Joseph Adam Gustav Hergenröther

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Joseph Kardinal Hergenröther

Prälat Prof. Dr. Joseph Adam Gustav Hergenröther, später Joseph Kardinal Hergenröther (* 15. September 1824 in Würzburg; † 3. Oktober 1890 in der Abtei Mehrerau/Vorarlberg) war Jesuitenpater, katholischer Kirchenhistoriker und Kurienkardinal.

Familiäre Zusammenhänge[Bearbeiten]

Sein Vater war der Professor für Gerichtsmedizin Johann Jakob Hergenröther, sein jüngerer Bruder Philipp Hergenröther, der gleichfalls Theologieprofessor war.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Von 1838 an bereitete ihn sein damaliger Pfarrer auf den Besuch des Gymnasiums in Würzburg vor, wo er 1842 sein Abiturzeugnis erhält. Bis 1844 studierte er an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg Philosophie und anschließend Theologie am Collegium Germanicum in Rom. Bedingt durch die revolutionären Unruhen in Italien konnte er seine Studien in Rom nicht beenden, aber er empfing dort am 28. März 1848 die Priesterweihe für das Bistum Würzburg.

Zurückgekehrt nach Marktheidenfeld, war Hergenröther als Priester in der dortigen Pfarrei und ab 1849 auch als Kaplan in Zellingen tätig. Im Mai 1850 setzte er seine Studien an der Universität München fort. Im Juli wurde Hergenröther zum Doktor der Theologie bei Ignaz Döllinger promoviert, habilitierte sich 1851 und bekam daraufhin eine Stelle als Privatdozent in München.

Theologieprofessor in Würzburg[Bearbeiten]

1852 wird Hergenröther erst außerordentlicher, ab 1855 dann ordentlicher Professor für Kirchenrecht und Kirchengeschichte an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Würzburg, wo er bis zu seiner Ernennung zum Kardinal blieb. 1868 wird er Fakultätsdekan und gemeinsam mit Franz von Hettinger nach Rom berufen, um als Konsultator das Erste Vatikanische Konzil mit vorzubereiten.

Forschungsgebiete[Bearbeiten]

Hergenröthers Forschungen machten ihn in Deutschland bald bekannt. Schwerpunkte seiner Arbeit waren das frühe Christentum und die Kirchengeschichte von Byzanz. Außer vielen historischen und kanonistischen Abhandlungen in Fachzeitschriften veröffentlichte Hergenröther sein berühmtes Hauptwerk Photius, Patriarch von Konstantinopel.

Hergenröther gehörte entschiedenen Vertretern der Unfehlbarkeit des Papstes in Fragen über Glaube und Sitten. 1868 wurde er zum Konsultor zur Vorbereitung des Ersten Vatikanischen Konzils nach Rom berufen. Auf dem Konzil (1869/1870) wurde das Unfehlbarkeitsdogma definiert.

Während des Kulturkampfes verteidigte Hergenröther die römisch-katholische Position gegen zahlreiche Kritiker, u.a. mit seinem 1872 veröffentlichten Werk Katholische Kirche und christlicher Staat. 1876 bis 1880 erschien sein dreibändiges Handbuch der allgemeinen Kirchengeschichte, das als Standardtext in der Priesterausbildung Verwendung fand. Von 1877 bis 1879 übernahm er die Herausgeberschaft eines deutschen Kirchenlexikons.

Kurienkardinal in Rom[Bearbeiten]

Am 9. Juni 1879 wurde Kardinal Hergenröther eine besondere Aufgabe zugewiesen, indem er zum Kardinalpräfekten des Vatikanisches Geheimarchivs ernannt wurde. In dieser Funktion wurde ihm die heikle Aufgabe gestellt, das Geheimarchiv im Jahr 1881 - erstmals seit seiner Gründung - der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Mit der Öffnung des Archivs für die Wissenschaft und den dadurch gegebenen Nutzungsmöglichkeiten erwarb sich der Kardinal allgemeine Anerkennung.

Publikationen[Bearbeiten]

Auch als Kardinal setzte Hergenröther die wissenschaftliche Arbeit fort. 1884-85 erschien der erste Band der Regesten von Papst Leo X. (1513-1521), die Franz Hergenröther nach dem Tod seines Bruders 1891 mit einem Teil des zweiten Bandes fortsetzte. 1887 und 1890 erschienen die von Josef Hergenröther herausgegebenen Bände VIII und IX der Konziliengeschichte.

Ehrungen und Auszeichnungen[Bearbeiten]

Mitgliedschaft[Bearbeiten]

Als Professor in Würzburg war Hergenröther aktives Ehrenmitglied der Studentenverbindungen K.St.V. Walhalla Würzburg im KV und K.D.St.V. Markomannia Würzburg im CV. 1879 wurde er auch Mitglied im wissenschaftlichen katholischen Studentenverein Unitas-Hetania Würzburg.

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  • Ludwig K. Walter: Biogramme zum Lehrpersonal der Theologischen Fakultät Würzburg. II. 2., Alphabetisches Register der Dozenten, S. 67 f.
  • Alfred Wendehorst: Hergenröther, Joseph Adam Gustav. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 8, Duncker & Humblot, Berlin 1969, S. 609, ISBN 3-428-00189-3

Weblinks[Bearbeiten]

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