Evangelisch-Lutherische Kirche (Reichenberg)

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Evangelisch-Lutherische Kirche mit Rathaus in Reichenberg
Nordansicht der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Reichenberg
Ostseite der Reichenberger Kirche

Die Evangelisch-Lutherische Kirche Reichenberg ist eine Evangelisch-Lutherische Pfarrei im Evangelisch-Lutherischen Dekanatsbezirk Würzburg im Kirchenkreis Ansbach-Würzburg.

Lage[Bearbeiten]

Das Evangelisch-Lutherische Kirchengebäude in Reichenberg liegt in der Ortsmitte am Rathausplatz unterhalb von Schloss Reichenberg. Den Bauplatz am Fuße des Schlossberges stellte die Patronatsfamilie der Freiherrn Wolffskeel von Reichenberg am Anfang des 18. Jahrhunderts zur Verfügung. Der zur damals noch nicht bewaldeten Bergseite sitzende Turm zeigt die schöne Seite des Kirchenbaues seinem Erbauer Johann Bleickard Wolffskeel von Reichenberg (1683-1741), kaiserlich wirklicher Rat, kurmainzischer Kammerherr und ältester Ritter des Kantons Odenwald.

Baugeschichte[Bearbeiten]

Über die Erbauung des kleinen Saalbaus mit seinem Kuppeldachreiter gibt die in Stein gemeißelte und über dem Haupteingang eingemauerte Inschrift unter dem Wolffskeelschen steinernen Reliefwappen aus dem Jahre 1733 Auskunft.

Der Kirchenbau ist nicht exakt ausgerichtet, sondern seine Achse verläuft etwa nach Ost-Nord-Ost. Die Kirche hat insgesamt vier Eingänge; der Haupteingang besteht aus einem schlichten Portal, zu dem eine zweiseitige Treppe von Rathausplatz her heraufführt.

Einen besonderen Chorraum gibt es nicht. Auch dies ist neben der Anordnung von Altar, Kanzel und Taufstein in einer Achse ein Zeichen, dass die Kirche von vornherein als evangelisch-lutherische Kirche geplant war. Eine Trennung zwischen Klerus und Laien gibt es nicht.

Der Turm ist ein Kuppeldachreiter, der aus dem Dachfirst der Ostseite vor dem Abfall des Daches zur Sakristei sitzt und bis zur Spitze eine Höhe von 26 Metern hat. Er ist mit Schiefer gedeckt, hat eine barocke Haube sowie eine Spitze mit kupfernem Turmknopf und einer Wetterfahne aus Messing.

Eine gründliche Erneuerung der Kirche erfolgte vom August bis Oktober 1901. Im Jahre 1911 musste die Kirchendecke, von der ein großer Teil schadhaft geworden war, erneuert werden. Die einzige umfassende Renovierung der Kirche samt Einrichtung erfolgte unter Einschaltung des Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege 1961 außen und 1962 innen.

Baubeschreibung[Bearbeiten]

Innenraum[Bearbeiten]

Altar[Bearbeiten]

Die Kirche besitzt seit Anfang an einen Retabelkanzelaltar (Retabel = Altaraufsatz). Das Retabel besteht aus zwei gewundenen korinthischen Säulen auf hohen Podesten. Seitlich der Säulen hängen durchbrochen geschnitzte breite Akanthuswangen. Auf Kämpfern sitzen Deckelvasen. Das Altarbild von Joseph Anton Glatschnigg aus dem Jahre 1733 stellt Jesus und die Jünger beim Heiligen Abendmahl dar. Es wurde anlässlich der Innenrenovierung 1962 von Rudolf Pracher fachmännisch gereinigt und restauriert.

Kanzel[Bearbeiten]

Die Kanzel ist als Ausbuchtung der Emporenbrüstung über dem Altar auf vieleckiger Grundfläche gestaltet. Die gerahmten Felder der Kanzelbrüstung tragen geschnitztes, vergoldetes Bandelwerk. Die konkav herabgezogene Konsole endet in einem Zapfen.

Orgel[Bearbeiten]

Das Orgelprospekt ist fünfteilig mit drei Türmen und breiten geschnitzten, vergoldeten Wangen und ebensolchem Zwischendekor, gekrönt von reichdekorierten Wapppen des Stifterehepaares auf den beiden Außentürmen. Auf der linken Seite das Wolffskeelsche Wappen, den schwarzen Mann auf goldenem Grund mit den drei nach links gehaltenen Rosen, das für Johann Bleickard Wolffskeel steht. Die Wappen seiner Eltern befinden sich kleiner darüber, wieder das Wolffskeelsche für seinen Vater Johann Christoph jun. und das Familienwappen derer von Helmstadt, eine Krähe, für seine Mutter Eva Margarethe von Helmstadt. Auf dem rechten Turm ist groß das Familienwappen derer von Truchseß zu Pommersfelden zu erkennen, ein blauer mit der Freiherrnkrone gekrönter Löwe auf silbernem Grund mit zwei roten Querbalken. Es steht für Johann Bleickards Ehefrau, Martha Sophia geborene Freiin von Truchseß zu Pommersfelden, mit der er sich 1705 vermählt hatte. Die kleineren Wappen ihrer Eltern sind darüber gesetzt. Auf dem erhöhten Mittelturm trägt die reichverzierte silberne Kartusche die Inschrift „EHRE SEI GOTT IN DER HÖHE 1733“.

Das im Baujahr der Kirche 1733 von dem Schweinfurter Orgelbauer Johann Rudolph Voit errichtete Orgelwerk mit Sitz hinter der Orgel wurde 1870 repariert. 1902 wurde nach der Renovierung der Kirche hinter dem alten Prospekt ein neues Werk der Firma Steinmeyer/Öttingen mit Sitz an der Seite installiert. Bei der Renovierung 1962 wurde die Orgel mit einem elektrischen Motor für den Blasebalg, der bis dahin durch Fußbetrieb gebläht wurde, ausgerüstet. Eine gründliche Erneuerung des Orgelwerks hinter dem alten Prospekt erfolgte im Sommer 1978 durch die Firma Gebrüder Mann aus Marktbreit.

Taufstein[Bearbeiten]

Der Taufstein, der seinen Platz im Altarraum in der Mittelachse der Kirche die vom Mittelgang auf den Retabelkanzelaltar mit dem Orgelprospekt zuführt hat, ist achteckig aus einem Stück mit hohem Fuß aus Sandstein gearbeitet. In einer Vertiefung in der Oberfläche liegt eingepasst die versilberte flache Taufschale, die die Umschrift trägt „Lasset die Kindlein zu mir kommen und wehret ihnen nicht denn solcher ist das Reich Gottes“. Auf der Innenfläche ist eine Taube im Strahlenkranz als Hinweis auf den Heiligen Geist. In der Taufschale ist eine Widmung eingraviert, die Aufschluss über ihr Alter gibt: „Gestiftet von Alfred Freiherr von Wolffskeel-Reichenberg und seiner Gemahlin Isabella Freifrau von Wolffskeel-Reichenberg, geb. Freiin von Dungern-Dehrn.“ Da Alfred Freiherr von Wolffskeel-Reichenberg (* 1851 in Würzburg) Isabella von Dungern-Dehrn am 15. Juli 1886 geheiratet hat, selbst aber bereits 1896 in Reichenberg gestorben ist, ist der Stiftungstermin auf diese zehn Jahre beschränkt.

Der hölzerne Deckel des Taufsteins ist ebenfalls achteckig und in der Farbe des Gestühls gehalten. Auf seiner ansteigenden Mitte sitzt vergoldet eine geschnitzte Taube auf der Weltkugel, wiederum ein Sinnbild für den Heiligen Geist.

Seelsorgsgebiet[Bearbeiten]

Bevor ab 1803 protestantische Kirchen in Würzburg entstanden, kamen auch evangelische Würzburger zum Gottesdienst, zu Trauungen und kirchlichen Beerdigungen dorthin (oder nach Sommerhausen). [1]

Die Reichenberger Kirche und das angrenzende Gemeindezentrum sind heute für die evangelischen Christen der Marktgemeinde Reichenberg zuständig.

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen und Literatur[Bearbeiten]

  • Evang.-Luth. Kirchengemeinde Reichenberg (Hrsg.): 275 Jahre Evang.-Luth. Kirche Reichenberg. Festschrift. Reichenberg 2008
  • Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, Baudenkmäler in Reichenberg, Nr. D-6-79-176-4

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Paul Rieger: Wegen Heirat in Sommerhausen der Stadt verwiesen. Evangelische Kirchen in Würzburg - Aus Wille und Glauben wuchsen neue Gemeinden. In: 15 Jahrhunderte Würzburg. Hrsg. v. Heinz Otremba, Echter Verlag, Würzburg 1979, S. 231-236; S. 231 f.

Kartenausschnitt[Bearbeiten]

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