Emil Fritz

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Emil Fritz (* 16. Juni 1879 in Würzburg; † unbekannt) war Lehrer und NSDAP-Ortsgruppenleiter in Gaukönigshofen.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Militärzeit und Erster Weltkrieg[Bearbeiten]

Emil Fritz als Oberleutnant

Der Sohn eines Regierungsbeamten in Würzburg besuchte von 1899 bis 1902 die Lehrerbildungsanstalt in Würzburg und leistete vom 1. Oktober 1902 bis 1. Oktober 1903 seinen Wehrdienst als Einjährigen-Freiwilliger beim 9. Infanterierieregiment in Würzburg ab. Anschließend praktizierte er als Volksschullehrer in Buch. Mit Ausrufung des Kriegszustandes wurde er am 16. September 1914 als Reserve-Offiziersaspirant und Unteroffizier zum 4. Bayerischen Landwehrinfanterieregiment eingezogen und machte mit dieser Einheit den Ersten Weltkrieg mit. Er wurde am 12. November 1914 bei Ypern verwundet und nach seiner Genesung auf einen Offiziersaspirantenkurs geschickt, welchen er am 18. März 1915 als Leutnant der Reserve abschloss. Im Laufe des Krieges wurde er dreifach dekoriert.

Lehrerstelle in Gaukönigshofen[Bearbeiten]

Emil Fritz als Hauptlehrer 1936

Das Kriegsende erlebte Fritz als Oberleutnant der Reserve und wurde nach seiner Entlassung wieder als Lehrer an die Volksschule Buch beordert. Nach zehnjähriger Tätigkeit versetzte man ihn am 1. Dezember 1928 auf die Lehrerstelle nach Gaukönigshofen[1] Als Außenseiter fand er keinen richtigen Anschluss im Ort und wurde von der Bauernschaft auch nicht als gleichwertig akzeptiert. [2] Vor 1933 verbachte der Lehrer deshalb seine Abende des Öfteren beim Kartenspielen mit anderen „Ortsfremden“ und jüdischen Bewohnern aus Gaukönigshofen. [2]

Zeit des Nationalsozialismus[Bearbeiten]

Das Foto vom Erntedankfest 1936 in Gaukönigshofen zeigt von links nach rechts: Ortsgruppenleiter Emil Fritz, unbekannt, Bürgermeister Franz Josef Michel, unbekannt, Ortsbauernführer Josef Pfeuffer, unbekannt.

Eine antisemitische Weltanschauung geht bei ihm vor 1933 nicht aus den Akten hervor. Im Gegenteil nutzte er den Terminus „Nazi“ gerne als Schimpfwort. Mit der sogenannten „nationalsozialistischen Machtergreifung“ am 30. Januar 1933 änderte sich dies. Am 1. Mai 1933 trat er unter der Mitgliedsnummer 2676142 in die NSDAP ein und wurde am 9. Juni 1933 von der Kreisleitung gar zum Beauftragten der Partei und zugleich Ortsgruppenleiter ernannt. Somit hatte er neben dem Bürgermeister Franz Josef Michel die machtvollste Position im unteren NS-Ranggefüge erreicht. Nun wandelte er sich vom politisch indifferent stehenden Lehrer zur nationalsozialistischen Initiativperson. Er wandte sich von nun an gegen die jüdischen Einwohner im Dorf und erschwerte in seiner Position als Lehrer den jüdischen Kindern ihre Schulzeit. [3] 1935 wurde er als 1. Beigeordneter von der Kreisleitung in den Gemeinderat bestimmt. [4]

Zugleich fungierte er Propagandaredner der Ortsgruppe und richtete die politischen Veranstaltungen in Gaukönigshofen aus. Als Oberlehrer konnte er in starkem Maße Einfluss auf die Indoktrinierung der Jugend nehmen. So organisierte er am 15. September 1933 ein Schülertreffen in Gaukönigshofen. Hierbei marschierten fast 300 Schüler mit Wimpeln und Fahnen, unter Vortritt der Eichelseer SA-Kapelle durch das Dorf. Hauptlehrer Fritz hielt dabei eine „zündende Ansprache über die Erziehung der Jugend zu ihrer kommenden großen Aufgabe im neuen Reich..“. Vor allem 1938 organisierte er zudem häufiger agitative Umzhüge der SA durch den Ort, gefolgt von der obligatorischen Kundgebung vor dem Rathaus. Hierbei wurde beim Passieren jüdischer Anwesen das sogenannte „SA-Kampflied“ gesungen. [5]

In der Reichspogromnacht, die in Gaukönigshofen am Abend des 10. November 1933 begann, beteiligte sich Ortsgruppenleiter Fritz ebenfalls. Er holte zusammen mit Kreisamtsleiter Hohmann beim örtlichen Gaukönigshöfer Schmied schwere Eisenhämmer zum Einschlagen der Fenster der jüdischen Anwesen. [6] Bei der Deportation der 25 noch im Ort lebenden Gaukönigshöfer Juden ins Lager Izbica am 21. März 1942 beaufsichtigten der Ortsgruppenleiter und der Bürgermeister am Bahnhof den Vorgang.

Während des Kriegs hatte sich Fritz vor allem um die Stärkung des Durchhaltewillens zu kümmern und evakuierte Familien im Ort unterzubringen. Am 26. Juli 1942 erhielt er das Kriegsverdienstkreuz II. Klasse ohne Schwerter [7] für seinen „kriegswichtigen“ Einsatz durch das Gaupersonalamt verliehen. Als Gründe zur Verleihung wurden genannt: „Vorbildliche Leistung als Politischer Leiter, besonders erhöhte Verdienste im Einsatz bei der Betreuung von Rückgeführten, von Evakuierten, von Verwundeten, in der Nachbarschaftshilfe, Kinderlandverschickung, bei der Durchführung der kriegswichtigen Metall-, Spinnstoff- und Wintersachensammlung.“.

Ende des Zweiten Weltkrieges[Bearbeiten]

Wenige Tage vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges floh er, wurde jedoch von amerikanischen Truppen gefasst und bis 1948 in ein Internierungslager eingewiesen. In seinem Spruchkammerbescheid 1948 wurde er aufgrund seines Alters in die Gruppe III der Minderbelasteten eingestuft und mit einem Sühnebescheid versehen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen und Literatur[Bearbeiten]

Hinweise und Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gemeindearchiv Gaukönigshofen Ordner 310 Schulwesen.
  2. 2,0 2,1 Vgl. Michel, Juden in Gaukönigshofen, S. 450
  3. Vgl. Michel, Juden in Gaukönigshofen, S. 451
  4. Gemeindearchiv Gaukönigshofen Ordner 022 Gemeinderat
  5. Vgl. Michel, Juden in Gaukönigshofen, S. 489 - 490
  6. Vgl. Staatsarchiv Würzburg, Staatsanwaltschaft Würzburg
  7. Gemäß der Verordnung über die Stiftung des Kriegsverdienstkreuzes wurde dieses für Anerkennung für „besondere Verdienste“ verliehen, die nicht die Voraussetzungen des Eisernen Kreuzes erfüllten. Faktisch war also das Kriegsverdienstkreuz der Orden, der für Verdienste im rückwärtigen Frontgebiet, der Etappe und Ersatzheer oder in der Heimat verliehen wurde, während das Eiserne Kreuz für Verdienste bei unmittelbaren Kampfhandlungen reserviert war. Weitere Informationen bei Wikipedia [1].