Deutschhauskirche

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Blick vom Festungsberg auf die Deutschhauskirche
Deutschhauskirche von der Zeller Straße aus
Maria Verkündigung von Georg Anton Urlaub

Die gotische Deutschhauskirche wurde zwischen 1260 [1] und 1320 [2] als Kirche des Deutschen Ordens erbaut.

Geschichte[Bearbeiten]

1694 wurden nach Entwürfen von Antonio Petrini das Konventsgebäude und die Untergeschosse des Turms barock umgebaut. Die Kirche fiel im Zuge der Säkularisation 1805 an den Staat, wurde lange als Militärmagazin genutzt.

Kunstwerke[Bearbeiten]

Besondere Kunstwerke sind das Triptychon Anbetung der Heiligen drei Könige von Rudolf Schäfer, Der Horchende Christus von Wilhelm Steinhausen und die Verkündigung an Maria von Georg Anton Urlaub. Der Innenraum ist hell und aufwändig verziert. Die Kirche überstand die Bombenangriffe auf Würzburg ohne große Schäden und steht heute unter Denkmalschutz. Leider wurden während der Nutzung als Militärmagazin Decken eingezogen und so große Teile der Innenausstattung zerstört.

Neunutzung als evangelische Pfarrkirche[Bearbeiten]

Ab 1872 bemüht sich das Evangelische Dekanat Würzburg um die Kirche, die seit der Säkularisation als Militärmagazin genutzt wurde. Da der Staat jedoch ein gleich großes Gebäude auf der linken Mainseite verlangt, das auch eine gegen Feuersgefahr geschützte Lage haben müsse, bricht der Kirchenvorstand nach reiflicher Überlegung aus Kostengründen die Verhandlungen schließlich ab. Deshalb wird an anderer Stelle gebaut und 1895 die Johanniskirche eingeweiht.

Die evangelischen Christen des gesamten linksmainischen Gebietes von Würzburg gehören zu Beginn des 20. Jahrhunderts. noch immer zur Pfarrgemeinde St. Stephan (Altstadt). Insbesondere durch den Bau großer Wohnblocks nach dem Ersten Weltkrieg und der damit verbundenen großen Zunahme der evangelischen Bewohner im Mainviertel und in der Zellerau wird ein Gottesdienstraum in diesem Bereich immer notwendiger. Deshalb bemühte sich das Dekanat Würzburg erneut um die Deutschhauskirche. Am 8. Juli 1921 teilt die Regierung von Unterfranken mit, dass eine fünfte Pfarrstelle in Würzburg genehmigt wurde. Damit erhielt die Pfarrei St. Stephan eine dritte Pfarrstelle. Dem Pfarrer dieser Stelle oblag die Aufgabe der Betreuung aller evangelischen Christen, die auf der linken Mainseite lebten. Diese Pfarrstelle St. Stephan III wird schließlich zum 1. Oktober 1922 mit Herrn Pfarrer Koch besetzt. Im gleichen Monat wird ein Vertrag zwischen dem Bayerischen Staat und der Pfarrei St. Stephan über die Nutzung der Deutschhauskirche geschlossen.

Patrozinium[Bearbeiten]

Die Deutschhauskirche ist Maria und Elisabeth von Thüringen geweiht.

Chronologie[Bearbeiten]

Ein historisches Dokument im Innenraum der Kirche beschreibt die Geschichte der Kirche. Das Dokument zeigt auch alte Bilder der Kirche, eines Deutschherren Ritters, die „Schöne Pforte“ und einen Grundriss.

  • 1219: Bischof Otto I. von Lobdeburg schenkt dem Deutschen Orden den sogenannten Königshof. Dieses Anwesen diente vormals dazu, den Hofstaat des Staufer-Kaisers zu verpflegen, während dieser in Würzburg weilte. König Friedrich I. Barbarossa feierte hier 1156 seine Hochzeit mit Beatrix von Burgund. Papst Honorius III. bestätigt 1220 die Schenkung an den Orden, Kaiser Friedrich II. stimmte 1224 zu.
  • 1226: Einweihung des im Kniegeschoss des spätromanischen Turmes befindlichen Gewölbes als Kapelle, wo vielleicht Kaiser Barbarossa mit Beatrice von Burgund getraut wurde.
  • 1260: Ablassbewilligung zum Bau einer größeren Kirche.
  • 1280: Der Bau der neuen Kirche war soweit vorgeschritten, dass Bischof Berthold II. von Sternberg ihn ein „opus splendidum et sumptuosum“ (prächtiges und kostspieliges Werk) nennt, zu dessen Vollendung das Vermögen des Ordenshauses nicht ausreiche.
  • 1288: Vollendung bis zum Südportal, „der schönen Pforte“ / Bauleiter Frater Bertoldus „lapicida, confrater praedictae domus“
  • 1296: Fortführung des Baues / Verbindung mit dem Ordenshaus durch einen Schwibbogen über die Durchfahrt zum Schottenkloster. 1320 Abschluss des Baus. 500 Jahre schweigt die Geschichte.
  • 1630: König Gustav II. Adolf von Schweden hält evangelischen Gottesdienst.
  • 1806: Säkularisation durch den bayerischen Staat / Völlige Entleerung. [3] Von Franzosen besetzt.
  • Bis 1918: Bayerisches Train-Magazin
  • 1922: Die Kirche wird der evangelisch-lutherischen Gemeinde auf 100 Jahre als Pfarrkirche überlassen.
  • 1923: Der erste evangelische Weihnachtsgottesdienst findet statt. (Inflationszeit)
  • 1922–1925: Wiederherstellung von Altar, Kanzel, Empore, Gestühl, Orgel, den Glasgemälden im Chor und der vier Glocken.
  • 1926: Der Pfarrer und Volksschriftsteller Wilhelm Sebastian Schmerl wechselt von Gollhofen bei Uffenheim an die Deutschhauskirche. Er übte das Amt des Pfarrers dort bis 1949 aus. [4]

Baubeschreibung[Bearbeiten]

Die ehemalige Klosterkirche des Deutschen Ordens, jetzt ev.-luth. Deutschhauskirche (Pfarrkirche), ist ein gotischer, einschiffiger Satteldachbau mit Strebepfeilern, Maßwerkfenstern und Tympanonportal sowie gewölbter Straßenüberbauung aus der Zeit 1260-1296. Ein seitlicher quadratischer Turm mit Sandsteingliederung aus der 1. Hälfte des 13. Jahrhunderts ist mit einer verschieferten barocken Zwiebelhaube mit Laterne aus dem 17. /18. Jahrhundert abgeschlossen. Benachbart ist die ehemalige Deutschordenskomturei, ein zweigeschossiger, barocker Walmdachbau über hohem Kellersockel, mit Putzmauerwerk mit Sandsteinkanten und -rahmungen sowie Wappenportal, der wohl von Antonio Petrini 1694 errichtet wurde.

Die einschiffige Kirche hat sechs Joche, Kreuzgewölbe und Kappenschluss mit Gurten und Rippen mit reichem Birnstabprofil, die sich auf Runddienste mit edlen Laubwerkkonsolen und Kapitellen stützen (Hölle, Katze und Maus). Reiche figürliche Schlussteine bilden den Abschluss. Eine Büßerzelle mit originalem Dreikappengewölbe ist erhalten. Ein Treppentürmchen erschließt das Obergeschoss. Der Turm hat fünf Geschosse mit Rippenkreuzgewölben.

¹ Symbole der Evangelisten
Auf vielen Bildern werden die vier Evangelisten mit ihren jeweiligen Symbolen dargestellt: Matthäus mit einem Menschen oder Engel, Markus mit einem Löwen, Lukas mit einem Stier, Johannes mit einem Adler. Diese vier Bilder sind der Offenbarung des Johannes (4, 6) entnommen, wo es in einer Vision des Gottesthrones heißt: „Das erste Lebewesen glich einem Löwen, das zweite einem Stier, das dritte sah aus wie ein Mensch, das vierte glich einem fliegenden Adler.“ Auch die Darstellung der vier Wesen mit Flügeln ist dieser Bibelstelle entnommen. Der Kirchenlehrer Hieronymus (347 bis 419) ordnete die vier Lebewesen den einzelnen Evangelisten zu, indem er auf die Anfänge ihrer Evangelien verwies: Matthäus beginnt mit dem Stammbaum und der Menschwerdung Jesu, daher der Mensch. Markus stellt an den Anfang seines Textes die Bußpredigt des Johannes, der wie ein Löwe seine Stimme in der Wüste erschallen lässt. Lukas berichtet zuerst vom Opferdienst des Priesters Zacharias, so dass der Stier als Opfertier zu seinem Attribut wurde. Und Johannes schließlich beginnt mit dem Prolog über das Wort Gottes und schwingt sich in einer Art „geistigem Höhenflug“ wie der Adler in Höhen, die die anderen nicht erreichen.
Außer dieser Zuordnung zu den Evangelisten symbolisieren alle vier Wesen in der gemeinsamen Darstellung Jesus Christus selbst, dessen vier wichtigste Heilstaten in den Evangelientexten bezeugt werden: Der Mensch ist Abbild der Menschwerdung, der Stier bedeutet seinen Opfertod, der Löwe die Auferstehung und der Adler seine Himmelfahrt.
(Quelle: Würzburger Katholisches Sonntagsblatt)

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise und Hinweise[Bearbeiten]

  1. Peter Moser: Würzburg - Geschichte einer Stadt, Babenberg Verlag, Bamberg 1999, S. 63
  2. Deutschhaus Gymnasium: „Der Deutsche Orden“
  3. Die Seitenaltäre und Kanzel wurden 1821/22 vom damaligen bayerischen König Maximilian I. Joseph von Bayern den Bischwindern geschenkt und in der katholischen Pfarrkirche St. Wendelin aufgestellt.
  4. Richard Zürrlein: Literatur im provinziellen Umfeld, in: Unterfränkische Geschichte, hrsg. von Peter Kolb und Ernst-Günter Krenig, Band 5/2, Echter Verlag, Würzburg 2002, S. 377-466; S. 441 f.

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