Bertold Hummel

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Professor Bertold Hummel

Prof. Bertold Hummel (* 27. November 1925 in Hüfingen; † 9. August 2002 in Würzburg) war ein deutscher Komponist Neuer Musik und Präsident der Würzburger Hochschule für Musik.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Bertold Hummel studierte von 1947 bis 1954 Komposition bei Harald Genzmer und Violoncello bei Atis Teichmanis an der Musikhochschule in Freiburg im Breisgau. In dieser Stadt wirkte er bis 1963 als Komponist, Cellist, Kantor und freier Mitarbeiter des Südwestfunks. Die zweite Hälfte seines Lebens verbrachte Hummel in Würzburg. Nach seiner Anstellung als Lehrer für Musiktheorie am Bayerischen Staatskonservatorium Würzburg (1. Februar 1963) ließ er sich mit seiner Frau Inken und den vier Söhnen Florian, Cornelius, Martin [1] und Lorenz in der Universitätsstadt nieder und bezog eine Staatsbedienstetenwohnung im Stadtbezirk Sanderau (Friedrich-Spee-Straße 8). Noch im selben Jahr übernahm er die Leitung des Studio für Neue Musik aus den Händen von Rochus Gebhardt für die folgenden 25 Jahre. Von 1963 bis 1988 organisierte er (ab den 1970er Jahren mit Klaus Hinrich Stahmer) in Zusammenarbeit mit dem Tonkünstlerverband Würzburg 155 Konzerte mit zeitgenössischer Musik, in denen Komponisten und Musiker aus der ganzen Welt dem Würzburger Publikum vorgestellt wurden. Im Jahr 1973 wurde er vom Bayerischen Kultusministerium zum Professor für Komposition ernannt und bildete bis 1988 zahlreiche junge Komponisten aus, die man mit dem Überbegriff Würzburger Schule zu kategorisieren versuchte.

Präsident der Hochschule für Musik[Bearbeiten]

Von 1979 bis 1987 war Bertold Hummel Präsident der Hochschule für Musik in Würzburg (seit 1988 deren Ehrenpräsident) und prägte das musikkulturelle Leben der Stadt maßgeblich. Unter seiner Präsidentschaft wurden die bis heute stattfindenden Tage für Alte Musik und die Tage für Neue Musik als Biennalen eingeführt sowie die Konzertreihe Konzert nach Ladenschluss in der Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt. Die von ihm initiierten Semestereröffnungsfeiern und Kammerkonzerte, in denen Professoren mit ausgewählten Studenten musizierten, waren beliebte Ereignisse im gesellschaftlichen Leben Würzburgs, bei denen sich auch die Honoratioren von Stadt, Universität und Kirche trafen. Der Bau des Verbindungstraktes zwischen dem Hochschulgebäude in der Hofstallstraße und dem dazugehörigen Großen Saal sowie der Ankauf der Zentralschule in der Bibrastraße, in dem das erste Musikhochschultheater der Bundesrepublik entstehen sollte, waren während seiner Präsidentschaft möglich. 1988, im Jahr seiner Emeritierung, erhielt Hummel den Kulturpreis der Stadt Würzburg.

Ehrenamtliches Engagement[Bearbeiten]

Sein persönliches gesellschaftliches Engagement in Würzburg drückte sich in verschiedenen Initiativen aus. So organisierte er mit DKM Siegfried Koesler und Brucknerforscher Erwin Horn in den Jahren 1993/96/99 und 2002 das Würzburger Brucknerfest. 1966 war er Gründungsmitglied der Johann-Sebastian-Bach Gesellschaft Würzburg e.V. und 1979 gründete er mit Würzburger Professoren, Politikern und Studenten die Griechisch-Deutschen Initiative für wissenschaftliche, ökumenische und kulturelle Zusammenarbeit. Als Cellist engagierte er sich im Würzburger Bachorchester der St. Johanniskirche und im Domorchester. Nach dem Umzug (1967) der nun achtköpfigen Familie (Zwillinge Thomas und Stefan David) in den Stadtbezirk Steinbachtal (Anne-Frank-Straße 5) engagierte er sich auch in der Pfarrgemeinde St. Bruno. Zu tagesaktuellen Kulturfragen war Hummel im Gespräch mit den Verantwortlichen der Stadtgesellschaft. Als in den Jahren 2000/2001 das seit zwei Jahrhunderten bestehende Würzburger Stadttheater aus Sparerwägungen geschlossen werden sollte, ergriff Hummel mit prominenten Künstlern der Stadt Initiative und protestierte in einem offenen Brief an den Stadtrat.

Nach seiner Emeritierung (1. April 1988) widmete er sich neben seinen Kompositionen verstärkt Gremienarbeiten in der GEMA, der Guardini-Stiftung und der Bayerischen Akademie der schönen Künste, dessen Mitglied er seit 1982 war. Zu Aufführungen seiner Werke, besonders seines erfolgreichen Konzertes für Schlagzeug und großes Orchester [1], reiste er in mehrere Länder Europas, der GUS, in die USA, nach Australien und Ägypten.

Letzte Ruhestätte[Bearbeiten]

Am 9. August 2002 starb Bertold Hummel. Er ist auf dem Würzburger Waldfriedhof beerdigt.

Bertold Hummel Stiftung[Bearbeiten]

2003 wurde die Bertold Hummel Gemeinnützige Stiftung GmbH von den sechs Söhnen des Komponisten und Inken Hummel gegründet. [2]

Hauptwerke[Bearbeiten]

  • Der Schrein der Märtyrer, Oratorium op.90
  • Des Kaisers neue Kleider, Kammeroper op.10
  • Drei Ballette:
    • Episoden op.23
    • Die letzte Blume op.55
    • Faustszenen op.72
  • Drei Sinfonien
    • Sinfonie für Streicher op.20
    • Reverenza op.30
    • Jeremias op.10
  • Visionen nach der Apokalypse des Hl. Johannes für großes Orchester op.73
  • Sinfonietta für großes Blasorchester op.39
  • Konzerte für Soloinstrumente und Orchester (Schlagzeugkonzert op.70)
  • Acht Fragmente aus Briefen von Vincent van Gogh op.84
  • Messen, Kantaten, Motetten, Liederzyklen, Kammermusik, Orgelwerke, Filmmusiken, elektronische Kompositionen, Musik für Kinder

Werke mit Bezug zu Würzburg[Bearbeiten]

Viele seiner über 200 Werke entstanden in Würzburg, einige erklangen hier zum ersten Mal zu besonderen kulturellen und stadtgeschichtlichen Ereignissen:

  • 2. Sinfonie „Reverenza“ zur Einweihung des Großen Saals der Hochschule für Musik Würzburg (29.3.1966)[2]
  • Würzburger Dommesse anlässlich der Wiedereröffnung des Kiliansdomes (7.5.1967)[3]
  • Proprium zum Fest der Frankenapostel anlässlich der Wiedereröffnung des Kiliansdomes (7.5.1967)[4]
  • Metamorphosen über den Namen B-A-C-H für Orgel und Bläser im Auftrag der Johann-Sebastian-Bach Gesellschaft Würzburg e.V. bei den Würzburger Bachtagen (28.11.1971)[5]
  • Die letzte Blume – ein Ballett gegen den Krieg nach einer Idee von James Thurber in der Spielzeit 1974/78 des Würzburger Stadttheaters (4.5.1975)[6]
  • Turmmusik I-V für Bläser – Als Dank für die Verleihung des Kulturpreises dem Oberbürgermeister und dem Rat der Stadt Würzburg gewidmet (23.11.1988)[7]
  • Der Schrein der Märtyrer – Oratorium (nach einer Textcollage des Würzburger Bischofs Paul-Werner Scheele) zur 1300-Jahrfeier der Mission und des Martyriums der Frankenapostel (14.7.1989)[8]

Ehrungen und Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • 1956: Stipendiat des Bundesverbandes der deutschen Industrie
  • 1960: Kompositionspreis der Stadt Stuttgart
  • 1961: Robert-Schumann-Preis der Stadt Düsseldorf
  • 1968: Stipendium: Cité Internationale des Arts Paris
  • 1982: Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste
  • 1985: Bruno-Medaille verliehen vom Würzburger Bischof Paul-Werner Scheele für Hummels Verdienste um die Kirchenmusik im Bistum Würzburg
  • 1985: Verdienstkreuz 1. Klasse
  • 1988: Kulturpreis der Stadt Würzburg [3]
  • 1995: Orlando-di-Lasso-Medaille des Allgemeinen Cäcilien-Verbands (ACV)
  • 1996: Friedrich-Baur-Preis der Bayerischen Akademie der schönen Künste
  • 1998: Kulturpreis der Deutschen Katholiken [4]
  • 1998: Gregoriusorden verliehen von Papst Johannes Paul II. für Hummels Verdienste um die Kirchenmusik

Mitgliedschaft[Bearbeiten]

Hummel war Mitglied im Dachverband Freier Würzburger Kulturträger.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Hinweise und Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Der Bariton und Gesangspädagoge Martin Hummel studierte an der Würzburger Hochschule für Musik und wurde im Juli 2014 in den Kulturbeirat der Stadt Würzburg berufen
  2. Bertold Hummel Stiftung: siehe unter „Verschiedenes“ auf www.bertoldhummel.de
  3. 1998 Kulturpreis der Stadt Würzburg
  4. 1998 Kulturpreis der Deutschen Katholiken

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