Strafarbeitshaus

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Strafarbeitshaus, Aufriss 1818
Strafarbeitshaus, Ruine 1952

Das Strafarbeitshaus im Stadtbezirk Altstadt wurde in den Jahren von 1690 bis 1696 nach den Plänen von Antonio Petrini errichtet.

Geschichte[Bearbeiten]

Fürstbischof Johann Gottfried von Guttenberg ließ das „Zucht- und Arbeitshaus“ Ende des 17. Jahrhunderts in unmittelbarer Nachbarschaft zum Juliusspital nach den Plänen von Antonio Petrini errichten. Auf Anordnung der fürstbischöflichen Regierung von Johann Philipp von Greiffenclau durften ab 1715 Verliese in den Türmen und unterirdischen Gefängnissen nicht mehr benutzt werden, weshalb das Strafarbeitshaus bereits 1731 erweitert wurde.

Ursprünglich war das Gebäude für arbeitswillige Arme gedacht, die sonst betteln müssten, und gleichzeitig für Personen, die nicht nur wegen Bettelei meist für kürzere Zeit inhaftiert werden sollten. Die Aufsicht über das Haus, das fast immer finanziell auf sehr wackligen Füßen stand, wurde am 1. August 1780 unter der Regierung des Fürstbischofs Franz Ludwig von Erthal von Herrn Quanti übernommen, der das Fabrikvermögen in der Regierungszeit Franz Ludwigs beachtlich steigern konnte. Durch das Spinnen von Baumwollgarn und Flachs wurde vor allem für Frauen Arbeit geschaffen. Franz Ludwig ließ das Arbeitshaus ausbauen und nach dem obrigkeitlichen Moralverständnis (in) hieracharisch gegliederte Klassen organisieren. Die Klassen 1 bis 3 umfassten freiwillige Arbeiter, im Zwangssaal mussten als Klasse 4 ertappte Bettler und Menschen mit moralischen Mängeln arbeiten, sie wurden nachts eingesperrt.

Bald wurden auch schwere Verbrecher in das Strafarbeitshaus verbracht, was zu unhaltbaren Zuständen führte, weshalb Franz Ludwig von Erthal 1782 die räumliche Trennung von „Züchtlingen“ und „unverbesserlichen Verbrechern“ beschloss. Durch die räumliche und organisatorische Trennung von Zucht- und Arbeitshaus, d.h. von Armen (und ertappten Bettlern) und Sträflingen, wollte Franz Ludwig den arbeitsfähigen Armen die Ausflüchten nehmen, als wenn sie keine Gelegenheit zu einem Verdienste hätten.

1787 wurde der ursprünglich von Fürstbischof Adam Friedrich von Seinsheim als „Kaserne der fürstbischöflichen Leibgarde zu Pferde“ gedachte Bau in der Burkarderstraße zum Zuchthaus „für Missethäter beyderley Geschlechts“ umgebaut, war also „einzig und allein für schwere Verbrecher“ bestimmt. Die Einrichtung des Zuchthauses am Burkarder Tor wurde von einigen Domherren als zu streng empfunden, diese Meinung scheint Franz Ludwig nicht geteilt zu haben. Das Strafarbeitshaus in der Juliuspromenade beherbergte nun nur noch „weibliche Sträflinge protestantischer und jüdischer Religion“.

Infolge eines zugunsten des Juliusspitals entschiedenen Rechtsstreites zwischen diesem und dem Staat über den Besitz des Hauses wurde das Strafarbeitshaus aufgelassen, die Sträflinge in das Zuchthaus im Mainviertel verlegt und das Haus 1857 von der Stadt Würzburg erworben. 1865 wurde es zum Schulhaus umgebaut.

Beim Bombenangriff auf Würzburg am 16. März 1945 wurde die Pleicher Schule weitestgehend zerstört. Die Ruine wurde 1954/55 zugunsten eines Neubaus von Rudolf Schlick vollständig beseitigt.

Baubeschreibung[Bearbeiten]

Die große vierflügelige Anlage um einen Innenhof war im einfachsten Barock in der Juliuspromenade (alte Adresse: I. Distrikt, Nr. 329 [1]) errichtet worden und zeigte eine dreigeschossige zehnachsige Fassade. Den Mittelpunkt bildete das durch zwei auf Sockel stehenden Säulen und Halbsegmentgiebelschenkel akzentuierte Portal mit dem bekrönenden Wappen des Fürstbischofs Johann Gottfried von Guttenberg. Außer den Eckrustika, den geohrten Fensterrahmen und den einfachen Gurtgesimsen wies das Gebäude keinen Schmuck auf.

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen und Literatur[Bearbeiten]

  • Antje Hansen und Suse Schmuck: Das ehemalige Zuchthaus von Peter Speeth. Hefte für Würzburg 6, Heiner-Reitberger-Stiftung (Hrsg.), Würzburg 2017, S. 8 f. (Stadtbücherei Würzburg Drk 1 Han)
  • Jörg Lusin: Würzburg, wie es früher war. Band 1. Mainpresse Zeitungsverlagsgesellschaft mbH & Co, Würzburg 1999, S. 19 ff.
  • Felix Mader: Die Kunstdenkmäler des Königreichs Bayern. Band XII, Hrsg.: Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, R. Oldenbourg Verlag München/Wien, Würzburg 1915, S. 548 (Stadtbücherei Würzburg Drk 1 Kun)
  • Thomas Memminger: Würzburgs Straßen und Bauten. 3. Auflage, Gebrüder Memminger Verlagsbuchhandlung, Würzburg 1923, S. 180 (Stadtbücherei Würzburg Dek 4 Mem)
  • Carl Gottfried Scharold: Würzburg und seine Umgebungen. Ein Wegweiser und Erinnerungsbuch. Etlinger, Würzburg 1836, S. 274 f. (Online-Fassung bei Franconica-Online)
  • Herbert Schott: Franz Ludwig von Erthal und die Stadt Würzburg. In: Franz Ludwig von Erthal, Fürstbischof von Bamberg und Würzburg 1779-1795. Hrsg. von Renate Baumgärtel-Fleischmann, Diözesanmuseum Bamberg, 1995, S. 131 (Stadtbücherei Würzburg Den Ert)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

Kartenausschnitt[Bearbeiten]

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