Ludwig Scheer

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Kommerzienrat Ludwig Scheer (links) mit dem Filmproduzenten Friedrich A. Mainz kurz vor der Premiere des „Cornets“ im CC-Kino-Center (1955)

Ludwig Scheer (* 8. Juni 1876 in Giebelstadt; † nach 1958) war Cineast, Verbandsfunktionär und Kinopionier in Würzburg.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

1908 erwarb er sein erstes Kino in Frankfurt am Main. Scheer ließ sich ab 1910 in München nieder und sammelte dort erste Erfahrungen mit dem Filmfach. Von 1929 bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 war Scheer Präsident des Reichsverbandes deutscher Lichtspielhäuser, Zeitgleich war er auch Aufsichtsratsvorsitzender der Südfilm AG, Teilhaber einiger Filmverleiher und Produktionsfirmen und eröffnete ab 1927 auch Kinobetriebe in Regensburg. Seit der Nachkriegszeit firmierte er unter Ludwig Scheer & Co. KG, ein Unternehmen, das bis ins Jahr 2011 bestand.

Lichtspielhausbetreiber in Würzburg[Bearbeiten]

Scheer erwarb das ehemalige Varieté-Theater der Familie Hammerbacher in der Augustinerstraße und eröffnete an gleicher Stelle am 22. Dezember 1923 die Odeon-Lichtspiele, die auch den Zweiten Weltkrieg unbeschadet überstanden. Während des Zweiten Weltkrieges musste Scheer vieles erdulden, um seine Existenzgrundlage erhalten zu können. Erst nach langem Zögern war er 1941 der NSDAP beigetreten.

In der Nachkriegszeit war Scheer der einzige Unternehmer, der ein Lichtspielhaus in Würzburg neu eröffnen wollte. In einem Schreiben an Oberbürgermeister Hans Löffler vom 29. Februar 1948 legte er dar, dass er in der Stadt ein repräsentatives Lichtspielhaus eröffnen möchte. Zu diesem Zwecke hatte er 1937 von der Deutschen Bank den Bauplatz in der Juliuspromenade 68 erworben. Um aber im größten Teils zerstörten Würzburg wieder gewerblich tätig werden zu können, musste Scheer sich nach Kriegsende aufgrund seiner Anwärterschaft zur NSDAP einem Entnazifizierungsverfahren unterziehen. Im Einstellungsbeschluss mit dem Entlastungsbescheid vom 3. Januar 1947 wurde Scheers Haltung gegenüber dem NS-Regime dokumentiert, aber ebenso die Haltung dieses Regimes gegenüber nicht gefügigen Kulturschaffenden. Scheer war bis 1933 viele Jahre lang Präsident des Reichsverbandes deutscher Lichtspieltheater, Präsident der Europäischen Film-Union und Vorstandsmitglied der Spitzenorganisation der Deutschen Filmindustrie („SPIO“) gewesen. Außerdem war er Mitinhaber und Geschäftsführer der Reichsligafilm GmbH, welcher die Heros Filmverleih GmbH angehörte, und Direktor der Münchner Lichtspielkunst AG (Emelka) sowie Aufsichtsratsvorsitzender der Südfilm AG. Scheer wandte sich stets gegen die Verbreitung der NS-Filmpropaganda und zog sich den Hass der Nazis zu, weil die Reichsligafilm GmbH verschiedene Filme unter jüdischer Leitung und mit jüdischen Schauspielern produzierte. Scheers Unternehmen wurde durch Boykott und finanzielle Schädigung in den Konkurs getrieben und man zwang ihn, seine Präsidentschaft und die Stellung als Vorstandsmitglied der SPIO aufzugeben. Ebenfalls wurde Scheer der Bau eines eigenen Kinos untersagt, Geschäftsgenehmigungen verweigert und das ihm als Kinobesitzer zustehende Kontingent an Filmen verringert. 1941 sah er sich aufgrund einer persönlichen Auseinandersetzung mit einem Parteibeauftragten veranlasst, der NSDAP beizutreten, um seine Restexistenz zu retten. Jedoch brachte auch dieser Schritt ihm innerhalb der Partei nichts weiter als Abneigung ein. Im Entnazifizierungsverfahren wurde das als Beweis für seine antifaschistische Gesinnung gewertet, über die sich wohl auch die Nazis im Klaren waren.

So erhielt der Kommerzienrat nach dem Kriegsende die Chance, sich eine neue wirtschaftliche Grundlage in Würzburg zu schaffen. Für das neue Kino, das er auf dem Bauplatz in der Juliuspromenade errichten ließ, wählte er den Namen „Bavaria“, als Ausdruck seiner Heimatverbundenheit und eröffnete am 22. Dezember 1950. Das von ihm gegründete Unternehmen übernahm nach und nach viele Kinobetriebe in Würzburg [1], so dass bis zum Ende des Kinolebens im Jahre 1999 die gesamte Kinoszene in Würzburg auf nur zwei Betreiber aufgeteilt war: die Ludwig Scheer & Co. KG und Corso-Lichtspiele Michel und Jung OHG.

Ehrungen und Auszeichnungen[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Hinweise[Bearbeiten]

  1. Siehe hierzu auch die Geschichte des CC-Kino-Center.