Anton Friedrich von Tröltsch

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Professor Anton Friedrich von Tröltsch

Prof. Dr. Anton Friedrich Baron von Tröltsch - auch Anton Friedrich von Troeltsch - (* 3. April 1829 in Schwabach/Mittelfranken; † 9. Januar 1890 in Würzburg) war Facharzt für Ohrenheilkunde und Professor an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg.

Kindheit und Jugend[Bearbeiten]

Anton von Tröltsch entstammte einer in Franken ansässigen Familie, aus der Juristen im bayerischen Staatsdienst hervorgegangen sind. Er war das zehnte Kind des Landrichters und späteren Appellationsgerichtsrats Christian Friedrich Freiherr von Tröltsch (1780–1851) und dessen Frau Susanne, geborene Freiin Haller von Hallerstein († 1840). Wegen der Verdienste eines Vorfahren war die Familie 1790 in den erblichen Freiherrenstand erhoben worden.

Nach Schuljahren in Bamberg und Augsburg legte Tröltsch 1847 in Nürnberg das Abitur ab und studierte zunächst Rechtswissenschaft in Erlangen. Er wurde Mitglied der studentischen Verbindung der „Grauen“ und nahm als deren Vertreter im Revolutionsjahr 1848 am Fest auf der Wartburg teil. Tröltsch studierte, nachdem er 1848 zwei Semester Naturwissenschaften in München belegt hatte, ab 1849 Medizin an der Universität Würzburg, wo er 1853 mit einer Arbeit über die ohne Amputation auskommende chirurgische Behandlung komplizierter Knochenbrüche promoviert wurde.

Ausbildung zum Augen- und Ohrenarzt[Bearbeiten]

Für seinen Einsatz als Arzt während der Choleraepidemie in München 1854 erhielt von Tröltsch ein Stipendium der bayerischen Staatregierung, welches ihm erlaubte, sich von 1854 bis 1855 zunächst augenärztlich in Berlin (bei Albrecht von Graefe) und dann auch ohrenärztlich in Prag (bei Carl Ferdinand von Arlt) weiterzubilden. 1855 hospitierte er in Dublin, Glasgow und London. Dort lernte er bei Joseph Toynbee und William Wilde (1815–1876), dem als Ohren- und Augenarzt tätigen Vater des Dichters Oscar Wilde, die britische Ohrenheilkunde kennen, deren fortgeschrittener Wissensstand ihn beeindruckte und veranlasste, sich diesem Fachgebiet zuzuwenden. Schon bei einem Aufenthalt in Paris im Winter 1855/56 präsentierte er, nachdem 1841 Friedrich Hoffmann einen Ohrenspiegel (Otoskop) erfunden hatte, einen neuen Konkavspiegel (Reflektor) mit zentralem Blickloch zur Untersuchung des äußeren Gehörgangs und des Trommelfells. Im Februar 1858 erläuterte er dann die Vorteile dieses Verfahrens der Physikalisch-Medizinischen Gesellschaft in Würzburg und sein Ohrenspiegel wurde ein weltweit benutztes, nicht mehr aus der Hals-Nasen-Ohrenheilkunde wegzudenkendes Untersuchungsinstrument.

Tröltsch in Würzburg[Bearbeiten]

Am 9. Februar 1857 hatte sich Tröltsch als Augen- und Ohrenarzt in Würzburg niedergelassen. Vor Eröffnung seiner Praxis forschte er noch einige Zeit zur Anatomie des Ohres. Er betrieb in Würzburg auch eine kleine private Augenklinik, die jedoch keine so große Rolle in der Würzburger Medizingeschichte erlangte wie diejenige seines Konkurrenten Robert Ritter von Welz. [1] Als Tröltsch auf Grund seines Rufes als Ohrenspezialist mehr und mehr Ohrenkranke aufsuchten, widmete er sich bald überwiegend den Ohrerkrankungen. Am 8. Oktober 1857 heiratete Tröltsch Auguste Julie Bauer (1833–1908) aus Bamberg. Mit ihr hatte er drei Töchter. Die 1861 geborene zweite Tochter, Clara Aliena Elisabetha, heiratete 1883 seinen Lieblingsschüler Joseph Georg Wagenhäuser.

Professor in Würzburg[Bearbeiten]

Tröltsch habilitierte sich 1861, unterrichte daraufhin als Privatdozent, wurde am 25. Juni 1864 zum außerordentlichen Professor für Otiatrie (Ohrenheilkunde) ernannt und lehrte als solcher bis 1886.

im Deutsch-Französischen Krieg 1870 war Tröltsch freiwillig ärztlicher Begleiter bei Verwundetentransporten.

Im Jahre 1879 eröffnete er eine ohrenheilkundliche Poliklinik und er konnte nun in Räumen der Universitätsklinik (zunächst in der Klinikstraße als Teil der Medizinischen Poliklinik eingerichtet, ab 1884 zusammen mit dieser im Medizinischen Kollegienhaus) zusammen mit einem Assistenten Kranke behandeln und regelmäßig zur praktischen Unterweisung der Studenten heranziehen. Seit 1877 litt Tröltsch an einer fortschreitenden Erkrankung des Nervensystems (Multiple Sklerose oder Parkinsonsche Krankheit) und wurde dadurch zunehmend an der Ausübung seiner Praxis- und Unterrichtstätigkeit gehindert. 1883 übergab er die Leitung der otiatrischen Poliklinik an den, ihn schon zuvor häufiger vertretenden Privatdozenten Wilhelm Kirchner (1849-1935). Seine Privatpraxis musste er 1886 schließen. Er starb, geschwächt durch seine Erkrankung, an Influenza und wurde im Ehrengrab der Universität Würzburg auf der Nordseite des Hauptfriedhofs beigesetzt.

Forschungsgebiete und Publikationen[Bearbeiten]

Anton von Tröltsch gilt als einer der bedeutendsten Ohrenheilkundler seiner Zeit. Er schuf die Grundlagen für die Erforschungen vpn Erkrankungen des Ohres mit naturwissenschaftlicher Methodik und ermöglichte, dass die Ohrenheilkunde als eigenständiges operatives Fach anerkannt wurde. Zusammen mit dem mehr chirurgisch tätigen Hermann Schwartze in Halle (Saale) und dem für die Entwicklung neuer therapeutischer Methoden bekannten Adam Politzer in Wien gehört Tröltsch zu den Begründern der modernen Ohrenheilkunde im deutschsprachigen Raum. [2]

Tröltschs Lehr- und Publikationstätigkeit war von großem Einfluss auf die weitere Entwicklung des Fachgebiets, insbesondere sein in Würzburg 1862 fertiggestelltes und in Leipzig herausgegebenes, den Wissensstand seiner Zeit zusammenfassendes Lehrbuch der Ohrenheilkunde („Die Krankheiten des Ohres“) und die Mitbegründung und Mitherausgeberschaft, zusammen mit Schwartze und Politzer, der Fachzeitschrift „Archiv für Ohrenheilkunde“ trugen dazu bei. 1883 verfasste er, in Leipzig herausgegebene „Gesammelte Beiträge zur pathologischen Anatomie des Ohres und zur Geschichte der Ohrenheilkunde“. Mehrere Hochschullehrer und Begründer von Universitäts-Ohrenkliniken sind Tröltschs Schüler gewesen, darunter Friedrich Bezold in München, Kurd Bürkner in Göttingen, Abraham Kuhn in Straßburg, Dagobert Schwabach in Berlin, Josef Georg Wagenhäuser in Tübingen und sein Nachfolger in Würzburg Wilhelm Kirchner.

Namensgeber/Posthume Würdigung[Bearbeiten]

  • Nach Tröltsch sind zwei taschenartige anatomische Strukturen am Trommelfell benannt, die „Tröltsch'schen Taschen“. Auch eine knieförmige Hakenpinzette, die der Mediziner für Eingriffe im äußeren Gehörgang entwickelte, trägt seinen Namen. Sie wird bis heute unverändert hergestellt.
  • Nach Professor von Tröltsch wurde die Tröltschstraße in Würzburg benannt.

Anton-von-Tröltsch-Preis[Bearbeiten]

Die Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde vergibt alljährlich den mit 8.000 Euro dotierten Anton-von-Tröltsch-Preis für herausragende wissenschaftliche Leistungen im HNO-Bereich. [3]

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen und Literatur[Bearbeiten]

  • Barbara I. Tshisuaka: Tröltsch, Anton Friedrich Baron von, in: Enzyklopädie Medizingeschichte, hrsg. von Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil und Wolfgang Wegner, Walter de Gruyter, Berlin und New York 2005, S. 1420 f.
  • Ruthard Baudach: Anton Friedrich Freiherr von Tröltsch, Begründer der modernen Ohrenheilkunde auf dem europäischen Festland, medizinische Dissertation Würzburg 1998, Verlag Königshausen & Neumann GmbH, Würzburg 1999 (= Würzburger medizinhistorische Forschungen, 67) - ISBN 3-8260-1733-1 (darin abgedruckt: Handschriftlicher Lebenslauf)
  • Julius Leopold Page: Troeltsch, Anton Friedrich Freiherr von, in: Allgemeine Deutsche Biographie, hrsg. von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 38 (1894), S. 636, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Troeltsch,_Anton_Friedrich_Freiherr_von&oldid=2223911 (Version vom 9. Februar 2015, 18:51 Uhr UTC)
  • Christian von Deuster: Aus den Anfängen der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde in Würzburg, in: Vierhundert Jahre Universität Würzburg. Eine Festschrift, hrsg. von Peter Baumgart, Verlag Degener & Co., Neustadt an der Aisch 1982, S. 871-890, S. 878-880
  • Max Buchner: Aus der Vergangenheit der Universität Würzburg. Festschrift Zum 350 jährigen Bestehen der Universität, Julius Springer Verlag, Berlin 1932, S. 721 f.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Rita Stauber: Robert Ritter von Welz, medizinische Dissertation, Würzburg 1983, S. 36 f.
  2. D. G. Pappas: Anton Friedrich von Tröltsch: The beginning of otology in Germany, Nose & Throat Journal 75 (1996), S. 650 f.
  3. Anton-von-Tröltsch-Preis der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde (hno.org); abgerufen am 9. Juni 2013


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