Karl Grünewald

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Dr. Karl Grünewald (* 29. Dezember 1911; † 23. Februar 1976) war Jurist und Makroökonom. Von 1948 bis 1949 bekleidete er kurzzeitig das Amt des Oberbürgermeister der Stadt Würzburg, später war er Landrat von Königshofen.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Grünewald wurde als Sohn des Bezirksschulrats Karl Grünewald in Soden, Bezirksamt Obernburg, geboren. Auf den Besuch der Oberrealschule Aschaffenburg folgte ein rechts- und wirtschaftswissenschaftliches Studium in München und Würzburg. Als Gerichtsreferendar war er am Amtsgericht Schöllkrippen tätig, danach am Oberlandesgericht Bamberg. 1938 erlangte er in Greifswald die juristische Doktorwürde. Auf das Staatsexamen folgte ein kurzer Wehrdienst.

Berufliche und politische Tätigkeit während der NS-Zeit[Bearbeiten]

Grünewald trat bereits 1933 in die NSDAP ein und war bis 1939 hauptamtlicher Mitarbeiter in der Reichsleitung des NS-Rechtswahrerbundes. Nach der Besetzung Polens wurde er Leiter der Abteilung Wirtschaft im Distrikt Lublin. 1941 wurde Grünewald von der Gestapo verhaftet. Nach der Freilassung wurde er als Anwalts- und Notariatsvertreter in Elbing verpflichtet und wurde Syndikus des Verkaufsverbands ost-westpreußischer Molkereien. Grünewald gründete und leitete die „Letro-Gesellschaft für die Lebensmittelindustrie, Trocken- und Kältetechnik“ (Dachgesellschaft von 24 Firmen der Lebensmittelindustrie), die ihren Sitz in Berlin hatte.

Nachkriegszeit[Bearbeiten]

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde er für ein Jahr von der amerikanischen Besatzungsmacht in Dachau interniert. Wirtschaftlich begann er nach dem Krieg mit dem Maschinenpark der „Letro“ in Aschaffenburg mit der Herstellung von synthetischer Marmelade. Nach der Währungsreform änderte er das Geschäftsfeld auf die Herstellung von Kunststeinen, womit seine Aktivitäten im Bausektor begannen. Die Firma nannte sich fortan „Baustoffwerke Becker & Co“. [1] In politischer Hinsicht schloss er sich der Bayernpartei an und trat dieser bei.

Das Spruchkammerverfahren in Aschaffenburg stufte ihn am 25. August 1948 als entlastet ein. Die Entlastung war notwendige Voraussetzung für eine Wahlfähigkeit zum Oberbürgermeister.

Oberbürgermeister in Würzburg[Bearbeiten]

Der Posten des Würzburger OB musste neu besetzt werden, da Hermann Hagen nach seiner Wahl im Juli 1948 das Amt aus gesundheitlichen Gründen nicht angetreten hatte. Noch zwei Tage gaben CSU und Bayernpartei bekannt, nochmals Dr. Hagen aufstellen und wählen zu wollen. In der Sitzung wurde dann aber Dr. Grünewald von der Bayernpartei (die nur über drei eigene Sitze im Stadtrat verfügte) aufgestellt und die CSU als größte Fraktion schloss sich diesem Vorschlag an. Der damals in Aschaffenburg ansässige Grünewald wurde am 29. Oktober 1948 mit 23 von 41 Stimmen vom Stadtrat zum OB gewählt.

Obwohl Grünewald in einem Spruchkammerverfahren als entlastet eingestuft worden war, mehrten sich bereits im Dezember Fragen aus der Bevölkerung und dem Stadtrat nach Grünewalds Wirken in der NS-Zeit und Bedenken hinsichtlich seiner Amtsführung. Der Kassationshof im bayerischen Staatsministerium für Sonderaufgaben hob schließlich den Entlastungs-Spruch der Spruchkammer Aschaffenburg auf und enthob am 11. Februar 1949 Grünewald wegen Fragebogenfälschung und Abgabe irreführender Erklärungen bei der Staatsanwaltschaft seines Amtes als OB. Ein erneutes Spruchkammerverfahren wurde angeordnet. Im Mai 1949 stufte ihn die Hauptkammer Ansbach als Mitläufer ein, da er als Partei- und SA-Mitglied und durch seine diversen Tätigkeiten zwischen 1933 und 45 die Gewaltherrschaft des Nationalsozialismus unterstützt hatte. [2] Da Grünewald damit seine Wahlfähigkeit verlor und das Amt endgültig einbüßte, wählte der Stadtrat Franz Stadelmayer zum neuen OB.

In seiner dreimonatigen Amtszeit setzte Grünewald sich stark für den Wiederaufbau ein. Er regte aber auch an, einen Unterstützungsverein für politisch belastete ehemalige Mitarbeiter der Stadtverwaltung zu gründen. Zudem hatte er sich bei Auftragsvergaben in Bauvorhaben über ablehnende Beschlüsse des Stadtrats eigenmächtig hinweggesetzt, was im späteren Verfahren noch thematisiert werden sollte.

Baugesellschaften[Bearbeiten]

Neben dem Betrieb „Baustoffwerke Becker & Co“ engagierte sich Grünewald als Gründer und Leiter zahlreicher Baugesellschaften die rechtlich eigenständig, jedoch intern stark verflochten waren.

Kronprinz-Rupprecht-Stiftung

Kronprinz-Rupprecht-Stiftung zum Wiederaufbau von Würzburg. Grünewald schlug dem Kronprinz anlässlich dessen 80. Geburtstags die Gründung dieser Stiftung vor und bekam seine Zustimmung. In die Stiftungsurkunde wurde eingetragen, dass der Kronprinz dafür 100.000 DM Stiftungskapital zur Verfügung stellt. Das entsprach jedoch nicht den Tatsachen. Grünewald startete die Stiftung ganz ohne finanzielle Mittel. Aber die vermeintliche Zusicherung des Kronprinzen ermöglichte es ihm, aus anderen Quellen Spenden und Zuschüsse zu erlangen. An „Geburtstagsspenden“ für den Kronprinzen gingen aus Kreisen der Verehrer des bayerischen Königshauses 18.000 DM ein, die dann das eigentliche Grundkapital bildeten. Zudem gab es auf die angeblich vorhandenen 100.000 DM Hypotheken, Mietvorauszahlungen und Staatsdarlehen. Aus den Stiftungsgeldern wurden intern auch weitere von Grünewald geleitete Gesellschaften mitfinanziert.

Die Stiftung entwickelte eine rege Tätigkeit im Wohnungsbau, insbesondere im Frauenland. Die Projekte waren hauptsächlich aus Staatszuschüssen finanziert. Im Verlauf von zwei Jahren wurden 1000 Wohnungen mit Kosten von 10 Millionen DM errichtet. Große Summen staatlicher Gelder sollen während dessen in Grünewalds private Betriebe gelangt sein. Ende August 1950 wies die Kronprinz-Rupprecht-Stiftung jedoch bereits 1,2 Millionen DM Schulden auf. Da einige Wohnblocks halb fertig waren und der Bau nun stillstand, flossen nochmals staatliche Gelder von rund einer Million DM, die für den sozialen Wohnungsbau ausgewiesen waren, aber laut Anklage aber wiederum nur teilweise diesem Zweck zugingen. Zudem soll Grünewald aus Stiftungsgeldern eigenmächtig Darlehen an bauwillige Privatleute vergeben haben.

Pro-Bavaria-Landesstiftung

Die Pro-Bavaria-Landesstiftung für den Wiederaufbau Bayerns gründete Grünewald Mitte 1949. Bei der Anmeldung am Registergericht gab er den Bundesfinanzminister und einen Bundestagsabgeordneten als Vorstand an, jedoch hatte gar keine Vorstandswahl stattgefunden. Einem "Kuratorium" sollten zudem weitere hochgestellte Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft angehören, die davon aber keine Kenntnis hatten. 1952 wurde Grünewald schließlich wegen zahlreicher Satzungsverstöße bezüglich der Pro Bavaria die Rechtsfähigkeit entzogen.

Weitere Gesellschaften waren u.a.:

  • Heimathilfe-Gesellschaft zum Wiederaufbau von Würzburg (die Gründung erfolgte noch in Grünewalds Amtszeit als OB)
  • Bayerische Handels- und Industrie GmbH (Die 25%ige Anzahlung auf das Stiftungskapital soll aus zweckentfremdeten Mitteln der Kronprinz-Rupprecht-Stiftung geleistet worden sein. Als die Gesellschaft vor dem Bankrott stand soll Grünewald dennoch weiter Stiftungsgelder in diese investiert haben.)

Kritik an seiner Geschäftsführung wies Grünewald stets zurück und begründete alle Negativschlagzeilen und Finanzprobleme seiner Gesellschaften mit Angriffen aus politischen Gründen auf seine Person.

Anklage 1952[Bearbeiten]

Die Staatsanwaltschaft Würzburg erhob 1952 Anklage gegen Karl Grünewald. Beschuldigt wurde er der schweren passiven Bestechung, der Anstiftung zum Kapitalerhöhungsschwindel sowie der Anstiftung zur Konkursverzögerung. Die Anklagepunkte bezogen sich auf seine Amtszeit als OB sowie auf seine Tätigkeit als Geschäftsführer von acht - durch ihn gegründeten und geleiteten - Genossenschaften des sozialen Wohnungsbaus.

Es ging hier um die Vergabe eines Bauauftrages entgegen des ablehnenden Beschlusses des Stadtrates an die Firma eines Parteifreundes gegen geldliche Gegenleistung. Zudem beschuldigte man ihn, staatliche Gelder in im sechsstelligen Bereich - die für den sozialen Wohnungsbau zuerkannt waren - in andere Bauvorhaben und Verwendungen abgezweigt zu haben. Seine mangelhafte Geschäftsführung hatte die Kronprinz-Rupprecht-Stiftung bald in eine Verschuldung von 1,2 Millionen DM getrieben. Mehrfach musste der Staat mit Darlehen einspringen, um die laufenden Bauvorhaben abschließen zu können. Außerdem soll er die Konkursanmeldung der Bayerischen Handels- und Industrie GmbH verschleppt haben.

Landrat im Grabfeld[Bearbeiten]

Das oben ausgeführte Verfahren schwebte bereits seit 1951, dennoch ließ sich Grünewald als Kandidat für die Landratswahl in Königshofen aufstellen und wurde gewählt. Die Regierung von Unterfranken beanstandete aber seine Wahl, da er die gesetzlichen Vorbedingungen nicht erfüllte. Aus der Nachwahl ging Grünewald jedoch wieder als Sieger hervor (69% der gültigen Stimmen). Bis 1958 siedelte er in seinem Kreis etliche Unternehmen an, schuf damit 500 neue Arbeitsplätze, ließ 455 Wohnungen bauen, drei Dorfgemeinschaftshäuser und neun Schulen, außerdem Straßen für zwei Millionen Mark.

Posthume Würdigung[Bearbeiten]

Nach ihm wurde 1977 die neue Realschule in Bad Königshofen/Grabfeld benannt.

Pressespiegel[Bearbeiten]

  • Main-Post: „Würzburgs neuer Oberbürgermeister“ (30. Oktober 1948)
  • Main-Post: „Oberbürgermeister Dr. Grünewald beantwortet Fragen der MP“ (6. November 1948)
  • Main-Post: „Der Würzburger Stadtrat vor neuen Aufgaben“ (18. November 1948)
  • Main-Post: „„Schalten Sie sich in die Verwaltung ein!““ (14. Dezember 1948)
  • Main-Post: „Untersuchungsverfahren gegen städtische Beamte“ (18. Dezember 1948)
  • Main-Post: „Gefährlicher Kurs in Würzburg“ (5. Februar 1949)
  • Main-Post: „Oberbürgermeister Dr. Grünewald antwortet dem „Telegraf““ (5. Februar 1949)
  • Main-Post: „Eine außerordentliche Sitzung des Würzburger Stadtrates“ (5. Februar 1949)
  • Main-Post: „Zum Fall Grünewald“ (15. Februar 1949)
  • Main-Post: „Regierungserklärung zum Fall Dr. Grünewald“ (19. Februar 1949)
  • Main-Post: „Kundgebung der Bayernpartei in Würzburg“ (22. Februar 1949)
  • Main-Post: „Ein Antrag an das Sonderministerium“ (24. Februar 1949)
  • Main-Post: „Dr. Grünewald vor der Hauptkammer Ansbach“ (26. April 1949)
  • Main-Post: „Der Ankläger: Dr. Karl Grünewald ist Hauptschuldiger“ (30. April 1949)
  • Main-Post: „Verfahren wurde nicht eingestellt“ (14. April 1949)
  • Main-Post: „Beweisaufnahme im Fall Dr. Grünewald abgeschlossen“ (3. Mai 1949)
  • Main-Post: „Offene Fragen an die Stadtverwaltung“ (5. Mai 1949)
  • Main-Post: „Umfangreiche Spruchbegründung der Hauptkammer“ (7. Mai 1949)
  • Main-Post: „Bürgerversammlung im Kino“ (10. Mai 1949)
  • Süddeutsche Zeitung: „Grünewald wurde Mitläufer“ (10. Mai 1949)
  • Main-Post: „Die Bürgerversammlung in Würzburg“ (14. Mai 1949)
  • Main-Post: „Kronprinz Rupprecht stiftet Wohnungen“ (28. Juni 1949)
  • Main-Post: „Berufungsverhandlung Dr. Grünewald“ (23. Juli 1949)
  • Main-Post: „Personalveränderung bei der Kronprinz-Rupprecht-Stiftung“ (28. August 1950)
  • Main-Post: „Zahlungsengpaß nicht Zahlungsschwierigkeiten“ (28. August 1950)
  • Main-Post: „Regierungserklärung zum Fall Dr. Grünewald“ (28. September 1950)
  • Main-Post: „Dr. Grünewald nimmt Stellung“ (30. September 1950)
  • Münchner Merkur: „Grünewalds merkwürdige Geschäfte“ (6. Juli 1952)
  • Süddeutsche Zeitung: „Grünewalds Gründerjahre vor Gericht“ (23. April 1953)
  • Münchner Merkur: „Dunkle Geschäfte mit Kronprinz-Rupprecht-Stiftung“ (28. April 1953)
  • Die neue Zeitung (München): „Verhandlung gegen Grünewald eröffnet“ (29. April 1953)
  • Münchner Merkur: „Zeugenaussagen entlasten Grünewald“ (5. Mai 1953)
  • Schwäbische Landeszeitung: „Ein Jahr Gefängnis für Grünewald“ (18. Mai 1953)
  • Münchner Merkur: „Drei Jahre Gefängnis für Grünewald gefordert“ (15. Mai 1953)
  • Die neue Zeitung (München): „Ehemaliger Oberbürgermeister vor Gericht“
  • (...) Landesleitung (Augsburg): „Nach dem Wahlsieg auf die Anklagebank“ (15. Januar 1959)
  • Die Zeit: „Die Leiden des Dr. Grünewald“ (5. Mai 1961)

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Die neue Zeitung (München): „Ehemaliger Oberbürgermeister vor Gericht“
  2. Main-Post: „Umfangreiche Spruchbegründung der Hauptkammer“ (7. Mai 1949)


Vorgänger Amt Nachfolger
Hermann Hagen Oberbürgermeister
1948 - 1949
Franz Stadelmayer