Beweinung Christi (Maidbronn)

Aus WürzburgWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Altarraum mit der „Beweinung Christ“ in St. Afra in Maidbronn
Altar „Beweinung Christ“
Relief „Beweinung Christ“

Die Beweinung Christi ist ein spätgotischer Altar des Bildhauers Tilman Riemenschneider aus der Zeit um 1523.

Standort[Bearbeiten]

Der Riemenschneider-Altar steht in der katholischen Kuratiekirche St. Afra im Rimparer Ortsteil Maidbronn.

Entstehung und ursprüngliche Bestimmung[Bearbeiten]

Der Altar wurde zwischen 1523 und 1526 geschaffen. Justus Bier [1] datiert den Altar nach einem Steinmetzzeichen am Grabdenkmal von Lorenz von Bibra in diese Entstehungszeit. Außer der Rechnung des Klosters Maidbronn sind Dokumente hierzu nicht bekannt. Alfons Arnold spekulierte, dass der Altar in die Ritterkapelle gepasst hätte und leitet daraus ab, dass der Altar wahrscheinlich ursprünglich gar nicht für Maidbronn vorgesehen war, sondern als Votivbild oder Epitaph für die Grablege der Familie Grumbach in Rimpar. Es ist auch wenig wahrscheinlich, dass die Maidbronner Klosterfrauen, die noch 1519 wegen der bedrohlichen inneren und äußeren Verhältnisse ihres Klosters eine Geldstiftung des Fürstbischofs erwirkten, sich bald darauf ein so umfängliches und sehr teures Werk bei Riemenschneider bestellen konnten. In den Rechnungen des Klosters erscheint 1526 eine Ausgabe über elf Gulden „an Meyster Dyln (= Til) für eine schöne steinerne figur“, die sich auf einen anderen Auftrag bezieht. [2] [3] Das war eine den Verhältnissen des Klosters angemessene Ausgabe für ein nicht mehr bekanntes Werk.

1525 wurden Kirche und Kloster schwer beschädigt, weshalb sich die Grumbachsche Herrschaft entschlossen haben mag, das Beweinungsbild den bedürftigen Nonnen für einen neuen Hochaltar zu schenken. Auf dieses Ereignis nimmt auch die Inschrift in der Predella (siehe Abschnitt „Beschreibung des Altars“) Bezug.

Beschreibung des Altars[Bearbeiten]

In der Kirche, einem einschiffigen Bau mit geradem Chor, befindet sich auf dem Hochaltar, inmitten eines später hinzugefügten barocken Aufbaues samt Rahmen, ein großes Relief aus grauem Sandstein. [4] Dargestellt ist eine Beweinung, die Klage der Mutter um den toten Sohn. Max H. von Freeden schrieb 1947: „Diese Beweinung in der stillen Kirche in Maidbronn ist ihrem Wesen nach ein wirklich letztes Werk, nicht nur des Meisters Tilman Riemenschneider, sondern auch der Zeit. Es ist durch eine vorher und nachher nicht wieder erreichte Innerlichkeit und Größe des Gefühls beseelt.“ [5]

Maria beweint ihren toten Sohn Jesus. Johannes, „der Jünger, den Jesus liebte“, sützt sie. Joseph von Arimatäa, ein jüdischer Ratsherr und Sympathisant Jesus, der den Leichnam des hingerichteten Jesus vom römischen Statthalter Pontius Pilatus erbeten hat und ihn bestatten will (Mk 15,43), hält den Leichnam. Unter dem mittleren Kreuz hat Riemenschneider sich selbst dargestellt: im Ratsherrn Nikodemus, ebenfalls ein Anhänger Jesu, der einst nachts ein Gespräch mit Jesus geführt hat (Joh 3,1-13) und auf dem Relief ein Salbölgefäß trägt. Links nach außen gewendet ist Salome zu sehen, rechts abgewandt Maria von Magdala, die von Jesus geheilt wurde (Lk 8,2) und später eine wichtige Auferstehungszeugin sein wird (Joh 20,11-18). Beide gehören zu den Frauen, die Jesus nachfolgten (Mk 15,40). Der bärtige Alte hinten rechts könnte Simon von Cyrene sein, der Jesus das Kreuz tragen half (Mk 15,21).

Das Relief der Predella [6] unterhalb der „Beweinung“ gehört kaum zur Altartafel, auch wenn das häufig so dargestellt wird. Allerdings wird auch nicht erklärt, wieso zeitgleich im Bauernkrieg eine Predella mit dieser Inschrift für einen anderen Zweck als den erklärten/beschriebenen erstellt worden sein soll. In der Inschrift wird das Fazit der politisch bewegten Jahre des deutschen Bauernkriegs gezogen:

„Im Jahre des Herrn 1525 haben die Bauern Ostfrankens, dem wahren Glauben entfremdet, diesen Ort … ärger als Feinde mit Raub, Mord und Brand verwüstet. Nachdem sie endlich durch Waffengewalt besiegt waren und der Sturm gestillt war, wurde dieser Altar zu Ehren der glorreichsten Gottesgebärerin und der Heiligen Kilian und seiner Gefährten im darauffolgenden Jahr errichtet.“

Die Predella gehört damit zu einem Denkmal des Sieges über die Bauern, aber nach dieser Spekulation eben aus einem anderen Zusammenhang. Die Inschrift bezieht sich auch nicht auf eine Beweinung, sondern auf einen Madonnenaltar mit dem Heiligen Kilian und seinen Gefährten – diese sind hier gar nicht dargestellt. Dass hiermit auf ein mögliches Patrozinium Bezug genommen wird, wird hierbei bisher leider nicht erwähnt.

Im 17. Jahrhundert wurde das Maidbronner Retabel in einen barocken Altaraufsatz aus Stein eingebaut und es wurden die beiden Seitenfiguren des Petrus und Paulus hinzugefügt.

Nach den Wirrnissen des Bauernkriegs verfiel Maidbronn und das Kloster in einen Dornröschenschlaf. Davon berichtet der Visitator im Jahre 1613:

„Auff dem hohen altar, ligt ein portatile, in eine grosse steine taffel gehauen sepultura christi ohn gemalt. De patronis templi et altarium nihil explorare potui. Auff den andern zweien altarien stehen altte, verfallene ohntaugliche taffeln.“ [7]

Der geschilderte Zustand der Maidbronner Kirche schließt kürzlich vorgenommene Veränderungen aus. Von den Kirchen- und Altarpatronen konnte/vermochte (der Visitator im Jahr 1613) nichts erforschen/erfahren. Diese Unsicherheit bezüglich des Patroziniums lässt auf längere Vernachlässigung schließen, was nach den Verheerungen des Bauernkriegs 1525 und der Aufhebung des Klosters 1581 auch nicht verwunderlich ist.

Während andernorts Kirchen im Zuge der Renaissance aufwändig renoviert wurden, hielten Maidbronn und seine Bürger, in den Worten des ehemaligen Bürgermeisters Felix Brand „in schlichter Bescheidenheit … an ihrem kargen Besitz fest, der ihnen mehr als eine Bleibe bot.“

Später, in der Folge der Liturgiereform nach dem Zweiten Vatikanisches Konzil, wurde der Altarbereich durch den Bildhauer Heinrich Gerhard Bücker gemeinsam mit Bischof Paul-Werner Scheele neu gestaltet. Die Öffnung zur Welt wurde somit auch im Kirchenraum greifbar, und doch blieb die Wirkung des Riemenschneider-Altars bestehen.

Bedeutung[Bearbeiten]

Der Beweinungsgruppe in Maidbronn wird in der Forschung ein hoher Rang als Vertreter eines neuen Bilddenkens zugedacht, das man sonst eigentlich in Italien sucht. Verbindet man mit der Renaissance ein neuzeitliches Bildverständnis, dann ist das Maidbronner Retabel nach Kunsthistoriker Holger Simon nicht das letzte rein gotische Werk Riemenschneiders, sondern es steht am Anfang der neuzeitlichen Kunstproduktion nördlich der Alpen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen und Literatur[Bearbeiten]

  • Max H. von Freeden: Tilman Riemenschneider: Die Beweinung in Maidbronn. Eine Einführung. Gebr. Mann Verlag, Berlin 1947, Nachdruck: Reclam Verlag, Stuttgart 1956
  • Katholische Kirchenstiftung Maidbronn (Hrsg.): Tilman Riemenschneider - Beweinung in Maidbronn. Maidbronn 1981
  • Christian Will, Werner Siegler: Das ist Rimpar - das Arbeiterdorf vor den Toren der Stadt Würzburg. Herausgegeben anläßlich der 25. Wiederkehr der fünffachen Primiz 1953/1978 und nach Vollzug der Gemeindegebietsreform in Bayern am 1. Mai 1978. Kirchenstiftung Rimpar, 1978, S. 206 f.

Hinweise und Erläuterungen[Bearbeiten]

  1. Justus Bier war ein deutsch-amerikanischer Kunsthistoriker. Bekannt ist er vor allem durch seine Forschungen zu Tilman Riemenschneider. Weitere Informationen bei Wikipedia [1].
  2. Würzburg, im Ordinariatsarchiv: „Rechnung des closters Meidbronn uff das XXV jar“, fol. 7 r.
  3. Iris Kalden-Rosenfeld: Tilman Riemenschneider und seine Werkstatt: mit einem Katalog der allgemein als Arbeiten Riemenschneiders und seiner Werkstatt akzeptierten Werke. 4., aktualisierte und erw. Auflage. Langewiesche, Königstein im Taunus 2011, S. 115, 164
  4. Das Altarrelief ist über zwei Meter hoch und mehr als 1,5 Meter breit. Die zehn Figuren der Gruppe sind unterlebensgroß dargestellt und etwa 1,2 bis 1,3 Meter hoch.
  5. Max H. von Freeden: Tilman Riemenschneider: Die Beweinung in Maidbronn. Eine Einführung. Gebr. Mann Verlag, Berlin 1947, Nachdruck: Reclam Verlag, Stuttgart 1956, S. 18
  6. Die Predella (von italienisch für Stufe, Tritt) ist in christlichen Kirchen ein meist hölzerner flacher Sockel auf der Altarmensa, der ein Retabel trägt. Manchmal hatte die kastenartig gebaute Predella zusätzlich die Funktion eines Reliquienschreins.
  7. Quelle: Diözesanarchiv Würzburg, Amt Rimpar, Inventarium 1613, fol. 22r.