Ferdinand Pfeuffer

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Ferdinand Pfeuffer (* 5. August 1894 in Hopferstadt; † 25. Januar 1972 ebenda) war von 1934 bis 1945 1. Bürgermeister der Gemeinde Hopferstadt im Ochsenfurter Gau.

Politische Entwicklung 1933

Im Zuge der von der NS-Reichsregierung erlassenen Gleichschaltungsgesetze [1] im Frühjahr 1933 verloren die bei der Bürgermeister- und Gemeinderatswahl am 26. April 1933 gewählten Gemeinderatsmitglieder nach der erzwungenen Auflösung der Bayerischen Volkspartei Anfang Juli 1933 ihre Ämter, so dass der Hopferstadter Gemeinderat nach der Bestätigung durch das Bezirksamt Ochsenfurt am 27. Juli 1933 nur noch aus Nationalsozialisten bestand. Ebenfalls im Frühjahr 1933 wurde die Amtszeit von Michael Dürr als 1. Bürgermeister von Hopferstadt, welche nach der Wahl von 1929 eigentlich noch bis 1934 dauern sollte, vom Bezirksamt Ochsenfurt auf Druck der NSDAP-Kreisleitung für beendet erklärt und am 26. April 1933 der Landwirt Bernhard Metzger gewählt. Nach Intervention des NSDAP-Kreisleiters Josef Groß in Ochsenfurt wurde allerdings nicht Metzger Nachfolger Michael Dürr, sondern der Landwirt Karl Korbmann, ein Mitglied der NSDAP. Dieser war bei einer vom Bezirksamt Ochsenfurt am 26. Juni 1933 anberaumten Neuwahl zum Gemeindeoberhaupt gewählt und einige Tage später von der Aufsichtsbehörde und der NSDAP-Kreisleitung Ochsenfurt bestätigt worden.

Der 1. Bürgermeister Korbmann bemühte sich während seiner kurzen Amtszeit um ein einvernehmliches Verhältnis zwischen Gemeindeverwaltung und Kirchenverwaltung, was ihm aber von der NSDAP-Kreisleitung Ochsenfurt übel genommen wurde und schließlich am 23. Mai 1934 zu seiner Ablösung führte. Zum Nachfolger Korbmanns wählte der Hopferstadter Gemeinderat am 17. Juni 1934 den bisherigen 2. Bürgermeister Ferdinand Pfeuffer mit 8 gegen 0 Stimmen.

Bürgermeister von Hopferstadt

Mit der Wahl Pfeuffers zum 1. Bürgermeister endete zugleich das Einvernehmen zwischen Kirchenverwaltung und Gemeindeverwaltung, denn der neue Bürgermeister verfolgte in Gemeindeangelegenheiten einen an der offiziellen NS-Politik orientierten Kurs und pflegte engen Kontakt zur NSDAP-Kreisleitung in Ochsenfurt. Ferdinand Pfeuffer, der erst seit 1933 Mitglied der NSDAP war, galt nach außen hin als der Repräsentant des Nationalsozialismus in Hopferstadt.

Bei den Auseinandersetzungen mit Pfarrer August Duttenhöfer, der eine breite Unterstützung der Bevölkerung genoss, spielte er eine unrühmliche Rolle. Als die NSDAP im Frühjahr 1937 in Bayern mit ihrer Propaganda für die Einführung von Gemeinschaftsschulen begann, setzte sich Pfarrer Duttenhöfer trotz aufmerksamer Beobachtung von Seiten örtlicher Spitzel im Gottesdienst und Christenlehre für eine Beibehaltung der katholischen Bekenntnisschulen ein und brachte damit auch manchen Parteigenossen der NSDAP zum Nachdenken. Am 20. Juli 1937 führte er trotz polizeilicher Überwachung des Sonntagsgottesdienstes am Nachmittag desselben Tages eine vom Bischöflichen Ordinariat Würzburg veranlasste Abstimmung über die Beibehaltung der katholischen Bekenntnisschule durch. Weil er sich in der Sonntagspredigt nicht nur mit Angelegenheiten des Staates befasst, sondern angeblich auch „hetzerische Äußerungen über leitende Personen des Staates und der NSDAP gebraucht“ habe, wurde Pfarrer Duttenhöfer von der Gendarmeriestation Aub wegen Verstoßes gegen das Heimtückegesetz zur Anzeige gebracht. [2]

Am 11. Dezember 1937 kam es in Hopferstadt im Anschluss an eine Werbeveranstaltung der NSDAP zur Einführung der Gemeinschaftsschule zur Protesten und Drohungen gegen den Redner des Abends und den örtlichen Schulleiter. Bürgermeister Pfeuffer rief daraufhin die Gendarmerie von Ochsenfurt herbei, um die Sicherheit der Gefährdeten zu gewährleisten und Ruhe und Ordnung wiederherzustellen. Mit Unterstützung ihrer Kollegen aus Aub und einem Trupp von SS-Männern aus Ochsenfurt lösten die alarmierten Gendarmeriebeamten die Menschenansammlung auf und beruhigten die aufgebrachte Volksmenge. Neben Pfarrer Duttenhöfer wurden im Januar und März 1938 noch weitere Personen verhaftet, die entweder als Rädelsführer der Aktion betrachtet oder wegen der Verhaftung des Geistlichen Drohungen gegen Bürgermeister Pfeuffer ausgestoßen hatten. Aufgrund seines fortgesetzten Widerstandes gegen das NS-Regime und neuerlicher Drohungen gegen ihn, stellte Pfeuffer am 30. Juni 1938 bei der NSDAP-Gauleitung in Würzburg den Antrag auf Erteilung eines Aufenthaltsverbotes gegen Pfarrer Duttenhöfer in Hopferstadt und Versetzung desselben in eine andere Gemeinde. Trotz Widerstandes des Bischöflichen Ordinariats in Würzburg setzte sich die NSDAP-Kreisleitung Ochsenfurt jedoch durch und Duttenhöfer wurde im September 1938 nach Obertheres versetzt.

Mit dem Einmarsch der Amerikaner am 1. April 1945 war in Hopferstadt die nationalsozialistische Herrschaft endgültig gebrochen, auch wenn die offizielle Kapitulation der deutschen Militärführung erst in den Tagen 7. bis 9. Mai 1945 erfolgte. Damit endete für das Dorf zugleich ein unseliger Krieg, der für den Ort selbst, von geringen Sachschäden abgesehen, glimpflich ausgegangen war. Bürgemeister Pfeuffer und der Gemeinderat wurden von der amerikanischen Militärregierung von Unterfranken entlassen und am 5. Juli 1945 fand die Einsetzung eines neuen Bürgermeisters statt. Zum Ortoberhaupt wurde der Landwirt Philipp Jörg ernannt.

Unter der Ägide von Bürgermeister Pfeuffer wurden die Ortsstraße gepflastert und die Landwirtschaft im Ort gefördert. Weiterhin wurden 1943 eine Motorspritze für die Feuerwehr angeschafft und die Kanalanlage begonnen.

Siehe auch

Quellen und Literatur

  • Georg Menig / Stadtarchiv Ochsenfurt
  • Hopferstadt - Ein Dorf im Ochsenfurter Gau. Hrsg.: Katholische Kirchenstiftung Hopferstadt, Vier Türme Verlag, Münsterschwarzach 2006, S. 145 ff. [3]

Erläuterungen und Hinweise

  1. Gleichschaltung bezeichnet die erzwungene Eingliederung aller sozialen, wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Kräfte in die einheitliche Organisation einer Diktatur, die sie ideologisch vereinnahmt und kontrolliert. Seit den 1930er Jahren bezeichnet das Wort den Prozess der Abschaffung des Föderalismus und der Vereinheitlichung des gesamten gesellschaftlichen und politischen Lebens in der Machteroberungsphase der Zeit des Nationalsozialismus. Ziel war es, bis 1934 den als Zerrissenheit verstandenen Pluralismus in Staat und Gesellschaft aufzuheben. Weitere Informationen bei Wikipedia [1].
  2. Das Gesetz gegen heimtückische Angriffe auf Staat und Partei und zum Schutz der Parteiuniformen vom 20. Dezember 1934, bekannt unter der Bezeichnung Heimtückegesetz, stellte die missbräuchliche Benutzung von Abzeichen und Parteiuniformen unter Strafe. Es schränkte darüber hinaus das Recht auf freie Meinungsäußerung ein und kriminalisierte alle kritischen Äußerungen, die angeblich das Wohl des Reiches, das Ansehen der Reichsregierung oder der NSDAP schwer schädigten. Weitere Informationen bei Wikipedia [2].
  3. Die Chronik von Hopferstadt „Hopferstadt - Ein Dorf im Ochsenfurter Gau“ kann über das Pfarrbüro der Pfarreiengemeinschaft Tückelhausen käuflich erworben werden.