Wilhelm Joseph Behr

Aus WürzburgWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wilhelm Joseph Behr

Prof. Dr. Michael Wilhelm Joseph Behr (* 26. August 1775 in Sulzheim; † 1. August 1851 in Bamberg) war ein deutscher Staatsrechtslehrer und Politiker.

Professor und Bürgermeister[Bearbeiten]

Behr studierte Philosophie und Rechtswissenschaften in Würzburg und Göttingen und war von 1799 bis 1821 Professor des Staatsrechts in Würzburg. Infolge der Karlsbader Beschlüsse [2] wurde ihm die Erlaubnis entzogen, Vorlesungen zu halten. Von 1821 bis 1832 war er Erster Bürgermeister von Würzburg und gab die Zeitschrift „Unterhaltungen eines Bürgermeisters mit seinen Mitbürgern“ heraus. Die Unerschrockenheit, mit der Behr namentlich als bayerischer Landtagsabgeordneter für die Prinzipien des Konstitutionalismus [3] eintrat, bewog die bayerische Regierung zur Einleitung einer Untersuchung gegen ihn. Bürgermeister Behr hielt am 27. Mai 1832 eine mutige Rede am „Gaibacher Fest“ [1], woraufhin er aus seinem Amt als Bürgermeister entlassen wurde. Nach mehrjähriger Untersuchung wegen demagogischer Umtriebe und Majestätsbeleidigung wurde er 1836 zur Abbitte vor dem Bildnis des Königs und zu einer Festungsstrafe von unbestimmter Dauer verurteilt. Behr verbrachte die darauf folgenden Jahre erst auf der Festung, dann unter polizeilicher Aufsicht in Passau, Regensburg und in Bamberg, bis er 1847 entlassen und am 6. März 1848 rehabilitiert wurde.

Rektor der Universität Würzburg[Bearbeiten]

Von 1819 bis 1821 war er Rektor der Universität

Abgeordneter der Nationalversammlung[Bearbeiten]

Vom 18. März bis zum 21. September 1848 war er fraktionsloser Abgeordneter und Alterspräsident der Frankfurter Nationalversammlung für den Wahlkreis Kronach.

Posthume Würdigung[Bearbeiten]

  • Von der Stadt Volkach wird der Wilhelm Josef Behr-Preis für hervorragende Leistungen im Leistungskurs Geschichte am Franken-Landschulheim verliehen.
  • Nach Behr wurde in Würzburg die Straße, die von der Zeppelinstraße zum Frauenlandplatz führt, benannt.
  • 1983 wurde vom Stadtrat der Stadt Würzburg einstimmig beschlossen, für Persönlichkeiten, die sich in der bürgerschaftlichen Mitarbeit und für die Demokratie in Würzburg besonders eingesetzt haben, die Behr-Medaille zu schaffen.
  • Behr wurde Ehrenbürger der Stadt Würzburg (1819) und Volkach.
  • In der Ruhmeshalle in München steht eine von Leo von Klenze (1849-1853) erschaffene Büste.

Werke[Bearbeiten]

  • Versuch einer allgemeinen Bestimmung des rechtlichen Unterschiedes zwischen Lehen-Herrlichkeit und Lehen-Hoheit (1799)
  • Ueber die Nothwendigkeit des Studiums der Staatslehre besonders auf Akademien (1800)
  • Der Organismus des rheinischen [deutschen] Bundes, zum Behufe seines Zwecks, soweit er bis jetzt positiv bestimmt ist, und Materialien zur näheren Bestimmung jenes Organismus (1807)
  • Systematische Darstellung des Rheinischen Bundes (1808)
  • System der angewandten allgemeinen Staats-Lehre oder der Staatskunst (Politik) (1810)
  • Welchen Hauptanforderungen muss ein Strafgesetzbuch genügen um als befriedigend anerkannt werden zu können? (1813)
  • Neuer Abriss der Staatswissenschaftslehre (1816)
  • Das Recht und die Pflicht der Regierungen in Beziehungen auf die gegenwärtige Theuerungsangelegenheit (1817)
  • Andeutungen in Beziehung auf die finanziellen Momente der neuen Verfassung des baierischen Staats (1818)
  • Staatswissenschaftliche Betrachtungen über Entstehung und Hauptmomente der neuen Verfassung des baierischen Staats (1818)
  • Rede zur Feier des ersten Jahrtags der Einführung der Verfassung des Baierischen Staats (1819)
  • Bemerkungen über den Gesetzes-Entwurf wegen Einführung des Wein-Aufschlages (1819)
  • Von den rechtlichen Grenzen der Einwirkung des deutschen Bundes auf die Verfassung, Gesetzgebung und Rechtspflege seiner Glieder-Staaten (1820)
  • Die Lehre von der Wirthschaft des Staats oder pragmatische Theorie der Finanzgesetzgebung und Finanzverwaltung (1822)
  • Anforderungen an Bayerns Landtag im Jahre 1827/28 und unpartheyische wissenschaftliche Beurtheilung seiner Verhandlungen
  • Kritische Beleuchtung der Verhandlungen des Bayerischen Landtags 1827/28 (1828)
  • Notgedrungene Berufung an die öffentliche Stimme gegen das Verfahren der Kammer der Abgeordneten in Bayern wider ihn (1828)
  • Bedürfnisse und Wünsche der Bayern (1830)
  • Kurze Andeutungen der Aufgabe der bevorstehenden konstituierenden Versammlung zu Frankfurt (1848)
  • Allgemeine Polizei-Wissenschaftslehre oder pragmatische Theorie der Polizei-Gesetzgebung u. Verwaltung (1848)

Literatur[Bearbeiten]

  • Eva Peiffer: Wilhelm Joseph Behr. Studie zum bayerischen Liberalismus der Metternich-Zeit, Emsdetten 1936.
  • Max Domarus: Bürgermeister Behr – Ein Kämpfer für den Rechtsstaat, Würzburg 1971.
  • Ulrich Wagner: Wilhelm Joseph Behr. Dokumentation zu Leben und Werk eines Würzburger Demokraten, Würzburg 1985.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Nähere Informationen zum „Gaibacher Fest“ auf www.weinfest-gaibach.de [1]

Weblinks[Bearbeiten]


Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Wilhelm Joseph Behr aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported (Kurzfassung). In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.