Julius Echter von Mespelbrunn

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Julius Echter von Mespelbrunn, 1586 (Martin-von-Wagner-Museum)
Grabmal für Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn im Kiliansdom
Grabmal für Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn im Kiliansdom (Detail)
Wappen von Julius Echter von Mespelbrunn (über dem Eingang zum Juliusspital in der Juliuspromenade)

Julius Echter von Mespelbrunn (* 18. März 1545 in Mespelbrunn; † 13. September 1617 auf der Festung Marienberg in Würzburg) war seit dem 1. Dezember 1573 bis zu seinem Tode der 62. Fürstbischof von Würzburg und Herzog zu Franken. Er galt als großer Bauherr und Verwaltungsreformer. Er war ein bedeutender Vertreter der Gegenreformation, die mit der Landesvertreibung von Protestanten und der Gründung der Universität Würzburg vor allem als theologischer Ausbildungsstätte (1582) einherging. Unter seiner Herrschaft wurden auch die Hexenverfolgungen intensiviert.

Familie und Herkunft[Bearbeiten]

Julius Echter war der zweite Sohn des Peter Echter (von Mespelbrunn, 1520–1576) kurmainzischer Rat und Amtmann zu Stadtprozelten und Dieburg, und dessen Frau Gertraud, geborene von Adelsheim (1525–1583). Er hatte vier Brüder und vier Schwestern:

  • Adolf (1543–1600), Nachfolger des Vaters als Schlossherr in Mespelbrunn kurmainzischer Rat, Amtmann von Stadtprozelten, Nachfolger des Vaters als Schlossherr von Mespelbrunn , verheiratet seit 1566 mit Clara von Frankenstein.(Grabmal im Dom St. Kilian)
  • Sebastian (1546–1575),kurmainzischer Rat, Amtmann zu Orb und Hausen, verheiratet mit Sophia von Seckendorf.(Grabmal im Dom St. Kilian)
  • Margarethe (1549–1611) verheiratet seit 13. Juni 1564 mit Hans Heinrich von Ehrenberg, Mutter des späteren Fürstbischofs von Würzburg Philipp Adolf von Ehrenberg
  • Valentin Echter von Mespelbrunn (1550–1624), würzburgischer Amtmann zu Aschach, Kissingen und Volkach und Reichshofrat (Erbauer von Schloss Aschach und der Pfarrkirche von Gaibach, wo er begraben liegt), verheiratet seit 1579 mit Ottilia Rau von Holzhausen
  • Maria (1552–1553)
  • Dietrich Echter von Mespelbrunn (1554–1601), fürstlich würzburgischer Rat und Amtmann zu Rothenfels (begraben in der Pfarrkirche zu Büchold), verheiratet seit 1577 mit Susanna Marschall von Pappenheim
  • Magdalena (1556–1594) verheiratet seit 1574 mit Hans Fuchs von Dornheim zu Wiesentheid und Mainsondheim, Mutter des späteren Bamberger Fürstbischofs Johann Georg II. Fuchs von Dornheim
  • Kordula (1559–1599) verheiratet mit Stephan Zobel von Giebelstadt zu Darstadt und Messelhausen, fürstlich würzburgischer Rat und Amtmann in Arnstein (Grabmal in der Wallfahrtskirche Maria Sondheim)

Ausbildung[Bearbeiten]

Seine Kindheit verbrachte er auf Schloss Mespelbrunn, wo er durch Hauslehrer unterrichtet wurde. 1554 wurde er Stiftsschüler in Aschaffenburg. Ab 1557 war er Kanoniker in Würzburg, wo er die Domschule besuchte. 1559 wurde er Domschüler in Mainz und ging dann an das Jesuitengymnasium in Köln. Es folgten ab 1561 theologische und juristische Studien an den Universitäten Leuwen, Douai, Paris, Angers und Pavia. Er beschloss seine Studien mit dem Licentiat.

Kirchliche und weltliche Laufbahn[Bearbeiten]

Am 10. November 1569 wurde Julius Echter Domkapitular in Würzburg, 1570 auch in Mainz, und 1571 auch in Bamberg. Schon 1570 wurde er Domscholaster und Rat der bischöflichen Regierungskanzlei und am 4. August desselben Jahres Domdechant. Am 1. Dezember 1573 wurde er nach dem Tod von Friedrich von Wirsberg, der am 12. November starb, zum Fürstbischof von Würzburg gewählt. Die Priesterweihe fand erst am 20. Mai 1575 statt, die Bischofsweihe folgte zwei Tage später. Julius Echters wichtigster historischer Beitrag war die Gegenreformation im Hochstift Würzburg.

Universitätsgründer[Bearbeiten]

Bekannt wurde er als (Zweit-)Gründer [1] der Universität Würzburg, für die er 1575/76 die reichsrechtliche Anerkennung durch den Kaiser sowie die kirchliche durch Papst Gregor XIII. erwirken konnte. Als Ergebnis seiner Bemühungen konnte die Universität dann am 2. Januar 1582 eröffnet werden. [2]. 1579 gründete er das Juliusspital, ein Hospital für Arme, Alte, Kranke und Waisen, das infolge der Universitätsgründung auch Ausbildungsstätte der zwischen 1582 und 1587 aufgebauten Medizinischen Fakultät wurde.

Hofbibliothek[Bearbeiten]

Sofort nach seinem Regierungsantritt 1573 hatte Echter auf der Festung Marienberg mit dem Neubau und der Einrichtung seiner Hofbibliothek begonnen. Die alte Bibliothek war 1572 bei einem Brand vernichtet worden. Er ließ vorzugsweise moderne Literatur erwerben, also Neuerscheinungen, die auf den Buchmessen wie allgemein üblich als Druckbogen gekauft wurden. Der in erster Linie wichtige repräsentative Eindruck wurde erreicht durch die gleichartigen Einbände in einem unverwechselbaren Stil: Als Einbandmaterial wurde helles Schweinsleder verwendet, ein strapazierfähiges Material, das mit dem eingeprägten und farbig gestalteten fürstbischöflichen Wappen als Supralibros verziert wurde. Es gibt davon drei Varianten, rund, eckig und eckig mit zusätzlichem Rahmen, der die Ahnenwappen Echters in dekorative Renaissanceornamentik integrierte. Auf dem grünen Vorderschnitt wurden bei den größeren Bänden Titel, Name des Besitzers („Julius Dei Gratia Episcopus Wirceburgensis Et Franconiae Orientalis Dux“) und Bindejahr mit goldenen Lettern eingeprägt. Verschiedene Hofbuchbinder standen im Laufe seiner langen Regierungszeit im Dienst des Fürstbischofs; die bedeutendsten sind Hans Rietzsch, Jakob Preisger, Georg Freyberger und Gregor Schenk. Die Hofbibliothek, die etwa 2.500 Bände umfasst hat, wurde 1631 bei der Eroberung Würzburgs durch die Schweden zur Kriegsbeute. König Gustav II. Adolf von Schweden schenkte sie komplett der Universität Uppsala. Doch nicht alle Bände gelangten dorthin: in etlichen anderen schwedischen und mitteleuropäischen Bibliotheken sind heute Bücher aus der Hofbibliothek zu finden, ein größerer Bestand in England. 43 Echter-Bände verwahrt die Universitätsbibliothek Würzburg in ihrer Einbandsammlung.

Stilprägender Bauherr[Bearbeiten]

In den von ihm initiierten Renaissancebauten wurden oft bewusst gotische Formelemente integriert. Dieser Stil wird daher auch als Echtergotik bzw. Echter- oder Juliusstil bezeichnet und ist eine Form der Nachgotik.

Große Leistungen waren der Bau zahlreicher Kirchen (mit den bekannten Echtertürmen) und Schulen, die Erneuerung des staatlichen Rechtswesens und eine Verwaltungsreform, die gekoppelt mit einem strengen Sparkurs und der Einbeziehung von weltlichem und geistlichem Vermögen das Bistum aus der Verschuldung führte, ohne die Steuern zu erhöhen.

Fuldaischer Handel[Bearbeiten]

Sehr umstritten in der katholischen Kirche und im Reich war Julius Echters Rolle im sogenannten Fuldaischen Handel. Nachdem 1576 der Fürstabt von Fulda Balthasar von Dernbach von der lutherischen Ritterschaft und dem Stiftskapitel Fulda zur Abdankung gezwungen worden war, ließ sich der Würzburger Erzbischof Julius Echter zum Administrator des Stifts wählen. Papst Gregor XIII. drohte mit dem Kirchenbann, falls er Fulda nicht wieder zurückgäbe. Durch Eingaben an den Papst und an Kaiser Maximilian II. versuchte Balthasar von Dernbach, in Fulda wieder an die Macht zu kommen. Nach einem Prozess vor dem Reichshofrat, der sich 26 Jahre hinzog, musste Julius Echter von Mespelbrunn am 7. August 1602 das Stift Fulda wieder zurückgeben und außerdem Schadensersatz leisten und die Prozesskosten zahlen. Diese Geschehnisse wurden als Fuldaischer Handel bekannt. [3]

Julius Echters gegenreformatorische Maßnahmen führten dazu, dass konversionsunwillige Protestanten in großem Umfang auswandern mussten. Unter Bischof Julius wurden auch Hexenverfolgungen in starkem Maße wieder aufgenommen und nahmen zum Teil entsetzliche Formen an. Echter vertrieb auch die Juden aus Würzburg und konfiszierte deren Grundbesitz.

Stifter[Bearbeiten]

Neben den Stiftungen in Würzburg benannte er die seit 1422 bestehende Stiftung Julius Echter-Stift Röttingen um und reaktivierte sie.

Letzte Ruhestätte[Bearbeiten]

Sein Grabmal, angefertigt vom Bamberger Bildhauer Nikolaus Lenkhart, befindet sich im Würzburger Kiliansdom.

Posthume Würdigung[Bearbeiten]

Nach ihm sind in Würzburg das Juliusspital und die Julius-Echter-Straße im Stadtteil Heidingsfeld benannt. Weitere Straßen in den Landkreisgemeinden Euerhausen, Helmstadt, Rimpar und Veitshöchheim sind nach ihm benannt. Auch die Julius-Maximilians-Universität Würzburg trägt teilweise seinen Namen. Zum 400. Stiftungsjubiläum der Universität benannte die Würzburger Hofbräu AG ihr Hefeweißbier nach ihm.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Robert Meier: Die frühen Hexenprozesse des Fürstbischofs Julius Echter. Mit einer Kritik an Lyndal Ropers „Hexenwahn“, in: Würzburger Diözesangeschichtsblätter 79 (2016), 145-156.
  • Markus Josef Maier: Würzburg zur Zeit des Fürstbischofs Julius Echter von Mespelbrunn (1570-1617). Neue Beiträge zu Baugeschichte und Stadtbild (Veröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg, Bd. 20), Würzburg 2016.
  • Robert Meier: Julius Echter als Hexenretter. Eine Polemik anhand von Prozessen aus Neubrunn, in: Würzburger Diözesangeschichtsblätter 77 (2014), S. 287-296.
  • Barbara Schock-Werner: Die Bauten im Fürstbistum Würzburg unter Julius Echter von Mespelbrunn. Struktur, Organisation, Finanzierung und künstlerische Bewertung. Schnell & Steiner, Regensburg 2005, ISBN 3-7954-1623-X
  • Angelika Pabel: Die Buchbinder Julius Echters: ihre Werke in der Einbandsammlung der Universitätsbibliothek Würzburg, in: Mainfränkisches Jahrbuch für Geschichte und Kunst 39 (1987), S. 58-65
  • Gottfried Mälzer: Julius Echter. Leben und Werk. Echter, Würzburg 1989, ISBN 3-429-01255-4
  • Alfons Schott: Julius Echter und das Buch. Phil. Diss. Würzburg 1953.
  • Götz Freiherr von Pölnitz: Julius Echter von Mespelbrunn. Fürstbischof von Würzburg und Herzog von Franken (1573-1617). München 1934.
  • Wilhelm G. Soldan; Heinrich Heppe: Geschichte der Hexenprozesse. Band 2, Reprint der Ausgabe von 1911, München, S. 16 B0000BUQ8A
  • Johann Nepomuk Buchinger: Julius Echter von Mespelbrunn: Bischof von Würzburg und Herzog von Franken. - Voigt und Mocker, Würzburg, 1843. - VI. (Zu seiner Rolle in den Hexenverfolgungen: S. 170 ff. und S. 232 ff.)
  • Angelika Pabel: Der runde Renaissance-Einband für Fürstbischof Julius Echter: neues Glanzstück der Würzburger Einbandsammlung. In: Einbandforschung, 20 (2007) S.27-36
  • Abklatsch, Falz und Zwiebelfisch: 525 Buchdruck und Bucheinband in Würzburg. Ergon, Würzburg 2004. ISBN-10: 3899133668

Weblinks[Bearbeiten]

Hinweise und Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Zwischen 1402 und 1430 bestand bereits einmal eine päpstlich privilegierte Hochschule in Würzburg
  2. Ralf Vollmuth und Gundolf Keil: Beständigkeit und Fortschritt: Die Würzburger Medizin im Spiegel der Jahrhunderte. Ein Beitrag zur Erstgründung der Universität Würzburg vor 600 Jahren, Würzburger medizinhistorische Mitteilungen 22 (2003), S. 7-20, S. 9 f.
  3. Michael Becker: Der Fuldaische Handel [1]


Vorgänger Amt Nachfolger
Friedrich von Wirsberg Bischof
1573 - 1617
Johann Gottfried von Aschhausen


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