Jehuda Amichai

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Jehuda Amichai, 1994

Prof. Dr. h.c. Jehuda Amichai, international auch Yehuda Amichai (hebräisch ‏יהודה עמיחי‎; geboren am 3. Mai 1924 in Würzburg; † 22. September 2000 in Jerusalem) war Bibelwissenschaftler, Romanschriftsteller, Lyriker und Hörspielautor.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Amichai wurde als Ludwig Pfeuffer in der Augustinerstraße geboren und wuchs in einer jüdisch-orthodoxen Familie auf. 1935 wanderte seine Familie mit ihm nach Palästina aus. Während des Zweiten Weltkriegs kämpfte er in der Jüdischen Brigade der Britischen Armee. In Palästina wählte er nach dem Holocaust im Jahre 1946 den neuen Namen, der bedeutet: „Mein Volk lebt”. Nach seinem Ausscheiden aus der israelischen Armee studierte Amichai an der Hebräischen Universität in Jerusalem. Im Anschluss arbeitete er zunächst als Lehrer, später als Hochschuldozent für hebräische Literatur. Ein erster Gedichtband erschien 1955 unter dem Titel Jetzt und in den anderen Tagen. Im 1963 erschienenen, autobiographisch gefärbten Roman „Nicht von jetzt, nicht von hier” arbeitete er - nach dem ersten Wiedersehen mit seiner Heimatstadt 1958 - seine Erinnerungen an Würzburg auf.

Werke[Bearbeiten]

In deutscher Sprache[Bearbeiten]

(chronologisch sortiert)

  • Jerusalem-Gedichte. übs. aus d. Hebr. Lydia u. Paulus Böhmer, Zürich/München (Pendo) 1987, ISBN 3-85842-355-6.
  • Wie schön sind deine Zelte, Jakob. Gedichte. übs. aus d. Hebr. Alisa Stadler; ausgewählt von Simon Wehrle; Nachwort: Christoph Meckel, München/Zürich (Piper) 1988, ISBN 3-492-11558-6.
  • Die Nacht der schrecklichen Tänze (Erzählungen), ausgewählt und übs. aus d. Hebr. Alisa Stadler, München/Zürich (Piper) 1990, ISBN 3-492-03210-9.
  • Auch eine Faust war einmal eine geöffnete Hand (Gedichte), übs. aus d. Hebr. Alisa Stadler, München/Zürich (Piper) 1994, ISBN 978-3-492-03568-2.
  • Nicht von hier nicht von jetzt (Roman) übs. aus d. Hebr. Ruth Achlama, München/Zürich (Piper) 1992, ISBN 978-3-492-03369-5; Neuausgabe Würzburg (Verlag Königshausen & Neumann GmbH) 2017, ISBN 978-3-8260-6206-3.
  • Zeit. Gedichte. [Hebr.: ha-tsman]; übs. aus d. Hebr. Lydia u. Paulus Böhmer, Frankfurt (Suhrkamp) 1998, ISBN 3-518-40987-5.
  • Offen Geschlossen Offen [Hebr.: Patuach Sagur Patuach, 1998]; Auswahl und Übers. Karlheinz Müller, in: Festgabe für Jehuda Amichai zum 75. Geburtstag, Würzburg (Verlag der Leonhard-Frank-Gesellschaft) 1999, S. 52–64; ISBN 978-3-932404-06-1

In englischer Sprache[Bearbeiten]

(chronologisch sortiert)

  • Not of this time, not of this place, [Hebr.: Lo me achschaw lo mi-kan, 1963], New York (Harper & Row) 1968; London (Mitchell & Co) 1973, ISBN 0-85303-180-0.
  • Poems of Jerusalem. New York (Harper & Row) 1988, ISBN 0-06-096288-7. (zweisprachige Ausgabe: Hebräisch und Englisch)
  • A Life of Poetry. (Anthologie), übs. aus d. Hebr. Benjamin u. Barbara Harshav, New York (Harper Collins) 1994, ISBN 0-06-019039-6. (Gesammelte Gedichte 1948–1994)
  • Open Closed Open. [Hebr.: Patuach Sagur Patuach, 1998] (Gedichte) übs. aus d. Hebr. Chana Bloch und Chana Kronfeld, Wilmington MA (Mariner Books) 2006, ISBN 978-0-15-603050-2.
  • The Poetry of Yehuda Amichai (Anthologie), hg. v. Robert Alter, New York (Farrar, Straus and Giroux) 2015, ISBN 978-0-374-23525-3; als Taschenbuch 2017, ISBN 978-0-374-53658-9.

Vertonungen[Bearbeiten]

Der hohe Bekanntheitsgrad, den Amichais Gedichte und Romane vor allem in Israel genießen, zeichnet sich allein schon dadurch ab, dass sie fester Bestandteil und Inhalt von Unterricht und Schulbüchern sind und im öffentlichen Leben als Zitate kursieren. Ein Spiegel seiner Popularität ist aber auch die große Zahl von Vertonungen. Ausgehend von Israel, wo Komponisten ihn Ende der 1960er Jahre als Textautor für sich entdeckten, trat er einen Siegeszug durch die englischsprachige Welt an. Heute hört man seine Texte nicht mehr ausschließlich auf den Foren der modernen E-Musik, vielmehr hat er mit seiner politischen Botschaft auch die jüngere Generation mit ihren eigenen Überzeugungen und Vorlieben für sich gewonnen. Einen nicht geringen Anteil an der Verbreitung haben die Chorkompositionen für Kinder- und Jugendchöre. Amichais Texte haben viele Komponisten zu besonderer Intensität der Gestaltung inspiriert, wobei die stilistische Bandbreite der Vertonungen von liturgischer Strenge bis zu individuell erlebter Expressivität reicht.

  • Tzvi Avni setzte Amichais Gedicht The Moon now chained with a Necklace musikalisch um zu einer „Collage“ für Mezzosopran, Flöte, Schlaginstrumente und Tonband und brachte über dem surrealistischen Text eine fantasievolle Klangwelt zur Entfaltung (1967). [1]
  • Tzvi Avni komponierte das Chorwerk „On Mercy“ nach einem Text von Amichai (1973).
  • Mark Kopytman vertonte Amichais Gedicht „shemesh october“ (October Sun) für Singstimme, Flöte, Violine, Violoncello, Klavier und Schlaginstrumente (1974). [2] 1975 entstand - ebenfalls auf einen Text von Amichai - This is a Gate without a Wall für Gesang und Kammerensemble.
  • Vered Shilony schrieb vier Chorsätze All Men (1977) auf Texte von Amichai.
  • Amichais Gedicht "Your Life and Death, my Father" wurde vertont von Aharon Harlap in Three Songs f. Mezzosop. od. Bariton u. Orchester (1983).
  • Elizabeth Swados verwendete u. a. Texte von Amichai in ihrem Oratorium "Jerusalem" (1984).
  • Tzvi Avni schuf The City plays Hide and Seek für 3-stimmigen Frauen- oder Kinderchor (1986) nach einem Text von Amichai.
  • In Scattered Rhymes für gem. Chor und Ka.-Orch. (1988) verwandelte Mark Kopytman die Verse Amichais in einen Hymnus über die Freude. [3]
  • Ein Gedicht von Amichai befindet sich in Two Songs für Sopran und Klavier (1984) von Aharon Arlap.
  • Ein Text von Amichai bildet die Grundlage des Totengebets El male rachamim für 12-st. Chor von Josef Tal (1993?)
  • Amichais Man doesn’t have Time wurde vertont von Moshe Zorman für gem. Chor (1995).
  • If I forget thee, Jerusalem von Amichai wurde von Gabriel Iranyi in Form eines Oratoriums für Bariton, gem. Chor und Orch. vertont (1996).
  • As a Diamond von Amichai bildet die Grundlage des gleichnamigen Orchesterlieds Op. 47 (1998) von Tsippi Fleischer. [4]
  • Für seine Komposition …che questo è stato… für Vibraphon und Zuspiel-CD (1998/2001) verwendete Klaus Hinrich Stahmer eine von Amichai gelesene Aufnahme seines Gedichts über die Grabsteine aus der 1998 veröffentlichten Gedichtsammlung Open, Closed, Open [Patuach Sagur Patuach]. [5]
  • Dov Carmel schrieb Sabbath Eve and the wonderful Thing für drei gleiche Stimmen (Kinderchor) u. Klavier; Text: Jehuda Amichai (2000).
  • Ein Gedicht von Amichai bildet die Textgrundlage für Even a Fist was once an open Palm (2002/2007), eine Chorkomposition der amerikanischen Komponistin Elizabeth Alexander. [6]
  • Amichai Songs ist der Titel eines Liederzyklus für Bariton und Kammer-Ens. (2006) des amerikanischen Komponisten David Froom. [7]
  • Das Freitag-Abend-Lied Shir Leyl Shabat von Amichai bildet die Grundlage einer volkstümlichen Vertonung von Moshe Wilensky (1910–1997), die posthum von Michael Wolpe ediert wurde (2006).
  • Hana Ajiashvili schrieb „Three Songs“ nach Gedichten von Jehuda Amichai für Sopran, Klarinette, Violine, Violoncello und Klavier (2007).
  • Texte von Amichai vertonte auch der tschechische Komponist Jan Dušek. Jüdische Träume für Sopran, Klarinette, Cello u. Streichorchester (2008) besteht in Anlehnung an die Menora aus sieben Sätzen.
  • 2009 veröffentlicht die Sängerin Nizza Thobi auf ihrem Album Ein Koffer spricht Amichais Gedicht Kleine Ruth in der Übersetzung von Alisa Stadler.
  • Gedichte von Jehuda Amichai und Paul Pines bilden die Grundlage der 5. Symphonie für Stimme und Orchester des kanadischen Komponisten Daniel Asia, die in 15 Orchesterliedern an die Tradition von Mahlers "Lied von der Erde" und Zemlinskys "Lyrische Symphonie" anknüpft (2008). [8]
  • In der 3. Sinfonie (2010) des amerikanischen Komponisten Mohammed Fairouz bildet neben Texten von Mahmoud Darwish und Fadwa Tuqan das Gedicht Memorial for the War Dead von Amichai die Basis für den Schlusssatz (2010). [9]
  • Der englische Komponist Benjamin Wallfisch vertonte Amichais An Eternal Window für Gesang und Kammerensemble (2011).
  • In experimenteller Aufführungsform verbindet Evan Zyporin das Instrumentalspiel der Cellistin Maya Beiser mit ihrem Gesang und mischt in Tsmindao Ghmerto Amichais "Like Smoke" mit Texten und Melodien der Alt-Georgischen Liturgie (2013).
  • Amichais Gedicht It’s hard to love blindly wurde als Pop-Song eingespielt auf der CD "To love alone in that long Summer" von Barzin (Künstlername) (2014). [10]
  • Jazzverwandte und nahöstliche Gesangstechniken geben den zwei Gedichten von Amichai, die von der Sängerin Ayelet Rose Gottlieb neben weiteren Texten in Shiva in Musik gesetzt wurden, ein von starker Emotionalität geprägtes, authentisches Klangbild (2016). [11]

Ehrungen und Auszeichnungen[Bearbeiten]

Posthume Würdigung[Bearbeiten]

Auf Antrag von Willi Dürrnagel wurde 2005 der Straßenabschnitt zwischen Friedrich-Ebert-Ring und Sanderring in Jehuda-Amichai-Straße benannt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  • Richard Zürrlein: Literatur im provinziellen Umfeld, in: Unterfränkische Geschichte, hrsg. von Peter Kolb und Ernst-Günter Krenig, Band 5/2, Echter Verlag, Würzburg 2002, S. 377-466; S. 432 f.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Erschienen auf der CD SYMPOSIUM RECORDS (England) Best. Nr. 1110.
  2. Erschienen auf CD „The Jerusalem Artist Series“ 04-2000, hg. v. Jerusalem Municipality, Culture Dept.
  3. Erschienen auf CD „The Jerusalem Artist Series“ 04-2000, hg. v. Jerusalem Municipality, Culture Dept.
  4. Erschienen auf der CD "Israel at 50" Label: Opus One, Best.Nr. 175
  5. Erschienen auf der CD "Sh'ma" amphion records amph 20268 EAN 4039147000686.
  6. Erschienen auf CD „Finally on My Way to Yes“, Seafarer Press SEA-CD-01
  7. Erschienen auf der CD „David Froom - Song and Dance“, BRIDGE 9240 (EAN: 0090404924026)
  8. Erschienen auf CD "Of Songs and Psalms" (2012) bei dem Label Summitrecords Best. Nr. 579.
  9. Erschienen auf CD bei dem Label Sonoluminus, Best. Nr. DSL 92177 (2014).
  10. Erschienen bei dem Label: Monotreme (Cargo Records).
  11. Erschienen auf CD bei 482 Music (2016).