Fichtelscher Hof

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Fichtelscher Hof in der Bronnbachergasse 8
Wappen am „Fichtelschen Hof”
Innenhof des Fichtelschen Hofes
Wappenbaum der jeweiligen Hausbesitzer

Der Fichtelsche Hof, auch Fichtelhof genannt, ist ein historischer Bau in der Bronnbachergasse 8 (frühere Adresse: Distrikt II, Nr. 271 [1]).

Geschichte[Bearbeiten]

Die erste urkundliche Erwähnung des Hofs findet sich im 12. Jahrhundert als Haus des Ritters Heinrich Wolfholt (1144 und 1165). 1296 kam der Fichtelsche Hof in den Besitz des Klosters Himmelspforten, welches noch 1311 in dessen Besitz war. Nach dem Dreißigjährigen Krieg gelangte er in den Besitz des Würzburger Ratsherrn Johann Christian Lanius, der damit begann den Hof barockisieren zu lassen.

1722 wurde das Anwesen von Franz Ludwig von Fichtel geerbt, der Kabinettssekretär und später Hofkanzler von Fürstbischof Friedrich Karl von Schönborn bzw. Karl Philipp von Greiffenclau war. In dieser Zeit war Balthasar Neumann, ein Freund Ludwig von Fichtels, an der Gestaltung des Bauwerks zu einem Barockpalais beteiligt. Die Fassade mit stuckierten Fensterumrahmungen von Johann Lucas von Hildebrandt stammt aus dem Jahr 1724, das über dem Portal ersichtliche Wappen des Bauherrn zeigt eine kleine, stilisierte Fichte.

Nach dem Tode von Franz Ludwig von Fichtel verkaufte seine Witwe den Hof 1762 an das Kloster Oberzell, das es als neuen Zellerhof für die von dort in Würzburg studierenden Patres nutzte. Der alte Zellerhof war so ruinös, dass die in Würzburg studierenden Patres nicht mehr darin wohnen konnten. Nach der Säkularisation ging der Hof an die Familie Hirsch auf Gereuth über. Danach wurde er an den Kriegskommissär Blum, von diesem an Dr. Wackenreuder zur Errichtung eine „Knaben-Instituts“ verkauft, musste aber wegen Konkurs vom Verkäufer wieder zurückgenommen werden. Anschließend waren die Kaufmannsleute Joseph und Bertha Wachter Besitzer. [2] 1924 erwarb ihn Anton Holzheimer, der den Hof seinem Sohn Georg Holzheimer vererbte, welcher in großem Maße finanziell zum Erhalt des ehemligen Beamtenbaus beitrug. Fassade und Portal blieben 1945 erhalten. Das Anwesen entstand 1955 wieder, wobei nicht nur das Äußere, sondern auch Teile des Innengestaltung restauriert wurden. [3]

Baubeschreibung[Bearbeiten]

Der Fichtelsche Hof ist ein Dreiflügelanlage um einen Innenhof mit einem zweigeschossigen traufständigen Hauptgebäude über hohem Kellersockel mit Mansarddach. Der dreigeschossige Hauptbau verfügt über 7 Fensterachsen. Die zwei- bzw. dreigeteilten Fenster besitzen barocke Umrandungen aus der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts, darüber geschwungene stuckierte Verdachungen von 1724, außerdem im 1. Obergeschoss stuckierte Umrandungen mit „Ohren“ im typischen Stil der Zeit Antonio Petrinis.

Ein großes Portal in der Mittelachse ist beidseitig mit prägnanten Pilastern ausgestattet. An der Decke der Torhalle befinden sich heute Wappen und Stuck der Nachkriegszeit.

Der Ostflügel der Anlage wurde teilweise in ursprünglicher Einteilung und Form wiederaufgebaut und verfügt noch über eine alte barocke Türeinfassung sowie seitlich über zwei Fensteröffnungen im gotischen Stil. Der Westflügel dagegen ist in großen Teilen ein Nachkriegsbau, aber seitlich noch mit einer frühbarocken Türeinfassung versehen. An der südlichen Schmalseite des Hofes befindet sich eine rekonstruierte Balustradenterrasse mit barocker Steinfigur und Steinvasen.

Treppenhaus[Bearbeiten]

Das Treppenhaus von 1724 im Ostflügel des „Fichtelschen Hofes” in der Bronnbachergasse 8 wird Balthasar Neumann, Johann Lucas von Hildebrandt oder Joseph Raphael Tatz zugeschrieben. Mit seinen fünf Skulpturen aus den Jahren zwischen 1724 und 1726 von Claude Curé und dem reich ornamierten Geländer (heute Abgusskopien) ist es ein bedeutendes Beispiel der Régance aus dem Übergang des Barock zum Rokoko. Dieses Treppenhaus vertritt den Typus der dreiarmigen „Turmtreppe“ um einen offenen Kern mit vier Eckpfeilern als Stütze der Innenwange. Die Stützen, im obersten Geschoss als Postamente ausgebildet, trugen wohl vier Skulpturen, der Platz der fünften Skulptur ist unbekannt.

Ikonographische und stilistische Unterschiede lassen die Skulpturen in zwei Gruppen auseinanderfallen. Die beiden Tugendallegorien sind untersetzter, haben große Köpfe mit breiten, runden Gesichtern und sind feiner und kleinteiliger modelliert als die übrigen Skulpturen. So hat die „Rhetorik“ oder „Klugheit“ in Bewegungsmotiv, Proportionen und Gesichtsschnitt ein Parallele in Claude Curés Augsburger Statuette von 1724/25 [4], die „Constantia“ besitzt ein Gegenstück im Bamberger „Mars“ vom 1726 entstandenen Brunnen im Hof der Langgaßkaserne. [5]

Die drei übrigen Skulpturen sind durch Zeichnungen für drei Gartenfiguren von Claude Curé im Martin von Wagner Museum verknüpft, zeigen aber nur in einigen Zügen Ähnlichkeiten zu eigenhändigen Bildwerken Curés. Bei den Skulpturen im Treppenhaus waren wohl Mitglieder von Curés Werkstatt tätig. Es darf angezweifelt werden, dass die fünf Skulpturen ursprünglich für das Treppenhaus bestimmt waren, vieles deutet auf eine Zweitverwendung. Während die ursprüngliche Bestimmung der beiden Tugendallegorien unbekannt ist, waren die drei übrigen Skulpturen - in Übereinstimmung mit den erwähnten Zeichnungen - als Gartenskulpturen konzipiert.

Die Frage nach dem Zeitpunkt der Aufstellung im Treppenhaus des Fichtelschen Hofes und ihrer Kombinationen konnte bisher nicht geklärt werden. Die beiden Tugendallegorien und der Musketier standen 1888 auf dem Aufbau im Hof. [6]

Die Originalskulpturen und das Original-Treppengeländer sind heute im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg zu besichtigen. Die Skulpturen wurden vermutlich 1898 in Würzburg zusammen mit dem Treppengeländer erworben. Im Treppenhaus des Fichtelschen Hofes stehen seit 1970 Abgusskopien von Treppengeländer und Skulpturen.

Bildergalerie[Bearbeiten]

Historische Abbildungen[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen und Literatur[Bearbeiten]

  • Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, Baudenkmäler in Würzburg, Nr. D-6-63-000-67
  • Claudia Maué: Die Bildwerke des 17. und 18. Jahrhunderts im Germanischen Nationalmuseum. Teil 1: Franken, Verlag Philipp von Zabern, Mainz am Rhein 1997, S. 180-189

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Uraufnahme im geoportal.bayern.de/bayernatlas
  2. Carl Heffner: Würzburg und seine Umgebung. Verlag Bonitas Bauer, Würzburg 1871, S. 134
  3. Jörg Paczkowski: Der Wiederaufbau der Stadt Würzburg nach 1945. Mainfränkische Studien Band 30, Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte e.V. (Hrsg.), Würzburg 1982, S. 233
  4. Vgl. Ute Nadler: Der Würzburger Hofbildhauer Claude Curé in: Mainfränkische Studien Band 8, Würzburg 1974 (Zugleich Philosophische Dissertation - Würzburg 1972), S. 164-165, Abb. 28
  5. Vgl. Ute Nadler, a.a.O., S. 173-177, Abb. 29
  6. Foto im Archiv von Anton Holzheimer, dem derzeitigen Besitzer des Anwesens Bronnbachergasse 8

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