Central-Café

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Innenansicht des Central-Cafés
Zuschauerraum des Central-Theaters
Innenansicht des Central-Theaters (um 1935)
„Palast Automat“ im Central Hotel in der Eichhornstraße 21

Das Central-Café eröffnete 1920 in der Eichhornstraße 21. Es beinhaltete eine der besten und bekanntesten Kleinkunstbühnen Deutschlands.

Geschichte[Bearbeiten]

Jakob Strauß und das „CC“[Bearbeiten]

1919 erwarb der gelernte Metzgermeister Jakob Strauß den Fränkischen Hof und ließ ihn durch den Architekten Anton Josef Eckert einer durchgreifenden Renovierung unterziehen. Im Frühjahr 1920 eröffnete der alte Gasthof seine Pforten als moderner Hotelbetrieb unter dem Namen Central Hotel mit weit verzweigten Räumen (Wintergarten, Spielsäle, ein „Palast Automat“ [1]) wieder. [2] Das durchgreifend renovierte „CC“ entwickelte er zu einer der besten und bekanntesten Kleinkunstbühnen Deutschlands. 1929 entstand daraus das Centraltheater, das als Variété und Kabarettbühne von überregionaler Bedeutung war. Jakob Strauß holte Spitzenkräfte nach Würzburg, darunter den Komponisten und Dirigenten Paul Lincke [3] und Johann Strauß, den Neffen des Wiener „Walzerkönigs“ und ehemaligen Wiener Hofmallmusikdirektor.

1929, in jenem Jahr, in dem die Weltwirtschaftskrise begann, beschloss der Würzburger Stadtrat aus Ersparnisgründen, den Opern- und Operettenspielbetrieb und die philharmonischen Konzerte im Stadttheater einzustellen. Da Jakob Strauß sich ein Würzburg ohne Musiktheater nicht vorstellen konnte, ließ er von seinem Stammarchitekten Anton Eckert das gesamte „CC“ umbauen und zusätzlich ein eigenes Musik-Haus, das „Central-Theater“ einrichten, welches bereits im März 1930 eingeweiht werden konnte. Der Würzburger General-Anzeiger war so begeistert, dass er schrieb, es gebe „wenige Städte in Deutschland, die einen so schmuckvollen und künstlerisch vornehmen Zweckbau für Theater und Varieté“ besäßen.

Beim Programm für sein neues Haus hielt Jakob Strauß an der bewährten Politik fest: Qualität und große Namen. Ausverkaufte Vorstellungen waren die Folge, die Strauß es ermöglichten, die hohen Unkosten wieder einzuspielen. Jakob Strauß machte sich mit seinem Erfolg jedoch nicht nur Freunde. 1931 fasste der Stadtrat den Beschluss, Oper und Operetten wieder in den Spielplan des Stadttheaters aufzunehmen und dem erfolgreichen Strauß die Operettenlizenz zu entziehen. Daraufhin erhob sich ein Sturm der Entrüstung in der Würzburger Zeitungslandschaft, weil nicht zuletzt auch die Journalisten zu den besten Kunden des „CC“ gehörten. Es scheint so, als hätten sich die Freunde des „CC“ durchgesetzt, denn im Sommer 1932 gab es wieder eine Operettenspielzeit im „Central-Theater“, der letzten Spielzeit des Jakob Strauß.

Mit dem Erstarken der Nationalsozialisten wurde der Jakob Strauß als einer der bekanntesten und populärsten Juden vor allem von Gauleiter Otto Hellmuth als „Veranstalter dekadenter und undeutscher Spektakel“ angeprangert. Am Abend des 11. März 1933 maschierte SA vor dem „CC“ auf. Der Würzburger Rechtsanwalt Karl Rosenthal berichtete von den Vorgängen: „Bald sammelte sich die Menge zu mehreren Hunderten an. Die Gäste wurden gewaltsam aus dem Lokal gewiesen. Man bildete eine ganz schmale Gasse, durch welche die Leute nur aus dem C.C. herausgehen konnten. Jüdische Leute belästigte man dabei und riß ihnen die Hüte vom Kopf. Man hörte auch Worte ,Juda verrecke!‘ Man bemerkte 3 Offiziere der SA mit einem Anhang besserer Leute und eine große Menge hinter sich. Herr Studienrat Theo Memmel hielt eine Ansprache. Seine Rede hatte den Charakter einer antisemitischen Hetzrede. Er forderte auf, nicht in jüdische Geschäfte zu gehen. Die Läden sollten drei Stunden geschlossen werden; daran lernten die Leute das Arbeiten. Man sollte auch nicht zu jüdischen Rechtsanwälten gehen. Herr Studienrat Memmel sagte weiter, die Juden könnten als Ausländer bei uns bleiben, wir tun ihnen nichts.“ [4]

„Bereits am 14. März 1933 wiederum kam ein von der SA dirigierter Menschenhaufen vom Regierungspalais am Residenzplatz, wo das Aufziehen von Hakenkreuzfahnen durchgesetzt werden sollte, vor das C.C. SA-Leute durchsuchten das Café und das Haus nach Jakob Strauß, der angeblich über die NSDAP und Hitler negativ geredet hatte. Die SA-Leute konnten ihn aber nicht verhaften, denn Strauß war gerade noch durch den Bühneneingang entkommen. Hellmuth wollte die ganze Stadt absperren lassen, doch Strauß floh auf abenteuerliche Weise vor dem Mob in einem PKW und fand erst im Juli in der Anonymität Berlins vorübergehend Sicherheit.“ [5] Da Strauß' Sicherheit auch in Berlin in gewährleistet war, setzte er seine Flucht ohne jegliche Habseligkeiten nach Wien fort. Da die Würzburger Nazis sich noch nicht an eine grundlose Enteignung des „CC“ heranwagten, legten sie Strauß nahe, sein gesamtes Würzburger Anwesen zu einem gebotenen Preis zu verkaufen, sofern ihm etwas am Leben seines Bruders Max, einem Arzt, und seiner alten Mutter läge, die beide noch in Würzburg lebten. Strauß blieb keine andere Wahl und musste alles aufgeben, ohne auch nur einen Pfennig in der Hand zu halten.

Das „CC“ ab 1933[Bearbeiten]

Ab Oktober 1933 spielten im CC SA-Kapellen. 1936 übernahm Luitpold Weigl das CC und führte umfangreiche Umbauarbeiten durch.

Beim Luftminenangriff am 19. Februar 1945 fiel das „CC“ in Schutt und Asche. Nach dem Zweiten Weltkrieg entschloss sich Strauß um die Überreste seines Würzburger Anwesenswesens zu kämpfen, allerdings begann damit für ihn eine langer Behördenkrieg, bei dem zwar von einer Wiedergutmachung die Rede war, es aber auch dabei blieb. [6] 1954 ließ Strauß sein Vorhaben, die CC-Betriebe wieder zu errichten, aufgrund fehlender finanzieller Mittel und vermutlich auch aus Enttäuschung über das Verhalten der Behörden, fallen. Zum 1. Juli 1954 verkaufte er das Grundstück an den zwischenzeitlich in der Würzburger Kinoszene fest etablierten Kommerzienrat Ludwig Scheer. 1955 wurde die Einrichtung als CC-Filmtheater neu eröffnet, es bestand bis 2003 als CC-Kino-Center.

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen und Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Erläuterungen und Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ein „Automatenrestaurant“ war ein Restaurant, in dem man seine erworbenen Sachen aus Automaten bezog, also ein „Automatenrestaurant“. Darum sind auch auf dem Foto die Bezeichnungen wie „Gefrorenes“, „Wechselkasse“ usw. zu erkennen. Siehe hierzu auch Automatenrestaurant Frankonia.
  2. Margit Maier: Das Geschäft mit den Träumen: Kinokultur in Würzburg. Verlag Königshausen & Neumann GmbH, Würzburg 2009, S. 57
  3. Nähere Informationen zu Paul Lincke bei Wikipedia [1]
  4. Roland Flade: Die Würzburger Juden. Ihre Geschichte vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Würzburg 1957, S. 261
  5. Hans Steidle: Neckermann & Co. - Die Ausplünderung der Würzburger Juden im Dritten Reich. Echter Verlag GmbH, Würzburg 2014, S. 66
  6. Main-Post: „Odyssee eines Würzburgers“ (8. Oktober 1949)

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