Friedhof Thüngersheim

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Der Friedhof Thüngersheim ist eine Begräbnisstätte in der Gemeinde Thüngersheim.

Lage

Die Begräbnisstätte liegt im Osten der Gemeinde an namensgebender Friedhofstaße.

Geschichte der Thüngersheimer Friedhöfe

Der erste „Thüngersheimer“ Friedhof lag in Zellingen, wo nachweislich schon im Jahre 838 eine Kirche bestand. Diese Pfarrei wurde 1097 erstmals erwähnt. Zu ihr gehörten die umliegenden Ortschaften, auch Thüngersheim, das 1098 erstmals Erwähnung findet, aber wohl an die 500 Jahre älter ist. Vor der Gründung der Pfarrei Thüngersheim am 31. Mai 1353 war im bereits eine dem Hl. Michael geweihte Kapelle vorhanden. Sie stand an derselben Stelle wie die heutige katholische Pfarrkirche St. Michael und ist in den drei unteren Turmgeschossen noch teilweise vorhanden. Die Lage dieser Kapelle am Rande des Altortes und das Michael-Patrozinium lassen vermuten, dass es sich um eine Begräbniskapelle gehandelt hat. Wahrscheinlich hatte man, um die beschwerliche Überführung der Verstorbenen nach Zellingen zu vermeiden, schon Jahrzehnte vor der Pfarreierrichtung beim Zellinger Pfarrer erreicht, dass die Verstorbenen beim Ort begraben werden durften und hatte deshalb eine Kirche erbaut und einen Friedhof darum angelegt.

Innerhalb der Friedhofsmauern standen die Gaden. Sie umgaben zeitweise den ganzen Friedhof und engten ihn vor allem durch ihre geräumigen Kellerabstiege ein. Der einzige Zugang zu dieser „Kirchenburg“ bildete ein Torhaus an der Südostecke des Kirchhofs. Über ihn wurde später die alte Schule gebaut. Im Norden dehnte sich der Kirchhof auf seiner ganzen Breite bis zum Unteren Graben aus. Die Ausbuchtung im Westen entstand erst Ende des 17. Jahrhunderts, als man die Kirche um den Chor erweiterte. Der neue Friedhofsteil wurde am Weihetag der drei Barockaltäre, am 1. Juni 1710 durch den Würzburger Weihbischof Dr. Johann Bernhard Mayer benediziert.

1733 wurde die Ölbergkapelle in den Friedhof gebaut. Um das Jahr 1803 wurde bei der Verlegung des Friedhofes vor das Dorf das alte Friedhofsgelände nördlich der Kirche an zwei Bauern verkauft. Im Sterberegister 1842-1886 vermerkt Pfarrer Jakob Seufert, dass er den neuen Kirchhof unter Assistenz des Pfarrers M. Klopf von Erlabrunn und des Thüngersheimer Kaplans Dr. A. Denzinger am 18. November 1852 eingeweiht habe. Ob es der neue Friedhof war oder die erste Erweiterung ist unbekannt. Jedenfalls war zwei Jahrzehnte später eine Vergrößerung des Friedhofs, die Pfarrer Johann Adam Wollbach am 12. Oktober 1873 segnete. Unter Pfarrer Hilarius Ankermüller errichtete man Ende des 19. Jahrhunderts den Kreuzweg im Friedhof.

Am Ende des Ersten Weltkrieges beklagte Thüngersheim 43 Gefallene. Die Ortsgruppe des Reichsbundes der Kriegsbeschädigten erstellte 1923 einen Gedenkstein für diese Gefallenen.

Unter Bürgermeister Franz Lauk wurde der Bau des Leichenhauses begonnen und unter seinem Nachfolger Michael Urlaub am 31. Oktober 1949 durch die Segnung von Pfarrer Viktor Lauer seiner Bestimmung übergeben. Über dem Eingang sieht man ein in den Stein gehauenes Kreuz, an der Wand über der Tür ein Bild des leidenden Christus und die Mahninschrift Memento mori (Gedenke des Todes).

Am 3. April 1971 errichtete man neben dem Grab von Pfarrer Viktor Lauer ein Priestergrab. Der Gedenkstein, der den guten Hirten mit dem Lamm auf den Schultern zeigt, wurde von Erwin Misch, Würzburg, aus Kirchheimer Muschelkalk-Kernstein geschaffen. Eine liegende Platte erinnert uns: Betet für eure verstorbenen Priester.

Da der Friedhof wieder zu klein geworden war, wurde er nach Osten hin erweitert. Geistlicher Rat Hans Carl weihte am 16. April 1972 den Platz für die vorgesehenen 65 Doppelgräber.

Bis zum Jahr 1980 war der Friedhofseingang an der Ecke Friedhofstraße/Friedenstraße. Heute befindet sich dort ein kleiner Freialtar mit der Kopie einer alten Pietà. In der Friedenstraße wurde die Mauer neu ausgeführt und der neue Eingang zum Friedhof eingerichtet.

Eine neuerliche Erweiterung des Friedhofs beschloss der Gemeinderat Ende 1986. Einweihung war am 29. Mai 1988.

Beschreibung

Der gemeindeeigene Friedhof verfügt über Einzel-, Familien- und Urnengräber, sowie ein Leichenhaus mit Aussegnungsraum. Die Tätigkeit von Bildhauern, Steinmetzen und sonstigen Gewerbetreibenden auf dem gemeindlichen Friedhof kann eine vorherige Zulassung durch die Gemeinde erfordern.

Auf dem großen Friedhofskreuz steht die Jahreszahl 1715 und zeigt uns, dass dieses Kreuz bereits im Friedhof neben der Kirche stand. Die Inschrift darauf ist das letzte Wort Jesus am Kreuz: Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist! (Lk. 23,46)

Siehe auch

Quellen und Literatur

  • Franz Zeyer: Bildstöcke, Kreuze, Hausmadonnen, Freifiguren und Grabdenkmäler - Ein Gang durch Thüngersheim und seine Gemarkung. Thüngersheim 1999

Weblinks

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