Philipp Adam Ulrich

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Prof. Dr. Philipp Adam Ulrich (* 24. Mai 1692 in Lauda; † 8. November 1748 in Würzburg) war Professor der Rechte an der Universität Würzburg. Bekannt wurde er jedoch für seine Reformen im Bereich der Landwirtschaft. Er erprobte selbst den Futteranbau mit Klee und Luzerne und publizierte für die Bauern Anleitungen zur Steigerung des Anbauertrags. Auf Grund seiner Erfolge mit der Kartoffelzucht wurde er auch „der Würzburger Kartoffelprofessor“ genannt.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Kartoffeldenkmal in den ehemaligen Leighton Barracks

Philipp Adam Ulrich stammte aus begütertem Haus, der Vater war im Weinbau bzw. Weinhandel tätig. Die Mutter fiel früh einem Raubmord zum Opfer; ein Schicksalsschlag, der die weitere Persönlichkeitsentwicklung des Sohnes prägte. 1707 nahm er ein Studium an der Universität Würzburg auf und graduierte 1712 an der juristischen Fakultät. Im Anschluss unternahm er Bildungsreisen nach Frankreich, Italien und Spanien und erwarb dabei auch profunde Sprachkenntnisse.

Am 8. November 1717 heiratete Ulrich Susanna Mertloch, die Tochter eines fürstbischöflichen Geheimsekretärs. Sie verstarb zwei Jahre später bei der Geburt der zweiten Tochter. Beide Kinder verstarben bereits im Säuglingsalter. Diese menschlichen Verluste trieben Ulrich zu unermüdlicher karitativer Sorge um seine Mitmenschen sowie zur Vertiefung seines christlichen Glaubens. Gleichzeitig stand er aber auch den Gedanken der Aufklärung nahe.

Professor in Würzburg[Bearbeiten]

Ulrich wirkte seit 1717 als Professor der Rechte in Würzburg, fand darin aber nicht seine Erfüllung. Als Ausgleich zur „trockenen“ Lehrtätigkeit übersetzte er geistliche Texte. Er verfasste auch ein Libretto für ein Kilians-Oratorium, das durch Hofkapellmeister Platti vertont wurde (Notenfassung nicht erhalten). Der vielseitig interessierte Ulrich setzte sich auch für verschiedene Missionsstiftungen ein, gründete selbst eine Missionsstation in Ungarn.

Die Landwirtschaft der Region hatte sich zu der Zeit noch nicht von den Verwüstungen und Plünderungen des Dreißigjährigen Kriegs erholt. Eine neue Würdigung des bäuerlichen Standes sowie fortschrittliche Anbaumethoden sollten nun – mit der beginnenden Aufklärung – den Wiederaufbau fördern. „Pädagogik“ wurde zu einem Schlüsselwort der Zeit, angestrebt wurde die Vollkommenheit des Menschen. Auch Ulrich nahm diese Tendenzen eifrig auf und verband dabei sein religiös geprägtes Verantwortungsgefühl für die Menschen mit wirtschaftsnützlichem Denken.

Auf den geerbten Äckern in Lauda unternahm er erste Versuche zur Intensivierung der Landwirtschaft. Sein Ziel war, den Bauern Anleitung zur Erzielung höhere Erträge zu geben und damit zur Verbesserung des Allgemeinwohls beizutragen. Allerdings brachten die Bauern solchen „von Außenstehenden“ eingebrachten Neuerungen viel Mißtrauen entgegen. Nachdem Ulrich einige landwirtschaftliche Erfahrungen gesammelt hatte, erwarb er weiteres Ackerland am Würzburger Stadtrand nahe Gerbrunn (Teil des heutigen Campus Hubland Süd). Er begann, kleine landwirtschaftliche Schriften herauszugeben, die von den Bauern nur zögerlich angenommen wurden.

Landwirtschaft und Zuchterfolge[Bearbeiten]

1739 gab Ulrich seine Lehrtätigkeit auf und pachtete den Wöllrieder Hof sowie den Herleshof bei Kolitzheim. Er begann nun großflächig mit dem Kleeanbau, der auch von der Regierung zur Verbesserung der landwirtschaftlichen Situation propagiert wurde. Die Kleeernte verbesserte deutlich den Viehfutterertrag der Ackerfläche. Damit konnte Ulrich seinen Viehbestand deutlich erhöhen.

Durch diese positive Entwicklung bestätigt, trieb Ulrich energisch die Verbreitung des Kleeanbaus in Franken voran. Auch vormals öde Hangflächen wurden nun mit Klee bebaut. Viele dieser Flächen konnten über den Umweg Kleeanbau schließlich auch für den Weinbau nutzbar gemacht werden. Ein weiterer Effekt des Klees wurde von einem Chronisten festgehalten: Die Lerchen, welche damals bei Feinschmeckern öfters im Kochtopf landeten, wurden zahlreicher und wohlschmeckender.

Durch den Handel mit Kleesamen verdiente Ulrich viel Geld. Hab und Gut betrachtete er jedoch als Eigentum der Armen, sah sich selbst nur als dessen Verwalter. So engagierte er sich unermüdlich für weitere Neuerungen. Er versuchte, sich mit wechselndem Erfolg auch an technischen Erfindungen wie einer Dreschmaschine und einem Pflug. Er führte die Runkelrübe ein und pflanzte Maulbeerbäume zur Zucht von Seidenraupen. Die Zucht von Kartoffeln am Wöllrieder Hof verlief besonders erfolgreich. Allerdings wurde die Erdknolle noch lange Zeit ausschließlich als Viehfutter akzeptiert. Im Volksmund blieb Ulrich aber fest mit der Kartoffel verbunden, er wurde augenzwinkernd „Kartoffelprofessor“ bzw. auch „Doctor ruris“ (Doktor des Landes) genannt.

Letzte Ruhestätte[Bearbeiten]

Philipp Adam Ulrich starb am 8. November 1748 und wurde in St. Peter und Paul beigesetzt, wo bis heute ein Epitaph an den wohltätigen Vorreiter der modernen Landwirtschaft erinnert.

Posthume Würdigung[Bearbeiten]

Namensgeber[Bearbeiten]

Nach ihm ist die Ulrichstraße im Stadtbezirk Frauenland benannt. Daneben die Philipp-Adam-Ulrich-Straße in Lauda sowie die Dr.-Ulrich-Straße in Tauberbischofsheim.

Denkmal[Bearbeiten]

Sieben Jahrzehnte nach seinem Tod verfasste der Geistliche und Pädagoge Franz Oberthür eine detaillierte und ehrende Lebensbeschreibung des „Kartoffelprofessors“. Er initiierte auch das Epitaph in der Petererkirche und die Umwidmung eines Bildstocks an der Rottendorfer Straße zum Kartoffeldenkmal.

Epitaph[Bearbeiten]

Grabdenkmal für Philipp Adam Ulrich

Auf Franz Oberthürs Initiative entstand an Ulrichs letzter Ruhestätte in St. Peter und Paul ein Epitaph, das im November 1818 mit einem feierlichen Gottesdienst eingeweiht wurde. Nach schweren Beschädigungen im Zweiten Weltkrieg wurde dieses 1995 und 2015/2016 (Bei der Innenrenovierung von St. Peter und Paul) fachgerecht restauriert. In der Pfarrei ist es Tradition, jedes Jahr zum Erntedankfest eine Kerze und ein Körbchen mit Erdäpfeln vor der Gedenktafel aufzustellen. Im Pfarrsaal gibt es dann ein Kartoffelessen, dessen Erlös wohltätigen Zwecken zufließt. [1]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Main-Post: „Jurist und Ökonom aus Leidenschaft“ (1. Oktober 2004)