verlag Degener & Co., Neustadt an der Aisch 1982, S. 935-949, S. 935
  3. Heinrich Ragaller: Zur Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts in Würzburg, in: 15 Jahrhunderte Würzburg, hrsg. v. Heinz Otremba, Echter-Verlag, Würzburg 1979, S. 353-373, S. 353
  4. Axel Karenberg: Österreichische und deutsche Einflüsse während der Gründung der ersten Hochschulkliniken in Breslau (1810-1850), Würzburger medizinhistorische Mitteilungen 10 (1992), S. 433-441; S. 434 mit Anm. 4
  5. Heinrich Ragaller, a.a.O.
  6. Carl Gottfried Scharold: Würzburg und die umliegenden Gegenden für Fremde und Einheimische kurz beschrieben. Nachdruck der 1. Auflage von 1805, Palm&Enke, Erlangen 1980, S. 8f
  7. Carl Caspar von Siebold: Rede von den Vortheilen, welche der Staat durch öffentliche anatomische Lehranstalten gewinnt. Beider feyerlichen Einweyhung des neuen anatomischen Theaters im Julius-Spital zu Würzburg den 9. Julius 1788 gehalten, Nürnberg 1788
  8. Theodor Heinrich Schiebler: Anatomie in Würzburg (von 1593 bis zur Gegenwart), in: Vierhundert Jahre Universität Würzburg. Eine Festschrift, hrsg. von Peter Baumgart, Verlag Degener & Co., Neustadt an der Aisch 1982, S. 985-1004, S. 987 und 989
  9. Hans-Werner Altmann: Pathologie und Pathologen in Würzburg, in: Vierhundert Jahre Universität Würzburg. Eine Festschrift, hrsg. von Peter Baumgart, Verlag Degener & Co., Neustadt an der Aisch 1982, S. 1011-1025, S. 1014
  10. Hans-Peter Trenschel: Der Würzburger Hofbildhauer Johann Peter Wagner (1730-1809). Mainfränkische Hefte 71, Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte (Hrsg.), Würzburg 1980, S. 96. Die Originalskulpturen befinden sich im Mainfränkischen Museum.
  11. Bäume im Park des Juliusspitals. Hrsg.: Stiftung Juliusspital Würzburg. (Stadtbücherei Duk Bäu)

Kartenausschnitt[Bearbeiten]

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