Rückermainhof

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Rückermainhof
Mittelrisalit des Rückermainhofes
Oberer Teil des Mittelrisalits mit den Skulpturen des Hl. Andreas und Hl. Burkard

Der Rückermainhof an der Karmelitenstraße 20 wurde in den Jahren 1716-19 von Josef Greising als Verwaltungssitz des Ritterstifts St. Burkard geschaffen. Die Fassade weist eine besonders reiche architektonische Gliederung auf.

Namensgeber[Bearbeiten]

Ein früherer Besitzer des Hofs war der Bürger Rüger am Main (Ruger ad Moenum). Alte Urkunden nennen die curia Rutgeri prope mogum (Hof des Rutgeri nahe am Main), daraus entstand die spätere und bis heute gebräuchliche Bezeichnung Rückermainhof.

Geschichte[Bearbeiten]

Die früheste urkundliche Erwähnung im Jahr 1260 weist den Ankauf der curia Rutgeri durch Abt Friedericus für das Benediktinerkloster St. Burkard aus. Zur Amtszeit des Abts Siegfried von Jemmerer und seines Nachfolgers Johann I. von Blaubach wurden auf dem Grundstück neue steinerne Häuser errichtet. Mitte des 14. Jahrhunderts wurde das Anwesen deutlich vergrößert durch den Zukauf angrenzender Grundstücke.

1464 wurde das Kloster St. Burkard in das Adelige Säkularkanonikerstift St. Burkard umgewandelt, der Rückermainhof ging in den Besitz des Stifts über, welches hier sein Amtsgebäude einrichtete. In der ersten Etage befand sich damals die Wohnung des Dechants, im Erdgeschoss lagen Verkaufsräume. 1590 waren umfassende Renovierungsmaßnahmen erforderlich, teils wurde neu gebaut. 1713 war dieser Bau wiederum baufällig und musste erneuert werden. Da besonders das Eckgebäude des alten Amtshofes vom Einsturz bedroht war und man größeren Schaden auch für unbeteiligte Personen auf der gleich angrenzenden Gasse befürchtete, wurde im Herbst 1713 ein teilweise Ersatz des einsturzgefährdeten Bereichs in Erwägung gezogen. Im Kapitel kamen jedoch immer größere Zweifel auf, ob eine solche stückweise Ausbesserung des Amtshofes auf längere Zeit eine sinnvolle Lösung sei, vor allem auch deswegen, weil auch an vielen anderen Stellen Reparaturarbeiten durchzuführen waren. Im Juni 1714 beschloss man deshalb, an Josef Greising mit der Bitte eines Neuentwurfes des Gebäudes heranzutreten. Auch Greising riet von Ausbesserungsmaßnahmen ab und empfahl an Stelle dessen einen fundamentalen Neubau des gesamten Areals. Im Sommer 1715 legte man Fürstbischof Johann Philipp von Greiffenclau-Vollraths, dessen jüngerer Halbbruder Christoph Heinrich von Greiffenclau-Vollraths zu dieser Zeit Propst des Ritterstift St. Burkard war, die Pläne zur Begutachtung vor. Diesem gefielen die Pläne so gut, dass er umgehend erklärte, man solle bauen. Die Arbeiten am Neubau verzögerten sich in den nächsten Jahren immer wieder. Einerseits weil die Baukosten deutlich höher lagen als veranschlagt, andererseits weil sich der Bau zu weit in die Marktgasse hineinschob. Greising verstarb 1721 noch während der Auseinandersetzungen um die Bauausführung. Das Großprojekt konnte erst nach einem kleinen Eingriff seines Nachfolgers Balthasar Neumann in die Pläne glücklich behoben werden. [1]

1803 ging das Anwesen mit der Säkularisation an das Königreich Bayern über. Es wurden darin Büros des Landgericht Würzburg und Rentämter eingerichtet. 1904 erfolgten Umbaumaßnahmen, danach war weiter das Landrentenamt hier angesiedelt; daneben Wohnungen des Rentamtmanns und zweier Rentamtsdiener.

Baubeschreibung[Bearbeiten]

Der Rückermainhof ist ein dreigeschossiger Bau und die aus rotem und gelbem Sandstein bestehende Fassade reich und kräftig gegliedert. Vorgekröpfte Gesimse trennen die Geschosse. Im Erdgeschoss trennen gekuppelte koskanische Pilaster die Achsen, in den Obergeschossen folgen ionische und korinthische Ordnungen. Im Erdgeschoss ist in jeder Achse eine große rundbogige Auslage mit profiliertem Bogen auf Rustikapfeilern, die Scheitelsteine sind mit Engelsköpfen geschmückt. In den Obergeschossen befinden sich Doppelfenster mit profilierten Umrahmungen. Die Fensterbrüstungen haben Füllungen mit Ornamenten, die in den beiden Geschossen wechseln.

Das Portal des um ein Zwerchhaus [2] erhöhten, dreiachsigen Mittelrisalits [3] ist rundbogig mit profilierter Umrahmung auf Rustikapfeilern flankiert von gekuppelten dorisierenden Halbsäulen. Im ersten Stock wird ein Doppelfenster mit ornamentierten Seitenvoluten von einer Doppelstellung ionischer Halbsäulen flankiert, darüber ein Dreiecksgiebel. Auf Höhe des zweiten Stockwerks sitzen auf zwei Giebelschenkeln die Steinskulpturen des Hl. Burkardus; sie beziehen sich auf die frühere Nutzung des Gebäudes durch das Kloster St. Burkard, welches wiederum aus dem Andreaskloster hervorgegangen war. Im dritten Stock finden sich auf beiden Seiten des Doppelfensters korinthische Halbsäulen. Den oberen Abschluss der Fassade bilden die allegorischen Figuren „Glaube“ und „Gerechtigkeit“. Sie wurden Anfang des 20. Jahrhunderts erneuert. In dem bekrönenden flachen Dreiecksgiebel befindet sich das Wappen des Fürstbischofs Johann Philipp von Greiffenclau-Vollraths, an der Spitze eine Vase. Die Bauplastik stammt Jakob van der Auwera. Die Fassade inkl. Figurenschmuck blieb beim Bombenangriff auf Würzburg am 16. März 1945 erhalten.

Historische Abbildungen[Bearbeiten]

Ehrungen und Auszeichnungen[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen und Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Erläuterungen und Hinweise[Bearbeiten]

  1. Johannes Mack erwähnt hierzu in seinem Buch Joseph Greissing (1664-1721) Baumeister und Architekt, dass sich hier sehr klar die von persönlichen Animositäten geprägte Politik des 1719 zur Macht gelangten Fürstbischofs Johann Philipp von Schönborn gegen seinen Vorgänger Greiffenclau und dessen Parteigänger, die damals im Ritterstift St. Burkard eine Mehrheit bildeten, zeigte. Schönborn verhängte im Sommer 1721, also noch zu Lebzeiten Greisings, einen Baustopp während der Vorbereitungsarbeiten zum letzten Teilabschnitt zur Marktgasse hin und forderte die Verkürzung der neuen Fassade gegenüber dem bisher vorhandenen Altbau um 1,6 Meter mit der Begründung, dass er mit seiner sechsspännigen Kutsche nicht bequem in die Gasse einbiegen könne. Sich darüber bewusst, dass Schönborn hier keine Sachargumentation führte, war die Entrüstung im Kapitel groß. Den achsensymmetrisch geplanten Bau, noch dazu mit deutlich ausgebildetem Mittelrisalit, konnte man nicht einseitig um einen beliebigen Betrag kürzen, was nicht nur die Stiftsherren wussten, sondern auch Schönborn. Solch eine Provokation ließ man sich nicht bieten und überreichte Schönborn im Januar 1722, gerade vier Wochen nach Greisings Tod, eine Protestresolution, die klarlegte, dass man nicht bereit war, den Bau zu verändern. Da Schönborn gemerkt haben musste, dass er hier zu weit gegangen war, schickte er, um die Gemüter zu beruhigen, noch am selben Tag Balthasar Neumann auf die schon länger ruhende Baustelle um eine Klärung der Sache herbeizuführen. Neumann schlug eine für das Auge nicht wahrnehmbare leichte Schmälerung der letzten Arkaden und ihrer Zwischenräume von insgesamt gerade einmal 50 cm, anstatt der von Schönborn geforderten 1,6 Meter vor. Damit konnten die Stiftsherren leben und auch Schönborn, dem die Sache offenbar inzwischen peinlich wurde, konnte mit seiner Zustimmung zu diesem Kompromiss sein Gesicht wahren.
  2. Nähere Informationen zum Zwerchhaus bei Wikipedia [1].
  3. Der Risalit (ital. risalto, „Vorsprung“) ist ein zumeist auf ganzer Höhe aus der Fluchtlinie eines Baukörpers hervorspringender Gebäudeteil. Als Mittel zur Fassadengliederung ist er ein typisches Gestaltungsmittel der Architektur des Barocks und der Renaissance, tritt jedoch auch in anderen Epochen auf. [2]

Kartenausschnitt[Bearbeiten]

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