Wilhelm Sebastian Schmerl

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Wilhelm Sebastian Schmerl

Kirchenrat Wilhelm Sebastian Schmerl (* 18. Februar 1879 in Markt Einersheim; † 8. Mai 1963 in Würzburg) war Schriftsteller und Gemeindepfarrer an der Deutschhauskirche von 1926 bis 1949.

Familiäre Zusammenhänge

Schmerl entstammt einer evangelischen Pfarrer-Dynastie. Bereits sein Vater war von 1848 bis 1868 Gemeindepfarrer der evangelisch-lutherischen Pfarrkirche St. Bartholomäus in Sommerhausen.

Geistliche Laufbahn

Wilhelm Sebastian Schmerl wurde als Pfarrerssohn in Markt Einersheim geboren. Er war gleichaltrig mit dem Sohn des Grafen von Rechteren Limpurg-Speckfeld war und durfte an dessen Privatunterricht im Schloss teilnehmen. Danach besuchte er das Gymnasium in Erlangen und studierte dort auch evangelische Theologie. Als einer der drei Besten seines Examensjahrgangs wurde er im Anschluss für zwei Jahre Mitglied des Münchner Predigerseminars, in dem die Protestantische Kirche Bayern rechts des Rheins ihren Führungsnachwuchs heranbildete. Die theologsiche Weiterbildung umfasste u.a. Dienste in Predigt und Unterricht, freie theologische Diskussion wie auch Seminare. Schmerl nutzte die Münchner Zeit aber ebenso intensiv zur kulturelle Bereicherung, besuchte Theater, Konzerte, Vorträge und Museen. 1905 trat Schmerl eine Hilfsgeistlichenstelle an der Christuskirche in Neuhausen an. 1907 holte ihn der Graf zu Rechteren Limpurg-Speckfeld wieder in die fränkische Heimat und setzt ihn als Stadtvikar für seine Patronatspfarrei Gollhofen ein. [1]

Stadtpfarrer in Würzburg

1926 wechselte er an die Deutschhauskirche im Mainviertel und noch im gleichen Winter weihte er die neue elektrische Kirchenheizung ein. Genau wie sein Amtsvorgänger, Pfarrer Bernhard Koch, gehörte auch die Militärseelsorge zu seinem Aufgabenbereich. Erst in den 1930er Jahren übernahm ein hauptamtlicher Seelsorger diese Tätigkeit. Als im Zweiten Weltkrieg dieser Geistliche abgezogen wurde, fiel diese Aufgabe erneut an Pfarrer Schmerl und wurde durch die Lazarettseelsorge noch erweitert. 1927 weihte er die neue Orgel und errichtete eine Diakonissen-Station. Der Kindergarten der Kirchgemeinde öffnete 1932. Im April 1936 wurde in der Deutschhausgemeinde eine Bekenntnisgemeinschaft gegründet. Im Jahre 1938 konnte das Haus Schottenanger 13, das 1926 für Pfarramt und Wohnung angemietet worden war, käuflich erworben werden. Das Gebäude wurde 1708 vom Glockengießer Ignaz Kopp gebaut und gehörte seit Anfang des 20. Jahrhunderts der Familie Stöhr. Im Krieg ließ Schmerl die Kirchenfenster ausbauen und bereits im August 1945 begann er, die relativ geringen Kriegsschäden am Gotteshaus zu beseitigen. [2]

Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern

1921 übernahm Schmerl die Schriftleitung des „Evangelischen Sonntagsblatts aus Bayern“ (Rothenburger Sonntagsblatt), das 1884 durch Adolf Caselmann gegründet worden war. Schmolze schreibt 1979 im Rückblick: Schmerl „wurde zum mordernen Kirchen-Journalisten. Den Irrtümern und Irrwegen der Zeit stellte er sein entschiedenes Bekenntnis zur alten christlichen Wahrheit gegenüber kompromißlos vor allem in der Auseinandersetzung mit der ,völkischen’ Religiosität, dem Antisemitismus, dem ,Deutschen Christentum’.“ 1941 wurde die Publikation verboten, nachdem Schmerl bereits zahlreiche „scharfe Verweise“ vom Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda zugestellt worden waren. Ab 1949 konnte Schmerl das Sonntagsblatt nochmals zu alter Größe aufbauen. [3]

Schriftsteller

Schmerl wirkte darüber hinaus als Volksschriftsteller. 1914 erschien sein Erstlingswerk Der Pfarrherr von Gollhofen. Es ist angesiedelt in den lutherischen Gemeinden der Grafschaft Limpurg-Speckfeld im 16. Jahrhundert. 1919 folgte Der Hetzer. Geschichte eines Freiheitsträumers, ein Stück aus dem Bauernkrieg. In den 1920er Jahren entstanden dann die Novellen Kinder einer rauhen Zeit, Juliana, Die Hex, Verschwunden und Fränkische Skizzen.

Neben dem dichterischen Werk entstanden einige populäre Darstellungen von Einzelthemen der Kirchengeschichte. Darunter: „Luther und sein Werk“, „Leonhard Kaiser“ und „Gustav Adolf“. 1934 folgte mit „Johann Keplers letzte Fahrt“ wieder eine historische Erzählung. In seinem Ruhestand verfasste Schmerl noch die Erzählungen „Melchor Bielling“ und „Gräfin X“ sowie die Skizzen „Kleinbilder aus Alt-Würzburg“.

Mehrfach beschäftigten Schmerl die konfessionellen Auseinandersetzungen nach der Reformation. Sprachlich versetzte er sich intensiv in die jeweilige Handlungszeit, verband historische Ausdrucksweise und lokalen Dialekt.

Letzte Ruhestätte

Schmerl war 23 Jahre lang Stadtpfarrer und [4] ging im Alter von 70 Jahren in den wohlverdienten Ruhestand, den er in Würzburg verlebte. Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Würzburger Hauptfriedhof.

Publikationen (Auszug)

  • Der Pfarrherr von Gollhofen: Blätter aus einem alten Kirchenbuch, erschienen im Oskar Beckschen Verlag, München 1914 (UB 20/NZ 97650 U23-3/4 = Abdruck in Uffenheimer Geschichte und Geschichten 1983)
  • Der Hetzer. Geschichte eines Freiheitsträumers (erschienen 1919)
  • Kaspar Lederer, der Schulz, erschienen 1921 (UB Rp VIII, 477 (Ausgabe1954) und 20/NZ 97650 U23-8/9(4) (Ausgabe 1988))
  • Kinder einer rauhen Zeit.
  • Die Hex, der Crabat. (1927)
  • Fränkische Skizzen, C. Brügel & Sohn, Ansbach, 1928
  • Briefe von Hermann von Bezzel (Hrsg.), Die Aue, Elberfeld, 1929
  • Juliana. (1931)
  • Johann Keplers letzte Fahrt, C. Bertelsmann, Gütersloh, 1934
  • Mein Frankenland - fränkische Erzählungen, Lieder und Sprüche (1941)
  • Zwölfhundert Jahre Christentum - Vierhundert Jahre evangelisch-lutherisches Christentum im fränkischen Dorf. (1952)
  • Verschwunden. Erzählungen. Quell-Verlag, Stuttgart (1954)
  • Melchior Bielling. (1959)
  • Gräfin X, Ein Opfer ihrer Zeit, Verlag J. P. Peter, Rothenburg o. d. T., 1961 (UB 61.2006)

Lebensbeschreibungen:

  • Luther und sein Werk, Verlag des Pfarrvereins in der Evangel-Lutherischen Kirche in Bayern rechts des Rheins, Nürnberg, 1933 (UB 55.816, Ausgabe Martin-Luther-Verlag 1954)
  • Leonhard Kaiser. Ein Blutzeuge für Gottes Wort und Luthers Lehr.
  • Gustav Adolf. Ein Lebensbild des großen Königs.

Erinnerungen:

  • Wie wir den Untergang des alten Würzburg erlebten in: Evangelischer Volkskalender 1951 (UB 28/Rp XXIII, 1874)

Namensgeber

Schmerl ist Namensgeber des Wilhelm-Sebastian-Schmerl-Preises des Evangelischen Sonntagsblatts aus Bayern für Verdienste um die evangelische Publizistik.

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Uffenheimer Geschichte und Geschichten. 4. Band, Grußwort von Gerhard Schmolze aus dem Jahr 1979 zur Neuauflage des Pfarrherrn von Gollhofen
  2. Elfriede und Wolfgang Höffgen: Die Deutschhausgemeinde im Wandel der Zeiten. Chronik der Deutschhausgemeinde Würzburg 1922 - 2002, Würzburg 2002, S. 17 ff
  3. Uffenheimer Geschichte und Geschichten. 4. Band, Grußwort von Gerhard Schmolze aus dem Jahr 1979 zur Neuauflage des Pfarrherrn von Gollhofen
  4. Richard Zürrlein: Literatur im provinziellen Umfeld, in: Unterfränkische Geschichte, hrsg. von Peter Kolb und Ernst-Günter Krenig, Band 5/2, Echter Verlag, Würzburg 2002, S. 377-466; S. 441 f.