Justizzentrum Würzburg

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Ziviljustizzentrum

Das Justizzentrum Würzburg ist ein zweiteiliges Amtsgebäude in der Würzburger Altstadt.

Standort

Das Justizzentrum befindet sich am Ende der Ottostraße nahe des Ringparks und beherbergt das Ziviljustizzentrum im denkmalgeschützten Altbau und das Strafjustizzentrum im preisgekrönten Neubau.

Geschichte

Vor dem Bau des Justizgebäudes an der Ottostraße waren das Landgericht Würzburg und das Amtsgericht Würzburg (Würzburg-Stadt) im alten Landgerichtsgebäude am Kürschnerhof, das Amtsgericht Würzburg II (Würzburg-Land) jedoch im Rückermainhof an der Karmelitenstraße untergebracht. Das Schwurgericht tagte im Rathaus. Im Rückermainhof befanden sich auch die Rentämter (Finanzämter) Würzburg links und rechts des Mains sowie das Bezirksamt Würzburg. Die Raumverhältnisse waren in beiden Gebäuden sicher beengt. Der wirtschaftliche Aufschwung der Gründerzeit und die Zunahme der Bevölkerung können auf die Geschäftsbelastung und den Personalstand der Gerichte nicht ohne Einfluss geblieben sein. Das Interesse der Justizverwaltung an dem Bau eines Gebäudes mit genügend Raum für die Justizbehörden traf sich also mit dem Interesse der Stadt Würzburg an der Beseitigung des alten Landgerichtsgebäudes am Dom, das dem Verkehr im Wege stand. Trotzdem hatte der Staat zunächst die Absicht, auf dem Platz des ehemaligen Heumagazins an der Sanderstraße nur ein Gebäude für die Strafjustiz zu errichten und die Ziviljustiz im alten Landgerichtsgebäude zu belassen.

Stadtbaurath Joseph Scherpf brachte im Jahre 1884 als Bauplatz für das neue Gerichts- und Gefängnisgebäude das beträchtlich größere Areal der vormaligen Schweizerei in Vorschlag und Justizminister von Fäustle wurde während seiner Anwesenheit bei dem Juristentage im September 1884 sofort für diesen Vorschlag gewonnen.

Die Ausführung des Baues nach den Plänen des königlich-bayerischen Oberbaurates Wilhelm von Langenfaß wurde dem Landbauamt Würzburg übergeben. Den Zuschlag für die Erd-, Maurer- und Steinhauerarbeiten hatten Würzburger Firmen u. a. das Bauunternehmen Friedrich Buchner erhalten. Auch die übrigen Arbeiten wurden weitgehend an Würzburger Handwerker vergeben. Der Schwurgerichtssaal war bereits 1891 fertig gestellt worden, so dass die Stadt die Räumlichkeiten im Rathaus selbst nutzen konnte. Im September 1892 wurde das Gebäude feierlich eingeweiht. Erst 1898 erhielt das Gerichtsgebäude den ersten Telefonanschluss.

Beim Bombenangriff auf Würzburg am 16. März 1945 brannte das Justizgebäude an der Ottostraße bis zum Keller aus. Am 9. Januar 1947 forderte das Bayerische Staatsministerium der Justiz einen Bericht an, ob mit der Instandsetzung des Gebäudes begonnen werden könne. Da es an Arbeitskräften fehlte, wurde zur Gewinnung von Gefangenen als Hilfskräfte der Vollstreckungsplan geändert und die Strafanstalt Würzburg bis auf weiteres zur Vollziehung von Gefängnisstrafen an männlichen Gefangenen bis zu sechs Monaten für zuständig erklärt. Gleichzeitig wurde verfügt, dass bis zu 50 Gefangene für die Bauarbeiten zur Verfügung zu stellen seien. Dabei wurde davon ausgegangen, dass der Zustand vor der Zerstörung wieder hergestellt wird. Die Bauzeit schätzte man auf mindestens zehn Jahre. Um einen Teil des Gebäudes früher nutzen zu können, sollten die einzelnen Trakte nacheinander aufgebaut werden, zuerst der noch am besten erhaltene Flügel am Glacis mit dem Mittelbau, dann der Flügel an der Ottostraße und zuletzt das Rückgebäude mit dem Schwurgerichtssaal.

Baubeschreibung

„Amtsgericht, ehem. Königliches Amtsgericht, zweiflügeliger viergeschossiger und kräftig gegliederter Walmdachbau mit Pavillons und übergiebelter Fassade in Ecklage, Sockelgeschosse Muschelkalk, Obergeschosse Sandstein, Neurenaissance, 1889-92 nach Plänen von Langenfaß, 1947-53 vereinfacht wiederaufgebaut.“

Strafjustizzentrum

Strafjustizzentrum

Bereits Mitte der 1960er Jahren genügt das Gerichtsgebäude in der Ottostraße den räumlichen Ansprüchen der Justiz nicht mehr und so verteilten sich mehrere Amtsgebäude in der Stadt. Durch den Neubau der Justizvollzugsanstalt Würzburg am Wöllrieder Hof und die damit verbundene Räumung der alten JVA in der Ottostraße im Jahre 1998 eröffnete sich die Möglichkeit, die gesamte Justiz auf ihrem angestammten Platz wieder zusammenzuführen. Den Ausschreibungswettbewerb für den Neubau gewann das Architektenbüro Terbüchte aus Magdeburg.

Der Neubau des Strafjustizzentrums ist gestaffelt in drei niedrig gehaltene und waagerecht geschichtete Gebäudespangen mit zwei verbindenden Glaspassagen. Der Neubau ist offen und durchlässig gestaltet. Die verglasten Erschließungswege ermöglichen eine Blickbeziehung zwischen Ottostraße und Ringparkanlage. Der Grünraum wird bis an die Gebäude herangeführt. In der Nord- und Südspange des Erdgeschosses liegen die Sitzungssäle mit Publikumsverkehr. Die Arbeitsbereiche und Büros sind im 1. Obergeschoss und im zurückversetzten Dachgeschoss untergebracht. Der Planungsauftrag wurde 1999 erteilt. Der Abbruch der ehemaligen Justizvollzugsanstalt wurde in einem 1. Bauabschnitt im Jahre 2000 vollzogen. Grundsteinlegung für den mit 22,7 Mio Euro genehmigten Neubau des Strafjustizzentrums als 2. Bauabschnitt war am 5. Oktober 2001. Bezogen wurde das Gebäude im November 2004. Im Vorgriff für den 3. Bauabschnitt wurde bereits im November 2003 bis Februar 2004 das Schwurgerichtsgebäude abgebrochen.

Ziviljustizzentrum

Mit dem Umzug der Strafjustiz in den Neubau wurde der Altbau im Rahmen einer Generalsanierung auch erweitert. Bei der im Einvernehmen mit dem Landesamt für Denkmalpflege abgestimmten Planung blieben die Fassaden des Altbaus, die alten Treppenhäuser und die tragende Mittelwand in den Flügelbauten mit den alten Gewänden um die Türöffnungen bestehen. Der Fußboden im ehemaligen Vestibül wurde abgesenkt. Das Vestibül wird heute als Ausstellungsraum und für besondere Veranstaltungen genutzt. Die Dachflächen wurden wie im Original wieder mit Naturschiefer eingedeckt. Der in der Nachkriegszeit errichtete Vorbau am alten Haupteingang wurde zurückgebaut und die Fassade des Mittelbaus überarbeitet. Die von Julius Bausenwein künstlerisch ausgestaltete Stuckdecke im Haupttreppenhaus sollte erhalten bleben. Der Spatenstich für disesen Bauabschnitt fand am 15. Mai 2006 statt. Bezogen wurde das Gebäude im Juli 2010.

Ehrungen und Auszeichnungen

2006 erhielten die Architekten den Antonio-Petrini-Preis für die Gestaltung des Neubaus.

Siehe auch

Quellen