DenkOrt Deportationen Sommerhausen

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DenkOrt Deportationen im Garten der ehemaligen Synagoge in Sommerhausen

Der DenkOrt Deportationen Sommerhausen erinnert an die vertriebenen und ermordeten Jüdinnen und Juden der Marktgemeinde Sommerhausen.

Lage und Beschreibung

Die Rucksäcke aus Ton wurden von Heidrun Traube für Sommerhausen gestaltet. Einer davon befindet sich in Würzburg und bildet zusammen mit denen anderer Kommunen den DenkOrt Deportationen 1941-1944 vor dem Hauptbahnhof Würzburg, der andere hat seinen Platz 2020 im Garten vor der ehemaligen Synagoge in der Casparigasse gefunden.

Bildergalerie

Geschichte

Bei der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 lebten in Sommerhausen 23 jüdische Bürgerinnen und Bürger. Einzelbelege weisen schon auf erste jüdische Bewohner des Ortes im 16. und 17. Jahrhundert hin. Die ältesten Nachweise gehen zurück bis ins Jahr 1532, als im Schuldschein eines Würzburger Juden „Samvuel und Abraham zu Sumerhausen“ als Gläubiger genannt werden. Als Juden 1559 aus Würzburg vertrieben wurden, nutzten die Grafen von Limpurg-Speckfeld die Gelegenheit und gewährten den Verfolgten gegen eine regelmäßige Geldzahlung Schutz und Wohnrecht. Am Ende des 17. Jahrhunderts festigten sich die Bedingungen für jüdisches Leben, drei Juden erhielten eine Konzession als Schlachter. 1705 wird in den Ratsakten vom Abriss der Synagoge berichtet, nachdem der Schutzherr Eberhard von Limpurg-Speckfeld verstorben war. Ein Sohn von Eberhards Witwe aus zweiter Ehe stellte später den Schutzstatus wieder her und erlaubte 1749 gegen den Widerstand der Kirche den Bau einer neuen Synagoge. Das zeigt auf, dass die Geschichte der Juden in Sommerhausen eng mit der Geschichte des Grafenhauses verbunden war. 1816/17 zählte man 105 Bewohner in 21 Haushalten, nach 1861 erfolgte der Rückgang der Bevölkerungszahl durch Abwanderung. Im Jahr 1900 lebten noch 59 Jüdinnen und Juden in dem Winzerort. Viele von ihnen handelten mit Wein.

Die Repressionen des NS-Systems und die Wirtschaftsboykotte trafen auch die Sommerhäuser Juden. Sie warteten jedoch zunächst ab. Zwischen 1936 und 1939 flohen neun Bürgerinnen und Bürger Sommerhausens ins Ausland, davon eine Frau in die USA, drei Personen nach Mexiko und fünf in die Niederlande. Diese fünf Menschen wurden 1943 von dort deportiert. Acht Personen zogen in andere deutsche Städte um, von wo zwei später deportiert wurden. Zwei weiteren gelang nach ihrem Wegzug die Emigration ins Ausland. Sieben Menschen starben in Sommerhausen (3) bzw. an ihren neuen Wohnorten (4). Obwohl sich die jüdische Gemeinde im Juli 1938 bereits aufgelöst hatte und die Synagoge den örtlichen Bauern als Getreidespeicher diente, wurde sie in der Pogromnacht zum 10. November 1938 auf Befehl der NSDAP demoliert ebenso wie Geschäfte und Wohnungen der letzten Juden am Ort. Ab 1939 waren noch vier Personen übrig. Einem Mann gelang im Januar 1941 eine späte Emigration in die USA, bevor dann im Februar zwei Frauen den Ort verließen und in Würzburg in eines der Sammelquartiere ziehen mussten. Die vierte war mit einem Nichtjuden verheiratet und starb Anfang 1942.

Zwei jüdische Bürgerinnen, die 1933 in Sommerhausen gelebt hatten, wurden aus Unterfranken deportiert. Weitere zwei Personen ereilte dieses Schicksal an ihren Zufluchtsorten in Deutschland und fünf in den Niederlanden. Insgesamt wurden also neun Menschen deportiert, von denen niemand überlebte. Ein Mann beging aufgrund des Verfolgungsdrucks Suizid.

Siehe auch

Quellen

Weblinks

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