Kriegersiedlung Galgenberg

Aus WürzburgWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Reihenhaus in der Nopitschstraße mit Mansarddach (Heimatstil)
Doppelhäuser Am Kugelfang
Erste Mehrfamilienhaus-Reihe unmittelbar an der Nopitschstraße
Bebauungsplan 23. August 1933

Kriegersiedlung Galgenberg bzw. kurz Kriegersiedlung ist die ursprüngliche Bezeichnung für ein Wohngebiet im Stadtbezirk Frauenland (Stadtteil Frauenland), das in mehreren Abschnitten zwischen den beiden Weltkriegen geplant und angelegt wurde. Eingegrenzt wird die keilförmige Siedlung im Norden durch die Rottendorfer Straße, im Südwesten durch Am Galgenberg und im Osten durch die ehemaligen Leighton Barracks. Innerhalb der Kolonie verlaufen bogenförmig Am Kugelfang und die Nopitschstraße.

Namensgeber[Bearbeiten]

Der Name der Siedlung beruht auf der Tatsache, dass das Wohngebiet anfangs primär für Kriegsveteranen des Ersten Weltkriegs bestimmt war.

Hintergrund[Bearbeiten]

Die Kriegersiedlung war ein öffentlich gefördertes, genossenschaftliches Wohnungsbauprojekt für die Unter- und Mittelschicht und war die erste Siedlungskolonie für Kleinsiedler in Würzburg. Die Grundstücke wurden der damaligen Kriegersiedlung Galgenberg-Würzburg eGmbH (eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht) vom bayerischen Staat im Erbbaurecht [1] auf 99 Jahre zur Verfügung gestellt. Planung und Teilumsetzung begannen in einer ersten Phase 1921 (u.a. Am Kugelfang) und wurden dann aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Lage (Inflation) unterbrochen. 1927 und 1937 wurde die Siedlung dann weiter ausgebaut, wobei von den ursprünglichen Plänen von 1921 abgewichen wurde: Von geplanten drei Mehrfamilienhaus-Riegeln östlich der Nopitschstraße (in Richtung der ehemaligen Leighton Barracks) wurden nur zwei Riegel realisiert, die Schaffung eines zentralen Platzes kombiniert mit einem größeren Gebäude wurde nicht umgesetzt. Stattdessen wurde der nachfolgende Wohnungsbau auf den Bereich der Hindenburg-Siedlung (Gartenstadt Keesburg) fokusiert, in die Ende der 1930er Jahre auch einige Bewohner der Kriegersiedlung Galgenberg zwangsumgesiedelt wurden. In unmittelbarer Nachbarschaft befanden sich militärisch genutzte Flächen (u.a. Fliegerhorst, Exerzierplatz etc.) - diese Häuser der Kriegersiedlung wurden letztlich für Militärangehörige benötigt.

Bebauung[Bearbeiten]

Geprägt ist die lockere Bebauung nach Gartenstadt-Vorbild durch großzügige Grünanlagen und Gärten: Ziel dieser Bebauungsform war es unter anderem, eine partielle Selbstversorgung der Bewohner (Obst, Gemüse, Kleintiere) zu gewährleisten. Dies sollte die Abhängigkeit vom Lohn mindern und gleichzeitig im Krisenfall eine gewisse Notversorgung der dort lebenden Menschen ermöglichen. Insgesamt gab es in der Kriegersiedlung ursprünglich vier Haustypen, die alle ähnlich gestaltet waren. Dabei wurde der für die Entstehungszeit typische Heimatstil [2] angewendet, der der Siedlung mit geringer Gebäudehöhe und diversen Elementen (z.B. hölzerne Fensterläden) einen dörflichen Charme gab und immer noch gibt. Konkret gliedert sich die Bebauung folgendermaßen:

  • An der flankierenden Straße Am Galgenberg entstanden in den frühen 1920er Jahren in regelmäßigen Abständen Doppelhäuser mit ausgebauten Satteldächern und großzügigen Gärten (ungerade Hausnummern 5 bis 27). Etwas zeitversetzt wurden um 1927 an der Rottendorfer Straße ebenfalls Doppelhäuser dieser Art gebaut. Anfang der 1930er Jahre wurde die Häuserzeile Am Galgenberg um ein Gebäude mit Laden (Hausnummer 29) und Verwaltungsgebäude/Siedlungsheim (Hausnummer 31) erweitert. Ein weiterer Ausbau in Richtung Gerbrunn erfolgte um 1937 durch die Wehrmacht (Am Galgenberg 32, 31/33 (31 = heute Nopitschstraße 2), 35/37). Auch in der Rottendorfer Straße wurden um 1937 von der Kriegersiedlung Galgenberg-Würzburg eGmbH weitere Doppelhäuser errichtet, die kurze Zeit später in den Besitz der Wehrmacht übergingen (Hausnummern 64/66, 68/70, siehe Bilder).
  • Um 1921 wurden beidseitig der bogenförmig verlaufenden Straße Am Kugelfang Doppelhäuser gebaut (Hausnummern 1-16). Ursprünglich sollten auf der westlichen Seite dieser Straße Einzelhäuser stehen - dies wurde jedoch nicht realisiert. Stattdessen findet man auch hier Doppelhäuser vor. Angegliedert wurden Schuppen- und Stallgebäude, die in Fachwerk- und Holzbauweise geplant wurden.
  • Entlang der ebenfalls bogenförmig verlaufenden Nopitschstraße wurden um 1927 an der Westseite Doppelhäuser errichtet (ungerade Hausnummern 1-15). Diese wurden mit markanten Mansarddächern [3] gedeckt, wie man sie unter anderem auch am Heidingsfelder Kolonieweg/Holzweg oder in der Heimgartensiedlung vorfinden kann. Eine Besonderheit ist, dass ein zentral gelegenes Mehrfamilienhaus / Reihenhaus (vier Parteien, ungerade Hausnummern 5-11) ebenfalls im Stil eines typischen Doppelhauses ausgeführt wurde und somit eine gewisse Einheitlichkeit wahrnehmbar ist. An der Ostseite der Nopitschstraße entstanden 1937 durch die Wohnbau GmbH Berlin Dahlem zwei Riegel aus Mehrfamilienhäusern, wobei die östliche Reihe versetzt angeordnet wurde (gerade Hausnummern 4-12a). Die ursprünglich niedrigeren Satteldächer wurden in den 1950er Jahren in der jetzigen, höheren Variante ausgebaut. Zwischen den Mehrfamilienhäusern befinden sich Fußwege und Gartenanlagen.

Gegenwärtige Situation[Bearbeiten]

Im Zuge des Bombenangriffs auf Würzburg am 16. März 1945 wurde die Kriegersiedlung erheblich beschädigt. Zwar wurde die Siedlung in der ursprünglichen Struktur wieder aufgebaut, jedoch fielen dabei angegliederte Stallgebäude in vielen Fällen Anbauten und in jüngerer Vergangenheit insbesondere Garagen zum Opfer. Teilweise wurden Häuser auch aufgestockt oder anderweitig baulich verändert. Gerade die Gebäude entlang der Rottendorfer Straße wurden erheblich verändert, was auch deren Funktion als Zufahrtsstraße für die US-Kaserne geschuldet war. Dennoch lässt sich der ursprüngliche Charakter der einstigen Kriegersiedlung noch feststellen: Nach wie vor ist diese durchzogen von Grünanlagen und Gärten, wobei letztere entweder noch für den Gemüseanbau genutzt werden oder als Erholungsfläche dienen. Auch die ursprüngliche Architektur wurde beim Wiederaufbau nach dem Bombenangriff größtenteils beibehalten, so dass vor allem die Mansarddächer der Siedlung ein markantes Aussehen verleihen. Teilweise haben die Häuser auch heute noch hölzerne Fensterläden.

Denkmalschutz[Bearbeiten]

Gegenwärtig steht keines der Häuser der Kriegersiedlung Galgenberg unter Denkmalschutz.

Einzelhandel[Bearbeiten]

  • Zwischen 15. Januar 1971 und 31. Dezember 2011 befand sich mit der Metzgerei Rögele ein traditioneller Familienbetrieb in der Straße Am Galgenberg 1. Die Metzgerei wurde nach 41 Jahren vom Ehepaar Rögele aus Altersgründen geschlossen.
  • In der Siedlung befand sich seit Anfang der 1930er Jahre ein kleiner Laden (Am Galgenberg 29, Ecke Nopitschstraße). Dieser musste schließen. Es zog die Bäckerei Baunach mit Café ein.
  • Gegenüber der Kriegersiedlung befindet sich der Uni-Döner (Am Galgenberg 12).

ÖPNV[Bearbeiten]


Bilder[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

Kartenausschnitt[Bearbeiten]

Die Karte wird geladen …