Universitätssternwarte

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Sternwarte im Turm der Universitätskirche (ab 1757)[Bearbeiten]

Fürstbischof Adam Friedrich von Seinsheim ließ 1757 im Turm der Universitätskirche (Neubaukirche) eine Sternwarte einrichten, die mit allen nötigen Instrumenten ausgestattet war. Den Aufbau leitete P. Franz Huberti. Er beobachtete von hier z.B. zuerst in Deutschland den Kometen, der vom 26. Juni bis 4. Juli 1770 sichtbar war sowie Sonnen- bzw. Mondfinsternisse. Ein Höhepunkt war die Beobachtung des Venusdurchgangs durch die Sonnenscheibe vom 6. Juni 1761. Das Beobachten eines weiterer Venusdurchgang am 4. Juni 1769 wurde durch Wolken verhindert. Nach Hubertis Tod 1789 übernahm Franz Xaver Trentel die Einrichtung, die dann zunehmend verfiel und wurde erst ab 1819 durch den Mathematiker und Astronom Johann Schön wiederhergestellt.

1835 beschreibt A. F. Ringelmann im Druckheft „Zum Jubelfest der treuen Bayern“ die Sternwarte folgendermaßen:

„Das Observatorium besteht aus 2 übereinanderliegenden Sälen; der untere etwa 80 Schuh vom Fuße des Thurmes entfernt, mit einem heizbaren Nebenkabinette, enthielt eine sehr genau, von Huberti gezogene Mittagslinie, an deren Anfang eine verticale bewegliche Säule stand, woran ein Quadrant mit seinem beweglichen Tubus, der mit einem Mikrometer versehen, befestigt war; ferner mehrere wertvolle astronomische Uhren. In dem oberen, mit 30 Schuhe hohen, nach allen 4 Weltgegenden gerichteten Fenstern, versehenen Saale, waren die für die damalige Zeit unentbehrlichsten astronomischen Instrumente aufgestellt, welche sich meist noch jetzt auf dem Observatorium befinden, nemlich 2 große Mauer-Quadranten, mit ziemlich feiner und genauer in Paris gefertigter Theilung; ein großer beweglicher Quadrant mit weniger feiner Theilung, eine große prallaktische Maschine, ein kleines Passage-Instrument, zwei astronomische Uhren und ein Sekundenschläger, ein Gregorianisches und Newton'sches Spiegeltelescop, einige lange Fernrohre, entlich ein Huberti'sches Planetarium, das mittels einer mit einem Secundenpendel versehenen Uhr in Bewegung erhalten wird.“ [1]

Was 1945 noch von der Sternwarte vorhanden war, wurde in der Bombennacht vom 16. März vernichtet.

Sternwarte auf der Neuen Universität (1928-45)[Bearbeiten]

1927/28 entstand auf dem Westflügel der Neuen Universität am Sanderring eine neue Universitätssternwarte. Finanziell wurde die Erbauung und Einrichtung von der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften an der Universität Würzburg unterstützt. Hauptforschungsbereich war hier die Beobachtung von Kleinen Planeten und Kometen und deren Bahnbestimmung. Auch diese Sternwarte wurde 1945 komplett zerstört.

Im Jahresbericht der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften an der Universität Würzburg 1929/30 erschien folgender Bericht:

„Die neue Universitätssternwarte Würzburg wurde in den Jahren 1927 und 1928 auf dem Seminaranbau der Neuen Universität unter der Oberbauleitung des Universitätsbauamtes durch die Firma G. Noell Co., Würzburg, erbaut. Sie umfasst zwei übereinandergelegene Räume: Der oberer Raum ist mit einer durch Motorantrieb drehbaren Kuppel von 6 m Durchmesser ausgestattet, deren 2 m breite, vom Horizont über das Zenith sich erstreckende Spaltöffnung sich in jedes Azimut einstellen läßt. In ihm ist auf einem von dem übrigen Kuppelbau isolierten Pfeiler das Hauptinstrument der Sternwarte aufgestellt: ein parallaktisch montierter Refraktor aus der Werkstätte von C. A. Steinheil Söhne , München, mit einem apochromatischen Objektiv von 200 mm Öffnung und 3 m Brennweite. Parallel zum Hauptrohr des Refraktors sind für photographische Durchmusterungsarbeiten zwei Astrokameras von 160 mm Öffnung und 800 mm Brennweite angebracht, dazu kam später eine dritte Astrokamera: Zeiss-Triplet („Zeppelin-Kamera“, Öffnung 171,4 mm und Brennweite 1200 mm) und weitere Zusatzgeräte. Im Beobachtungsraum befinden sich außer dem Refraktor, der von den Hauptuhren der Zeitdienstanlage der Alten Sternwarte gesteuerte Chronograph, eine Schenkung der Telegraphenfabrik H. Wetzer, Pfronten, und zwei mit diesen Hauptuhren synchronisierte Nebenuhren für mittlere Zeit und für Sternzeit aus der gleichen Werkstätte, endlich eine funktelegraphische Empfangsstation zur automatischen Übertragung der Zeitsignale anderer Sternwarten auf den Chronographen.
Der untere Raum ist als Laboratorium eingerichtet. In ihm werden die photographischen Arbeiten entwickelt und mit Hilfe des von der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften dargebotenen Blinkkomperators der Firma Zeiss, Jena, ausgewertet. Hier sind auch die für die Beobachtung unentbehrlichen Sternverzeichnisse und Sternkarten sowie das photographische Archiv untergebracht.“ [2]

Notsternwarte auf der „Neumann-Kanzel“ (1961)[Bearbeiten]

Auf die Vermittlung von Oberbürgermeister Helmuth Zimmerer stellte die Stadt 1961 die Neumann-Kanzel des Hofs Oberfrankfurt (Wohnhaus von Balthasar Neumann) in der Franziskanergasse zum Aufstellen astronomischer Instrumente zur Verfügung. Unter Leitung von Prof. Otto Volk konnte hier vorübergehend eine „Notsternwarte“ eingerichtet werden. [3]

Sternwarte auf der Keesburg (1966 bis 1980er Jahre)[Bearbeiten]

Die Sternwarte an der Johannes-Kepler-Straße (Gartenstadt Keesburg) wurde nach zweijähriger Bauzeit 1966 eingeweiht. Bis in die 1980er Jahre diente sie der Lehre an der Universität Würzburg. Heute wird sie von einem Verein betrieben.
► siehe Volkssternwarte

Hans-Haffner-Sternwarte (seit 2016)[Bearbeiten]

Seit Februar 2016 besteht eine vertragliche Kooperation der Universität mit der Hans-Haffner-Sternwarte in Hettstadt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Maria Reindl: Lehre und Forschung in Mathematik und Naturwissenschaften, insbesondere Astronomie, an der Universität Würzburg von der Gründung bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts. Beiheft 1 zu Quellen und Beiträge zur Geschichte der Universität Würzburg. Würzburg, 1966 (UB 29/NZ 97961 Q3 B4-1)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Maria Reindl: Lehre und Forschung in Mathematik und Naturwissenschaften, insbesondere Astronomie, an der Universität Würzburg von der Gründung bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts. Beiheft 1 zu Quellen und Beiträge zur Geschichte der Universität Würzburg. Würzburg, 1966. S. 30f.
  2. Maria Reindl: Lehre und Forschung in Mathematik und Naturwissenschaften, insbesondere Astronomie, an der Universität Würzburg von der Gründung bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts. Beiheft 1 zu Quellen und Beiträge zur Geschichte der Universität Würzburg. Würzburg, 1966. S. 43f.
  3. Otto Volk: Mathematik, Astronomie und Physik in der Vergangenheit der Universität Würzburg. In: Peter Baumgart (Hrsg.): 400 Jahre Universität Würzburg. Eine Festschrift. Neustadt/Aisch 1982. S. 778