Juwelier Reichart

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Domstraße mit dem Sternplatz und dem Haus Domstraße 12 (früher Domstraße 36)
Uhrenhaus Otto Reichart in der Domstraße 36 (1936)
Uhren, Gold- und Silberwaren Otto Reichart in der Domstraße 36 (1915)
Ruhestätte der Familie Müller-Reichart auf dem Würzburger Hauptfriedhof

Die Firma Juwelier Reichart hatte bis 2005 ein Ladenlokal in der Domstraße 12 im Stadtbezirk Altstadt.

Geschichte

Der Gründer des Unternehmens, Otto Reichart, entstammte einer alteingesessenen Kemptener Familie. 1860 war er nach Würzburg gekommen, um im Uhrengeschäft Engelke am oberen Markt neben der Engel-Apotheke seine Kenntnisse zu erweitern. Bereits 1864 hatte er es in eigener Regie übernommen, ausgebaut und 1896 in die Martinstraße neben das Kaufhaus Seisser verlegt. Acht Jahre später erfolgte der Umzug in die Domstraße 36. Im Jahre 1907 verkaufte Otto Reichart das Geschäft an Georg Müller und dessen Frau Paula Müller, geborene Schilling.

Georg Müller, geboren am 13. Oktober 1881 in Fleischwangen in Oberschwaben, stammte aus einer schwäbischen Gastwirtsfamilie und war bis 1906 im Uhrengeschäft seines späteren Schwiegervaters Thomas Schilling in Biberach an der Riß tätig gewesen. Von dort war er dann - zunächst allein - nach Würzburg gekommen, um in der Gold- und Juwelierbranche Erfahrungen zu sammeln. Aus diesem Grund fing er bei der Firma Reichart an, die in ihm einen willkommenen Nachfolger sah. Nach der Hochzeit mit Paula Schilling wurde im Jahre 1907 das Geschäft für 75.000 Goldmark käuflich erworben. Bei der Geschäftsübernahme wurde für die Beibehaltung des Firmennamens Otto Reichart eine Abschlagsumme bezahlt. Die Firma hieß somit von 1907 an Otto Reichart, Inhaber Georg Müller. Das Anwesen, damals auch Platen-Haus genannt, bestand früher aus drei Häusern. Außer dem Uhrengeschäft war auch noch ein Bankgeschäft Hanauer in dem Haus ansässig. 1912 kaufte Georg Müller das gesamte Anwesen.

Den guten Anfangsjahren der Firma folgte der Erste Weltkrieg, bei dem auch Georg Müller zum Militär einrücken musste, wenn auch nur für kurze Zeit, da er ein Hüftleiden hatte. Nach den schweren Jahren der Inflation wurde das Fachgeschäft durch kluge und sparsame Geschäftsführung, aber auch durch das vielseitige Können Müllers, bald weithin bekannt. Nachdem Otto Reichart gestorben war, kümmerte sich die Familie Müller aufopfernd um die Witwe Therese Reichart, weshalb sie als Dank einer Namensfusion Müller-Reichart zustimmte. Diese war notwendig geworden, um Verwechslungen zu meiden, da alleine in der Domstraße vier Georg Müller wohnten.

Der angesehene Geschäftsmann verstand es durch große Sparsamkeit insgesamt vier Grundstücke zu erwerben und ein ansehliches Vermögen zu bilden. Leider wurden beim Bombenangriff auf Würzburg am 16. März 1945 alle seine Häuser zerstört. Georg Müller ließ sich aber nicht entmutigen. Bereits im Jahre 1946 fing er wieder an, und zwar in der Huttenstraße 16 und dann in der Eichendorffstraße 2 sein Geschäft wieder aufzubauen. Sohn Albert, der drei Jahre nach Kriegsende aus der französischen Kriegsgefangenschaft zurückkehrte, half dem 68jährigen Vater beim Wiederaufbau des Geschäftes und der Häuser.

Im Jahre 1948 wurde, genehmigt und befürwortet durch die damals noch lebende letzte Namensträgerin Therese Reichart der Doppelname Müller-Reichart laut Regierungsbeschluss angenommen. Die ganze Familie, einschließlich Frau Paula Müller-Reichart und Tochter Marga, setzte ihre Kraft für den Wiederaufbau an alter Stelle ein, und so konnte bereits am 1. Dezember 1948 in einem eingeschossig errichteten Neubau in der Domstraße eröffnet werden. Es wurde 1949 fertiggestellt und 1960 modernisiert.

Das Jubiläum des hundertjährigen Bestehens der Firma im Jahre 1964 konnte der Seniorchef nicht mehr erleben. Er starb am 11. März 1963 und fand seine letzte Ruhestätte auf dem Würzburger Hauptfriedhof. Albert Müller-Reichart führte von nun an als Komplementär der Firma zusammen mit seiner Mutter Paula Müller-Reichart das Geschäft weiter, unterstützt von der Juniorchefin Gisela Müller-Reichart. Im Jahr 1992 übernahm Prof. Dr. Matthias Müller-Reichart das Juweliergeschäft und führt es heute, aufgrund seiner wissenschaftlichen sowie internationalen Beratungstätigkeit, als Internet-Juwelier fort.

Heutige Nutzung

Seit dem 1. Februar 2005 ist das Ladenlokal der Firma Juwelier Reichart an Juwelier Scheuble vermietet.

Siehe auch

Quellen und Literatur

  • Main-Post: „Seit hundert Jahren im Dienste der Kunden“ (13. November 1965) (Stadtarchiv Würzburg, Mappe „Domstraße“)
  • Thomas Memminger: Würzburgs Straßen und Bauten. 3. Auflage, Gebrüder Memminger Verlagsbuchhandlung, Würzburg 1923, S. 109
  • Fränkischer Kurier: „Würzburger Nachrichten: Das Haus zum goldenen Hirschen.“ (23. Juni 1940) [1] (Stadtarchiv Würzburg, Mappe „Domstraße“)

Weblinks

Einzelnachweise und Hinweise

  1. Nähere Informationen zum Fränkischen Kurier auf den Internetseiten des Historischen Lexikons Bayerns [1].

Kartenausschnitt

Standort des Ladenlokals bis 2005
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