Katharinenkapelle (Würzburg)

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Die romanische Katharinenkapelle befand sich bis 1809 etwa im Bereich der heutigen Bronnbachergasse 20.

Patrozinium[Bearbeiten]

Kapelle und Klause waren der Heiligen Katharina von Alexandria geweiht. Sie wurde wahrscheinlich auf Zypern geboren und starb um da Jahr 307 in Alexandria in Ägypten. Sie wird als Märtyrerin und Nothelferin seit dem 8. Jahrhundert verehrt. Sie gilt als Schutzheilige der Mädchen, Jungfrauen, Nonnen, Heiratswilligen und Ehefrauen. Im Mittelalter war sie zuständig für Ritter, Ammen, Mägde, Philosophen, Theologen und Gelehrten, Lehrer und Studenten, Redner und Advokaten, Bibliothekare, Wagner, Müller, Bäcker, Töpfer, Gerber, Spinner, Tuchhändler, Seiler, Schiffer, Buchdrucker, Sekretäre, Anwälte, Notare, Waffenschmiede, Schuhmacher, Frisöre, Näherinnen, Scherenschleifer und aller Berufe, die mit Rädern zu tun haben. Ferner gilt sie als Fürsprecherin der Krankenhäuser, der Hochschulen und Bibliotheken; der Feldfrüchte und soll helfen bei Migräne, Kopfschmerzen und Krankheiten der Zunge und bei der Auffindung Ertrunkener. Gedenktag ist der 25. November.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Katharinenkapelle entstand um die Wende vom elften zum zwölften Jahrhundert. Historisch bestand bei der Kapelle die Katharinenklause und ein Begräbnisplatz. Zunächst soll die Kapelle den Beginen, dann dem Templerorden gehört haben. Aus dem Jahr 1778 ist überliefert, dass die baufällige Kapelle restauriert wurde. Gottesdienste wurden durch Vikare des Domstifts gehalten. Mit der Säkularisation wurde die Kapelle zunächst der Dompfarrei eingegliedert.

Ende der Kapelle[Bearbeiten]

1805 wurde das Gotteshaus jedoch gesperrt, 1809 verkauft und schließlich abgebrochen. Dabei traten vielfältige Funde zu Tage: Skelette, Pferdeknochen und Rinderklauen, Ziegenhörner, Steine und Waffen. Das legte den Schluss nahe, dass sich hier eine frühe heidnische Opferstätte bestanden haben könnte. Am Standort bestand in späterer Zeit die Weinwirtschaft Katharinenbäck.

Außenbau[Bearbeiten]

Der Kirchenbau umfasste eine Grundfläche von 52 x 32 Fuß (15 x 9 Meter). Sie hatte einen romanischen Turm, der durch Blendarkaden geteilt war. Auch die sechs Fenster waren romanisch gestaltet.

Tympanon[Bearbeiten]

Tympanonfeld mit thronender Maria und den beiden hll. Johannes

Das Tympanon (figürliches Relief über dem Portal) aus der Zeit um 1210 blieb erhalten. Es befand sich an der Nordseite des Langhauses. Nach Abbruch der Kapelle war es im Haus Bronnbachergasse 20 eingemauert. Zwischen 1837 und 1852 wurde es der Sammlung des Historischen Vereins für Unterfranken und Aschaffenburg übergeben, später ins Fränkischen Luitpoldmuseum überführt. Dort zerbrach es 1945 durch Kriegseinwirkungen. Es wurde wieder zusammengefügt, kleinere Bildteile mussten dabei ersetzt werden. Heute ist es im Fürstenbaumuseum ausgestellt.

Dargestellt ist die Heilige Maria, auf einem breiten Stuhl thronend, über ihr eine Taube. Maria hält das Christuskind auf ihrem Schoß. Beide tragen auf dem Kopf einen Kronreif. Zu beiden Seiten nähern sich verehrend zwei Heilige. Rechts Johannes der Täufer mit dem Schriftband „PARATE V(iam) D(omini)“ (Bereitet dem Herrn den Weg), links Johannes der Evangelist mit dem Text „IN PRINCIPIO E(rat) V(erbum)“ (Im Anfang war das Wort).

Die umlaufende Inschrift lautet: „VIRGO DEI MATRIS CUSTOS ET VIRGINITATIS ISTE FUIT PRECO VERUS DE LUMINE VERO“ (Jungfräulicher Hüter der Gottesmutter und der Jungfräulichkeit. Dieser war der wahre Verkünder des wahren Lichtes.) [1]

Am unteren Rand ist geschrieben: „MATER ES ET VIRGO PRECE MATERNA MEMOR ESTO NOSTRI FAC NOSTRUM DELERI P(ECCATI) R(EATUM)“ [2] (Mutter bist du und Jungfrau. Gedenke unser und bewirke, dass durch deine mütterliche Fürbitte unsere Sündenschuld getilgt wird.)

Das Tympanonfeld aus rotem Sandstein hat die Form eines Kreissegments, es ist 195 cm hoch und 212 cm breit. [3]

14 Nothelfer-Figuren[Bearbeiten]

Die barocken Figuren der 14 Nothelfer aus der Katharinenkapelle wurden ins Käppele überführt, 1948 erhielten sie einen Platz in der Burkarder Kirche.

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hanswernfried Muth: Tympanonfeld mit thronender Maria und den beiden hll. Johannes. In: Hans-Peter Trenschel (Hrsg.): 150 Meisterwerke aus dem Mainfränkischen Museum. Mainfränkisches Museum, Würzburg 1997, S. 52, ISBN 3-932461-02-9 (Stadtbücherei Würzburg Drk 4 Mai)
  2. Ulrike Kahlbaum: Romanische Türstürze und Tympana in Südwestdeutschland (= Studien zur Kunst am Oberrhein, Band 5), Waxmann-Verlag, Münster 2011, S. 108
  3. Hanswernfried Muth, a.a.O.

Kartenausschnitt[Bearbeiten]

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