Karl Friedrich von Marcus

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Prof. Dr. Karl Friedrich von Marcus, auch Carl Friedrich von Marcus - fälschlich auch Markus geschrieben - (* 2. September 1802 in Bamberg; † 23. August 1862 in Würzburg) war Mediziner, ordentlicher Professor der Medizinischen Fakultät der Universität Würzburg, Leiter der Medizinischen Klinik am Juliusspital sowie „Begründer der ersten ständigen psychiatrischen Klinik Deutschlands“. [1]

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Carl Friedrich ist der Adoptivsohn des 1781 vom jüdischen Glauben zur katholischen Konfession übergetretenen Arztes und als Leibarzt des Bamberger Fürstbischofs sowie als Chefarzt des Bamberger Allgemeinen Krankenhauses tätigen Adalbert Friedrich Marcus (1753-1816). Nach der Schulzeit in Bamberg zog Marcus 1817 nach Würzburg, wo sein Vater von 1776 bis 1778 seine medizinische Ausbildung komplettiert hatte. [2] Hier widmete sich Carl Friedrich nach einem einjährigem Kurs der Allgemeinen Wissenschaften dem Medizinstudium. Als Assistent von Johann Lukas Schönlein am Juliusspital wurde er mit einer Arbeit über Erkrankungen der Wirbelsäule 1822 promoviert und bestand 1823 das Approbationsexamen. Im folgenden Jahr wurde er als Mitglied der allgemeinen deutschen Burschenschaft in eine strafrechtliche Untersuchung wegen Teilnahme an einer angeblich hochverräterischen Verbindung verwickelt und musste in München eine 13-monatige Untersuchungshaft wegen unerwünschter politischer Betätigung verbüßen. Die Untersuchung endete ohne Ergebnis und Marcus ging 1825 als Assistent des Internisten Johann Nepomuk von Ringseis ans Allgemeine Krankenhaus München. Danach wurde er 1827 zum Gerichtsarzt in Leutershausen und im selben Jahr zum Amtsarzt in Aichach (Unterdonaukreis) ernannt. [3]

Professor in Würzburg[Bearbeiten]

1832 erhielt Marcus einen Ruf als Schönleins Nachfolger zum ordentlichen Professor für Medizinische Klinik, Spezielle Pathologie und Therapie an die Julius-Maximilians-Universität Würzburg und wirkte ab 1833 als Oberarzt am Juliusspital. Hier entwickelte er in empirischer Richtung die Lehren seines Doktorvaters weiter und entwickelte neue Untersuchungsmethoden.

Ab dem Sommersemester 1834 hielt der vielseitige Mediziner regelmäßige Vorlesungen über Psychiatrie mit klinischen Demonstrationen ab. [4] Durch diese hat Marcus entscheidend zur Verbreitung der Kenntnisse in der Psychiatrie, besonders nach ihrer praktischen Seite hin gewirkt. Erstmals unterschied Marcus zwischen heilbaren und unheilbaren psychischen Erkrankungen. Einen offiziellen Lehrauftrag für das Fach Psychiatrie erhielt er 1848.

Zu seinen Aufgaben gehörte auch die Betreuung der 1840 errichteten Kinderabteilung, woraus die von Marcus 1847 eingeweihte „Separat-Anstalt für Kinder“ und unter Professor Franz von Rinecker im November 1850 die erste Universitäts-Kinderklinik der Welt entstand. [5]

Ab 1836 hatte Marcus auch das Nominalfach Geschichte der Medizin gelehrt, worin beispielsweise der spätere Augenarzt Robert von Welz unter Marcus als Doktorvater 1841 promoviert wurde.

Als Hofrat Marcus ein stärker werdendes, letztendlich zur Erblindung geführtes Augenleiden im Wintersemester 1853/54 um die Enthebung von der Professur der Medizinischen Klinik nachsuchen ließ, behielt er sich jedoch die Abhaltung der psychiatrischen Demonstrationen vor, setzte diese wie auch eine Tätigkeit als „Hausarzt“ am Juliusspital bis kurz vor seinem Tode fort.

Die Grabrede am 25. August 1862 hielt der Oberbibliothekar und Landtagsabgeordnete Anton Ruland[6] [7]

Marcus' Werk setzten 1854 der Rokitansky-Schüler Heinrich von Bamberger [8] und 1863 Franz von Rinecker fort.

Rektor der Universität[Bearbeiten]

Von 1838 bis 1839 war Hofrat von Marcus Rektor der Universität.

Ehrungen und Auszeichnungen[Bearbeiten]

Posthume Würdigung[Bearbeiten]

Nach ihm wurde die Marcusstraße in der Würzburger Altstadt benannt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen und Literatur[Bearbeiten]

  • Melchior Josef Bandorf: „Marcus, Karl Friedrich von“ in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 20 (1884), S. 307–308
  • Thomas Sauer und Ralf Vollmuth: Briefe von Mitgliedern der Würzburger Medizinischen Fakultät im Nachlaß Anton Rulands. Quellen zur Geschichte der Medizin im 19. Jahrhundert mit Kurzbiographien, Würzburger medizinhistorische Mitteilungen 9 (1991), S. 135-206, S. 161 f.
  • Erhart Kahle: Marcus, Carl Friedrich von, in: Enzyklopädie Medizingeschichte, hrsg. von Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil und Wolfgang Wegner, Walter de Gruyter, Berlin und New York 2005, S. 892
  • Rudolf Wolf: Das Leben und Wirken von Carl Friedrich von Marcus, medizinische Dissertation, Würzburg 1980

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Andreas H. Mahnken und Axel W.-O. Schmidt: Dr. med. Ernst Schmidt (1830-1900) - Revolutionär und Arzt. Würzburger medizinhistorische Mitteilungen 20 (2001), S. 311-318; S. 312, Anm. 10 (zitiert)
  2. Werner E. Gerabek: Marcus, Adalbert Friedrich, in: Enzyklopädie Medizingeschichte, hrsg. von Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil und Wolfgang Wegner, Walter de Gruyter, Berlin und New York 2005, S. 891
  3. Erhart Kahle: Marcus, Carl Friedrich von, in: Enzyklopädie Medizingeschichte, hrsg. von Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil und Wolfgang Wegner, Walter de Gruyter, Berlin und New York 2005, S. 892
  4. Otto Schrappe †: Psychiatrie in Würzburg und Psychiatrische Universitätsklinik Würzburg in den letzten 5 Jahrzehnten, Würzburger medizinhistorische Mitteilungen 1 (1983), S. 91-106, S. 92
  5. Reinhard Jeschke: Meilensteine in der Geschichte der Universitäts-Kinderklinik Würzburg. Würzburger medizinhistorische Mitteilungen 20 (2001), S. 96-107; S. 96-99 (Online-Version)
  6. Anton Ruland: Worte in der Begräbnisstunde des Herrn Hofrathes und Professors Dr. Carl Friedrich v. Marcus am 25. August 1862 Abends nach 5 Uhr, Erinnerungsblatt für die Freunde des Geschiedenen, Würzburg 1862
  7. Thomas Sauer und Ralf Vollmuth, a.a.O., S. 161, Anm. 62, S. 164 und S. 205
  8. R. Schwab: Über die Bedeutung des Juliusspitals für die Entwicklung der Inneren Medizin, Sonderdruck aus der Festschrift zur Einweihung der wiederaufgebauten Pfarrkirche des Juliusspitals 1593, S. 22
  9. Rita Stauber: Robert Ritter von Welz, medizinische Dissertation, Würzburg 1983, S. 115 (Welz schreibt in einer Widmung für seinen Doktorvater Marcus „Ritter des Civil-Verdienstordens der bayerischen Krone“)